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September 30, 2020

Telearbeit: Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Seitdem für die meisten von uns vor einigen Wochen Ausgangsbeschränkungen beschlossen wurden, sind wahrscheinlich auch Sie gezwungen, von zu Hause aus zu arbeiten, ohne unbedingt darauf vorbereitet gewesen zu sein. Nachfolgend ein paar Tipps, um diese Zwangslage zu einer produktiven Gelegenheit zu machen.

Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die Telearbeit als notwendiges Übel für die Dauer der Gesundheitskrise ansehen. Und auf der anderen gibt es die, die eine neue Art zu arbeiten entdecken, die ihnen voll zusagt. Dieses Thema ist nicht neu: myLIFE ist schon einmal auf die Hauptargumente für und gegen Telearbeit eingegangen. Neu sind nun aber die Dimension, die die Telearbeit angenommen hat, ihr Umfang, der die Abläufe innerhalb eines Unternehmens verändert, und die Tatsache, dass sie mit Beschränkungen der Bewegungsfreiheit verbunden ist. Welche Folgen hat sie für unser Wohlergehen und unsere Produktivität? Wie schafft man es, sich mit der aufgezwungenen Telearbeit zu arrangieren?

Ganz einfach: mit gutem Willen, Durchhaltvermögen und ausreichend Disziplin, um Privat- und Berufsleben sauber voneinander zu trennen. Dies erreicht man, indem man sich möglichst schnell einige gute Gewohnheiten aneignet und bestimmte Dinge gar nicht erst zur Gewohnheit werden lässt. Das Gute daran ist, dass Ihre Produktivität nicht nur ein Ziel ist, sondern zu einem Schlüsselelement Ihrer persönlichen Entwicklung wird.

Arbeitnehmer, die nur von zu Hause aus arbeiten, sind größerem Stress ausgesetzt, was höhere körperliche und psychische Risiken bedeutet.

Unbedingt die Kontrolle behalten!

Angesichts einer für jeden spürbare Gesundheitskrise, der immer neuen Horrormeldungen in den Medien und der obligatorischen Ausgangsbeschränkungen sind positive Nachrichten Mangelware. Wenn man in dieser Situation auch noch zu Vollzeit-Telearbeit gezwungen ist, sinkt die Stimmung wahrscheinlich erst recht. Aus einem gemeinsamen Bericht von ILO und Eurofound über die Auswirkungen der räumlichen und zeitlichen Flexibilität der Arbeit geht hervor, dass Mitarbeiter, die auf Vollzeitbasis von zu Hause aus arbeiten, mehr Stress und damit höheren körperlichen und psychischen Risiken ausgesetzt sind. Denn man sollte sich nicht täuschen lassen: Telearbeit bedeutet eine Umstellung und erfordert eine Vorbereitung, zu der Sie wahrscheinlich nicht die Gelegenheit hatten. Daher sollten Sie nun die Dinge selbst in die Hand nehmen und genau überdenken, wie Ihr Arbeitstag abläuft.

Ein Smiley ersetzt niemals ein Lächeln

Erster Schritt: Schätzen Sie die mit Ihrer Situation verbundenen Herausforderungen ein und passen Sie Ihre Verhaltensweisen entsprechend an. Ihre Arbeitsumgebung hat sich geändert und Sie sind bei der Arbeit entweder ganz alleine oder werden im Gegenteil ständig von den Kindern gestört, weil sie Ihre Hilfe bei den Hausaufgaben brauchen oder sich langweilen. Da der unmittelbare Kontakt mit Ihren Kollegen weggefallen ist, erhalten Sie eine Flut von E-Mails, und wenn diese schlecht formuliert sind, kann es zu Missverständnissen kommen, die sowohl dem Teamgeist als auch Ihrer Motivation schaden. Wenn man nicht aufpasst, geht die Produktivität sofort in den Keller. Was kann man also tun?

Wenn Sie beim Lesen einer E-Mail rot sehen: Antworten Sie nicht sofort! Genehmigen Sie sich eine Pause, damit Ihr Serotoninspiegel und Ihre Laune steigen. Es ist unbedingt wichtig, den Tag durch angenehme Momente zu bereichern. Ist Ihre Laune nun wieder besser? Lesen Sie die E-Mail noch einmal in Ruhe, und Sie werden mit Sicherheit überrascht sein, dass doch nicht alles so schlimm war. Um eine gewisse Nähe zu den Kollegen zu wahren, könnte man z. B. die üblichen Büro-Neckereien online austauschen oder jeden Tag eine kurze Online-Konferenz ansetzen, um eventuelle kleine Differenzen aus der Welt zu schaffen. Soziale Isolation ist Ihr schlimmster Feind, und ein Emoticon wird niemals ein echtes Lächeln ersetzen. Achten Sie auf Ihre Stimmung!

Zu viel Schlaf schränkt die kognitiven Fähigkeiten in dem gleichen Maße ein wie zu wenig Schlaf.

Ausschlafen: eine gute oder eine schlechte Idee?

Morgens müssen Sie nicht mehr hetzen, damit die Kinder rechtzeitig in der Schule sind, und Sie stehen nicht auch mehr dauernd im Stau oder dichtgedrängt im Bus, um rechtzeitig auf die Arbeit zu kommen. Wäre das nicht eine Gelegenheit, um endlich wieder auszuschlafen und Ihren chronischen Schlafmangel auszugleichen? Nein – und dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe.

Der erste geht hervor aus einer der größten Schlafstudien, die jemals durchgeführt wurden : Zu viel Schlaf schränkt die kognitiven Fähigkeiten in dem gleichen Maße ein wie zu wenig Schlaf. Ein bisschen länger zu schlafen, um ein Schlafdefizit aufzuholen, ist natürlich eine gute Sache. Doch mehr als notwendig zu schlafen hingegen nicht. Zweitens besteht die Gefahr, dass Sie Ihren Schlafrhythmus immer weiter nach hinten verschieben und später ins Bett gehen, weil Sie sich immer ausgeruhter fühlen. Die Folge ist, dass Ihre Verfügbarkeit und Ihr Arbeitsrhythmus den Vorgaben Ihres Arbeitsgebers mehr und mehr hinterherhinken.

Um Zeit zu gewinnen, spielen Sie vielleicht mit dem Gedanken, sich gleich nach dem Aufstehen an den PC zu setzen. Doch das würde für den restlichen Tag nicht ohne Folgen bleiben, da Sie die ganze Zeit über gähnen, müde sein und unter Konzentrationsmangel leiden werden. Statt spät aufzustehen und dadurch Ihre Leistung zu beeinträchtigen, sollten Sie Ihre Tagesroutine ändern und in einzelne Phasen aufteilen. Bleiben sie nicht länger im Bett liegen, sondern nutzen Sie die eingesparte Fahrtzeit, um sich Zeit für sich selbst zu gönnen: Frühstücken Sie in Ruhe, gehen Sie mit dem Hund spazieren oder meditieren Sie. Ziehen Sie sich danach an, stylen Sie sich und halten Sie den Beginn Ihrer Arbeitszeit ein. Und schaffen Sie sich, wenn möglich, einen eigenen Arbeitsbereich. Indem Sie sich für die Zeit zwischen dem Aufstehen und den Wechsel an den Schreibtisch einen immer gleichen Rhythmus angewöhnen, trainieren Sie Ihr Gehirn darauf, zur entsprechenden Zeit sanft vom Entspannungs- in den Arbeitsmodus zu wechseln.

Bei der Telearbeit besteht eine der größten Herausforderungen darin, sich ein Umfeld, das die Konzentration fördert, zu schaffen und dieses aufrechtzuerhalten.

Konzentriert durch den gesamten Tag

Bei der Telearbeit besteht eine der größten Herausforderungen darin, sich ein Umfeld, das die Konzentration fördert, zu schaffen und dieses aufrechtzuerhalten. Kurz auf dem Sofa Platz nehmen, fünf Minuten fernsehen, nur eine kleine Partie des Lieblingsvideospiels, schnell das Geschirr von gestern Abend spülen oder sich kurz draußen in die Sonne setzen … Mögliche Ablenkungen gibt es unzählige. Wenn man ihnen nachgibt, geht die Produktivität garantiert schnell zurück. Wenn Sie sich keine Vorwürfe von Ihrem Vorgesetzten anhören wollen, haben Sie also keine andere Wahl, als zum Ausgleich länger zu arbeiten. Doch wenn dadurch weniger Zeit für Sie selbst oder Ihre Familie übrig bleibt, kann dies im eigenen Haushalt zu Konflikten oder Problemen führen.

Die Lösung ist einfach, setzt aber Disziplin voraus: Versuchen Sie, Arbeit und Privatleben räumlich und zeitlich so gut wie möglich zu trennen. Legen Sie für jeden Tag feste Arbeitszeiten und Aufgaben fest und halten Sie sich daran! Außerdem sollten Sie unbedingt darauf achten, Ihre Arbeit so selten wie möglich zu unterbrechen. Eine Unterbrechung von nur drei Sekunden reicht schon aus, um die Fehlerzahl zu steigern. Bleiben Sie konzentriert und legen Sie Ihr Smartphone auf die Seite!

Abends gibt es noch etwas anderes als Ihre Lieblingsserien

Sie haben es nun also geschafft, sich einen festen Morgenrhythmus anzugewöhnen, haben Ihren Tag strukturiert und können konzentriert arbeiten – wie ein wahrer Telearbeit-Profi! Herzlichen Glückwunsch! Nun ist es an der Zeit, nach einem produktiven Arbeitstag abzuschalten und sich zu entspannen. Allerdings sollten Sie sich keinesfalls direkt mit einer Schüssel Eis aufs Sofa verziehen, um Ihre Lieblingsserie zu schauen. Es stimmt zwar, dass dies eine stressabbauende und entspannende Wirkung hat, die Ihnen kurzfristig guttut. Aber was Sie in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Zwangs-Homeoffice zweifellos am meisten brauchen, ist Kontakt mit anderen und echte soziale Interaktion. Rufen Sie doch Freunde und Verwandte an, spielen Sie mit Ihren Kindern oder nehmen Sie sich Zeit für ein gutes gemeinsames Essen, statt sich zu isolieren. Der Mensch ist vor allem ein soziales Wesen, und selbst die besten Spezialeffekte der Welt ersetzen niemals die gemeinsamen schönen Erlebnisse mit anderen, auch wenn der Kontakt wegen des Lockdowns zurzeit nur über das Smartphone oder den Computer möglich ist.

Mit ein bisschen Disziplin und gutem Willen sind die Ausgangsbeschränkungen und die damit verbundene Pflicht zur Telearbeit eine lösbare Aufgabe. Kopf hoch und Brust raus! Es liegt nun an uns, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, uns an die neue Lage anzupassen und diese Zwangslage zu etwas Produktivem zu nutzen. Achten Sie auf sich!