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Oktober 23, 2020

Erfolgreich anlegen und den Planeten schützen!

Mehrere kognitive Verzerrungen hindern uns daran, unsere Verhaltensweisen in Anbetracht ökologischer Herausforderungen so zu ändern, dass wir zu verantwortungsbewussteren Verbrauchern werden. Was für unsere Konsumgewohnheiten gilt, trifft auch auf unser Handeln in Anlagefragen zu. Um unser Verhalten ändern zu können, müssen wir uns zunächst bewusst werden, dass jeder richtig investierte Euro dazu beiträgt, unseren Planeten zu schützen. Dies gilt sowohl für das Haushaltsbudget als auch für Anlagen an den Finanzmärkten.

In einem früheren Artikel mit dem Titel „Was Verbraucher von umweltfreundlichem Verhalten abhält“ haben wir beschrieben, dass es uns aufgrund von kognitiven Dissonanzen schwer fällt, unsere individuellen Konsumgewohnheiten zugunsten eines globalen Anliegens, wie etwa den Kampf gegen den Klimawandel, zu ändern. Dasselbe gilt auch für unser Verhalten in Bezug auf Anlagen an den Finanzmärkten. Doch wie kann man Abhilfe schaffen?

Das Zusammenspiel von Image und Wertentwicklung

Was tun Sie, wenn Sie im Supermarkt umweltfreundliche Produkte kaufen möchten? Sie bevorzugen wahrscheinlich Bio-Produkte, lokale Produkte oder Fairtrade-Produkte. Gleiches gilt auch in Anlagefragen. Wenn wir unser Geld umweltfreundlich anlegen möchten, müssen wir auf Nachverfolgbarkeit setzen und Anlagen bevorzugen, die neben klassischen finanziellen Erwägungen auch ESG-Kriterien berücksichtigen, d. h. Aspekte im Hinblick auf die Umwelt, Soziales und die Unternehmensführung. Vielleicht haben Sie bereits davon gehört, denn myLIFE berichtet regelmäßig darüber und holt Expertenmeinungen zu dem Thema ein.

Sie haben das Prinzip also verstanden. Dennoch glauben Sie weiterhin, dass zumindest in der Finanzwelt eine kleine Gruppe von Personen keine weltweiten Veränderungen bewirken kann? Sie irren sich!

Das Weltwirtschaftsforum hat kürzlich einen vielsagenden Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. In einem Bericht des CDP (Carbon Disclosure Project) wurden die 250 größten börsennotierten „Verschmutzer“ der Welt ermittelt. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Unternehmen, die einschließlich ihrer Wertschöpfungsketten für rund ein Drittel der jährlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Dass nur 250 Unternehmen für rund 30 % der gesamten Emissionen verantwortlich sind, zeigt, welchen Einfluss eine kleine Gruppe auf globaler Ebene haben kann.

Dass nur 250 Unternehmen für rund 30 % der weltweiten jährlichen Gesamtemissionen verantwortlich sind, ist einerseits bemerkenswert und zeigt andererseits, welchen Einfluss eine kleine Gruppe auf globaler Ebene haben kann. Folgt man dieser Logik, so kann die Anlegergemeinschaft eine Schlüsselrolle einnehmen, indem sie bei der Auswahl ihrer Finanzanlagen bevorzugt ESG-Kriterien berücksichtigt. Wenn Sie Zweifel an der Seriosität und Attraktivität dieser Anlagen haben, sollten Sie auch hier Ihre Vorurteile überdenken.

In Luxemburg ist das Angebot für Privatanleger und institutionelle Anleger, die auf ESG-Kriterien setzen möchten, besonders groß. Mit der Gründung der Luxembourg Green Exchange im Jahr 2016 nahm die Börse Luxemburg in diesem Zusammenhang nicht nur eine Vorreiterrolle ein, sondern schuf auch die weltweit größte Handelsplattform für grüne Anlagen. Der Handelsplatz veröffentlicht zudem regelmäßig Berichte über grüne Anlagen und ESG-Kriterien. Bevor Sie einen Termin mit Ihrem Kundenbetreuer vereinbaren, um gemeinsam eine grüne Anlagestrategie zu entwerfen, können Sie sich so zunächst selbst informieren.

Ein guter Ruf und soziale Verantwortung zahlen sich aus! Anlagen in Portfolios aus Unternehmen, die sich ESG-Aspekten bewusst sind und diese einbeziehen, sind finanziell interessanter.

Wenn Sie sich für grüne Anlagen entscheiden, können Sie sich aktiv für den Schutz des Planeten einsetzen – und zwar auch dann, wenn Sie nur geringe Beträge investieren können. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie Ihre Ersparnisse so langfristig gewinnbringend anlegen. Denn ESG-Kriterien sind mittlerweile zu einem guten Indikator für die Nachhaltigkeit eines Unternehmens und seines Geschäftsmodells geworden. Ein guter Ruf und soziale Verantwortung zahlen sich aus! Sie sind zu einer neuen gesellschaftlichen Anforderung geworden, von der die Attraktivität, die Beständigkeit und die Rentabilität grüner Unternehmen profitiert.

In einem 2019 erschienen Bericht mit dem Titel The Alpha and Beta of ESG Investing haben Anlageexperten von Amundi die Kursentwicklung von 1.700 Unternehmen analysiert, die in den MSCI-Indizes repräsentiert sind, und die Ergebnisse mit der ESG-Performance dieser Unternehmen verglichen. Die Ergebnisse sind sowohl für Europa als auch für die USA eindeutig. Denn laut der Studie erzielen Anlagen in Portfolios, die auf Unternehmen mit überdurchschnittlich hohen ESG-Bewertungen setzen, höhere Erträge. Noch interessanter ist jedoch, dass sich Unternehmen mit schlechten ESG-Bewertungen tendenziell unterdurchschnittlich entwickeln und für ihre Aktionäre langfristig gesehen geringere Erträge erwirtschaften. An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, dass sich die Studie auf Entwicklungen in der Vergangenheit bezieht und diese natürlich keine Rückschlüsse auf die zukünftige Wertentwicklung zulassen.

Die Gleichung gestaltet sich also nicht besonders schwierig, denn Sie können mit dieser Anlageform ernsthaft zur Rettung des Planeten beitragen und gleichzeitig Geld verdienen.

Die ESG-Kriterien der Anlagebranche befinden sich noch in der Entwicklungsphase und unterscheiden sich daher je nach Quelle erheblich.

Auswahl der Kriterien

Die ESG-Kriterien der Anlagebranche befinden sich noch in der Entwicklungsphase und unterscheiden sich daher je nach Quelle erheblich. Wir empfehlen Ihnen daher nachdrücklich, einen Experten zurate zu ziehen, der Ihnen bei Entscheidungen im Bereich ESG-Anlagen zur Seite steht. Vereinfacht ausgedrückt zeichnet sich die Anlageklasse durch mehrere Grundprinzipien aus, die sich zudem häufig ergänzen und miteinander kombiniert werden können:

  • Anlage gemäß dem „Best-in-Class“-Grundsatz, d. h. Auswahl der saubersten und in ihrer Branche führenden Unternehmen
  • Systematische ESG-Analyse der ausgewählten und für den Portfolioaufbau verwendeten Unternehmen (im Gegensatz zum vorstehenden Prinzip sind im Portfolio nicht zwangsläufig die Unternehmen mit den besten ESG-Bewertungen vertreten), zusätzlich zur traditionellen Finanzanalyse
  • Definition von Ausschlusskriterien, um die Unternehmen mit der schlechtesten Bewertung im Hinblick auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zu meiden
  • Beteiligung an Basisinitiativen, um Unternehmen über Anleger- und/oder öffentliches Engagement zu beeinflussen
  • Anwendung des „Impact Investing“-Ansatzes, d. h. Bevorzugung von Unternehmen, die ihre Gewinne in Projekte mit hohem sozialen oder ökologischen Mehrwert reinvestieren oder deren Wertschöpfungskette hohe Sozial- und Umweltstandards erfüllt

Abseits rein finanzieller Gesichtspunkte können Sie diese fünf Prinzipien auch in Ihrem Alltag umsetzen. Denn selbst wenn Sie sich nicht für Anlagen an der Börse interessieren, sind Sie nun mit dem Konzept vertraut, und Sie können mit Ihren alltäglichen Verhaltensweisen und Ausgaben durchaus positiven Einfluss auf unseren Planeten nehmen.

Nachhaltigkeit und alltägliche Ausgaben

Im Hinblick auf den „Best-in-Class“-Ansatz können Sie sich etwa für eine Versicherungsgesellschaft entscheiden, die auf gedruckte Mitteilungen verzichtet und die Möglichkeit bietet, Angelegenheiten ohne unnötige Fahrten online zu erledigen. Bei Versicherungsgesellschaften, die einen digitalen Safe anbieten, können Sie Ihre Dokumente ganz einfach und ohne Papierkram speichern. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern Ihre Dokumente werden auch besonders sicher aufbewahrt.

In den Bereich Ausschlusskriterien fällt etwa der Einwegbecher, in dem Sie auf Ihrem morgendlichen Arbeitsweg Ihren Kaffee bekommen. Wussten Sie, dass zum Beispiel in Großbritannien jeden Tag sieben Millionen Pappbecher benutzt und weggeworfen werden? Dies entspricht pro Jahr 6,5 Millionen gefällten Bäumen und Energie für 54.000 Haushalte. Mittlerweile werden Kunden, die ihren eigenen Mehrwegbecher mitbringen, zum Teil günstigere Preisen angeboten. Warum machen Sie nicht einfach auch mit? Sie schonen nicht nur die Umwelt, sondern werden auch positiv überrascht sein, wieviel Geld Sie durch kleine Änderungen bei Ihren Konsumgewohnheiten sparen können.

Um schließlich verantwortungsbewusster zu konsumieren, ist es sicher allen möglich, vor dem Kauf von Konsumgütern gemeinsam mit der Familie ein wenig zu recherchieren oder die Anforderungen leicht anzupassen. Viele bekannte Marken bieten Produkte an, die aus recycelten Materialien hergestellt werden, oder spenden einen Teil ihrer Gewinne für soziale oder ökologische Projekte. Bestimmte Unternehmen möchten durch die Entwicklung langlebiger Gebrauchsgüter sogar der geplanten Obsoleszenz ein Ende setzen. Erstellen Sie Ihren eigenen ESG-Bericht für Ihr Monatsbudget und setzen Sie erforderliche Änderungen um!

Einen Spezialisten für verantwortungsbewusste Anlagen zurate zu ziehen und für Kaufentscheidungen eigene ESG-Kriterien festzulegen, sind zwei Säulen eines Ansatzes, der die Folgen Ihrer Entscheidungen in Umweltfragen berücksichtigt. Als Bonus winken Ersparnisse im Alltag oder sogar überaus attraktive Renditen. Handeln Sie jetzt, denn Sie können Dinge zum Positiven verändern!