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Oktober 23, 2021

Das richtige Alter für eine Erbschaft

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH April 13, 2021 73

Ein geerbtes Vermögen kann ein Segen sein, wenn die Erbschaft zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Es kann finanzielle Freiheit für die Nachkommen bedeuten, denen es ihnen dadurch möglich ist, ihre Träume zu verwirklichen, ohne auf ein Erwerbseinkommen angewiesen zu sein. Die Geschichten vieler wohlhabender Familien zeigen jedoch, dass sich Reichtum in jungen Jahren in manchen Fällen als Belastung erweisen kann, wenn es die jungen Erben davon abhält, beruflichen Ehrgeiz zu entwickeln, oder es sie zu schlechten Entscheidungen verleitet. Wann ist also der richtige Zeitpunkt?

Vererben ist ein schwieriges Thema. Wenn Sie zum falschen Zeitpunkt zu viel geben, riskieren Sie, dass Ihr hart erarbeitetes Vermögen von einer jüngeren Generation verschwendet wird, die noch nicht reif genug ist, um damit umzugehen. Und wenn Sie zu wenig geben, riskieren Sie Streit in der Familie und möglicherweise eine unnötige Steuerlast. In der Realität gibt es nicht das richtige Alter für eine Erbschaft, und manches liegt auch nicht in der Hand des Vererbenden. Es gibt jedoch viele Aspekte, die man berücksichtigen sollte.

Emotionale Reife

Die Einstellung zum Geld wird schon in jungen Jahren, im Alter von etwa fünf oder sechs Jahren, geprägt. Zwar lässt sich dann noch nicht sagen, ob die eigenen Kinder später verantwortungsvoll mit dem Erbe umgehen werden. Zu beobachten, wie sie mit ihrem eigenen Geld umgehen, kann aber bei Entscheidungen bezüglich der Nachlassplanung helfen. Wie gehen sie mit ihren Finanzen um? Geben sie nur Geld aus oder sparen sie auch?

Auch der Druck von Gleichaltrigen kann ein Faktor sein. Das größte Risiko ist, dass ein Kind sein Geld verschwendet. Es gibt Phasen, in denen dieses Risiko höher ist. Wenn Kinder reiche Freunde an der Schule oder Universität haben, werden sie vielleicht dazu verleitet, Geld auszugeben, um mit ihnen mitzuhalten. Mit Mitte 20 hingegen sind sie möglicherweise schon reif genug, um diesem Druck standzuhalten.

Es lohnt sich auch, darüber nachzudenken, wie man selbst in den verschiedenen Phasen seines Lebens mit einem großen Vermögen umgegangen wäre. Kinder übernehmen oft die Einstellung ihrer Eltern zum Thema Geld – in positiver wie in negativer Hinsicht. Deshalb hilft es, sich in die Lage des Kindes zu versetzen, um letztlich die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Kinder übernehmen oft die Einstellung ihrer Eltern zum Thema Geld.

Auswirkungen des Erbes

Die ersten Jahre eines Berufseinstiegs können hart sein. Oft fängt man relativ weit unten in der Hierarchie an, muss Überstunden leisten, hat wenig Autonomie und erhält eine verhältnismäßig geringe Vergütung. Diese frühen Jahre können jedoch sehr lehrreich und wichtig für die spätere Karriere sein. Es ist keineswegs sicher, dass Erben eines großen Vermögens die Motivation aufbringen, in solch schwierigen Zeiten am Ball zu bleiben.

Eltern sollten daher abwägen, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn ihre Kinder ein großes Vermögen erben, bevor sie sich beruflich etabliert haben. Schließlich bietet sich ihnen so die Möglichkeit, sich aus der Erwerbstätigkeit zurückzuziehen, was entsprechend negative Konsequenzen für ihre berufliche Zukunft haben kann. Sie könnten sich dazu entschließen, um die Welt zu reisen oder in den Vorruhestand zu gehen. So würden sie jedoch möglicherweise nie die persönliche Befriedigung und intellektuelle Erfüllung finden, die sich ihnen mit einer erfolgreichen Karriere bietet. Dies könnte wiederum dazu führen, dass sie den Anschluss an ihr persönliches Umfeld verlieren.

Reichtum bedeutet auch Verantwortung. Die Verwaltung eines großen Vermögens ist aufwendig und erfordert Know-how. Bei Immobilienvermögen muss man sich um die Mieter und die Instandhaltung kümmern; Anlageportfolios können von Experten verwaltet werden, aber der Erbe wird sich trotzdem mit diesen auseinandersetzen müssen. Bei einem jungen Erwachsenen im Alter von Mitte 20 kann man erwarten, dass er dieser Verantwortung gewachsen ist. Bei einer jüngeren Person sieht dies schon etwas anders aus.

Auch die Höhe des Erbes kann die Entscheidung beeinflussen, in welchem Alter das Vermögen übertragen werden soll. Eine Summe zu erben, die es einem ermöglichen würde, seine Erwerbstätigkeit aufzugeben, Immobilien zu kaufen und von den reinen Kapitalerträgen zu leben, ist ein lebensveränderndes Ereignis und damit etwas völlig anderes, als „nur“ eine Summe zu erhalten, mit der sich eine Anzahlung für ein Eigenheim leisten oder ein kleines Aktienportfolio erwerben lässt. Wenn jemand einen eher geringen Teil seiner Erbschaft durch Leichtfertigkeit verschwendet, kann sich dies im Nachhinein vielleicht noch als nützliche Lektion erweisen; geht es dagegen um ein großes Vermögen, kann dies für eine Familie eine Tragödie darstellen.

Welche Vorbereitungen sollten Familien treffen?

Unabhängig davon, welches Alter Sie letztlich als das richtige erachten, um Ihr Vermögen weiterzugeben, sollten Sie mit Ihren Kindern über die von Ihnen getroffenen Entscheidungen sprechen. Auch wenn manche Eltern befürchten, dass dies die Beziehung zu ihren Kindern schädigen könnte, ist es dennoch besser, wenn die Kinder im Voraus wissen, was auf sie zukommt, sie wichtige Finanzberater oder andere Berater kennengelernt haben und sich darüber im Klaren sind, was von ihnen erwartet wird.

Außerdem ist es ratsam, seinen Kindern schon im jungen Alter den richtigen Umgang mit Geld beizubringen  Kinder, denen der Wert von Geld vermittelt wird, die es gewohnt sind, über Geld zu sprechen, und die von klein auf Verantwortung für ihre Ausgaben und fürs Sparen tragen, haben im Erwachsenenalter in der Regel eine bessere Einstellung zum Geld.

Das richtige Alter

Das richtige Alter für eine Erbschaft ist vom Einzelfall abhängig, und es gibt nur wenige Menschen, die vor Mitte 20 reif genug sind, die Verantwortung für ein großes Vermögen zu übernehmen. Wer beabsichtigt, sein Vermögen vor oder nach dem Tod weiterzugeben, sollte dies durch die Einrichtung entsprechender Mechanismen regeln. Dies erfolgt häufig über die Gründung einer Treuhandstruktur. Es ist möglich, einen Treuhandvertrag zu schließen, der Auszahlungen in Abhängigkeit vom Alter der Erben oder bei bestimmten Lebensereignissen vorsieht, zum Beispiel zur Finanzierung des ersten Eigenheims, bei einer Heirat oder bei Erreichen des 35. Lebensjahres.

Pensionspläne können ebenfalls eine Rolle spielen, wenn es darum geht, die Vermögensübertragung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Es können kleinere Beträge in Pensionspläne eingezahlt werden, wobei die Auszahlungen zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt erfolgen.

Bei alledem muss jedoch genau abgewogen werden. Zum einen will niemand unnötig komplexe Strukturen schaffen. Und zum anderen sollte auch vermieden werden, dem Kind ein beträchtliches Vermögen zu hinterlassen, ohne sicherzustellen, dass es dazu in der Lage ist, richtig damit umzugehen. Überdies gibt es weitere Aspekte zu berücksichtigen, wie etwa die Besteuerung. Hier sind schwierige Entscheidungen zu treffen, die unter Umständen mit erheblichen Risiken verbunden sind – in diesen Prozess sollten daher alle Beteiligten eingebunden werden.

„Eltern sollten abwägen, welche Vor- und Nachteile es hat, wenn ihre Kinder ein großes Vermögen erben, bevor sie sich beruflich etabliert haben. Schließlich bietet sich ihnen so die Möglichkeit, sich aus der Erwerbstätigkeit zurückzuziehen, was entsprechend negative Konsequenzen für ihre berufliche Zukunft haben kann.“