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August 15, 2022

Kunst um der Kunst willen

Der Kunstmarkt hat zurecht den Ruf, ein Spielplatz für leidenschaftliche Anleger zu sein: Kunst ist nicht selten teuer, häufig illiquide und stets unberechenbar. Dennoch ist dieser Bereich durchaus attraktiv für Menschen auf der Suche nach etwas Inspirierendem, das zugleich Wertsteigerungspotenzial besitzt.

Der Kunstmarkt ist riesig. 2019 lag der Umsatz weltweit bei 64 Mrd. US-Dollar. Dennoch hat auch hier die Corona-Pandemie ihre Spuren hinterlassen: 2020 fiel der Umsatz um mehr als 20 % auf rund 50 Mrd. US-Dollar, da infolge der Einschränkungen Galerien geschlossen blieben und die Verkäufe aus Auktionen und Ausstellungen zurückgingen. Am stärksten betroffen waren die Verkäufe aus Auktionen: Diese lagen mit 17,6 Mrd. US-Dollar 30 % unter denen des Vorjahres. Dieser Rückgang wurde zum Teil durch den wachsenden Online-Markt wettgemacht – allerdings nicht vollständig.

2021 erholte sich der Markt wieder; etwa die Hälfte der Händler meldete einen Umsatzanstieg. Das stärkste Umsatzwachstum der drei größten Märkte – der Großraum China, das Vereinigte Königreich und die USA – meldeten die asiatischen Händler in der ersten Jahreshälfte: Die Verkäufe waren über einen Zeitraum von zwölf Monaten um durchschnittlich 18 % angestiegen. Die Händler in Europa haben hingegen nach wie vor mit einem Vertrauensverlust zu kämpfen.

Laien aufgepasst!

Die Wirtschaft des Kunstmarktes ist komplex. Abgesehen von den Kosten für Farbe und Leinwand bzw. für das in einer Skulptur oder Installation verwendete Material hat Kunst keinen inneren Wert. Es ist alles eine Frage des Geschmacks. Dadurch ist es für unerfahrene Käufer äußerst schwer, sich zurechtzufinden. Geschmack und Wert werden oft von mächtigen Galerien vorgegeben. Entsprechend müssen Käufer, die Geld verdienen wollen, über die dominierenden Trends auf dem breiteren Markt im Bilde sein.

Den nächsten Andy Warhol vor dem Markt aufzuspüren, ist schwer – wenn nicht sogar unmöglich.

Aus diesem Grund ist das Anlegen in Kunst in erster Linie ein Hobby für vermögende Laien. Es gibt zwar einen Trend zum Online-Verkauf und einige digitale Plattformen haben es zu beachtlichem Erfolg gebracht, doch vielversprechende Künstler werden häufig früh von erfahrenen Agenten entdeckt, die ihre Karriere sorgfältig kuratieren. Den nächsten Andy Warhol vor dem Markt aufzuspüren, ist schwer – wenn nicht gar unmöglich.

Zudem sind die im Vorfeld aufzubringenden Kosten für Anlagen in Kunst hoch. Anleger sollten mit erheblichen Anfangsinvestitionen, Händlerprovisionen und Instandhaltungskosten – etwa für Reinigung und Versicherung – rechnen. Im Übrigen ist der Wiederverkaufsmarkt unvorhersehbar: Für einen angesagten Künstler kann es viele Käufer geben, doch Geschmack und Regeln (etwa im Falle von afrikanischer Kunst) ändern sich schnell. Anleger können sich nie sicher sein, dass es bei einem bestimmten Preis für ein Kunstwerk bleibt.

Um jeden Preis

Diese Eigenheiten schrecken jedoch längst nicht jeden ab. Es ist durchaus möglich, beachtliche Gewinne zu erzielen. 2017 wurde Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ im New Yorker Auktionshaus Christie‘s für 450 Millionen US-Dollar versteigert. Gerade einmal zwölf Jahre zuvor, zu einer Zeit, da die Authentizität des Werkes umstritten war, hatte es für bloß 10.000 US-Dollar den Besitzer gewechselt. Vermögende Käufer mit tiefen Taschen sind häufig mehr als bestrebt, eine solche Trophäe zu ergattern – um jeden Preis.

Am unteren Ende des Marktes erwerben viele Käufer Kunst allerdings weniger aus dem Streben nach Gewinn heraus denn aus Freude am Werk. Oftmals ist die Gewinnerzielung ein glücklicher Zufall und nicht der Hauptzweck des Kunsterwerbs.

Es gibt viele Möglichkeiten, Kunstwerke zu erwerben. Die meisten Menschen schauen sich zunächst in Galerien und auf Kunstmessen um. Auktionen hingegen sind eher etwas für ernsthaftere, erfahrenere Käufer. Der Kunstbereich bietet sich nicht für Spontankäufe an. Es ist ratsam, sich im Vorfeld zu informieren.

Wer darüber nachdenkt, einen armen Künstler zu unterstützen, sei daran erinnert, dass die Hälfte des Kaufpreises der Galerie zusteht.

Auf Webseiten wie Artnet, wo Versteigerungen bis ins Jahr 1985 einsehbar sind, lassen sich die bisherigen Verkäufe eines Künstlers recherchieren. Die von den Galerien geforderten Preise sind nicht in Stein gemeißelt. Interessenten sollten keine Angst haben, zu verhandeln. Übrigens: Wer darüber nachdenkt, einen armen Künstler zu unterstützen, sei daran erinnert, dass die Hälfte des Kaufpreises der Galerie zusteht.

Beratung lohnt sich

Wenn Sie vorhaben, sich an Auktionen heranzutasten, sollten Sie sich an einen Kunstberater wenden. Er unterstützt Sie (gegen Gebühr) beim Kunsterwerb. Auktionen können verwirrend und einschüchternd sein. Es ist daher empfehlenswert, zunächst ein paar dieser Veranstaltungen zu besuchen, bevor man konkrete Verpflichtungen eingeht oder jemand anderen damit betraut.

Viele Kunstberater rechtfertigen ihr Honorar damit, dass sie Ermäßigungen aushandeln können. Auch online gibt es Auktionen – etwa bei Sotheby’s und eBay –, doch sollte man vor dem Handel sicher sein, dass der Verkäufer vertrauenswürdig ist.

Berater schlagen oft vor, sich unter den erschwinglicheren Werken bekannter Künstler umzusehen. Häufig produzieren diese limitierte Auflagen zu einem geringeren Preis. Es besteht ein wachsendes Online-Angebot, was es Anlegern ermöglicht, sich in einem zwanglosen Rahmen auszuprobieren. Während der Gesamtumsatz 2020 sank, verdoppelte sich der Wert der Online-Verkäufe auf einen neuen Rekord von 12,4 Mrd. US-Dollar, und ihr wertmäßiger Marktanteil kletterte von 9 % (2019) auf 25 %.

Eine andere Möglichkeit sind Künstlerateliers und Studentenausstellungen. Auch hier gilt: Wer auf Gewinne hofft, braucht ein gutes Auge. Häufig sind in diesem Umfeld erfahrene Talentscouts unterwegs, gegen die man ankommen muss. Dennoch kann dies ein Weg sein, ansprechende Kunstwerke zu einem vernünftigen Preis zu erwerben.

Über Fonds investieren

Es gibt spezielle Kunst-Fonds für den Erwerb erstklassiger Werke auf Auktionen. Viele davon sind in China angesiedelt, doch Instrumente wie MasterWorks stehen Anlegern auf der ganzen Welt offen. Kunstindizes wie die „Sotheby’s Mei Moses Indices“ etwa tragen Auktionspreise zusammen. Der Markt ist jedoch so facettenreich, dass sie im Hinblick auf die Aussichten für einzelne Künstler wenig aussagekräftig sind. Für börsengehandelte Fonds (ETFs) ist der Kunstmarkt zu illiquide.

Es gibt auch spezifischere Optionen. So nutzt der Artemundi Global Fund, ein privater Investmentfonds, das Prinzip der Rotation, um Anlegern den Zugang zu Kunstwerken zu ermöglichen. Sie können sich mal das Werk eines alten Meisters, mal das eines aufstrebenden Sterns an die Wand hängen. Dies ermöglicht es Käufern, den eigenen Geschmack zu erforschen und zu verfeinern sowie sich mit bestimmten Märkten vertraut zu machen.

Saatchiart wiederum bietet kuratierte Selektionen vielversprechender Künstler, die von hauseigenen Experten ausgewählt werden. Die Preise bewegen sich in der Regel zwischen 1.000 und 6.000 US-Dollar. Anleger werden hier keine geheimen Schätze ausgraben, doch auf diese Weise können sie kostengünstig den Trends der Experten folgen.

Mit Kunst lässt sich unter Umständen viel Geld verdienen. In aller Regel ist dies jedoch nicht der Grund, der Menschen zu einem Engagement auf diesem Markt bewegt. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist er unvorhersehbar. Möglicherweise ist es am besten, etwas zu kaufen, das einem gut gefällt, und darauf zu hoffen, dass es anderen genauso geht.

Die meisten Menschen schauen sich zunächst in Galerien und Kunstmessen um. Auktionen hingegen sind eher etwas für ernsthaftere, erfahrenere Käufer. Der Kunstbereich bietet sich nicht für Spontankäufe an.