Meine Finanzen, meine Projekte, mein Leben
November 30, 2021

Intuition allein ist ein schlechter Ratgeber

  Gesammelt von myLIFE team myINVEST Oktober 28, 2021 9

Wenn es ums Geld geht, hilft solides Expertenwissen

Ob es ums Investieren, Kaufen oder Anlegen von Erspartem geht, sollte man dem eigenen Gefühl folgen. Oder ist Intuition eher ein schlechter Berater? Es geht gar nicht so sehr um das Für und Wider der Intuition, sondern vielmehr darum, zu definieren, wann es sinnvoller ist, auf Hilfe zu vertrauen. Etwa bei der Verwaltung der eigenen Finanzen und beim Umgang mit Geld im allgemeinen. Hier sollte man nämlich schwerwiegende Fehler vermeiden.

Bauchgefühl kann täuschen

Auch wenn man sie leicht erkennt, lässt sich Intuition nur schwer beschreiben. Viele sind mit ihren eigenen Intuitionen vertraut und bewundern Personen, die selbstbewusst einen gewissen „Instinkt“ an den Tag legen, um komplexe Situationen zu meistern. Intuition ist eine Form der unmittelbaren Erkenntnis, eine Art Gespür fürs Richtige. Völlig irrational ist aber auch sie nicht. Sie basiert nämlich auf den gewonnenen Erfahrungen und dem Wissen, das man sich angeeignet hat (Stichwort Expertenintuition).

In puncto Erfahrung muss man sich allerdings vor einem verzerrten Bild in Acht nehmen, das unbewusst unsere Urteilskraft verfälschen kann. Was wir für Intuition halten, kann beispielsweise Ausdruck übermäßigen Vertrauens sein. Wir tendieren dazu, nur die Informationen zu berücksichtigen, die die Gültigkeit unserer in langen Jahren aufgebauten Meinungen und Wertesysteme bestätigen.

So kann es etwa passieren, dass man in Bezug auf die Anlage seiner Ersparnisse so sehr Recht haben will, dass vor einer Entscheidung unbewusst nur die Informationen zurückbehalten werden, die die eigenen Gedankengänge bestätigen. Im Klartext: Die Geschichte wird sich (bewusst oder unbewusst) so zurechtgelegt, wie sie zusammenpasst.

Was wir für Intuition halten, kann auch durchaus das Ergebnis von Impulsen, Vorurteilen, Illusionen und Einflüssen verschiedener Dinge in unserer direkten Umgebung sein. Wie kann man das verhindern? Nun, indem man sich regelrecht dazu zwingt, die Gefühle der Gewissheit gründlich zu prüfen. Man muss lernen, seine Gefühle so effizient wie möglich einzuordnen, um jegliche kognitive Illusion, die den Entscheidungsprozess beeinträchtigen könnte, zu vermeiden.

Eine Geschichte wird sich so zurechtgelegt, wie sie zusammenpasst.

Nichts ersetzt Kompetenz

Nun könnte man denken, auch Experten – zum Beispiel Finanzberater – handelten aus dem Bauch heraus. Damit wären wir bei der sogenannten Expertenintuition, die kein Zufallsprodukt ist. Dass ein Chirurg sich mitten in der Operation plötzlich für das eine statt für das andere Verfahren entscheidet, um das Leben eines Patienten zu retten, hat eine lange Vorgeschichte. Diese zeichnet sich durch konkrete Erfahrung und Fachwissen aus.

20 000
Gehirnforscher gehen davon aus, dass ein Mensch pro Tag ca. 20 000 Entscheidungen trifft – bewusst oder unbewusst.

Fakt ist, dass spontane Urteile besonders in den Bereichen verlässlich sind, in denen wir solide Kompetenzen erworben haben. Man sollte sich also nichts vormachen: Intuitive Expertenkompetenzen werden in Jahren der Erfahrung und Praxis aufgebaut und in unserem Gehirn gespeichert. Deshalb kann ein Experte eine Situation, die eine stabile, schon einmal angetroffene Struktur aufweist, erkennen und seinem professionellen Instinkt folgen.

Auf Expertenintuition vertrauen, heißt übrigens auch jemanden zu Rate zu ziehen, der in nicht vorhersehbaren Umständen und einer komplett neuen Lage mit der nötigen Ruhe und Vorsicht handeln kann. Wenn beispielsweise an den Finanzmärkten Turbulenzen herrschen, ist es besser, ruhig zu bleiben und die verfügbaren Informationen zu analysieren, bevor man eine Entscheidung trifft. Hier ist es gefährlich, sich allein auf seinen Instinkt zu verlassen. Dessen ist sich ein erfahrener Anleger bewusst. Er hat die nötige Distanz und kann besonders in unruhigen Zeiten zu professionellen und überlegten Entscheidungen beitragen.

Aufgepasst: Um seine Arbeit möglichst effizient erledigen zu können, braucht ein Finanzberater und/oder Kundenbetreuer nicht nur Expertise und die richtige Distanz. Er muss wissen, was der Kunde will. Er muss dessen Anlegerprofil kennen, das die Kenntnisse und Erfahrungen, die Fähigkeit, Verluste zu tragen, sowie die Anlageziele beschreibt.

Ein Übungsplan in drei Schritten

Intuition muss man erarbeiten und trainieren, wie einen Muskel. Um die Verlässlichkeit der eigenen Intuition zu testen, sollte man ganz besonders auf Informationen achten, die dem Bauchgefühl widersprechen. Hier ein kleiner Übungsplan:

Schritt 1: Denken Sie an eine Situation, in der Sie sich auf Ihre Intuition verlassen haben und zu einem positiven Ergebnis gekommen sind. Um welchen Kontext handelte es sich? Was ist geschehen, und wie sah das Ergebnis aus? Können Sie die Faktoren benennen, die Sie veranlasst haben, Ihrer Intuition zu folgen? Beschreiben Sie sie.

Schritt 2: Denken Sie an eine Situation, in der Sie sich auf Ihre Intuition verlassen haben und zu einem negativen Ergebnis gekommen sind. Um welchen Kontext handelte es sich? Was ist geschehen, und wie sah das Ergebnis aus? Können Sie die Faktoren benennen, die Sie veranlasst haben, Ihrer Intuition zu folgen? Beschreiben Sie sie.

Schritt 3: Ziehen Sie daraus Schlüsse über Ihre persönlichen Überzeugungen und über die Bereiche und die Umstände, in denen Sie Ihrer Intuition besser trauen können.

Denken Sie immer daran, dass Sie selbst das letzte Wort haben.

Denken Sie bei all dem aber immer daran, dass Sie selbst das letzte Wort haben. Tiefe innere Ausgeglichenheit gegenüber einer zu treffenden Entscheidung ist immer ein positiver Faktor.