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Januar 28, 2023

Sich erfolgreich selbst täuschen

Kognitive Verzerrungen als bester Feind des Unternehmers

Wer als Unternehmer Erfolg haben möchte, braucht natürlich einen guten Businessplan. Dazu gehört eine Idee, die der geplanten Unternehmensgründung zugrunde liegt sowie ein genauer Blick dafür, was sich an Geschäftsmöglichkeit ergeben kann. Auch muss man die strategischen Ziele definieren und einen Aktionsplan zur Umsetzung der Geschäftsidee erstellen. Hinzu kommt ein Finanzplan für die kommenden drei bis fünf Jahre.

Doch auch mit einem ausgezeichneten Plan ist es nicht getan. In diesem Artikel möchten wir näher auf bestimmte kognitive Verzerrungen eingehen, die sich als Verbündete oder Gegner von Unternehmern erweisen können.

Ein guter Businessplan als Grundlage muss sein.

Selbstvertrauen ist gut, aber …

Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, Unternehmer zu werden und erfolgreich zu sein, genau bei den Menschen am größten ist, die ein übersteigertes Selbstvertrauen haben und ihre Erfolgschancen systematisch überschätzen. Jenen, die Risiken scheuen, fehlt die richtige Einstellung, um sich in das Abenteuer der Unternehmensgründung zu stürzen. Diese Menschen ziehen es übrigens auch gar nicht erst in Betracht zum „Entrepreneur“ zu werden.

Mittlerweile wurde also nachgewiesen, dass Selbstüberschätzung und Risikofreude wichtige Voraussetzungen für Innovationen, aber auch für die Gründung eines Unternehmens sind. Eine Erfolgsgarantie sind sie deswegen jedoch nicht. Wenn man kognitive Verzerrungen nicht erkennt, ist nämlich die Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs groß. Irrationale Denkfehler erkennen und vermeiden macht demnach Sinn. Die aktuelle Forschungsliteratur zeigt jedoch, dass auch zu rationales Verhalten für den unternehmerischen Erfolg nicht von Vorteil ist und sogar ein ernsthafter Nachteil sein kann.

Allgemein gilt, optimistisch zu bleiben und sich dieser Verzerrungen bewusst zu sein, die Unternehmer beeinflussen. Während sich einige von ihnen nachteilig auswirken, bilden andere die Grundlage für den Erfolg. Wie so oft: Die richtige Dosis macht’s! Um sie zum eigenen Vorteil nutzen zu können, genügt es nicht, diese Verzerrungen einfach aufzulisten. Unternehmer müssen lernen, richtig mit ihnen umzugehen.

Eine 2020 veröffentlichte Studie von Haili Zhang, Van der H. Bij und Michael Song mit dem Titel „Can cognitive biases be good for entrepreneurs?“ („Können kognitive Verzerrungen gut für Unternehmer sein?“) legt nahe, dass Unternehmensgründer die richtige Mischung aus zwei Denkweisen finden müssen: dem Verfügbarkeitsprinzip und dem Repräsentativitätsprinzip.

Unternehmer sollten über eine Persönlichkeit und eine Haltung verfügen, die es ihnen ermöglichen, Stress auszuhalten.

Leicht & schnell entscheiden

Gemäß des Verfügbarkeitsprinzips treffen wir Entscheidungen tendenziell auf der Grundlage von Gedanken, die uns leicht und schnell in den Sinn kommen. Wir neigen dazu, bei Entscheidungen nur einen Teil der für eine richtige Entscheidung verfügbaren und nützlichen Informationen zu berücksichtigen.

Diese Verzerrung wird häufig in Verbindung mit einem exzessiven Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen und die eigenen Fähigkeiten beobachtet. Sie verleitet Unternehmer dazu, Ergebnisse von Ereignissen im Nachhinein und durch falsche Kausalität allein auf ihr Handeln zurückzuführen.

Diese Denkweise mag gefährlich erscheinen, sie hat jedoch einen großen Vorteil: Sie erlaubt einem Firmenchef, der unter Druck steht und umgehend auf viele Probleme reagieren muss, Entscheidungen schnell zu treffen, ohne sich von einer Flut von Informationen überwältigen zu lassen.

Der Einzelfall als Leitmotiv

Das Repräsentativitätsprinzip beschreibt die allgemeine Tendenz, Einzelfälle zu verallgemeinern. Dies wäre etwa der Fall, wenn ein zukünftiger Unternehmer versucht, seine Familie von seinem Projekt zu überzeugen, indem er ihr nur von den Erfolgsgeschichten berichtet. Aus diesen Beispielen – bei denen es sich um Einzelfälle handelt – schließt der besagte Unternehmer dann, dass auch er erfolgreich sein wird. Dabei berücksichtigt er nicht, dass diese meist in den Medien aufgebauschten Erfolgsgeschichten angesichts der sehr großen Zahl nicht erfolgreicher Unternehmer extrem selten sind. Zur Erinnerung: 80 Prozent der Unternehmen, die Insolvenz anmelden, tun dies in den ersten 18 Monaten nach der Gründung.

Beim Repräsentativitätsprinzip spielt auch die illusorische Annahme, alles unter Kontrolle zu haben, eine große Rolle. Angehende Unternehmer unterschätzen oft massiv, wie wichtig Glück für den Erfolg ist. Die Bedeutung der eigenen Kompetenzen wird dagegen überschätzt.

Puffer für starke Emotionen

Beschäftigt man sich nur oberflächlich mit dem Thema der kognitiven Verzerrungen, so scheinen diese zwangsläufig nachteilige Auswirkungen zu haben. Studien zeigen jedoch, dass man – wie bereits angedeutet – stark unter ihrem Einfluss stehen muss, um überhaupt eine Unternehmensgründung zu wagen und dieses Abenteuer erfolgreich und langfristig durchzustehen.

Die Gründung eines Unternehmens ist ein risikoreiches Abenteuer starker Emotionen. Jede Etappe des Weges unter rein rationalen Gesichtspunkten zu betrachten, ist nicht immer sinnvoll. Manchmal muss man einfach ins kalte Wasser springen.

Die richtige Dosis an Instinkthandeln macht’s.

Um diese emotionale Achterbahnfahrt zu überstehen, müssen Unternehmer über eine Persönlichkeit und eine Haltung verfügen, die es ihnen ermöglichen, Stress auszuhalten, an ihren Überzeugungen festzuhalten und optimistisch zu bleiben. In dieser Hinsicht sind die genannten kognitiven Verzerrungen überaus nützlich. Schließlich sind es menschliche Instinkte, dies es uns erlauben sollen, wenn Gefahr droht zu überleben. Das soll wiederum nicht dazu verleiten, in Selbstgefälligkeit bezüglich der eigenen Instinkte zu verfallen.

Ein Tipp zum Schluss: Damit man als Unternehmer die Realität im Blick behält und sich weiterentwickeln kann, ist es besonders wichtig, sich mit vertrauten Personen zu umgeben, welche die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Deren Ansichten sollten Unternehmer jedoch nicht in ihrem Vorwärtsdrang bremsen – auch dann nicht, wenn bestimmte Entscheidungen mit Risiken verbunden sind.