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Oktober 28, 2021

Unternehmerporträt: „Diversifizierung als Überlebensstrategie“

Carlo Arendt ist Gründer und Geschäftsführer von New Spirit. Das Unternehmen, nach eigenen Angaben die erste Eventagentur überhaupt in Luxemburg, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Was waren die wichtigsten Etappen in der Entwicklung des Unternehmens? Welche Herausforderungen begegneten Arendt und wie hat er sie gemeistert? Ein Treffen mit einem Unternehmer, der auch dank der Diversifizierung seiner Geschäftsaktivitäten auf mehrere erfolgreiche Jahrzehnte zurückblicken kann.

Carlo Arendt, 57 Jahre, ist ein gestandener Unternehmer, der mehrere Eisen im Feuer hat. Der ehemalige Gendarm, der eine Ausbildung in der Armee absolvierte, ist auch Besitzer des Anwesens „Le Moulin“ in Altwies, Gründer des Vereins „New Spirit Balloons“, der Heißluftballonfahrten organisiert, und Betreiber eines Ausrüstungsverleihs (pagode.lu). Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums seines Unternehmens trafen wir ihn, ließen gemeinsam die Höhepunkte seiner Unternehmertätigkeit Revue passieren, sprachen über seine Leidenschaft für Abenteuer und seine Arbeit.

Herr Arendt, wie sind Sie auf die Idee gekommen, New Spirit, die erste Eventagentur in Luxemburg, zu gründen?

„Die Idee entstand 1990. Ich hatte mich mit Maurits van Rijckevorsel, meinem späteren Geschäftspartner, für den „Raid Gauloise“ in Costa Rica angemeldet. Wir waren auf der Suche nach Sponsoren, um die Anmeldegebühren zahlen zu können. Doch das war schwierig. Allerdings stellte sich heraus, dass einige Menschen uns gerne beim Training begleiten würden und bereit wären, dafür zu zahlen. Wir organisierten Freizeitaktivitäten am Wochenende wie Rafting, Fallschirmspringen, Klettern usw. Mit dem Geld, das wir damit einnahmen, finanzierten wir unsere Teilnahme am Raid.

In Luxemburg gab es eine große Nachfrage nach Möglichkeiten, um dem Alltag zu entfliehen und Abenteuer zu erleben. Damals kamen wir auf den Gedanken, ein Unternehmen zu gründen, das Veranstaltungen organisiert.

Dann beauftragte uns eine Firma mit der Organisation ihrer Teambuilding-Aktivitäten. Das war der Auslöser. Wir bemerkten, dass die Nachfrage nach Möglichkeiten, dem Alltag zu entfliehen und Abenteuer zu erleben, in Luxemburg groß war. Deshalb kamen wir auf den Gedanken, ein Unternehmen zu gründen, das Veranstaltungen organisiert. Damals, im Jahr 1991, gab es noch keine Eventagenturen. Wir mussten uns bei der Handelskammer als Reisebüro anmelden. So wurden wir zur allerersten Veranstaltungsagentur in Luxemburg.“

Woher erhielten Sie die Finanzierung für den Aufbau und die Entwicklung des Unternehmens?

„Wir hatten überhaupt kein Startkapital. Für die Unternehmensgründung haben wir uns einen geringen Betrag von unseren Eltern geliehen. Doch wir haben weder Hilfen beantragt noch Banken um einen Kredit gebeten. Wir hatten zunächst nur das Nötigste: einen PC, einen Drucker und unsere Fahrräder, um Kunden besuchen zu können. Wir waren hochmotiviert. Um bekannt zu werden, mussten wir erst einmal Klinken putzen. Doch das war alles andere als leicht: Mein Geschäftspartner richtete ein Büro in seiner Wohnung ein, und ich zog wieder zu meinen Eltern. All unsere Verdienste flossen ins Unternehmen. Wir zahlten behielten nur so viel für uns, wie zur Deckung unserer Lebenshaltungskosten nötig war.“

Was waren die wichtigsten Meilensteine für das Wachstum Ihres Unternehmens?

„Der erste große Schritt nach vorn kam 1992. Die BIL beauftragte uns mit der Organisation ihres Mitarbeiterfestes. Wir haben ein Fest unter dem Motto „Karibik“ ausgerichtet und die Kockelscheuer-Eishalle in einen Festsaal verwandelt. Es war ein voller Erfolg! Als nächstes folgte das „BIL Familienfest“, eine großes öffentliches Event mit Karussells, Zirkusshows, Hüpfburgen, Tretbooten usw. Das Fest war fast größer als die Schueberfouer! Es fand in den darauffolgenden zehn Jahren jährlich statt, und schon im zweiten Jahr hatten wir an einem Tag mehr als 10.000 Besucher! Das war ein wichtiges Sprungbrett für uns. Wir wendeten das Konzept später auf viele große Unternehmen im Land an.

1993 gab es einen weiteren Wendepunkt für die Agentur: Wir gingen eine Partnerschaft mit dem Grafen von Ansemburg ein, der eine Burg im Tal der sieben Schlösser besitzt. Wir gestalteten das Gelände um und bauten Spiele à la Fort Boyard auf, mit Kletterparcours in den Bäumen, Seilbahn und vielem mehr. Das war ein wichtiger Schritt, der uns geholfen hat, als Organisatoren von Veranstaltungen und sportlichen Aktivitäten bekannt zu werden.

Im selben Jahr erfuhren wir, dass Luxemburg Kulturhauptstadt Europas werden sollte. Wir erhielten den Zuschlag für das Projekt „La Cité sous chapiteau“ und stellten für drei Monate Ausrüstung und Zelte zur Verfügung. Das war unser bis dahin größtes Projekt. Dadurch konnten wir unseren ersten Mitarbeiter einstellen! In dieser Zeit haben wir uns auch um die Logistik für die Heißluftballon-Weltmeisterschaft in Meysemburg gekümmert.

Wir waren die Jungs mit der Lösung für jedes Problem. Wir hatten zwar keine eigene Ausrüstung, aber die richtigen Kontakte.

Von da an waren wir die Jungs mit der Lösung für jedes Problem. Wir hatten zwar keine eigene Ausrüstung, aber die richtigen Kontakte. Wir reisten viel und sammelten Erfahrungen mit neuen Aktivitäten: Extremsportarten, Paragliding, Raids in Marokko und mehr. In manchen Jahren haben wir fast 30 Jahresabschlussfeiern in einem Monat organisiert.

Nach vier Jahren verließ mein Geschäftspartner schließlich das Unternehmen und ich wurde alleiniger Inhaber von New Spirit. Im Jahr 2002 habe ich die Moulin d’Altwies gekauft und Änderungen an dem zehn Hektar großen Gelände vorgenommen, um dort Hochzeiten, Teambuilding-Events, Themenabende und Aktivitäten für Firmen und Privatpersonen zu veranstalten: Fahrten im Quad oder Geländewagen, Hochseilparcours, Heißluftballonfahrten und mehr.“

Wie haben Sie als Pionier der Branche auf die zunehmende Konkurrenz reagiert und wie konnten Sie Ihre Position behaupten?

„Im Laufe der Jahre kamen andere Eventagenturen auf den Markt. Wir kamen die meiste Zeit gut miteinander aus. Es war ein respektvoller Umgang, wobei wir uns auch gegenseitig Kunden vermittelt haben: New Spirit war Spezialist für Abenteuer, Themenpartys, Teambuilding-Aktivitäten oder Familienfeiern. Die anderen Agenturen organisierten hauptsächlich Konferenzen, Marketing- und Kommunikationsveranstaltungen. Unser Unternehmen zeichnete sich durch Originalität, Innovationsgeist und gute Kundenbeziehungen aus.

Konkurrenz belebt das Geschäft! […] Dadurch ist man gezwungen, sein Bestes zu geben und stets kreativ zu sein.

Außerdem hatten wir den Vorteil, sehr schnell einen eigenen Veranstaltungsort anbieten zu können: zunächst 13 Jahre lang auf dem Gelände bei der Burg Ansemburg, dann in der Moulin d’Altwies. Das ist ein echter Vorteil. Darüber hinaus verfügen wir über eigene Ausrüstung: Zelte, Bühnen, Quads, Segways, Tische, Stühle usw. Da wir nicht von Lieferanten abhängig sind, können wir unsere Preise und Dienstleistungen an die Bedürfnisse unserer Kunden anpassen.

Und schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft. Wenn man einige Jahre lang für dieselben Kunden tätig ist, neigt man vielleicht dazu, sich weniger anzustrengen. Bei einer starken Konkurrenz ist man gezwungen, sein Bestes zu geben und stets kreativ zu sein. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die Wettbewerber aus dem Markt drängen wollen. Doch in der Regel gehen diese Unternehmen früher oder später bankrott.“

Wie haben Sie die Herausforderungen gemeistert, mit denen Sie im Laufe Ihrer Karriere konfrontiert waren?

„In den letzten 30 Jahren hatten wir einige schwierige Phasen zu überstehen: Finanzkrise, Immobilienkrise, der Millennium-Bug… Ich sage immer: Wir sind das Barometer der Konjunktur in Luxemburg. Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, werden als erstes die Ausgaben für Feste gekürzt!

Wir sind das Barometer der Konjunktur in Luxemburg. Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, werden als erstes die Ausgaben für Feste gekürzt!

In diesen Phasen haben die Unternehmen ihre Ausgaben zurückgefahren. Also mussten wir Lösungen finden: Senkung unserer Gebühren, Preisverhandlungen, Überprüfung der Leistung von Lieferanten usw. Wir mussten uns selbst in Frage stellen, uns anpassen und die Zähne zusammenbeißen, bis die Zeiten wieder besser wurden. Wir zogen es vor, weiter im Geschäft zu bleiben, auch wenn wir weniger Geld verdient haben.“

Ihre Branche ist dramatisch von der Coronakrise betroffen. Wie geht es Ihrem Unternehmen aktuell?

„Als die Beschränkungen im März 2020 beschlossen wurden, hatten wir einen vollen Terminkalender. Alle Wochenenden waren ausgebucht. Von einem Tag auf den anderen mussten wir Veranstaltungen absagen, verschieben oder Kunden entschädigen.

Ich begann, alle Ausgaben des Unternehmens unter die Lupe zu nehmen: Ich bat die Banken um einen Zahlungsaufschub, meldete die meisten Fahrzeuge ab, die wir für Veranstaltungen nutzen, machte eine Bestandsaufnahme der gesamten Ausrüstung, um festzulegen, was verkauft werden könnte, welche Abonnements gekündigt werden könnten usw.

Wir überleben, weil unsere Aktivitäten so vielfältig sind. […] Ich habe mehrere Einnahmequellen. Wenn es in einem Bereich schlechter läuft, kann das durch einen anderen ausgeglichen werden.

Wir überleben, weil unsere Aktivitäten so vielfältig sind: Da sind die Eventagentur New Spirit, die Vermietung der Moulin d’Altwies und der Ausrüstung über pagode.lu, New Spirit Balloons sowie die Vermietung von Räumen im Verwaltungsgebäude. Ich habe mehrere Einnahmequellen. Wenn es in einem Bereich schlechter läuft, kann das durch einen anderen ausgeglichen werden.

Ich habe auch bei allen Laboren angefragt, ob sie Zelte für die Durchführung von Corona-Tests benötigen. Ich habe Toiletten- und Duschcontainer für Asylsuchende zur Verfügung gestellt, und so weiter. Ich habe nie Aufträge abgelehnt. Wenn ich die entsprechende Ausrüstung selbst nicht hatte, habe ich mich an meine Geschäftskontakte gewandt. Alle waren froh, in dieser schwierigen Zeit Arbeit zu haben. So kam etwas Geld herein, mit dem die Ausgaben des Unternehmens beglichen werden konnten.

Leider musste ich drei Personen meines sechsköpfigen Teams entlassen. Ich konnte ihre Gehälter nicht mehr bezahlen und wollte das Unternehmen nicht gefährden. Das ist hart. Wir sind eine Familie und kennen uns alle sehr gut.

Die Krise hat uns gezeigt, was wirklich wichtig ist. Deshalb heißt es für mich: ‚Back to the roots‘. Mir wurde klar, dass ich das Leben genießen, Zeit mit meiner Familie verbringen und reisen will. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, die Vermietung der Moulin d‘Altwies einzustellen und die Aktivitäten der Eventagentur zum Ende dieses Jahres zu reduzieren.“

New Spirit feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

„Die Agentur ist auch 30 Jahre nach ihrer Gründung noch da, weil wir innovativ geblieben sind und auf unsere Kunden hören. Wir haben uns an die Marktbedingungen angepasst und bei Schwierigkeiten stets versucht, Lösungen zu finden. Deshalb haben wir die verschiedenen Krisen überstanden.“

Abschließend: Welchen Ratschlag würden Sie jemandem geben, der heute ein Unternehmen gründen will?

„Ich denke, es ist immer möglich, eine Nische und eine gute Geschäftsidee zu finden. Als ich anfing, gab es nur sehr wenige Veranstaltungen. Damals haben wir es geschafft, eine Nachfrage zu schaffen und uns in Luxemburg einen Namen zu machen. Bei dem Wort Event dachte man an New Spirit.

Ich bin davon überzeugt, dass man sich spezialisieren muss. Man sollte sich einen Bereich suchen, in dem man gut ist, und hier seine Stärken ausspielen. Allerdings ist es auch wichtig, seine Aktivitäten zu diversifizieren, um mehrere Einnahmequellen zu haben. Das Wichtigste ist es, an seine Geschäftsidee zu glauben, daran festzuhalten und sie und kontinuierlich weiterzuentwickeln.“