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Januar 28, 2023

Das Klimaproblem und die soziale Verantwortung im Zusammenhang mit einem Zweitwohnsitz

  Gesammelt von myLIFE team myHOME Januar 18, 2023 46

Ferienhäuser hatten schon immer ihren Reiz als vertrauter Rückzugsort an einem exotischen Ort, meist in einer warmen und sonnigen Gegend, in der Nähe eines Skigebiets oder in einer fremden Stadt. Sie versprechen augenblickliche Entspannung, sind ein unkompliziertes Ausflugsziel, und in einigen Fällen liefern sie ein regelmäßiges Einkommen. Heute müssen Anleger, die sich eine Zweitimmobilie zulegen, bei der Entscheidung über deren Art und Standort allerdings auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen.

Während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Zweitwohnsitzen sprunghaft an. Vor allem diejenigen, die in einer Wohnung wohnten, fühlten sich in der Stadt eingeengt, während die Arbeit von zu Hause aus – unabhängig vom Standort – den Menschen mehr Freiheit bot. 2022, als die Beschränkungen aufgehoben wurden, ging der Nachfrageanstieg auf dem Immobilienmarkt leicht zurück, und in vielen Branchen erwies sich das Arbeitsumfeld nach der Pandemie als nicht so flexibel wie ursprünglich angenommen. Trotzdem steht ein Zweitwohnsitz für viele Familien nach wie vor weit oben auf der Wunschliste.

Gleichzeitig setzt sich allerdings auch die Erkenntnis durch, dass Zweitwohnsitze oft sowohl einen ökologischen als auch einen gesellschaftlichen Preis haben. Den Kaufinteressenten wird allmählich klar, dass der Klimawandel eine Gefahr für Ihren Traum darstellen könnte: Eine Strandvilla in Miami könnte in einigen Jahren unter Wasser stehen, und der Ausblick aus einer Skihütte fällt vielleicht bald nur noch auf nackte Felsen. Ein Gebäude aus Glas und Beton in der Innenstadt könnte künftig inmitten einer Hitzezone stehen.

Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass Zweitwohnsitze oft sowohl einen ökologischen als auch einen gesellschaftlichen Preis haben.

Die CO2-Bilanz

Hinzu kommt die CO2-Bilanz für die Hin- und Rückreisen, vor allem, wenn diese mit dem Flugzeug erfolgen und das Ferienhaus mehrmals im Jahr genutzt wird. Doch auch bei Autofahrten summieren sich die Emissionen. In Frankreich gibt es 3,4 Millionen Zweitwohnsitze, die jedes Jahr zu zahlreichen klimaschädlichen Reisen führen; und in Ländern wie Italien, Spanien und Portugal sieht es nicht anders aus.

Bei den Superreichen, die meist mehrere Häuser in verschiedenen Teilen der Welt besitzen, ergibt sich ein noch beunruhigenderes Bild. Aus Research der Versicherungsgesellschaft AIG geht hervor, dass die reichsten US-Bürger bis zu neun Auslandswohnsitze in verschiedenen Ländern besitzen. Vielfach erreichen sie diese mit der klimaschädlichsten Reiseform – nämlich mit einem Privatjet.

Darüber hinaus haben Zweitwohnsitze auch gesellschaftliche Auswirkungen. Einige Orte in Europa werden außerhalb der Saison zu Geisterstädten, weil ein Großteil der Einwohner nur vorübergehend zu bestimmten Jahreszeiten dort lebt. Das schadet der lokalen Wirtschaft, führt aber auch dazu, dass Wohnraum im Verhältnis zu den vor Ort gezahlten Gehältern nicht mehr erschwinglich ist. Zweitwohnsitze werden für ihren zerstörerischen Einfluss auf die Gemeinden kritisiert, denn sie schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt dort. In einigen Ländern ist es problematisch, zwei Wohnimmobilien zu besitzen, wenn gleichzeitig eine allgemeine Wohnungsknappheit herrscht.

Für viele sind das keine hinreichenden Gründe, um auf ihren Traum vom eigenen Ferienhaus zu verzichten. Die genannten Aspekte können jedoch die mit dem Besitz einer Zweitimmobilie verbundenen Kosten in die Höhe treiben. Viele europäische Staaten werden sich der Problematik im Zusammenhang mit dem unregulierten Zweitimmobilienbesitz bewusst. Sie erheben höhere Steuern und die Finanzierungsanbieter verschärfen die Kriterien für die Kreditvergabe. Zweitwohnsitzinhaber müssen also zunehmend mit finanziellen Folgen rechnen – vor allem dann, wenn sie sich nicht verantwortungsvoll verhalten.

Verantwortungsvoller Umgang mit Wohneigentum

Es gibt Mittel und Wege, verantwortungsvoller mit einem Zweitwohnsitz umzugehen und zum Erhalt der Regionen beizutragen, die man ins Herz geschlossen hat, lokale Kontakte zu knüpfen und die ständigen Einwohner nicht zu benachteiligen oder gegen sich aufzubringen. Diese Maßnahmen könnten auch dazu beitragen, unerwartet hohe Kosten zu vermeiden, wenn Staaten gegen nicht ortsansässige Immobilienbesitzer vorgehen.

Der vielleicht wichtigste Schritt ist es, sich so viel wie möglich in die Gemeinschaft vor Ort einzubringen.

Der vielleicht wichtigste Schritt ist es, sich so viel wie möglich in die Gemeinschaft vor Ort einzubringen. Für die ständigen Einwohner ist es besonders lästig, wenn eine Immobilie hauptsächlich zur Vermietung als Ferienhaus gekauft wird, denn diese wird dann vielfach von zahlreichen rücksichtslosen Kurzzeitbesuchern genutzt, die oft viel Lärm verursachen. Seit dem Aufkommen von Airbnb hat sich dieses Problem deutlich verschärft. Im Hinblick darauf ist es hilfreich, ein Haus zu kaufen, das Sie regelmäßig nutzen möchten, und das sich in einer Gegend befindet, in der Sie – zumindest gelegentlich – am Leben vor Ort teilnehmen können.

Ebenso wichtig ist die Verkehrsanbindung. Wenn sich ein Ferienhaus realistisch betrachtet nur mit dem Flugzeug erreichen lässt, das große Mengen an CO2-Emissionen verursacht, bedeutet dies einen anhaltende Klimabelastung. Aus ökologischer Sicht ist es deutlich sinnvoller, sich für eine Immobilie an einem Standort zu entscheiden, der mit dem Auto (idealerweise einem Elektrofahrzeug) oder, noch besser, mit dem Zug erreichbar ist.

Revitalisierung ungenutzter Immobilien

Wenn Sie ein neues Haus bauen oder ein baufälliges Haus sanieren, anstatt eine Bestandsimmobilie zu kaufen, entziehen Sie dem Markt keinen Wohnraum. In ganz Europa gibt es Förderprogramme für den verantwortungsvollen Wohnungsbau, die dabei helfen können, die Errichtung eines Zweitwohnsitzes zu finanzieren. Beispielsweise hat die italienische Regierung 2020 ein ehrgeiziges Programm aufgelegt, das es Hausbesitzern ermöglicht, Maßnahmen zur energetischen Sanierung zu 110 % über Steuererleichterungen zu finanzieren. Zudem haben dortige Gemeinden Immobilien in strukturschwachen Dörfern an ausländische Interessenten verschenkt, um bei der Revitalisierung von unter Einwohnerschwund leidenden Orten zu helfen. In Frankreich wird für Arbeiten im Zusammenhang mit der Modernisierung, dem Umbau und der Sanierung von Wohngebäuden ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz erhoben, der bei der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen sogar noch niedriger ausfällt.

Inzwischen wird es auch immer wichtiger, einen Zweitwohnsitz zu wählen, der nicht in einer gefährdeten Region liegt. Selbst wenn die internationalen Bemühungen zur Eindämmung der Erderwärmung Erfolg haben und sich der rasante Temperaturanstieg bremsen lässt, werden große Teile der Welt – darunter auch Regionen in Europa – durch die Veränderung der Wetterlagen unter beträchtlichen Auswirkungen wie Überschwemmungen, Dürren und einem steigenden Meeresspiegel leiden. Viele massiv beeinträchtigte Regionen liegen zwar in Schwellenländern wie Indien und Afrika, doch auch Kanada, Deutschland und Japan zählen zu den zehn Ländern, die durch den Klimawandel voraussichtlich am stärksten betroffen sein werden. Im Sommer 2022 gab es in ganz Frankreich, Spanien und Portugal Waldbrände und Dürren, so auch in einigen sehr beliebten Urlaubsregionen.

Selbst wenn sich viele Familien langfristig einen Zweitwohnsitz wünschen, lassen sich die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen nicht länger ignorieren. Eine Möglichkeit zur Lösung dieser Probleme ist ein verantwortungsvoller Eigentumsansatz, der darauf ausgerichtet ist, eine zusätzliche Klimabelastung zu vermeiden und der Regionen sowie Gemeinden vor Ort Vorteile bringt.