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Mai 25, 2020

Entlarven Sie den naiven Anleger in Ihnen!

In unserem Artikel „‚Erkenne dich selbst‘, bevor du anlegst“ haben Sie erfahren, dass in Ihnen sowohl ein geschickter als auch ein naiver Anleger steckt. In diesem Artikel hilft Ihnen myLIFE, den naiven Anleger in Ihnen zu entlarven und in Schach zu halten, damit bei Ihren Anlageentscheidungen stets der geschickte Anleger zum Zuge kommt!

Richard Thaler, der 2017 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde, hat in seinen Arbeiten hervorgehoben, dass unser finanzielles Bewusstsein aus einem „planenden und besonnenen“ Ich und einem „impulsiven und hedonistischen“ Ich besteht. Diese Unterscheidung zwischen einem „geschickten“ und einem „naiven“ Wirtschaftsakteur bezieht sich keinesfalls auf einen Bildungsunterschied oder die Fähigkeit, in finanziellen Angelegenheiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie soll Ihnen lediglich ermöglichen, ehrlich zu sich selbst sein zu können und Ihr Verhältnis zu Geld besser einzuschätzen, um angemessene Anlagen zu wählen. Hierfür ist es wichtig, Verhaltensweisen des naiven Akteurs, der in Ihnen schlummert und versucht, Ihre Entscheidungen bei jeder sich bietenden Möglichkeit zu beeinflussen, erkennen zu können. Wir haben für Sie einige dieser Verhaltensweisen zusammengetragen, weisen aber darauf hin, dass dieser Überblick alles andere als vollständig ist.

Misstrauen Sie einer scheinbar untrügbaren Intuition

Sie erkennen sich im naiven Anleger nicht wieder? Das ist nicht ungewöhnlich. Wie viele andere Wirtschaftsakteure auch, überschätzen Sie sich vermutlich selbst und sind zudem übertrieben optimistisch. Zusammen stellen diese beiden emotionalen Schwächen zweifellos den wichtigsten Grund für Fehlurteile bei Anlageentscheidungen dar.

In seinem Buch Misbehaving führt Richard Thaler an, dass Naivität viel weiter verbreitet ist als allgemein gedacht. So schreibt er: „Die meisten unter uns sind sich zwar im Klaren darüber, dass wir Probleme mit der Selbstbeherrschung haben, wir unterschätzen jedoch deren Tragweite.“ Sein Urteil ist daher eindeutig: „Unsere Einschätzung der eigenen Fähigkeiten ist naiv.“

Um ein deutlich realistischeres Bild des eigenen Anlegerprofils zu erhalten, muss man sich selbst besser kennenlernen und vor allem seine potenziellen Schwächen im Hinblick auf die eigene Urteilskraft und kognitive Verzerrungen ermitteln. Entscheidungen bezüglich Geldanlagen zu treffen ist selbst mit der Hilfe von Experten eine komplexe Aufgabe, da dieser Prozess von zahlreichen Variablen in Verbindung mit dem allgemeinen Wirtschaftsklima sowie von Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Situation und Ihren Vorhaben abhängig ist.

Ein übertriebenes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zur Analyse dieser Variablen kann dazu verleiten, zu große Risiken einzugehen, zu viele ungeeignete Bewegungen zu veranlassen, übertrieben auf Marktgerüchte zu reagieren und letztendlich stets zum falschen Zeitpunkt und entgegen der eigenen Interessen zu handeln.

Der naive Anleger in Ihnen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich beim Entscheidungsfindungsprozess zu stark auf seine Intuition verlässt.

Mit den bisherigen Ausführungen lässt sich das wichtigste Merkmal des naiven Anlegers in Ihnen ermitteln: Er verlässt sich beim Entscheidungsfindungsprozess zu stark auf seine Intuition. Dabei sollte man sich merken, dass Intuition im Allgemeinen ein überaus schlechter Ratgeber ist, wenn es darum geht, den für Sie idealen Anlegertyp zu ermitteln. Um die Intuition im Zaum zu halten, müssen Sie übertriebenen Optimismus zügeln und lernen, Ihre Schwächen und langfristigen Bedürfnisse zu erkennen.

Vermeiden Sie übermäßigen Optimismus

Machen wir einen kleinen Test: Sind Sie Ihrer Meinung nach ein guter, durchschnittlicher oder schlechter Fahrer? Sie haben vermutlich mit „gut“ geantwortet. Genau wie 80 % der befragten Autofahrer, was statistisch gesehen natürlich überhaupt keinen Sinn ergibt. Jetzt denken Sie wahrscheinlich etwas in der Art wie: „Das mag sein, aber bei mir stimmt es, ich bin wirklich besser als der Durchschnitt“. Wie dem auch sei, dieser kleine Test soll lediglich veranschaulichen, wie weit verbreitet kognitive Verzerrungen wie übermäßiges Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und übertriebener Optimismus sind.

Das Problem liegt darin, dass sie unsere Urteilsfähigkeit beeinflussen. Sie animieren uns häufig dazu, uns für kompetenter zu halten, als wir wirklich sind, und verleiten uns oft zu dem Gedanken, dass wir unser Schicksal fest in der Hand halten. Dies geht so weit, dass wir Ereignisse, die unseren Erwartungen widersprechen, auf Pech und nicht auf mangelnde Kompetenz zurückführen.

Diese Illusionen sind Teil unseres Alltags und werden bei Entscheidungen über Finanzanlagen noch weiter verstärkt. Um besonnen anzulegen, muss man sie daher erkennen können. Doch wie können Sie verhindern, dass übertriebener Optimismus und übermäßiges Vertrauen Sie dazu verleiten, größere Risiken einzugehen als wirklich von Ihnen gewünscht? Indem Sie sich dazu zwingen, sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen zu berücksichtigen und sich nicht allein auf das aktuelle Bauchgefühl verlassen.

Optimisten, die sich allein auf ihre Intuition verlassen, ignorieren tendenziell Fakten, die ihren intuitiven Urteilen widersprechen. Sie könnten daher Anlagen wählen, die sich, sofern nicht gerade das günstigste Szenario Realität wird, längerfristig als nachteilig erweisen. Optimisten neigen zudem teilweise dazu, ihre finanziellen Möglichkeiten zur Bewältigung ungünstiger Situationen zu überschätzen. Schließlich haben sie die leidige Angewohnheit, sich ein bisschen zu stark in der Illusion sich fortsetzender Entwicklungen zu wiegen. Dabei vergessen sie dann, dass Wertentwicklungen in der Vergangenheit keine Rückschlüsse auf künftige Wertentwicklungen zulassen.

Glauben Sie nicht an sich fortsetzende Entwicklungen

Haben Sie schon einmal gedacht, dass Sie ein glückliches Händchen haben? Zum Beispiel wenn sie im Spielkasino sind und zweimal hintereinander kleine Beträge gewinnen. Beim dritten Mal denken Sie dann, dass Sie eine Glückssträhne haben, setzen Ihre bisherigen Gewinne auf eine Karte und verlieren alles. Hinterher machen Sie sich dann Vorwürfe und fragen sich, warum Sie alles aufs Spiel gesetzt haben. Die Antwort lautet, dass Sie der Illusion sich fortsetzender Entwicklungen – bekannter unter dem Begriff „Hot-Hand-Phänomen“ – erlegen sind.

Der menschliche Geist erkennt in Abfolgen von zufälligen Ereignissen schnell kausale Regelmäßigkeiten.

Dieses Wissen wollen wir nun auf die Welt der Kapitalanlagen übertragen. Sie haben mit nur geringen Investitionen ein hübsches Sümmchen verdient und nehmen an, dass dies auch künftig so sein wird. Wenn dies der Fall ist, unterliegen Sie zweifelsohne der Illusion sich fortsetzender Entwicklungen. Die Erklärung hierfür lautet, dass der menschliche Geist in Abfolgen von zufälligen Ereignissen schnell kausale Regelmäßigkeiten erkennt. Warum ist das so? Wir neigen zu dem Glauben, dass zwischen mehreren aufeinanderfolgenden günstigen Ereignissen ein kausaler Zusammenhang bestehen muss. Genau diese Illusion verleitet Händler dazu, ihre Gewinne endlos wiederanzulegen. Denn schließlich haben sie zuvor ja bereits mehrmals auf das richtige Pferd gesetzt.

Wenn sie diesem Denkmuster folgen, überschätzen professionelle Händler wie auch Otto Normalanleger ihre Fähigkeiten und spielen den statistisch nachgewiesenen Anteil des Glücks herunter. Dies führt dazu, dass sie unbedachte Risiken eingehen. Derartige Fehleinschätzungen sind in der Finanzbranche an der Tagesordnung und verleiten Anleger tendenziell dazu, auf Informationen, die kurzfristig günstig für sie sind, übertrieben zu reagieren. Dies fördert dann das Eingehen von langfristig überhöhten Risiken.

Man sollte Anlagerisiken nicht eingehen, bloß weil man zuvor Anlagen ausgewählt hat, die sich vorteilhaft entwickelt haben, und man darauf wettet, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.

Man sollte Anlagerisiken nicht eingehen, bloß weil man zuvor Anlagen ausgewählt hat, die sich vorteilhaft entwickelt haben, und man darauf wettet, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird. Wenn Sie bereit sind, risikoreiche Anlagen zu tätigen, müssen Sie anerkennen, dass deren Wertentwicklung letztendlich teilweise auf einer nicht berechenbaren Unsicherheit und teilweise auf Glück beruht. Mit dieser Einstellung können Sie Ihre Intuition zügeln und Entscheidungen in Kenntnis der Sachlage treffen.

Unsicherheit zu akzeptieren ist kein Zeichen von Naivität, sondern hilft im Gegenteil dabei, eine komplexe Sicht auf Anlagen zu erhalten. Sie hegen noch Zweifel? Wussten Sie, welche Anlagestrategie Harry Markowitz, Träger des Wirtschaftsnobelpreises 1990, für seinen Ruhestand verfolgt hat? Als geschickter Akteur par excellence wusste Markowitz, dass es ihm am wichtigsten war, seine Einkünfte für die Zukunft in Sicherheit zu wissen. Er hat also die für die Finanzwelt charakteristischen Aspekte Glück und Unsicherheit berücksichtigt. Anstatt auf spekulative Anlagen zu setzen, mit denen er sich in seinen Arbeiten beschäftigte, hat er sich für die Sicherheit entscheiden und sein Vermögen einfach in verschiedenen Produkten angelegt und die leichteste aller Regeln befolgt: Setze niemals alles auf eine Karte! Jetzt wissen Sie Bescheid!