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Juli 12, 2020

Mithilfe einer Staatsbürgschaft zum Immobilienkauf

  Gesammelt von myLIFE team myHOME Mai 28, 2020 144

Es ist nicht immer einfach, die von Ihrer Bank für ein Immobiliendarlehen geforderten Sicherheiten vorzulegen. Wussten Sie, dass der Staat unter gewissen Voraussetzungen als Bürge für einen Teil Ihres Darlehens fungieren kann? Wie funktioniert das und wer ist anspruchsberechtigt? myLIFE hat die Antworten.

Sandra und Guillaume sind seit einigen Jahren ein Paar und haben jede Menge Pläne, wie etwa den Kauf eines Eigenheims. Ihnen ist bewusst, dass sie sich mit ihren bescheidenen Einkünften kein Traumschloss leisten können, doch sie haben bereits eine Immobilie ausfindig gemacht, die ihnen erschwinglich erscheint. Voller Hoffnung vereinbaren sie einen Termin mit ihrem Bankberater, um die Finanzierung des kleinen Hauses zu besprechen, in dem sie später einmal eine Familie gründen möchten.

Allerdings … verlangt die Bank trotz der Ersparnisse des Paares und trotz seines guten Profils (regelmäßige Einkünfte, geringer Verschuldungsgrad, sorgfältige Verwaltung ihrer Konten) Sicherheiten für die Gewährung eines Immobiliendarlehens (Hypothek, Eigenkapital usw.). Insbesondere verlangt sie Eigenmittel in Höhe von 10 % bis 20 % des Kaufpreises der Immobilie, um die Notar-, Anschaffungs- sowie sonstige Kosten zu decken. Sandra und Guillaume können diese Summe jedoch nicht aufbringen und auch keine ausreichenden Sicherheiten für den Erhalt des Darlehens vorlegen. Ebenso sind ihre Familien nicht in der Lage, sie finanziell zu unterstützen.

Müssen sie ihre Einrichtungs- und Dekorationsideen oder das geplante Kinderzimmer also abschreiben? Keineswegs, denn der Bankberater informiert das Paar darüber, dass unter bestimmten Bedingungen Beihilfen in Anspruch genommen werden können, die der Unterstützung der Haushalte beim Erwerb von Wohneigentum dienen –  insbesondere im Hinblick auf die erforderlichen Garantien.

Die Staatsbürgschaft betrifft den Teil des Darlehens, der 60 % der Gesamtinvestition überschreitet, darf jedoch nicht mehr als 30 % bzw. 145.853 Euro betragen.

Die Staatsbürgschaft: eine willkommene Starthilfe

„Kann ein Haushalt nicht genügend eigene Sicherheiten für einen Kredit für den Bau, den Erwerb oder die Sanierung von Wohnraum beibringen – wie bei Sandra und Guillaume der Fall – so kann der Staat unter bestimmten Voraussetzungen als Bürge für ein Hypothekendarlehen einspringen“, so der Berater. „Diese Vorrichtung wird als Staatsbürgschaft bezeichnet.“

Konkret bedeutet das, dass der Staat Ihnen dabei hilft, die für den Kredit erforderlichen Sicherheiten beizubringen. Dabei stellt er lediglich einen Teil der erforderlichen Sicherheiten zur Verfügung. Genauer gesagt betrifft die Staatsbürgschaft den Teil des Darlehens, der 60 % der Gesamtinvestition überschreitet. Sie darf jedoch nicht mehr als 30 % bzw. 145.853 Euro1 betragen.

Für Sandra und Guillaume scheint dies die Lösung für den Erhalt ihres Darlehens zu sein. Allerdings gilt es zunächst noch zu überprüfen, ob sie die Voraussetzungen für den Erhalt der Bürgschaft erfüllen.

Vorschriften und Bedingungen für den Erhalt einer Staatsbürgschaft

Gemeinsam mit ihrem Bankberater geht das Paar die unterschiedlichen Bedingungen für die staatliche Beihilfe durch.

  • Das Immobiliendarlehen muss dem Bau, dem Erwerb oder der Sanierung einer in Luxemburg befindlichen und als Hauptwohnsitz genutzten Immobilie dienen.
  • Einer der Kreditnehmer muss ein Bausparkonto besitzen und regelmäßige Einzahlungen (mindestens 290 Euro pro Jahr) vornehmen, und zwar seit mindestens drei Jahren beim selben Bankinstitut. Die Berechnung des Dreijahreszeitraums beginnt mit dem Tag, an dem das Vermögen auf dem Bausparkonto mindestens 240 Euro beträgt.
  • Die Bank muss ein Darlehen in Höhe von mindestens 60 % des Kaufpreises der Immobilie (bzw. der Kosten für die Bau-/Sanierungsarbeiten) gewähren.
  • Die Tilgungsrate des Darlehens darf 40 % des verfügbaren Gesamteinkommens aller Darlehensnehmer nicht überschreiten.
  • Der Sollzins darf den in Artikel 39 Absatz 1 der Großherzoglichen Verordnung in ihrer geänderten Fassung vom 5. Mai 2011 vorgegebenen Satz um maximal 3 % überschreiten.
  • Abschließend muss das Darlehen durch eine Hypothek auf die betroffene Immobilie abgesichert werden.

Nach dieser Bestandsaufnahme stellen Sandra und Guillaume fest, dass sie alle erforderlichen Kriterien erfüllen! Sie können also berechtigterweise auf die Unterstützung des Ministeriums hoffen, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Gut zu wissen: Eine Staatsbürgschaft kann auch gewährt werden, wenn das Darlehen bei einer Bank oder einem zugelassenen Finanzinstitut außerhalb des Großherzogtums (in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum) aufgenommen wird.

Die Bürgschaft wird über das kreditgebende Finanzinstitut beantragt.

Wie beantragt man eine Staatsbürgschaft?

Die Bürgschaft wird über das kreditgebende Finanzinstitut beantragt. In unserem Fall reicht also die Bank von Sandra und Guillaume den Antrag beim Ministerium für Wohnungsbau ein.

Zu diesem Zweck müssen die Kunden gemeinsam mit der Bank einen „Antrag auf Erteilung einer Staatsbürgschaft“ ausfüllen und diesen mitsamt den folgenden Belegen an die Zentrale Anlaufstelle für Wohnungsbeihilfen (11, rue de Hollerich, L-1741 Luxemburg) senden:

  • Die Kontoauszüge des Bausparkontos der letzten drei Jahre;
  • eine Kopie des Kaufvorvertrags;
  • eine Lohn-/Gehaltsbescheinigung des Antragstellers (der Antragsteller, wenn der Kauf zu zweit erfolgt);
  • Nicht-Luxemburger müssen zusätzlich entweder eine Kopie der Aufenthaltsbescheinigung, der Aufenthaltskarte, der Anmeldebescheinigung oder des gültigen Reisepasses inklusive Aufenthaltsgenehmigung beifügen.

Anschließend bleibt nur noch, auf die Antwort des Ministeriums zu warten, die in der Regel drei oder vier Wochen nach Beantragung erfolgt. 2018 wurden ganze 369 Staatsbürgschaften gewährt, wobei sich der durchschnittliche Betrag auf 99.692 Euro2 belief.

In der Zwischenzeit können sich Sandra und Guillaume über weitere mögliche Wohnbeihilfen informieren (Wohnungsbauprämie, Zinsvergünstigung, Zinssubvention, Sparprämie, Ergänzungsprämie für die Kosten eines Architekten oder Ingenieurs usw.), entweder direkt bei der Zentralen Anlaufstelle für Wohnungsbeihilfen oder aber über den auf Guichet.lu verfügbaren Beihilfesimulator. Vielleicht finden sie ja heraus, dass sie Anrecht auf weitere Staatsbeihilfen haben.

1 Bezogen auf den durchschnittlichen Jahresindexwert von 777,88 des Baupreisindex 2017. Quelle: „Acquisition d’un logement“, Ministère du Logement, Chambre des Notaires, ABBL.
2 Rapport d’activités 2018 – Ministère du Logement.