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Dezember 12, 2019

Expertenmeinung: Agilität in Unternehmen

  Gesammelt von myLIFE team me&myFAMILY November 4, 2019 12

Der Begriff „Agilität“ erfreut sich in Unternehmen derzeit großer Beliebtheit und ist Ihnen sicher bereits begegnet. Ihre Sportsachen können Sie allerdings im Schrank lassen und mit Dehnübungen brauchen Sie auch nicht zu beginnen, denn wir reden hier vom Projektmanagement. Um mehr über dieses Thema zu erfahren, haben wir Salim Gomri und Jérémie Greulich getroffen, die beide bei der BIL arbeiten und für die Agilität zum Arbeitsalltag gehört.

Könnten Sie zu Beginn Ihre Aufgaben beschreiben?

Salim Gomri: Ich bin Agilitätscoach. Konkret bedeutet dies, dass ich einzelnen Personen, aber auch Teams dabei helfe, die Ideen eines agilen Managements in ihr Arbeitsumfeld einzubinden und bei bestimmten Problemen anzuwenden. Ich motiviere sie, agile Verfahren zu nutzen, und begleite sie anschließend bei deren Umsetzung.“

Jérémie Greulich: Ich und mein Team nutzen die Ansätze des agilen Managements bei der Entwicklung der Website und der App der Bank. Meine tägliche Arbeit besteht darin, die Bedürfnisse der verschiedenen Vertreter einzelner Geschäftsbereiche zu erfassen sowie diese Bedürfnisse nach ihrer Priorität zu ordnen und an die Entwickler weiterzuleiten. Ich stelle sozusagen die Verbindung zwischen den Personen, die im direkten Kundenkontakt stehen, und den anderen Mitarbeitern der Bank her.

Der Begriff „Agilität“ ist in der Arbeitswelt derzeit sehr beliebt. Wo kommt er her und was bedeutet er genau?

Jérémie Greulich: Der Begriff „Agilität“ stammt aus der IT-Welt, in der rasante und ständige Veränderungen nach extrem schneller Anpassung verlangen. Vor diesem Hintergrund haben sich einige Entwicklergruppen, die bereits exzellente Ergebnisse erzielt haben, getroffen und über ihre Arbeitsgewohnheiten und -regeln gesprochen. Ihre Erkenntnisse haben sie dann in einer Art „Manifest der Agilität“ zusammengefasst.

Salim Gomri: Ich würde gerne etwas ergänzen. Man spricht häufig von „agilen Methoden“. Treffender wäre es jedoch, wenn man von einem Ansatz oder einer Einstellung reden würde. Denn „Agilität“ bezeichnet einen besonderen Managementansatz für ein bestimmtes Projekt. Dieser Ansatz beruht auf vier grundlegenden Prinzipien: einer starken zwischenmenschlichen Interaktion, spezieller Software, der direkten Zusammenarbeit zwischen allen Mitarbeitern und dem Kunden sowie einer schnellen Anpassung an Veränderungen.

Die Entwicklungszyklen sind extrem kurz, sodass sehr schnell Ergebnisse erzielt werden.

Wie unterscheidet sich ein agiler Ansatz nun genau von klassischen Entwicklungsverfahren? Können Sie ein Beispiel für eine Änderung in Ihrem Arbeitsalltag geben?

S. G.: Die Denkweise ist komplett anders. Die Planung der Zeitabläufe erfolgt nicht mehr langfristig, sondern eher kurzfristig. Die Entwicklungszyklen sind extrem kurz, sodass sehr schnell Ergebnisse erzielt werden. Dies ermöglicht eine proaktive Anpassung des Produkts.

Die Teammitglieder wählen die effizienteste Art, um ihre Arbeit so zu organisieren, dass sie ein vorher eindeutig definiertes gemeinsames Ziel erreichen. Dadurch sind sie für ihre Arbeit verantwortlich: Sie steigern kontinuierlich ihr Wohlbefinden und verbessern fortlaufend ihre Verfahren.

J. G.: Das beste Beispiel ist die Entwicklung der App unserer Bank, die unsere Kunden heute nutzen können. Sie wurde von unseren Teams auf Grundlage der bereits genannten Agilitätsprinzipien entwickelt.

Welche Auswirkungen hat dies auf die tägliche Arbeit der Mitarbeiter? Haben sie durch die Nutzung agiler Methoden Vorteile?

S. G.: Agilität fördert einen positiven Kreislauf. Mitarbeiter, die motiviert sind, nach Agilitätsprinzipien zu arbeiten, sehen sehr schnell die Ergebnisse ihrer Arbeit, was wiederum ihre Motivation fördert. Dieser Wettstreit überträgt sich zunächst auf ihre direkten Kollegen und anschließend auf das gesamte Team. Denn eine agile Einstellung ist ansteckend!

Die Mitarbeiter erfahren bei bestimmten „Zeremonien“ – so nennen wir Meetings, in denen die Teams ihre Ergebnisse vorstellen – eine größere Wertschätzung, woraufhin sie sich stärker einsetzen. Schließlich kann in einem agilen Umfeld jedes Teammitglied sein Wissen in einer Umgebung des Vertrauens und der gegenseitigen Hilfe teilen.

J. G.: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die vollständige Transparenz der Arbeitsprozesse. Das heißt, dass sowohl Erfolge als auch Misserfolge stets angesprochen werden. Für die Teams ist das ein Vorteil. Sie scheuen sich nicht davor, das eigene Handeln zu hinterfragen, sie wissen, wie sie ihre Arbeit analysieren können, und sie versuchen Schwierigkeiten künftig nicht mehr zu verstecken, sondern sie vielmehr in Erfolge umzuwandeln. Es gibt keinen Grund dafür, Fehler zu verstecken. Ganz im Gegenteil: Nur wenn man diese benennt, lassen sich in Zukunft Verbesserungen umsetzen. Das Arbeitsklima profitiert davon erheblich.

Wie bei allen Veränderungen muss man bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen und eine neue Arbeitsweise zu übernehmen.

Gibt es psychologische oder physische Barrieren, die die Einführung eines agilen Umfelds erschweren?

S. G.: Wie bei allen Veränderungen muss man bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen und eine neue Arbeitsweise zu übernehmen. Es liegt in der menschlichen Natur, dass wir Schwierigkeiten haben können, uns in Frage zu stellen. So entstehen Spannungen, die die Umsetzung einer agilen Einstellung innerhalb einer Organisation oder eines Unternehmens bremsen können. Doch wenn die Mitarbeiter, wie bereits angesprochen, von Beginn an motiviert sind, wird ein agiles Arbeitsumfeld diese positive Einstellung nur weiter verstärken. Dies erfordert natürlich eine Begleitung, weshalb ein entsprechender Experte einbezogen werden sollte.

J. G.: Ich würde noch hinzufügen, dass natürlich auch das Management bereit und willens sein muss, nach diesen Prinzipien zu arbeiten. Denn die neuen Verfahren zur Präsentation von Ergebnissen und zur Validierung haben auch Auswirkungen auf das Management. Um ein reibungsloses und produktives Arbeitsklima zu ermöglichen, muss es mit den neuen Arbeitsweisen einverstanden sein.

Eignet sich der Ansatz der „Agilität“ Ihres Erachtens für alle Unternehmen und Berufsgruppen?

S. G.: Auf jeden Fall. Die Agilitätsprinzipien gelten grundsätzlich für alle Berufe und alle Bereiche der Arbeitswelt. Als Beispiel könnte man etwa Personalabteilungen nennen.

J. G.: Sobald Mitarbeiter an einem Projekt arbeiten, das sich im Laufe der Zeit verändert, funktionieren agile Methoden sehr gut und unabhängig vom Tätigkeitsfeld.

Vielen Dank.