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Dezember 5, 2020

Sind anspruchsvolle Anlagen das Richtige für mein Portfolio?

Die Finanzbranche entwickelt sich ständig weiter: Es werden ständig neue Produkte entwickelt, wodurch Anleger bei ihren Anlageentscheidungen mit einer immer größeren Auswahl konfrontiert sind. So haben Anleger neben kollektiven Investmentfonds für Privatanleger auch Zugang zu alternativen Investmentfonds, die unter Umständen weniger restriktive Anlagestrategien anwenden und von Hedgefonds über Anlageinstrumente zur Flugzeugfinanzierung bis hin zu Private Equity alles abdecken. Mit der Weiterentwicklung des Marktes für Derivate sind zudem neue Anlageklassen wie strukturierte Produkte entstanden. Und auch im Immobiliensektor und im Bereich der physischen Infrastruktur wächst die Fülle an Möglichkeiten ständig weiter. Doch welche Rolle spielen anspruchsvollere sowie in einigen Fällen komplexere Produkte in einem Portfolio, und welche Faktoren sollten Anleger berücksichtigen?

Anlagen in komplexen Produkten

Es wird häufig angenommen, dass Anlagen, die komplexer und aufgrund von Verbraucherschutzbestimmungen für viele Kleinanleger nicht verfügbar sind, automatisch attraktiver oder rentabler sein müssen als einfacher strukturierte Alternativen. Das muss nicht zwingend der Fall sein. Allerdings können Anleger durch die Aufnahme anspruchsvollerer Produkte in ihr Portfolio durchaus eine bessere Diversifizierung und ein besseres Risiko-/Ertragsprofil erzielen.

Die Anlagestrategien vieler alternativer Investmentfonds weisen keine Korrelation mit den traditionellen Aktien- und Anleihenmärkten auf und können daher dazu beitragen, ein Portfolio in Zeiten von Stress oder Notlagen an den Wertpapiermärkten vor größeren Verlusten zu schützen. So haben etwa in der jüngsten Vergangenheit Wertpapiere stark unter der Volatilität gelitten, die durch die Coronavirus-Pandemie und die von den Regierungen zu ihrer Eindämmung verhängten wirtschaftlichen Shutdowns und Kontaktbeschränkungen hervorgerufen wurde, wohingegen sich private Vermögenswerte gegenüber den Marktschwankungen als widerstandsfähiger erwiesen.

Alternative Investmentfonds, für die manchmal auch die etwas irreführende Bezeichnung „Hedgefonds“ verwendet wird, verfügen über mehr Freiheiten als Publikumsfonds wie OGAW. Einige von ihnen können verstärkt Derivate einsetzen, um sich vor fallenden Märkten zu schützen, oder in private Vermögenswerte – wie Spezialimmobilien und Leasingobjekte – investieren, die nicht für OGAW-Fonds für Privatanleger zur Verfügung stehen.

Dies kann sich beim Aufbau eines stärker diversifizierten Portfolios als hilfreich erweisen, zumal sich an den jüngsten Marktturbulenzen gezeigt hat, dass traditionelle Annahmen über die Korrelation von Vermögenswerten in extremen wirtschaftlichen Stressphasen ihre Haltbarkeit verlieren können. In den letzten zehn Jahren mag das Thema Diversifizierung für Anleger an Bedeutung verloren haben, da sich alle Finanzmärkte eines beständigen und scheinbar unaufhaltsamen Wachstums erfreuten – doch in diesem Jahr wurden sie von der Realität eingeholt.

Die jüngsten Marktturbulenzen haben deutlich gemacht, dass nicht korrelierende AIF-Strategien Schutz und stabile Portfoliorenditen bieten, während andere Anlageklassen zu kämpfen haben. So verzeichnete der HFRI Asset Weighted Composite Index, der mehr als 1.500 von Hedge Fund Research beobachtete Fonds abbildet, im März 2020 einen Rückgang um lediglich 7,73 %, wohingegen der US-Aktienindex S&P500 und der Euro Stoxx 600 um 12,51 % bzw. 14,79 % nachgaben.

Ein ähnliches Muster war während der globalen Finanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt zu beobachten. Damals gewannen alternative Investmentfonds stark an Bekanntheit, da mit ihnen nicht nur in einigen Fällen extrem hohe Gewinne erzielt wurden, indem auf den Zusammenbruch des US-Wohnimmobilienmarktes gewettet wurde, sondern sie generell den Anlegern Schutz vor einem Großteil der Verluste boten, die traditionelle Fonds beim Einbruch der Aktienmärkte erlitten.

Liquidität und Abwärtsrisiken

Dadurch, dass ein Anlageprodukt besonders anspruchsvoll ist, ist es jedoch nicht unbedingt auch eine sichere Sache oder für alle Situationen oder Arten von Anlegern geeignet. Hedgefonds hatten lange Zeit etwas mysteriöses an sich, da viele von ihnen für neue Anlagen geschlossen waren und daher durch ihre mangelnde Verfügbarkeit an Attraktivität gewannen.

Doch während einige Fonds in den letzten zehn Jahren des allgemeinen Marktwachstums den Anlegern weiterhin gute Ergebnisse beschert haben, haben andere namhafte Anlageinstrumente klar enttäuscht und trotz deutlich höherer Gebühren als bei Publikumsfonds nur eine schwache Performance verzeichnet. Anleger sollten sich daher darüber informieren, in was sie investieren. Einige alternative Anlagestrategien können allerdings selbst für erfahrene institutionelle Anleger undurchsichtig sein.

Zudem sollte man im Hinterkopf behalten, dass viele alternative Anlageprodukte weniger liquide sind als Fonds, deren Vermögenswerte an öffentlichen Märkten notiert sind. Dies muss für langfristige Anleger nicht unbedingt ein Problem darstellen, doch es kann sich für jene Anleger als problematisch erweisen, die möglicherweise schnell auf ihr Kapital zugreifen müssen. Die Anlagestrategien dieser Produkte können zudem mit vermeintlich größeren Risiken verbunden sein, da sie komplexe Derivate enthalten oder konzentriertere Anlagen in Aktien oder Schuldtiteln einzelner Unternehmen tätigen, als bei Mainstream-Fonds zulässig ist.

Das Risiko größerer Verluste im Falle eines Rückgangs einzelner Anlagen oder Märkte kann für Anleger, die über einen längeren Anlagehorizont verfügen und bereit sind, ggf. abzuwarten, bis sich ihre Verluste wieder ausgeglichen haben, von geringerer Bedeutung sein. Dennoch sollten sich Anleger der potenziellen Risiken bewusst sein, bevor sie investieren. Genau wie bei einem herkömmlichen Aktien- und Anleihenportfolio müssen komplexe Produkte mit Sorgfalt ausgewählt werden und lediglich einen Teil einer breiteren Anlagestrategie ausmachen.

Lassen Sie sich beraten

Der Aufbau eines soliden Anlageportfolios braucht Zeit und erfordert Kenntnisse über das gegenwärtige Umfeld an den Finanzmärkten und Wirtschaftsklima sowie ein Bewusstsein für die potenziellen Risiken und Vorteile einzelner Investitionen – unabhängig davon, ob man in Aktien, Anleihen, Investmentfonds, strukturierte Produkte oder AIF zu investieren gedenkt. Aus diesem Grunde ist es für Anleger, die Investitionen in weniger gängige, weniger liquide oder komplexere Finanzinstrumente oder Produkte in Erwägung ziehen, besonders wichtig, einen Experten zu Rate zu ziehen. Das Heranziehen eines Experten bedeutet nicht, die Kontrolle über das Portfolio zu verlieren oder die Entscheidungsbefugnis an einen Berater abzugeben. Vielmehr erhalten Anleger dadurch Zugang zu fachlicher Unterstützung, mit deren Hilfe sie besser beurteilen können, ob anspruchsvollere Produkte zu ihrem Risiko-/Ertragsprofil passen.

Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Berater und Kunde lässt sich sicherstellen, dass die Risiken und Vorteile der verschiedenen Anlageformen angemessen berücksichtigt und mit den langfristigen finanziellen Zielen des Anlegers in Einklang gebracht werden.

Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein …

Ein weiterer klarer Vorteil einer langfristigen Beziehung zu einem vertrauenswürdigen Berater besteht darin, dass dieser seine Kunden davor schützen kann, auf fragwürdige Anlageinstrumente hereinzufallen, die von wortgewandten und glaubwürdig erscheinenden Promotoren gefördert werden – und davon gibt es viele.

Bei exotisch anmutenden Anlagen wie etwa der Finanzierung einer indonesischen Zinnmine sollten einem daher immer die Alarmglocken läuten. Dennoch sind in den letzten Jahren viele wohlhabende Anleger durch komplizierte Anlageinstrumente, bei denen es beispielsweise um die Finanzierung von Kinofilmen geht und die darauf ausgelegt sind, anderweitig bestehende Steuerverbindlichkeiten auszugleichen, in Schwierigkeiten geraten. Immer mehr Anleger solcher Instrumente standen am Ende vor einem Scherbenhaufen oder landeten vor Gericht, da sie nicht nur ausgenommen worden waren sondern zudem in puncto Steuern vom Finanzamt eine saftige Rechnung vorgelegt bekommen hatten. Wenn etwas allem Anschein nach zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist in der Regel auch tatsächlich Vorsicht geboten.

Anleger, die geneigt sind, anspruchsvollere Finanzstrategien und -produkte in Betracht zu ziehen, werden eher von Betrügern ins Visier genommen. Diese locken mit Anlagekonzepten, die sich letztendlich als Luftschlösser erweisen oder die eine aggressive Steuerplanung beinhalten, die ein erhebliches Risiko birgt. Mit der Bereitschaft, größere Risiken einzugehen und die Nutzung einer breiteren Palette von Anlageprodukten oder Anlageklassen zu erwägen, sollte nicht der Fehler einhergehen, auf angemessene Recherche zu verzichten oder bei der Wahl von Anlageoptionen – von einfachen Aktienfonds bis hin zu alternativen Anlageklassen – gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

„Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Berater und Kunde lässt sich sicherstellen, dass die Risiken und Vorteile der verschiedenen Anlageformen angemessen berücksichtigt und mit den langfristigen finanziellen Zielen des Anlegers in Einklang gebracht werden.“