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Mai 27, 2022

Inflation verstehen

  Gesammelt von myLIFE team me&myFAMILY Dezember 3, 2021 45

Nicht nur für Ökonomen ist Inflation ist ein wichtiges Thema, das regelmäßig in den Medien diskutiert wird und häufig auch Ängste auslöst. Doch worum geht es dabei wirklich? Wie wirkt sich Inflation auf Ihre Kaufkraft und Ihre Ersparnisse aus? Ist sie zwangsläufig etwas Schlechtes? myLIFE bringt Licht ins Dunkel.

Was ist Inflation?

Inflation bezeichnet einen allgemeinen und dauerhaften Anstieg der Preise eines Waren- und Dienstleistungskorbs über einen bestimmten Zeitraum. Eine Inflation von 2 % bedeutet, dass Sie für diesen Waren- und Dienstleistungskorb, wenn er vor einem Jahr noch 100 Euro kostete, heute 102 Euro bezahlen müssen.

Inflation bezeichnet einen allgemeinen und dauerhaften Anstieg der Preise eines Waren- und Dienstleistungskorbs über einen bestimmten Zeitraum.

Zahlreiche Faktoren können die Inflation beeinflussen, und ihre Ursachen und Auswirkungen sind regelmäßig Gegenstand von Diskussionen unter Wirtschaftswissenschaftlern. Zu nennen sind hier insbesondere:

    • ein Anstieg der Rohstoffpreise oder Lohnkosten
    • eine Nachfrage nach Waren oder Dienstleistungen, die schneller steigt als das verfügbare Angebot, oder ein sinkendes Angebot bei gleichbleibender Nachfrage
    • eine Abwertung des Euro im Vergleich zu anderen Währungen, was insbesondere einen Anstieg der Importpreise zur Folge hat
    • eine im Vergleich zu den auf dem Markt verfügbaren Waren und Dienstleistungen zu hohe Geldmenge

Zur Berechnung der Inflationsrate ermittelt das luxemburgische Statistikamt Statec regelmäßig den durchschnittlichen Anstieg des Verbraucherpreisindex. Dieser Index wird im Rahmen einer repräsentativen statistischen Erhebung auf der Grundlage der Preise von Hunderten von Waren und Dienstleistungen berechnet, die einen großen Teil unserer durchschnittlichen Ausgaben ausmachen. Dazu gehören etwa Lebensmittel, Energie, Transport und Wohnen. Die Zusammensetzung des Index wird regelmäßig angepasst. 2020 lag die Inflationsrate in Luxemburg bei 0,82 % und damit über dem europäischen Durchschnitt.

Inflation – ein Problem für meine Kaufkraft?

Inflation bedeutet, dass der Wert des Geldes bzw. der Wert eines Euro variabel ist, was sich entsprechend auf die ebenso variable Kaufkraft auswirkt. Wenn die Inflation steigt, sinkt die Kaufkraft. Um diese negativen Auswirkungen zu begrenzen, werden die Löhne und Gehälter in Luxemburg regelmäßig an die Preisveränderungen des Warenkorbs angepasst. Es handelt sich hierbei um die automatische Lohnindexierung, die eingeführt wurde, um die Minderung der Kaufkraft der Arbeitnehmer auszugleichen. Dank dieses Systems werden Gehälter, Pensionen, Renten und sonstige Leistungen um 2,5 % erhöht, wenn der Durchschnittswert der vergangenen sechs Monate einen bestimmten Grenzwert erreicht oder überschreitet. Der Rückgang der Kaufkraft wird somit mit einer leichten Verzögerung ausgeglichen.

Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, dass Inflation zwangsläufig etwas Schlechtes ist, das um jeden Preis verhindert werden muss. Die großen Zentralbanken streben nicht ohne Grund eine moderate und konstante Inflation an, die idealerweise bei 2 % oder etwas darunter liegt.

Eine moderate und vorhersehbare Inflation ermutigt die Wirtschaftsakteure, in ihre Produktionskapazitäten zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen, da die Unsicherheit über die künftigen Einnahmen aus diesen Investitionen abnimmt. Eine zu geringe oder negative Inflation wirkt wie ein schwarzes Loch und deutet auf eine schwache Nachfrage hin. Bei einer zu hohen Inflation ist es hingegen schwierig, die Rentabilität von Investitionsprojekten abzuschätzen. Es kommt folglich auf das richtige Gleichgewicht an.

Was für Unternehmen gilt, gilt auch für Privatpersonen, allerdings aus etwas anderen Gründen. Ein Sparer, der heute auf Ausgaben verzichtet, um sein Kapital zu vermehren, will eine Rendite auf seine Ersparnisse erzielen, die zumindest den Preisanstieg ausgleicht. Andernfalls wird seine Kaufkraft in Zukunft niedriger sein als heute, sodass Sparen kaum noch sinnvoll ist. In einem solchen Fall sollte er sich daher anderen Anlagen zuwenden.

Sparen oder Anlegen – was zahlt sich aus?

Vielleicht ziehen Sie es ebenso wie viele andere vor, Ihr Geld sicher auf einem Sparkonto aufzubewahren, statt es anzulegen. Doch bei einem Inflationsanstieg kann angesichts der niedrigen Zinsen auch Ihr Erspartes an Kaufkraft verlieren. Wenn der Zinssatz auf Ihrem Konto unter der Inflationsrate liegt, sinkt der Wert Ihres Geldes. Jeder weiß, dass man mit 500 Euro heute nicht mehr so viel kaufen kann wie vor 15 Jahren. Selbst wenn Ihr Kontoguthaben gleich bleibt oder sich geringfügig erhöht, laufen Sie Gefahr, Kaufkraft zu verlieren und somit ärmer zu werden. Warum nicht überschüssiges Geld in rentablere Anlagen investieren? Idealerweise erstellen Sie dazu gemeinsam mit Ihrem Bankberater einen an Ihre Situation angepassten Finanzplan. Darüber hinaus ist es unabhängig von der Inflation sinnvoll, sich die Frage nach dem richtigen Verhältnis zwischen Sparen und Anlegen zu stellen und dabei das Prinzip der Anlagepyramide zu beachten.

Im Allgemeinen ist Inflation tendenziell negativ für Sparer und Verbraucher und positiv für Kreditnehmer und Investoren.

Gewinner und Verlierer eines Inflationsanstiegs

Wenn Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft sinkt, ist dann ein Anstieg der Inflation zwangsläufig für alle negativ? Wie sich eine höhere Inflation für Sie auswirkt, hängt von Ihrer Situation ab. Im Allgemeinen ist Inflation tendenziell negativ für Sparer und Verbraucher und positiv für Kreditnehmer (bei Krediten mit festem Zinssatz) und Investoren. Folgende Beispiele veranschaulichen die möglichen Auswirkungen einer Inflation.

Beispiel 1:
Sie haben einen Studienkredit oder ein staatlich garantiertes Darlehen zur Finanzierung Ihrer Ausbildung aufgenommen? Gute Nachricht: Es handelt sich entweder um einen festen Kreditzins, oder Schwankungen werden vom Staat ausgeglichen. Der Gesamtbetrag Ihrer Schulden bleibt gleich, während ihr realer Wert im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten sinkt.

Beispiel 2:
Sie haben einen Teil Ihrer Ersparnisse auf einem Sparkonto angelegt, um für den Ruhestand vorzusorgen. Schlechte Nachricht: Ihre Kaufkraft sinkt. Wenn die Inflation über einen Zeitraum von 10 Jahren 2 % über der Rendite Ihrer Ersparnisse liegt, sinkt die Kaufkraft des verfügbaren Betrags um rund 18 %!

Beispiel 3:
Sie möchten Geld zur Finanzierung eines Projektes aufnehmen? Wenn die Inflation steigt und Sie einen festen Zinssatz wählen, ist dies vorteilhaft für Sie. Der angebotene feste Zinssatz liegt in der Regel über dem aktuellen variablen Zinssatz, sodass Ihre Zinskosten zu Beginn des Darlehens höher sind, aber nicht von der steigenden Inflation beeinflusst werden. Wenn Sie sich dagegen für einen variablen Zinssatz entscheiden, können Sie zwar kurzfristig Geld sparen. Am Ende könnte es jedoch teuer werden, wenn die Zinsen aufgrund der Inflation vor Ablauf der Rückzahlungsfrist deutlich steigen.

Beispiel 4:
Sie möchten investieren und Ihr Vermögen diversifizieren? Eine steigende Inflation dürfte, sofern sie unter Kontrolle bleibt, positiv für die Aktienmärkte sein, da sie die Wirtschaft ankurbelt. In diesem Fall ist mit höheren Unternehmensgewinnen zu rechnen, was langfristig wiederum zu potenziell höheren Dividenden und steigenden Aktienkursen führt.

Beispiel 5:
Sie sind im Ruhestand und verfügen abgesehen von Ihrer Rente über kein weiteres Einkommen? Ein allgemeiner Preisanstieg, vor allem bei Nahrungsmitteln und Energie, bedeutet, dass Ihre Kaufkraft sinkt. Glücklicherweise kann ein solcher Kaufkraftverlust in Luxemburg anschließend durch die automatische Lohnindexierung abgemildert werden. Am besten ist es, den Ruhestand sorgfältig zu planen und dabei den Einkommensrückgang zu berücksichtigen.

Die Inflation ist wichtig für das Funktionieren unserer kapitalistischen Volkswirtschaften, muss aber in Schach gehalten vorausschauend gesteuert werden. Auch der Einzelne sollte einige Dinge beachten, um nicht an Kaufkraft zu verlieren. Die Auswirkungen der Inflation sind je nach persönlicher Situation sehr unterschiedlich. Sprechen Sie hierüber mit Ihrem Bankberater. Er kann Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.