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Mai 25, 2020

Was tun bei einer Kontosperrung?

  Gesammelt von myLIFE team me&myFAMILY Februar 18, 2020 65

Sie können weder mit Ihrer Kreditkarte zahlen, noch Geld abheben oder eine Online-Überweisung tätigen und fragen sich, wo das Problem liegt? Nach kurzer Recherche stellen Sie fest, dass Ihr Bankkonto gesperrt wurde. Sie sind zunächst überrascht, konzentrieren sich dann jedoch wieder auf das Wesentliche und überlegen, wie Sie am besten vorgehen. Genau so sollte man reagieren! Wir erklären Ihnen, was Sie im Hinblick auf gesperrte Konten wissen sollten und wie Sie mit einer Kontosperrung am besten umgehen.

Sie möchten, dass Ihre Bank Ihr vollständig oder teilweise eingefrorenes Kontoguthaben wieder freigibt? Bewahren Sie Ruhe, und gehen Sie zunächst davon aus, dass Ihre Bank einen guten Grund für Ihr Vorgehen hat. Damit Sie gemeinsam mit Ihrem Kundenbetreuer eine Lösung finden können, müssen Sie zunächst den Grund für die Sperrung ermitteln. Denn dieser Artikel kann nicht auf alle Details im Zusammenhang mit einer Kontosperrung eingehen. Ihre Situation ist individuell, und die an dieser Stelle gegebenen Informationen können ein Gespräch mit Ihrem Kundenbetreuer oder einem Experten, der über Ihre Situation am besten im Bilde ist, daher nicht ersetzen. Wir möchten Ihnen jedoch dabei helfen, den Grund für die Sperrung zu ermitteln, und Ihnen eine Reihe von Tipps geben, die zur Lösung des Problems beitragen können. Vorab möchten wir jedoch noch darauf hinweisen, dass es in diesem Artikel weder um Bankverpfändungen im Rahmen von in der Gründung befindlichen Unternehmen noch um Sperrungen infolge einer missbräuchlichen oder kriminellen Kontonutzung geht.

Mögliche Gründe für eine Kontosperrung

Die erste Möglichkeit lautet zunächst, dass Sie Ihr Konto selbst gesperrt haben. Dies sollten Sie etwa tun, wenn man Ihnen Ihren Ausweis und Ihre Bankkarten gestohlen hat. Wenn Sie fürchten, dass Ihr Konto unbefugt verwendet wird oder Geldbeträge abgebucht werden sollen, können Sie sich direkt an Ihre Bank oder Ihren Kundenbetreuer wenden, damit Ihr Konto bis zur Klärung der Situation gesperrt wird. Genauer gesagt können Sie auch entscheiden, bestimmte Transaktionsarten oder -kanäle zu sperren. So können Sie Ihre Bank etwa darum bitten, dass Sie generell keine Aufträge annimmt, die per Fax oder E-Mail erteilt wurden. Wenn es sich bei Ihrem Konto um ein ruhendes Konto handeln sollte, d. h. um ein Konto, auf dem weder Geldeingänge noch Geldausgänge verbucht werden, blockiert die Bank Ihr Konto schrittweise (nach 3, 5, 9 und 15 Jahren).

Eine zweite Möglichkeit wäre eine Kündigung der Gesamtschuldnerschaft eines Gemeinschaftskontos. Wenn ein Mitkontoinhaber die Gesamtschuldnerschaft kündigt, wird das Konto zwar nicht im eigentlichen Sinn gesperrt, Sie können ohne die Unterschrift aller Mitkontoinhaber jedoch de facto keine Transaktionen veranlassen.

Eine Kontosperrung kann auch durch die Bank oder auf Veranlassung Dritter erfolgen, die in bestimmten Fällen dazu berechtigt sind, dies von der Bank zu verlangen. Hierzu gehören vor allem folgende Situationen:

  • Das Ableben des oder eines Mitkontoinhabers: Im Todesfall muss Ihre Bank die Konten der verstorbenen Person sowie all ihre Vermögenswerte (Sparkonten, Schließfach-Zugang, Wertpapierkonten usw.) so lange sperren, bis der Nachlass geregelt ist. Dieser Prozess kann jedoch insbesondere bei strittigen Nachlässen durchaus viel Zeit in Anspruch nehmen. Während dieses Zeitraums können in Bezug auf das betroffene Konto weder Gutschriften noch Abbuchungen erfolgen, und zwar unabhängig davon, ob Sie über eine Vollmacht verfügen oder nicht. Dies gilt auch für gesamtschuldnerische Gemeinschaftskonten. Wenn festgelegt wurde, dass eine Vollmacht post mortem gilt, ist diese auch nach dem Tod gültig, sofern die berechtigten Personen über die Existenz dieser nach dem Tod gültigen Vollmacht informiert wurden. Sie können die entsprechende Vollmacht jedoch jederzeit bei der Bank aufheben lassen. Schließlich können bestimmte Abbuchungen fallweise genehmigt werden, um zum Beispiel für Bestattungskosten aufzukommen.
  • Die Begleichung von Schulden: Die Bank muss ihr ordnungsgemäß angezeigten gerichtlichen Pfändungsbeschlüssen Folge leisten. Je nach Art der Pfändung muss sie den entsprechenden Betrag an den Gläubiger überweisen oder Ihr Konto (oder den im Pfändungsbeschluss festgelegten Betrag) blockieren. Im zweiten Fall müssen Sie den geforderten Betrag innerhalb der vorgeschriebenen Frist einzahlen. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, den Betrag innerhalb der vorgegebenen Frist vollständig zurückzuzahlen, können Sie versuchen, mit Ihrer Bank eine Zahlung in mehreren Raten und die Freigabe Ihres Kontos zu vereinbaren.
  • Wenn ein Verwaltungsverfahren bezüglich der Begleichung von Steuerforderungen zu einem negativen Bescheid führt, kann die Steuerverwaltung im Hinblick auf Ihre bei einer Bank gehaltenen Vermögenswerte einen Beschlagnahmebeschluss  erwirken.
  • Konten minderjähriger Kinder: Diese Konten sind zwar rein technisch gesehen nicht gesperrt, sie kennzeichnen sich jedoch durch ein besonderes Verfügungsrecht. Das bedeutet, dass Sie über diese Konten nicht völlig frei entscheiden können. Wenn Sie für Ihr minderjähriges Kind ein Konto eröffnet  haben, behalten Sie bis zur Volljährigkeit des Kindes das Verfügungsrecht über dieses Konto und entscheiden darüber, ob Sie Ihrem Kind den Zugang zu den darauf befindlichen Summen gewähren. Ihre Bank kann übrigens frei entscheiden, bestimmte Transaktionen zu blockieren und Nachweise zu verlangen, wenn sie den Verdacht hat, dass solche Transaktionen nicht im Interesse des Minderjährigen sein könnten.
  • Im Gegensatz zu bestimmten anderen Ländern gibt es in Luxemburg genau genommen kein nationales Register, mit dem bestimmten Personen der Zugang zu Bankdienstleistungen verweigert werden kann. Doch eine Bank kann entscheiden, Kunden vorläufig oder endgültig auf eine schwarze Liste zu setzen, wenn diese die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Instituts missachten. Dies kann etwa nach einer wiederholten missbräuchlichen Verwendung von Kreditkarten der Fall sein.

Wie sollte man reagieren?

Sie möchten die Sperrung Ihres Kontos so schnell wie möglich aufheben? Wenn es sich nicht um eine dauerhafte Sperrung handelt, gibt es dafür nur eine Lösung: Ermitteln Sie die Ursache für die Sperrung und schaffen Sie Abhilfe. Das kann zum Beispiel Folgendes bedeuten:

  • Regeln Sie bei Todesfällen den Nachlass.
  • Begleichen Sie Schulden, die Sie bei der Steuerverwaltung oder dritten Gläubigern haben. Sie können mit der Steuerverwaltung oder Ihrem Gläubiger ebenfalls eine Schlichtung anstreben, damit Ihnen Ihre Schulden erlassen werden oder Sie deren Rückzahlung zeitlich staffeln können. Wenn es sich Ihres Erachtens um unbegründete Forderungen handelt, steht Ihnen natürlich frei, ein Gerichtsverfahren anzustrengen.
  • Üben Sie sich in Geduld, bis Sie die Volljährigkeit erreichen, denn dann unterliegt das Konto keinen besonderen Bestimmungen mehr. Wenn Sie sich nicht so lange gedulden können, können Sie auch versuchen, Ihre Eltern davon zu überzeugen, Ihnen den Zugang zu den auf Ihrem Konto befindlichen Summen zu gewähren.

Wenden Sie sich an Ihren Kundenbetreuer, damit dieser Ihnen dabei hilft, die Situation zu verstehen, und gemeinsam mit Ihnen nach Lösungsmöglichkeiten sucht.

Empfohlene Präventivmaßnahmen

Ein Sprichwort besagt: „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Damit Sie erst gar nicht mit einem gesperrten Konto konfrontiert sind, genügt es mitunter, sich auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen. Denken Sie etwa daran, Ihren Kontostand stets im Blick zu haben und regelmäßig Geld auf Ihr Konto zu überweisen, damit Sie nicht ins Minus rutschen. Zu Ihrer Unterstützung veröffentlicht myLIFE regelmäßig Artikel, in denen wir Ihnen etwa erklären, wie Sie Ihr Budget organisieren und im Auge behalten können.

In bestimmten Situationen, wie zum Beispiel bei einem Todesfall, haben Sie leider keine andere Wahl, als die nötigen Schritte einzuleiten, sich in Geduld zu üben und zu warten, bis alle Bedingungen für einen erneuten Zugriff auf Ihr Konto erfüllt sind.

In anderen Fällen, insbesondere bei Schulden oder nicht beglichenen Steuerforderungen, können Sie die Sperrung oder Pfändung Ihres Kontos vermeiden, wenn Sie sich früh genug um das Problem kümmern. Sie können einer Forderung nicht nachkommen? Teilen Sie dies Ihrem Gläubiger so offen wie möglich mit, und versuchen Sie, eine einvernehmliche Lösung zu finden, bevor die Situation aus dem Ruder läuft. Wenn Sie die Forderung nicht auf einmal begleichen können, bietet sich vielleicht die Möglichkeit, Ihre Schulden in Raten abzuzahlen.