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September 26, 2022

Risiken gekonnt richtig managen

Unternehmer sollten den eigenen Betrieb und ihr Kapital intelligent diversifizieren

Die Corona-Krise hat auch bei den Betriebsgründungen in Luxemburg für einen Einbruch gesorgt. Laut dem Global Entrepreneurship Monitor 2020/21 ist die Zahl der Unternehmensgründungen massiv gesunken. So wurden nach Auswertung der Gewerbeanmeldungen 2020 rund 2.000 Betriebe gegründet – in den Jahren 2014 bis 2019 lag der Durchschnitt in Luxemburg bei 3.500 Neugründungen pro Jahr.

Das Risiko Betriebsgründung gingen also in Pandemiezeiten weniger Leute ein. – Apropos Risiken: Firmen- und Geschäftsinhaber müssen unweigerlich solche eingehen, wenn sie ihr eigenes Unternehmen gründen. Vielleicht haben sie ein sicheres Einkommen aufgegeben und nun die Verantwortung sowohl für ihre eigenen Investitionen in das Unternehmen als auch für das Vermögen Dritter, die ihnen in Form von Darlehen oder Investitionen Geld anvertraut haben. Bei all dem sind die Erfolgsaussichten allgemein nicht so gut – laut Schätzungen scheitern 80% der neuen Unternehmen innerhalb der ersten 18 Monate.

Selbstsicherheit als Gefahr

Viele Firmen- und Geschäftsinhaber tendieren dazu, ihr Vermögen nur in ein oder zwei Kapitalanlagen zu stecken – für gewöhnlich in ihre Firma und ihre Immobilie(n). Das ist durchaus nachvollziehbar: Warum sollte man sein Leben der eigenen Firma widmen, die Früchte des Erfolgs aber nicht selbst ernten? Dabei sind Unternehmer häufig der Meinung, sie könnten eine deutlich bessere Rendite erzielen als jeder Vermögensverwalter. Das kann dazu führen, dass Risiken unterschätzt werden und erkannt wird, welch großer Nutzen in der Diversifikation liegt; sei es in Sachen Firmenstrategie oder beim Verwalten eines Anlage- und Vermögensportfolios. Um Risiken zu mindern kann, die richtige Beratung Gold wert sein.

Selbst das solideste Unternehmen kann es mit Entwicklungen und Kräften zu tun bekommen, über die es keine Kontrolle hat.

Unternehmen sind unweigerlich den jeweiligen Marktbedingungen ausgeliefert. Selbst das solideste Unternehmen kann es mit Entwicklungen und Kräften zu tun haben, über die es keine Kontrolle hat; die Zinspolitik der Zentralbank etwa oder disruptiver technologischer Wandel.

Hinzu kommen mögliche Liquiditätsprobleme. Wer kurzfristig Geld benötigt, kann nicht einfach so einen Teil seines Unternehmens verkaufen. Neue Finanzierungsquellen aufzutun, braucht Zeit. Daher ist es sinnvoll, durch eine private Vermögensplanung auf alternative Optionen zurückgreifen zu können, um sicherzustellen, dass persönliche finanzielle Pläne das Unternehmen nicht beeinträchtigen.

Mit langfristiger Strategie zum Erfolg

Entscheidende Faktoren für den Schutz des Firmenvermögens sind gutes unternehmerisches Handeln und längerfristiges Denken sowie die richtige Hilfe von Experten, zum Beispiel dem Banker. Auch wenn die Möglichkeit ein Start-up für mehrere Millionen Euro an einen großen finanzstarken Konzern zu verkaufen verlockend klingt, ist dies nur in Ausnahmefällen eine Option. Hierzu bedarf es zumeist einer herausragenden eigenen technologischen Innovation oder einem idealen Timing. Selbst bei einem florierenden Unternehmen ist es unwahrscheinlich, dass sich der Ausstieg so einfach gestaltet. Um zu überleben, müssen Unternehmen auf Dauerhaftes setzen; in puncto Kunden, Einnahmequellen und Mittelbeschaffung.

Unternehmen sollten auf Dauerhaftes setzen.

Nun lehnen es viele Unternehmer ganz vehement ab, irgendeine Art von Kontrolle an externe Anteilseigner oder Kapitalgeber abzugeben; dabei kann es für Unternehmen durchaus wichtig sein, auf alternative Finanzierungsquellen zurückzugreifen, wie es auch von zusätzlichem Nutzen sein kann, wenn neue Ideen von außen eingebracht werden. Als sinnvoll kann sich dies auch dann erweisen, wenn eine Finanzierungsquelle aus irgendwelchen Gründen versiegt – ein schwacher Cashflow ist gerade für kleinere Unternehmen zumeist fatal.

Desgleichen gehört es zu einem vernünftigen unternehmerischen Handeln, eine möglichst große Vielfalt von Kunden und damit auch von Einnahmequellen anzustreben. Das ist nicht immer möglich, sollte jedoch ein ständiges Ziel sein.

Privates Vermögen sicher verwalten

Noch wichtiger als die Diversifikation der Geschäftstätigkeit ist die Diversifikation des Privatvermögens. Für Firmeninhaber ist es sinnvoll, ein gewisses Vermögen außerhalb des Unternehmens aufzubauen, und zwar in Anlagen, die nicht mit ihrer Haupteinnahmequelle in Verbindung stehen. Unternehmer aus der Technologiebranche zum Beispiel könnten dazu neigen, sich bei ihren privaten Anlagen für eine Auswahl von Technologiewerten zu entscheiden. Natürlich macht es Sinn, Kapital dort anzulegen, wo man sich auskennt; gleichzeitig sind aber auch Kapitalanlagen außerhalb der eigenen Kernbranche überaus sinnvoll. Ja, man sollte durchaus Abstand vom emotionalen Bezug zu seiner Sparte nehmen. Firmeninhaber sollten bereit sein, die ausgetretenen Wege ein Stück weit zu verlassen und Kapital in Bereichen anzulegen, die sie nicht aufgrund ihrer Firmentätigkeit kennen.

Das gilt sowohl für die geografische Streuung als auch für die Diversifikation nach Branchen. Wenn große Teile der Geschäftstätigkeit eines Unternehmers in einem einzigen Land angesiedelt sind, kann es sinnvoll sein, andernorts nach Anlagemöglichkeiten zu suchen. Der unerwartete Ausstieg Großbritanniens aus der EU (Stichwort Brexit) hat gezeigt, wie schnell Unternehmen, die von der Situation in einem einzigen Land abhängig sind, durch plötzliche politische Umbrüche in Schwierigkeiten geraten können.

Anlagenmix muss stimmen

Während die Mischung aus Barmitteln, Anleihen, Aktien, Immobilien und anderen Vermögenswerten bei allen Unternehmern entsprechend den jeweiligen persönlichen Umständen, dem Alter, den Präferenzen und der Risikobereitschaft unterschiedlich ausfallen kann, ist der grundsätzliche Ansatzpunkt für eine Diversifikation stets derselbe. Der Unternehmer muss sich die Frage stellen, ob er sowohl im Hinblick auf seine betrieblichen als auch bei seinen privaten Finanzen liquide bleiben kann, falls das Unternehmen in größere finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte (Wirtschaftsrezession, Naturkatastrophen wie z.B. Brände oder Hochwasser, Krankheitsfall).

Ein Plan für die Diversifikation erfordert eine Analyse aller Aspekte: vom Konsumverhalten des Einzelnen bis hin zu familiären Verpflichtungen und der Altersvorsorge. Die Lösung wird häufig nicht nur Kapitalanlagen, sondern auch Versicherungen umfassen. Dazu gehört beispielsweise die Absicherung der Abhängigkeit von einer einzigen Person (Key Man Risk).Für die Erstellung eines Diversifikationsplans ist fachmännische Hilfe von Vorteil, zum Beispiel durch einen Banker.

Der richtige Anlagemix für Unternehmer kann sich durchaus von dem anderen Anleger unterscheiden. Unternehmer müssen die spezifische Situation ihres Betriebes einbeziehen. Sie sollten bedenken, dass die Möglichkeit besteht, irgendwann in der Zukunft das gesamte Unternehmen oder Teile davon zu verkaufen, was Auswirkungen auf die Planung in puncto Steuern, Nachfolge und Erbe hat.