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Januar 22, 2019

Sich von einem Business Angel begleiten lassen: Wie funktioniert das?

  Gesammelt von myLIFE team myCOMPANY November 23, 2018 166

Neben der finanziellen Unterstützung für die Entwicklung des eigenen Unternehmens kann man durch die Inanspruchnahme eines Business Angels von Unterstützung auf zahlreichen anderen Ebenen profitieren. Um besser zu verstehen, wie dies in der Praxis abläuft, hat sich myLIFE mit Alfonso García Frey, CEO und Mitgründer / PhD von Yotako, getroffen. Er erläutert uns, inwiefern diese „Unternehmensengel“ ihn bei der Entwicklung seines Start-ups unterstützt haben.

Guten Tag Herr Frey. Könnten Sie kurz erklären, worin Ihre Tätigkeit besteht?

„Bei Yotako unterstützen wir Entwickler von Webanwendungen und mobilen Apps dabei, effizienter zu sein. Kurz gesagt, wenn Sie eine mobile Anwendung erstellen wollen, konzipieren die Designer mit Ihnen den visuellen Teil: Seiten, Farben usw. Dieser grafische Teil wird dann von einem oder mehreren Entwicklern in Code umgesetzt. Diese prüfen dann die Designs und tun alles Erforderliche, damit Ihre App mit den verschiedenen Smartphone-Typen (iOS, Android), mit den Web-Browsern (Firefox, Chrome usw.) und ihren verschiedenen Versionen kompatibel ist. Das kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern!

Mit Yotako erfolgt all das mit wenigen Klicks! Wir wandeln das Design in Code-Zeilen um. Wenn Sie sich übrigens mit Papier und Stift wohler fühlen, können Sie auch Yotako Freehand Canvas verwenden, um Ihre Anwendungen zu zeichnen.

Sie werden zurzeit von mehreren Business Angels unterstützt. Wann kamen die ins Spiel? Wer hat den ersten Schritt gemacht?

Man kann sagen, dass die Initiative von beiden Seiten ausging. Im Rahmen unserer Mittelbeschaffung im Jahr 2017 suchten wir nach Business Angels. Wir haben welche gefunden, und diese Vorgehensweise hat uns ermöglicht, uns bekannt zu machen. Als andere Investoren dann auf unser Projekt aufmerksam geworden sind, setzten sie sich mit uns in Verbindung, um Näheres zu erfahren. Sie kamen somit also nicht alle gleichzeitig ins Spiel. Einige begleiten uns von Anfang an, andere sind hingegen erst in letzter Minute mit Kapital eingestiegen. Heute erhalten wir letztendlich Unterstützung von fünf Business Angels.

Wie haben Sie die davon überzeugt, sich mit Ihnen in das Abenteuer zu stürzen?

Die Business Angels, die uns unterstützen, sind Personen, mit denen wir objektive Überlegungen zu ganz konkreten Punkten anstellen können. Nachdem der Wille zur Zusammenarbeit einmal da war, haben wir begonnen, auf sensiblere Punkte einzugehen, etwa die Beträge oder die Bedingungen des Deals. Ganz allgemein kann man sagen, dass beide Seiten voneinander angetan waren. Das hat natürlich die Gespräche erleichtert und effizienter gemacht.

Wir haben das Glück, dass wir auf ein Team von Business Angels bauen können, die umfangreiche unterschiedliche und sich ergänzende Erfahrungen haben. Es handelt sich um Personen, die sehr gut vernetzt sind, um erfolgreiche Unternehmer mit Profilen, die unsere ergänzen … All das macht eine der großen Stärken des Projekts und einen unverkennbaren Mehrwert aus.

Wobei haben sie Ihnen ganz konkret geholfen?

Die meisten von ihnen haben uns in zweierlei Hinsicht geholfen: zum einen durch einen finanziellen Beitrag und zum anderen durch Unterstützung mit Mehrwert. Bei Yotako haben wir das Glück, dass wir auf ein Team von Business Angels bauen können, die umfangreiche unterschiedliche und sich ergänzende Erfahrungen haben. Es handelt sich um sehr gut vernetzte Personen. Sie sind erfolgreiche Unternehmer mit Profilen, die unsere ergänzen. All das macht eine der großen Stärken des Projekts und einen unverkennbaren Mehrwert aus … insbesondere für ein Start-up!

Was begünstigt Ihre Zusammenarbeit?

Ganz allgemein würde ich sagen, dass eine gute Zusammenarbeit stark von der menschlichen Beziehung zum Business Angel abhängt sowie von dem Maß, in dem er in das Projekt eingebunden ist. Für einige ist das Projekt lediglich eine weitere Investition, für andere ist es eine Gelegenheit, sich in einem spannenden Projekt zu engagieren.

In beiden Fällen ist es immer gut, wenn man auf Personen zählen kann, die Erfahrung, Kenntnisse, ein Netzwerk und eine unterschiedliche Sichtweise haben. So kann man ein Maximum an Alternativen in Erwägung ziehen, insbesondere in schwierigen Momenten, wenn kritische Entscheidungen getroffen werden müssen.

Wie organisieren Sie sich im Alltag?

Wir versuchen, wichtige Punkte im Rahmen einer – wie wir es nennen – „Strategieberatung“ zu behandeln. Ich ziehe es vor, das Gespräch mit allen Investoren so früh wie möglich zu suchen. Nicht nur, damit wir alle auf demselben Informationsstand sind, sondern vor allem um den Austausch zu bereichern und möglichst viele Sichtweisen zu den zu behandelnden Themen zu haben. Bei dringenden Entscheidungen bevorzugen wir die Kommunikation per E-Mail oder Telefon. Das gehört zum Alltag.

Ich glaube, man muss die Chance des Umgangs mit auf beruflicher und menschlicher Ebene so erfahrenen Personen nutzen!

Sind Sie der einzige Chef an Bord oder beteiligen sich die Business Angels an der Führung Ihres Unternehmens?

Als Aktiengesellschaft haben wir ein Board of Directors, dessen Verantwortungsbereich durch das Gesetz und die Satzung der Gesellschaft klar definiert und reglementiert ist. Das schränkt den Handlungsspielraum der Mitglieder entsprechend ihren Verantwortlichkeiten ein. Somit hat ein Investor, der Mitglied des Board of Directors ist, nicht dieselben Verantwortlichkeiten wie einer, der nicht dazugehört.

Bei Yotako haben unsere Investoren keine Führungspositionen. Das Tagesgeschäft liegt also in meiner Verantwortung. Das bedeutet aber nicht, dass man sich nicht austauscht, wenn bestimmte Managemententscheidungen zu treffen sind. Ich glaube, man muss die Chance des Umgangs mit auf beruflicher und menschlicher Ebene so erfahrenen Personen nutzen.

Hatten Sie gewisse Bedenken, als Sie sich an Business Angels gewandt haben?

Ich befürchtete vor allem, dass keine zur Verfügung stehen würden!

Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Lernen Sie schnell und lassen Sie sich helfen. Und geben Sie vor allem Qualität den Vorrang vor Quantität.

Welchen Rat geben Sie einem jungen Unternehmer, der sich gern an einen Business Angel wenden möchte?

Seien Sie bescheiden und ehrlich gegenüber sich selbst und Ihren künftigen Investoren. Ein Business Angel ist eine Person wie Sie und ich – mit ihren Erfahrungen, ihren Kompetenzen, ihrem Netzwerk und ihrer eigenen Sichtweise der Dinge. Versuchen Sie, das zu nutzen. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Lernen Sie schnell und lassen Sie sich helfen. Und geben Sie vor allem Qualität den Vorrang vor Quantität.

Hören Sie das Interview mit Larissa Best, Präsidentin des Luxembourg Business Angel Network (LBAN), um mehr über Business Angels und ihre Einschätzung des Mehrwerts, den sie einbringen können, zu erfahren.