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Februar 27, 2025

Das Anlegerprofil – die Blaupause für Ihr Portfolio

  Gesammelt von myLIFE team myINVEST Februar 27, 2025 13

Es gibt viele Möglichkeiten, an den Finanzmärkten zu investieren. Welcher Ansatz der richtige für Sie ist, hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen, Ihren langfristigen finanziellen Zielen und den finanziellen und anderweitigen Ressourcen ab, die Ihnen zur Verfügung stehen. Ihr Berater wird diese verschiedenen Elemente in Ihrem Anlegerprofil zusammenführen, das als Grundlage und Leitfaden für den Aufbau Ihres Portfolios dient.

Bei Ihrem Anlegerprofil geht es darum, das richtige Verhältnis zwischen Risiko und Rendite zu finden. Verschiedene Anlagen haben unterschiedliche Risiko- und Renditemerkmale – von Aktienanlagen mit einem Fokus auf Schwellenländern oder Technologiewerten bis hin zu risikoarmen Anleihen von Staaten oder großen Unternehmen. Einige Anlagen sind darauf ausgelegt, Erträge für die Anleger abzuwerfen, andere sind eher auf langfristiges Kapitalwachstum ausgerichtet.

Bevor Sie die Vor- und Nachteile verschiedener Anlagen abwägen, sollten Sie eine realistische Einschätzung in Bezug auf bestimmte Punkte treffen. Dazu zählen Ihre Risikofähigkeit und -bereitschaft, Ihr Anlagehorizont, Ihr Lebensstil und Ihre Ressourcen sowie die von Ihnen angestrebte Rendite.

Wie genau diese Einschätzung ausfällt, könnte zum Teil davon abhängen, in welcher Lebensphase Sie sich gerade befinden: Sind Sie ein Berufseinsteiger, der mit seinen Anlagen langfristig für den Ruhestand vorsorgen möchte, oder stehen Sie kurz vor dem Ende Ihrer beruflichen Laufbahn? Dies hat Einfluss darauf, wie lange Sie investieren müssen und wie viel Risiko Sie eingehen können. Darüber hinaus ist Ihr Anlegerprofil aber auch von Ihrer Persönlichkeit, Ihren Wünschen und Ihrem Verständnis der Finanzmärkte abhängig.

Ihr Anlegerprofil hängt zum Teil von Ihrer aktuellen Lebensphase ab, die Einfluss darauf hat, wie lange Sie investieren müssen und wie viel Risiko Sie eingehen können, aber auch von Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Verständnis der Finanzmärkte.

Es gibt vier wesentliche Punkte, die zu berücksichtigen sind.

Ihre Anlageziele

Bei diesem Punkt geht es um die finanziellen Pläne, die Sie mit der Anlage verwirklichen möchten. Möchten Sie für Ihren Ruhestand vorsorgen oder Geld für die Ausbildung Ihrer Kinder zurücklegen, oder geht es Ihnen um ein kurzfristigeres Ziel wie den Kauf einer Immobilie? Dies wirkt sich darauf aus, wie lange Sie investieren müssen, ob Sie kurzfristige Schwankungen Ihres Kapitals hinnehmen können und ob es wichtig für Sie ist, dass Sie mit Ihrer Anlage ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaften.

Ihr Anlagehorizont ist der Zeitraum, über den Sie die Anlagen in Ihrem Portfolio halten. Wenn Sie zwischen 20 und 30 Jahre alt sind und mit 60 bis 70 in Rente gehen wollen, ist es am wichtigsten, dass Sie mit Ihrem Portfolio ein möglichst starkes Kapitalwachstum erzielen. Das größte Risiko besteht darin, dass Ihr Portfolio nicht mit der Inflation Schritt hält. Da Sie über einen sehr langen Zeitraum anlegen können, sind Sie jedoch gut aufgestellt, um vorübergehende Schwankungen am Aktienmarkt zu verkraften. In einem solchen Szenario könnte Ihr Portfolio einen größeren Anteil an eher risikoreichen Anlagen wie Aktien enthalten.

Wenn Sie das Kapital jedoch innerhalb der nächsten fünf Jahre benötigen, sollten Sie wahrscheinlich auf eher risikoarme Anlagen setzen. Dazu zählen etwa Staatsanleihen von Industrieländern, qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen und Aktien der langfristig solidesten und leistungsstärksten Unternehmen.

Ihre Risikoeinstellung

Dies bezieht sich auf Ihre Bereitschaft, Risiken und kurzfristige Wertschwankungen Ihres Portfolios in Kauf zu nehmen. Die maßgeblichen Kriterien dafür sind insbesondere Ihr Anlagehorizont und Ihr Investitionsvolumen, aber auch Ihre Persönlichkeit und Ihre allgemeine Risikobereitschaft spielen eine Rolle.

Ihre Bank ist gesetzlich verpflichtet, vor einer Anlageberatung zunächst Ihr Risikoprofil zu ermitteln. Es ist aber auch wichtig, dass Sie selbst genau verstehen, was mit „Risikotoleranz“ gemeint ist. Auch wenn sich die Bank in erster Linie mit objektiven Aspekten befasst, lässt sich das Risiko bei Kapitalanlagen nicht darauf beschränken. Es geht dabei nicht alleine darum, wie Sie sich im Hinblick auf die mitunter unvorhersehbaren Schwankungen der Märkte positionieren. Risiko hat auch eine subjektive Dimension, und deshalb müssen bei den Festlegungen in diesem Bereich die grundlegenden Ziele und der Lebensweg des Anlegers berücksichtigt werden.

Risiko hat auch eine subjektive Dimension, und deshalb müssen bei den Festlegungen in diesem Bereich die grundlegenden Ziele und der Lebensweg des Anlegers berücksichtigt werden.

Ihr Verständnis von Finanzinstrumenten

Wissen stärkt in der Regel das Selbstvertrauen. Wenn Sie mit dem Aktienmarkt vertraut sind und einige Marktzyklen mit ihren Boom- und Bust-Phasen miterlebt haben, werden Sie verstehen, dass die Kurse zwar steigen und fallen, die Märkte sich früher oder später jedoch fast immer erholen. Menschen, die keine Erfahrung damit haben, können allerdings durch Börsenturbulenzen verunsichert werden, die möglicherweise den Wert von investierten Ersparnissen mindern – selbst wenn dieser Effekt nur von kurzer Dauer sein mag.

Es kann sich für Sie auszahlen, sich mit den Grundlagen des Investierens vertraut zu machen. Es lohnt sich, ein besseres Verständnis der angebotenen Finanzinstrumente zu entwickeln und sie richtig einordnen zu können. Zögern Sie nicht, sich an Ihren Kundenbetreuer wenden, falls Sie nähere Erklärungen zu einem bestimmten Finanzinstrument benötigen.

Ihre finanziellen Möglichkeiten

Dies ist der letzte Faktor, der bei der Festlegung Ihres Risikoprofils zu berücksichtigen ist. Er umfasst Ihre Einkommensquellen, etwaige finanzielle Verpflichtungen und die Frage, wie viel Kapital Sie für eine Anlage erübrigen können.

Wenn Sie nur über geringe Mittel verfügen, schränkt dies Ihre Fähigkeit ein, Risiken einzugehen. Anleger mit einem großen Vermögen können ein höheres Risiko eingehen, da sie potenzielle Verluste in der Regel besser verkraften können. Die Analyse Ihres Anlegerprofils muss dementsprechend auch eine Schätzung dahingehend beinhalten, über welche finanziellen Mittel Sie insgesamt verfügen und welchen Betrag Sie für die Finanzierung Ihrer Ziele zurücklegen können.

Seit 2022 sind Finanzintermediäre, einschließlich Banken, durch die MiFID-Vorschriften der EU dazu verpflichtet, Nachhaltigkeitspräferenzen in den Anlegerprofilen ihrer Kunden zu berücksichtigen.

Wie wird Nachhaltigkeit dabei einbezogen?

Seit August 2022 sind EU-Banken durch die MiFID-Vorschriften der EU dazu verpflichtet, Nachhaltigkeitspräferenzen in den Anlegerprofilen ihrer Kunden zu berücksichtigen.

Die damit verbundenen Fragen mögen komplex erscheinen, wenn man sich mit dem Thema nicht gut auskennt. Sie sind so gestaltet, dass bei der Beantwortung nicht nur Ihr Interesse an nachhaltigkeitsbezogenen Investitionen, sondern auch Ihre Prioritäten erfasst werden. Interessieren Sie sich beispielsweise für ein Anlageportfolio, das mit der EU-Taxonomie für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten im Einklang steht? Ziehen Sie Produkte vor, die „nachhaltige Investitionen“ nach Definition der Verordnung (EU) 2020/852 („SFDR“) tätigen – die also in Wirtschaftstätigkeiten investieren, welche zur Erreichung von Umweltzielen oder sozialen Zielen beitragen, wobei zugleich sichergestellt wird, dass durch diese Investitionen keine anderen Ziele erheblich beeinträchtigt werden? Oder möchten Sie in Produkte investieren, die nachteilige Auswirkungen auf ESG-Kriterien begrenzen, bei denen also die sogenannten „wichtigsten nachteiligen Auswirkungen“ berücksichtigt werden?

Bei der Erstellung des Anlegerprofils wird auch ermittelt, ob Ihre Nachhaltigkeitspräferenzen besonders stark auf bestimmte Faktoren ausgerichtet sind und welchem Bereich diese Faktoren gegebenenfalls zugeordnet werden können: Umwelt (z.B. Klimawandel und Biodiversität), Soziales (z.B. Menschenrechte, Arbeitsnormen und Vielfalt) oder Unternehmensführung (z.B. Bestechung, Korruption und Zusammensetzung von Führungs- und Aufsichtsgremien).

Weitere Informationen über den Abschnitt „Nachhaltigkeitspräferenzen“ Ihres Anlegerprofils können Sie beispielsweise dem Dokument „Wie bewertet die BIL meine Nachhaltigkeitspräferenzen und definiert mein Nachhaltigkeitsprofil?“ entnehmen.

Zusammenführung unterschiedlicher Anlagen im Rahmen einer Anlagestrategie

Ihr Anlegerprofil dient als Grundlage für die Ausarbeitung einer Anlagestrategie, die Ihnen helfen soll, Ihre Anlageziele zu erreichen. Es gibt eine Reihe von Kategorien, in die Anlageportfolios grob eingeteilt werden können. Defensive Portfolios zielen beispielsweise darauf ab, Ihr Kapital zu schützen. Sie stehen üblicherweise im Zusammenhang mit einem Anlegerprofil, das ein vorsichtiges Anlageverhalten erfordert, und sind vor allem darauf ausgelegt, Schwankungen des Werts Ihrer Ersparnisse so gering wie möglich zu halten. Eine solche Ausrichtung kann Ihre Rendite im Laufe der Zeit einschränken, eignet sich aber für einen kürzeren Anlagehorizont von zwei bis vier Jahren.

Ein risikoarmes Portfolio enthält Anlagen, die im Vergleich dazu mit einem größeren Risiko verbunden sind. Es ist für Anleger gedacht, die eine etwas höhere Rendite anstreben und bereit sind, einen kleinen Teil ihres Kapitals einem gewissen Risiko auszusetzen. Dieser Ansatz, bei dem es wichtig ist, eine Überreaktion auf vorübergehende Kurseinbrüche zu vermeiden, eignet sich für einen Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren.

Portfolios mit mittlerem und höherem Risiko enthalten Anlagen mit höherer Volatilität und eignen sich für einen längeren Anlagehorizont. Bei den aggressivsten Portfolios kann er sich auf bis zu 10 Jahre erstrecken.

Am Anfang steht in jedem Fall Ihr Anlegerprofil, die Blaupause für Ihre gesamte Anlagestrategie. Ihr Finanzberater wird sich nötige Zeit nehmen, um sicherzustellen, dass die von Ihnen gewählte Anlagestrategie Ihren Plänen und Ambitionen möglichst genau entspricht.