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August 10, 2022

Wie läuft ein Börsengang ab?

Das Interesse am Börsengang eines Unternehmens geht manchmal weit über den finanziellen Bereich hinaus, sodass das Ereignis für zahlreiche Schlagzeilen sorgt und mit Spannung verfolgt wird. Doch worum genau handelt es sich bei einem Börsengang? Wie läuft er ab und wozu dient er? Bei myLIFE erfahren Sie alles Wissenswerte zu diesem Thema.

Was sagt das Lexikon?

Was ist die Börse oder genauer gesagt die Wertpapierbörse? Sie wird allgemein wie folgt definiert: „Die Börse ist ein Markt, auf dem Wertpapiere zwischen Anlegern gehandelt werden.“ Es ist also ein Handelsplatz, auf dem Anleger zusammenkommen, um Wertpapiere zu kaufen und zu verkaufen.

Doch was genau sind Wertpapiere und welche Rolle spielen die Unternehmen? Es gibt verschiedene Arten von Wertpapieren und myLIFE hat den verschiedenen Anlageklassen eine Artikelserie gewidmet. Die wichtigsten Instrumente sind Beteiligungspapiere (Aktien) oder Schuldverschreibungen (Anleihen) von Unternehmen, die im Einzugsbereich der Börse tätig sind oder sich an Investoren aus der betreffenden Region wenden wollen. Zwar gibt es noch andere Wertpapiere. Die beiden genannten sind für unser Thema jedoch am wichtigsten.

Ein Börsengang (oft als IPO, Initial Public Offering, bezeichnet) ermöglicht es Unternehmen, Aktien bei Anlegern zu platzieren und so Kapital zur Finanzierung des Unternehmenswachstums aufzunehmen.

In Luxemburg

Rund um den Globus gibt es eine Vielzahl von Börsenplätzen (New York, London, Tokio usw.), und einige haben sich zusammengeschlossen, um eine größere Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Dies gilt vor allem für das Unternehmen Euronext, das mehrere europäische Börsen in sechs Ländern, darunter Frankreich und Belgien, betreibt.

Selbstverständlich verfügt auch das Großherzogtum über eine eigene Börse, die 1928 gegründet wurde. Sie funktioniert ähnlich wie die anderen Börsen der Welt, weist jedoch einige Besonderheiten auf, wie beispielsweise eine Spezialisierung auf internationale Anleihen und nachhaltige Finanzierung. Ein echter Trumpf!

Der Referenzindex der Luxemburger Börse ist der LuxX, der die neun Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung des Landes abbildet und Aufschluss über die Entwicklung des Marktes gibt.

Die LuxSE (Luxembourg Stock Exchange) arbeitet seit 2000 mit der Euronext zusammen, was Interaktionen der beiden Börsenplattformen ermöglicht. Der Referenzindex ist der LuxX. Er wurde im Januar 1999 mit einem anfänglichen Indexstand von 1000 gegründet und umfasst heute die neun Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung in Luxemburg. Sie möchten mehr über die Luxemburger Börse erfahren? Besuchen Sie die Website www.bourse.lu 

Gründe für einen Börsengang

Warum gehen Unternehmen an die Börse? Kurzum: Es handelt sich um ein Finanzgeschäft. Ein Börsengang ist eine Möglichkeit für Unternehmen, sich Kapital zu beschaffen, um über zusätzliche finanzielle Mittel zu verfügen. Ein Börsengang kann auch dazu genutzt werden, das Kapital für neue Investoren zugänglich zu machen, die die bisherigen Aktionäre ersetzen oder ergänzen. Ein Börsengang beinhaltet somit eine Kapitalerhöhung und/oder den Verkauf bestehender Aktien.

Während das Ziel eines Börsengangs also eindeutig ist, können die Gründe dafür vielfältig sein: Das eingenommene Geld kann beispielsweise für Investitionen, zur Begleichung von Schulden oder zur Erhöhung der liquiden Mittel verwendet werden.

Indirekt ist der Gang an die Börse auch eine gute Möglichkeit für das Unternehmen, von sich reden zu machen und seine Glaubwürdigkeit zu erhöhen, indem es die höheren Anforderungen an Transparenz und Berichterstattung, die mit einer Börsennotierung einhergehen, erfüllt. Der Verkauf von Anteilen über eine Börse bringt im Gegenzug eine Reihe von Verpflichtungen mit sich: Jahres- und Halbjahresberichte, Veröffentlichung wichtiger Informationen, die sich auf den Börsenkurs auswirken könnten, öffentliches Angebot von Wertpapieren, Aktienrückkauf usw.

Wenn sie gut kommuniziert wird, kann eine Börseneinführung ein enormes Medienecho auslösen, wobei das hohe öffentliche Interesse in einigen Fällen den Aktienkurs nach oben treibt. Mit Blick auf das Image des jeweiligen Unternehmens wird ein Börsengang oft als äußerst positives Signal gewertet.

Eines lässt sich festhalten: Ein Börsengang ist in der Regel dem internen Wachstum (organisches Wachstum) oder auch dem externen Wachstum (Übernahmen, Eintritt in neue Märkte) förderlich.

Börseneinführung

Alles beginnt mit einem IPO (Initial Public Offering), bei dem ein (großes oder kleines) Unternehmen Anteile zum Verkauf anbietet. Es öffnet sich somit neuen Investoren, die die Aktien des Unternehmens kaufen können. Bei einem Börsengang können die Aktien sowohl institutionellen Anlegern als auch Privatanlegern und den Beschäftigten des Unternehmens angeboten werden.

Zu welchem Preis?

Wie wird der Kaufpreis der Aktie, also der Emissionspreis beim Börsengang bestimmt? Wenn ein Unternehmen erstmals an die Börse geht, wird die Menge der zum Verkauf angebotenen Aktien sowie der Preis pro Aktie nach verschiedenen Verfahren festgelegt: Bookbuilding-Verfahren, Festpreisverfahren oder Auktionsverfahren.

    • Das Bookbuilding-Verfahren wird am häufigsten angewendet. Hierbei wird eine Preisspanne für die Aktien festgelegt, die für die Privatanleger bestimmt sind. Der Emissionspreis (und die Anzahl der zu liefernden Aktien) wird somit über Angebot und Nachfrage innerhalb der Preisspanne ermittelt.
    • Festpreisverfahren: Das Unternehmen und die mit dem Börsengang beauftragten Banken legen den Preis der Aktien fest, bevor sie am Markt zum Verkauf angeboten werden.
    • Auktionsverfahren: Das Auktionsverfahren ähnelt dem Bookbuilding-Verfahren, wobei hier nur ein Mindestpreis festgelegt wird und am Ende die höchsten Gebote den Zuschlag erhalten.

Nach dem Börsengang folgt der Kurs eines Wertpapiers im Wesentlichen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Je größer die Nachfrage nach einer Aktie ist, desto höher steigt ihr Kurs. Sobald die zuständige Aufsichtsbehörde das Emissionsverfahren bestätigt hat, erfolgt die Zuteilung der Aktien durch die Emissionsbanken nach genau festgelegten Regeln.

Primärmarkt oder Sekundärmarkt?

Die Wertpapiere eines Unternehmens werden erstmals auf dem Primärmarkt zum Verkauf angeboten. Hier sind vor allem institutionelle Anleger, also die großen Kapitalsammelstellen, aktiv (daneben auch einige Privatanleger). Gemeint sind hiermit beispielsweise Banken, Pensionsfonds, Rentenkassen oder Versicherungen.

Wenn diese Anleger beschließen, ihre Wertpapiere wieder zu verkaufen, gelangen diese auf den Sekundärmarkt, auf dem sich traditionelle Anleger, Sparer wie Sie und ich, befinden. Bei Wertpapieren ist es somit ähnlich wie bei Waren, bei denen es einen Markt für neue Erzeugnisse und einen Gebrauchtmarkt gibt.

Grundsätzlich steht es allen Unternehmen frei, an die Börse zu gehen, doch ein Börsengang ist mit hohen Kosten verbunden!

Was kostet das Ganze?

Grundsätzlich steht es allen Unternehmen frei, an die Börse zu gehen, doch ein Börsengang ist mit hohen Kosten verbunden. Um eine solche Transaktion durchzuführen, müssen zahlreiche externe Akteure und Partner eingeschaltet werden. Rechtsanwälte, Banker, Wirtschaftsprüfer, Beratungsunternehmen usw. Es handelt sich um komplexe und aufwendige Verfahren, die Zeit und Geld kosten.

Die beschriebene Festlegung des Ausgabepreises ist ebenfalls mit Kosten verbunden, ebenso wie die Platzierung der Wertpapiere durch Finanzintermediäre. Ein Börsengang kommt also nur für Unternehmen mit einem gewissen Umsatz infrage.

Wie geht es weiter?

Was sind die wichtigsten Folgen eines Börsengangs für Unternehmen? Sobald ein Unternehmen an der Börse notiert ist, ist es verpflichtet, seine Investoren genau und detailliert über seine Finanzlage und seine Ergebnisse zu informieren. Diese können als Aktionäre Einfluss auf interne Entscheidungen nehmen, sofern sie einen erheblichen Anteil am Kapital des Unternehmens besitzen und die entsprechenden Aktien mit einem Stimmrecht ausgestattet sind.

Eine weitere logische Konsequenz ist, dass ein börsennotiertes Unternehmen den Schwankungen der Märkte ausgesetzt ist. Der Aktienkurs kann somit steigen oder fallen. Unternehmen, die es geschafft haben, einen erfolgreichen Börsengang durchzuführen, müssen sich anschließend also am Sekundärmarkt behaupten und verhindern, dass die Unternehmensstrategie durch die Kursentwicklung gefährdet wird. Aber das ist eine andere Geschichte!

Ein Börsengang ist ein wichtiges Ereignis für ein Unternehmen. Er dient der Aufnahme finanzieller Mittel und ist gleichzeitig ein kommunikativer Vorgang. Obwohl strenge Vorschriften zu beachten sind und hohe Kosten anfallen, kann ein Börsengang auch die Grundlage für ein starkes zukünftiges Wachstum bilden, ein vielversprechendes Signal für Investoren sein und das Unternehmen in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.