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November 26, 2022

Vorsicht vor der Schuldenfalle

  Gesammelt von myLIFE team me&myFAMILY August 20, 2018 374

Luxemburg – ein Schlaraffenland, das keine Krisen kennt? Die Wirklichkeit sieht anders aus, als die Klischees über das Land vermuten lassen. Der soziale Druck verleitet manch einen dazu, über seine Verhältnisse zu leben und Kredite aufzunehmen, um sich ein Auto oder den Skiurlaub leisten oder andere bestehende Kredite zurückzahlen zu können. Doch ein Kredit bringt finanzielle Belastungen mit sich, und wenn man sich nicht über seine laufenden Einnahmen und Ausgaben im Klaren ist, droht das Risiko der Überschuldung. myLIFE befasst sich im Folgenden mit diesem heiklen Thema und gibt einige hilfreiche Tipps.

Das Gewicht der Wörter

Der luxemburgische Gesetzgeber hat Überschuldung wie folgt definiert: Die offensichtliche Unfähigkeit eines Schuldners, seine privaten fälligen oder fällig werdenden Schulden in ihrer Gesamtheit zu tilgen. Doch was bezeichnet man als „Schulden“?

  • Es gibt laufende Schulden. Hierzu zählen beispielsweise die Miete und Kosten für Strom, Internet oder in der Wohnung durchgeführte Arbeiten.
  • Und es gibt Schulden, die aus der Aufnahme eines Immobilienkredits, Verbraucherkredits oder einer Autofinanzierung resultieren. In diesem Fall haben Sie sich Geld geliehen, das Sie zuzüglich Zinsen zurückzahlen müssen, in der Regel in Form monatlicher Raten.

Nur weil jemand Kredite zurückzahlen muss, bedeutet dies nicht, dass er überschuldet ist. Dies gilt auch für jemanden, der vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Das ist das Los vieler Menschen, vor allem junger Paare, die sich ein Eigenheim zulegen. Also nicht in Panik verfallen. Kredite an sich sind nicht problematisch. Allerdings sollte man mit Bedacht vorgehen und sich bewusst sein, dass eine allzu leichtsinnige Kreditaufnahme eine häufige Ursache von Überschuldung ist. Bevor man einen Kredit in Erwägung zieht, sollte man sich eine einfache Frage stellen: „Reicht mein Einkommen, um meine laufenden Kosten und den Kredit zurückzuzahlen?“ Fällt die Antwort negativ aus, besteht ein erhöhtes Risiko und man sollte es sich zweimal überlegen, ob man einen Kreditvertrag unterschreibt.

Eine Überschuldung hat schwerwiegende finanzielle Folgen, ist langwierig und kann Zivilklagen nach sich ziehen. Nach Aussage der Beratungsstelle für Überschuldung (SICS) ist „ein Privathaushalt, der mehr als sechs Monate in Folge nicht in der Lage ist, seine laufenden Ausgaben durch sein Nettoeinkommen zu begleichen, überschuldet“.

Menschen, die einen Hilfsantrag stellen, sind meist alleinstehend, wohnen zur Miete, sind zwischen 30 und 50 Jahre alt und häufig berufstätig.

Situation in Luxemburg

Den verfügbaren Daten zufolge haben mehr als 60% der Haushalte Schulden, sie haben also einen Kredit aufgenommen. Außerdem wurden 2017 in Luxemburg 543 Hilfsanträge wegen Überschuldung eingereicht.

Menschen, die einen Hilfsantrag stellen, sind meist alleinstehend, verwitwet oder geschieden (71%), wohnen zur Miete (67%), sind zwischen 30 und 50 Jahre alt (66%) und häufig berufstätig (58%). Die Mehrheit von ihnen hat einen Kredit im Ausland aufgenommen (53%).

Die Ursachen der Überschuldung können persönlicher Natur (Unfähigkeit, mit Geld umzugehen, Suche nach sozialem Status, Unfall/Krankheit, Sucht…), sozialer Natur (mangelhafte Finanzkenntnisse, Rolle des Kredits in der Gesellschaft, aggressive Werbung…) oder wirtschaftlicher Natur (Inflation, Arbeitslosigkeit, niedrigerer Lohn, Insolvenz…) sein.

Die Folgen auf persönlicher Ebene (Verlust des Selbstvertrauens, Verzweiflung, Selbstmordgedanken…), sozialer Ebene (Isolation, Abhängigkeit von Sozialhilfe, Familienkonflikte, Scheidung…) und wirtschaftlicher Ebene (Verlust der Beschäftigung oder der Wohnung, ein dauerhaft verringertes Familienbudget…) können schwerwiegend sein.

Wenn die Schulden 50% des verfügbaren Einkommens übersteigen, wird im Allgemeinen von einem Überschuldungsrisiko ausgegangen.

Berechnung der Verschuldung

Um zu beurteilen, ob ein Überschuldungsrisiko besteht, muss man wissen, wie hoch die jeweilige Person verschuldet ist. Um die Höhe der Verschuldung zu ermitteln, stellt man die monatlichen Einnahmen den monatlichen Ausgaben gegenüber. Dazu addiert man alle Kosten, die im Monat anfallen (Miete, Rechnungen und Kreditraten), und stellt sie den monatlichen Nettoeinnahmen gegenüber. Wenn die Schulden 50% des verfügbaren Einkommens übersteigen, wird im Allgemeinen von einem Überschuldungsrisiko ausgegangen. Tatsächlich ist bereits bei einem Wert von 30% des verfügbaren Einkommens Vorsicht geboten.

Tipps

Bevor Sie einen Kreditvertrag unterzeichnen, sollten Sie sich – unabhängig vom Grund der Kreditaufnahme – einen genauen Überblick darüber verschaffen, wie viel Geld Ihnen in Zukunft zur Verfügung stehen wird. Werden Sie in der Lage sein, den Kredit zu bedienen? Verfügen Sie nach Abzug der notwendigen Ausgaben wie Miete, Einkäufe und Strom noch über die dazu nötigen Mittel?

Ermitteln Sie Ihr monatliches Budget, indem Sie alle Ihre Ausgaben so genau und objektiv wie möglich auflisten. Vergessen Sie nicht, einen regelmäßigen Sparbetrag in die Liste aufzunehmen. Es ist besser, frühzeitig Geld zu sparen, als später einen neuen Kredit aufnehmen zu müssen. Dann verfügen Sie über Mittel, falls etwas Unerwartetes auftritt, und müssen sich nicht verschulden. Ohne diese Reserve hätten Sie keinen Spielraum, um auf unangenehme Überraschungen reagieren zu können.

Schließlich ist ein Kredit eine langfristige Verpflichtung, und man kann nicht wissen, was die Zukunft bringt. Kalkulieren Sie nicht zu knapp und schließen Sie bei der Aufnahme eines Verbraucherkredits eine Versicherung ab, die bei unvorhergesehenen Ereignissen wie beispielsweise dem Verlust Ihres Arbeitsplatzes, einer Scheidung oder hohen medizinischen Kosten einspringt.

Versuchen Sie im Falle von Schwierigkeiten nicht, alleine damit fertig zu werden! Sprechen Sie mit Ihrem Bankberater oder Ihren Gläubigern, um die Situation in Ruhe zu analysieren und um einen Zahlungsaufschub zu bitten. Sprechen Sie auch mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden, selbst wenn dies schwierig erscheint. Vielleicht können sie Ihnen finanziell unter die Arme greifen, selbst wenn es nur kurzfristig möglich sein sollte.

Auch bei den Konditionen und der Art des Kredits ist einiges zu beachten. Das wichtigste ist natürlich der Zinssatz! Und es gilt folgende Regel: Je leichter es ist, einen Kredit ungeachtet der persönlichen finanziellen Situation zu erhalten, desto größer sind die mit dem Kredit verbundenen Risiken und desto höher sind die Zinsen. In jedem Fall sollten Sie sich den Kreditvertrag genau durchlesen. Lassen Sie sich gegebenenfalls beraten. Der direkte Auslöser für eine Überschuldung ist oft, dass ein Kredit zu viel aufgenommen wurde. Bestehende Kredite durch einen neuen Kredit abzulösen, ist keine gute Idee. Dies würde das Problem nur verlagern und im Allgemeinen verschärfen.

Auch bei der Überziehung von Girokonten ist Vorsicht geboten. Die Zinsen für einen Dispokredit sind mitunter sehr hoch. Vorsicht auch bei Kreditkarten.

  • Bei traditionellen Kreditkarten fallen keine Sollzinsen an und die Abrechnung erfolgt einmal im Monat. Doch wenn das Konto nicht gedeckt ist, wird der Betrag dennoch belastet. Das Konto wird überzogen und es fallen Zinsen an.
  • Bei den (seltenen) Kreditkarten mit Ratenzahlung wird am Ende des Monats nur ein Bruchteil des in Anspruch genommenen Kredits getilgt und der Rest wird in den folgenden Monaten in Raten zurückgezahlt. Hier können die Zinsen recht hoch sein.

Scheuen Sie nicht, sich von Experten beraten zu lassen.

Kontakte und Informationen

Die Ligue und die SICS informieren und beraten bei Überschuldung. Scheuen Sie nicht, sich an die Experten dieser Organisationen zu wenden. Sich Hilfe zu suchen, ist oft der erste Schritt zur Lösung des Problems.

In den meisten Fällen ist eine Überschuldung kein Schicksalsschlag, sondern die Folge der Entscheidung, über die eigenen Verhältnisse zu leben. Wer sich über seine Einnahmen und Ausgaben im Klaren ist, weiß auch, was er sich leisten kann und was nicht. Wenn Sie einen Kredit in Anspruch nehmen wollen, sollten Sie sich die Rückzahlungsbedingungen genau anschauen, bevor Sie unterschreiben. Außerdem steht Ihnen Ihr Bankberater mit Rat und Tat zur Seite und stellt mit Ihnen einen soliden Finanzierungsplan auf.