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November 26, 2020

Regelung der Nachfolge in einem Familienunternehmen

Ein Familienunternehmen bietet viele Vorzüge. Man kann sich mit Menschen umgeben, deren Motivation weit über Aktienoptionen und Boni hinausreicht und die sich bei ihrem Tun viel mehr von der Wahrung von Familientraditionen und von Loyalität leiten lassen. Die Mitarbeiter des Unternehmens kennen seine Eigenheiten und spezifischen Eigenschaften unter Umständen besser, weil sie bereits sehr früh fest darin eingebunden waren, und wissen über seine Kunden und Berater bestens Bescheid. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sich die Regelung der Nachfolge einfacher gestaltet.

Zwar hängen die Verfassung und der Fortbestand eines Familienunternehmens auch von der erfolgreichen Übergabe an die nächste Generation ab, doch kann es mitunter durchaus schwer fallen, das Ruder aus der Hand zu geben. Die Erwartungen an den Nachfolger sind unter Umständen höher, obgleich weniger formale Hürden bestehen. Ein hohes Maß an Vertraulichkeit schadet vielleicht nicht, kann aber auch zu größerer Uneinigkeit führen.

Es mag verlockend sein, diese schwierige Entscheidung so lange aufzuschieben, bis es nicht mehr anders geht. Doch auf lange Sicht wird Ihr Unternehmen seine Stärke wohl nur bewahren können, wenn Sie einen klaren Plan ausarbeiten und diesen den betroffenen Personen zur rechten Zeit darlegen. Dann kann es durchaus passieren, dass diese Personen Ihre Entscheidungen hinterfragen, so unangenehm dies auch sein mag; allerdings trägt dies auch zur gemeinschaftlichen Planung bei. Wenn Sie ein Bild vor Augen haben, wer in Zukunft im Unternehmen tätig sein soll, sollten Sie prüfen, ob sich Ihre Vorstellungen mit denen dieser Personen decken.

Persönliche Motivation

In einem ersten Schritt sollten Sie Ihre eigene Motivation beleuchten und im Idealfall auch berücksichtigen, was Sie wirklich mit Ihrem Leben anstellen möchten. Wenn das Unternehmen Ihr Lebenswerk ist, können Sie sich dann wirklich daraus zurückziehen? Oder möchten Sie darin lieber weiterhin eine aktive Rolle spielen, und wie würde das aussehen? Können Sie sich Ihre Lieblingsbereiche oder die Kunden, die Ihnen am wichtigsten sind, herauspicken? Die Kernfrage, die Sie sich hierbei jedoch stellen müssen, ist Folgende: Sind Sie wirklich bereit für den Ruhestand? Doch ganz gleichgültig, ob Sie letztendlich dazu bereit sind oder nicht: Die Nachfolgeplanung ist und bleibt wichtig – sie wird sich nur anders darstellen.

Die Emotionen, die mit Familienbeziehungen verbunden sind, wirken sich auf die Nachfolgeplanung aus. (…) Am besten sollte jeder ehrlich seinen Standpunkt äußern und seine Absichten offenlegen, auch wenn dies schwer fallen mag.

Die Emotionen, die mit Familienbeziehungen verbunden sind, wirken sich auf die Nachfolgeplanung aus. Eltern haben sich möglicherweise eine klare Meinung zu den Talenten jedes ihrer Kinder und zu deren Eignung zur Führung des Familienunternehmens gebildet – was sich mit den eigenen Zielen und Ambitionen der Kinder decken kann, aber nicht muss.

Am besten sollte jeder ehrlich seinen Standpunkt äußern und seine Absichten offenlegen, auch wenn dies schwer fallen mag. So ist es leichter gemeinsam zu entscheiden, ob es sinnvoll ist, die Nachfolge familienintern zu regeln, oder ob vielleicht Außenstehende mit ins Boot geholt werden sollten. Eine familieninterne Nachfolge könnte zwar für ein hohes Maß an Vertrauen und Loyalität sorgen, das Außenstehende nur schwer erreichen können, jedoch schränkt dieser Ansatz den Kreis der geeigneten Kandidaten deutlich ein – selbst in den besten Familien.

Trennung von Leitung und Eigentum

Das Eigentum an einem Unternehmen und dessen Leitung gehören für einen Unternehmer zusammen, doch das muss nicht für immer so bleiben. Ihr Vermächtnis an Ihre Kinder hängt nicht zwingend nur von deren Fähigkeit ab, das Unternehmen erfolgreich leiten können. Selbst wenn sie nicht die Richtigen für die Weiterführung sind, heißt das nicht, dass sie auch ihre wirtschaftliche Beteiligung aufgeben müssen. Gewöhnlich ist es sinnvoll, während des langfristigen Planungsprozesses die Leitung des Unternehmens und den wirtschaftlichen Ertrag daraus getrennt voneinander zu betrachten.

Ein wesentliches Element dabei sind aktuelle Informationen. Es ist überaus wichtig, über geschäftliche Probleme oder Finanzlöcher mit jenen Personen zu reden, die künftig damit zu tun haben werden. Sie selbst mögen die Fähigkeiten und die Erfahrung besitzen, um Probleme zu bewältigen, Ihr Nachfolger aber vielleicht nicht. Dies könnte ihn von seiner eigentlichen Hauptaufgabe ablenken, nämlich den Fortbestand und den Ausbau des Unternehmens zu sichern.

Bevor Sie beginnen, Ihre Nachfolge zu planen, sollten Sie sicherstellen, dass Geschäftsbücher für die letzten drei bis fünf Jahre verfügbar sind, und Sie sollten diese bereitwillig jedem zur Verfügung stellen, der in der Zukunft in das Unternehmen eingebunden sein könnte.

Bevor Sie beginnen, Ihre Nachfolge zu planen, sollten Sie sicherstellen, dass Geschäftsbücher für die letzten drei bis fünf Jahre verfügbar sind, und Sie sollten diese bereitwillig jedem zur Verfügung stellen, der in der Zukunft in das Unternehmen eingebunden sein könnte. Die betreffenden Personen können dann bei Bedarf Fragen stellen und diese beantwortet bekommen, während Sie das Ruder noch fest in der Hand haben. Wenn Sie anstelle einer familieninternen Nachfolge den Verkauf des Unternehmens planen, ist dies ohnehin ein Muss. Gleiches gilt für Zukunftsprognosen und -planungen. Hochwertige Budgetpläne und Prognosen, die ein klares Bild von den Zukunftsaussichten vermitteln, erleichtern die reibungslose Übergabe an den Nachfolger.

Professionelle Beratung

Sobald dies alles geregelt ist, können Sie damit beginnen, die nötigen Gespräche zu führen. Das kann durchaus unangenehm sein: Naturgemäß geht damit einher, dass man die Kontrolle über ein Unternehmen abgibt, in das man viel Lebenszeit investiert hat, und es bedeutet auch, sich mit seiner eigenen Sterblichkeit abzufinden. Bezieht man unabhängige Dritte mit ein, kann dieser Schritt etwas leichter fallen.

Ein qualifizierter professioneller Berater Ihres Vertrauens kann Sie durch diesen komplexen Prozess leiten, Ihnen die rechtlichen (und möglicherweise steuerlichen) Auswirkungen jeder Entscheidung in Bezug auf das Unternehmen erläutern und Ihnen vielleicht auch helfen, Ihre Vorstellungen von der Zukunft des Unternehmens klarer zu formulieren. Ein externer Fachmann entwickelt gemeinsam mit den bisherigen Beratern wie Rechtsanwälten, Finanzplanern und Buchhaltern einen konkreten, maßgeschneiderten Übergangsplan.

Wenn Familienangehörige das Unternehmen nicht in die Zukunft führen können oder wollen, müssen Sie sich über alternative Lösungen wie einen Börsengang oder Verkauf Gedanken machen. So oder so ist es von Vorteil, sich im Voraus über diese Möglichkeit im Klaren zu sein, anstatt das Unternehmen überstürzt zu verkaufen, wenn Sie es nicht mehr leiten können. Ein Verkauf in beliebiger Form kann mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen und wird mit ziemlicher Sicherheit mühsam und zeitaufwändig.

Steuerliche Auswirkungen

Wenn Ihnen dies die beste Option erscheint, sollten Sie darauf achten, dass Ihre Erwartungen in Bezug auf den Wert des Unternehmens realistisch sind – es ist nur so viel wert, wie jemand anderes dafür zu zahlen bereit ist. Über einen spezialisierten Berater sollten Sie Näheres über ähnliche Transaktionen in Erfahrung bringen und Ratschläge einholen, wie sich der Wert des Unternehmens maximieren lässt. Dies kann das Management wesentlicher Risiken – darunter der Umstand, dass Sie nicht mehr aktiv im Unternehmen mitarbeiten – und den Schutz geistigen Eigentums betreffen.

Auch die steuerlichen Auswirkungen der Übertragung des Unternehmens sind von nicht unwesentlicher Bedeutung – insbesondere an die Aspekte der Erbschaftsteuer sollten alle Beteiligten unbedingt denken. Nach einer gängigen Faustregel haben 70 % aller wohlhabenden Familien ihr Vermögen in der zweiten und 90 % in der dritten Generation verloren, so die US-Vermögensberatungsgesellschaft Williams Group.

In vielen Ländern gelten Ausnahmeregelungen für Familienbetriebe. Man sollte sich aber unbedingt beraten lassen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen richtig strukturiert ist, um davon zu profitieren.

Solche Beobachtungen sind im Allgemeinen darauf zurückzuführen, dass die nachfolgenden Generationen nicht den gleichen Antrieb und die gleiche Disziplin besitzen wie ihre Vorgänger, doch auch die Erbschaftsteuer spielt dabei ganz sicher eine Rolle. In vielen Ländern gelten Ausnahmeregelungen für Familienbetriebe. Man sollte sich aber unbedingt beraten lassen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen richtig strukturiert ist, um davon zu profitieren.

Komplikationen durch Scheidung

Ein weiterer Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist eine Scheidung – sei es Ihre eigene, die eines Ihrer Kinder oder die einer anderen beteiligten Person, die für das Unternehmen von Bedeutung ist. Eine Scheidung kann auch eine höchst sorgfältige Nachfolgeplanung hinfällig machen. Muss ein Anteilseigner seine Beteiligung im Rahmen einer Scheidungsvereinbarung ganz oder teilweise abtreten, besteht die Gefahr, dass potenziell feindselige Anteilseigner, für die die langfristigen Interessen des Unternehmens möglicherweise nicht von Bedeutung sind, Teil der Eigentümerstruktur werden.

Der vielleicht bedeutendste Faktor während des gesamten Prozesses ist ein offener Dialog, um die wichtigsten Familienmitglieder stets auf dem Laufenden zu halten, damit sie Ihre Pläne eingehend hinterfragen können, anstatt sich vor Gericht herumzustreiten, wenn Sie eines Tages nicht mehr da sind.

Es ist nicht leicht, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass man die Kontrolle über sein Unternehmen – sein Lebenswerk – abgibt, jedoch ist eine frühzeitige Planung überaus wichtig für dessen Fortbestand. Gehen Sie am besten in kleinen Schritten vor: Bestellen Sie einen Berater, fragen Sie Ihre Kinder nach ihrer Meinung, kümmern Sie sich um den Papierkram … So verläuft der Prozess weniger unangenehm für alle Beteiligten.