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April 14, 2021

Expertenmeinung: „Was ist eine Börsenblase?“

In der Finanzpresse ist derzeit recht häufig von einer „Blasenbildung“ die Rede, vor allem im Zusammenhang mit einer neuen Horde von Day-Tradern, die die Kurse von einigen schlecht laufenden Aktien, Kryptowährungen und Silber in die Höhe treiben. Aber was bedeutet das eigentlich? Und warum nehmen Blasen immer ein bitteres Ende?

Eine Blase ist ein wirtschaftliches Phänomen, bei dem der Marktpreis eines Vermögenswerts rasch ansteigt. Inmitten einer größtenteils durch Spekulation angeheizten Blase werden Anlagen in der Regel zu Kursen gehandelt, die ihren eigentlichen Wert weit übersteigen. Anhänger der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie sehen die Ursache für Blasen in verzerrten Wahrnehmungen, die zu Gruppendenken und Herdenverhalten führen. Andere haben die Entstehung und den Niedergang von Blasen mit Gier und Angst in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren kam die Frage auf, ob sich am Markt für Anleihen oder Luxemburger Immobilien eine Blase gebildet haben könnte.

Das sogenannte Tulpenfieber, das sich während des Goldenen Zeitalters der Niederlande ereignete, gilt allgemein als eine der ersten dokumentierten Spekulationsblasen. Laut einem Bericht des schottischen Schriftstellers Charles MacKay von 1841 war die niederländische Bevölkerung 1636 ganz verrückt nach den exotischen Blumen, die gerade in Mode waren. MacKay schreibt in seinem Buch „Memoirs of Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds“ (deutscher Buchtitel: „Zeichen und Wunder. Aus den Annalen des Wahns“), dass die Menschen angesichts der steigenden Tulpenpreise in ein Spekulationsfieber verfielen und ihr gesamtes Jahreseinkommen für seltene Tulpenzwiebeln ausgaben, weil sie hofften, diese zu einem höheren Preis weiterverkaufen zu können.

„Ein goldener Köder hing den Menschen verlockend vor der Nase, und einer nach dem anderen stürzte zu den Tulpenmärkten, wie Fliegen zu einem Honigtopf“… „Adlige, Bürger, Bauern, Handwerker, Seeleute, Lakaien, Dienstmädchen ja sogar Kaminkehrer versuchten sich am Tulpengeschäft.“ Nachdem die Lieferpreise für Tulpen in schwindelerregende Höhen gestiegen waren, brachen sie im Februar 1637 auf einen Schlag ein, wodurch die gesamte Wirtschaft des Landes schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Eine der bekanntesten Blasen, die sich zu unseren Lebzeiten ereignete, ist der Dotcom-Boom Ende der 1990er Jahre, der durch eine überzogene Spekulation mit Unternehmen aus dem Internetbereich gekennzeichnet war.

Eine der bekanntesten Blasen, die sich zu unseren Lebzeiten ereignete, ist der Dotcom-Boom Ende der 1990er Jahre, der durch eine überzogene Spekulation mit Unternehmen aus dem Internetbereich gekennzeichnet war. Während der Entstehungsphase kauften die Anleger zu hohen Kursen Technologieaktien (oder Aktien von Unternehmen, deren Namen so klangen, als ob sie etwas mit dem Internet zu tun hätten, selbst wenn sie nicht im Entferntesten in diesem Bereich tätig waren), weil sie überzeugt waren, diese zu einem höheren Preis verkaufen zu können. Letztlich schwand das Vertrauen, das den Anstieg der Aktienkurse beflügelt hatte, und das ganze Kartenhaus fiel in sich zusammen, wodurch eine Korrektur am Gesamtmarkt ausgelöst wurde. Zur Veranschaulichung: Zwischen 1995 und März 2000 stieg der Nasdaq-Index um 400 %. Bis zum Oktober 2002 hatte er gegenüber seinem Höchststand 78 % verloren, und alle während der Blase erzielten Kursgewinne waren dahin.

Wenn eine Blase platzt, kann das einen Halo-Effekt auslösen, der die Märkte erschüttert und andere, nicht damit im Zusammenhang stehende Vermögenspreise beeinträchtigt. Fast wie ein Vakuum, das das Vertrauen aus dem System saugt. Volkswirtschaften funktionieren nun einmal im Wesentlichen auf der Grundlage von Vertrauen. Verluste verändern das wirtschaftliche Verhalten, da Anleger nicht mehr bereit sind, Risiken einzugehen. Blasen müssen nicht immer dramatisch platzen, sie können auch langsam die Luft verlieren. Aber eines ist sicher: Blasen haben nicht ewig Bestand. Diejenigen, die erst spät einsteigen, wenn die Blase ihr größtes Ausmaß erreicht, laufen Gefahr, die größten Verluste zu erleiden.

Bildet sich am Markt gerade eine Blase?

Im Januar war das überschwängliche Verhalten an den Märkten für alle offensichtlich – eine Beobachtung, die oft mit einer Blase verbunden ist. Privatanleger, die kostenlose Handelsplattformen nutzen, verabredeten sich in Online-Netzwerken (Reddit), um die Kurse bestimmter Aktien nach oben zu treiben. Einige hofften, sich so an den spekulativen Fonds der Finanzbranche rächen zu können, die offene Verkaufspositionen hatten. Andere ließen sich durch die Aussicht auf schnelle Gewinne blenden und wieder andere glaubten an die Anlagekonzepte, die Nutzer auf der Plattform veröffentlichten. Was hierbei zu fehlen schien, war eine Rechtfertigung durch Fundamentaldaten – eine Analyse der abgezinsten Cashflows, Cashflow-Prognosen und so weiter. Die Zukunftsaussichten der meisten Zielunternehmen sahen sogar recht düster aus. Dennoch stiegen die Menschen ein, und es kursierten zahlreiche Geschichten über Anleger, die mit gehebelten Positionen handelten oder sogar ihre gesamten Ersparnisse in diese durch die bestehende Kursdynamik angetriebenen Geschäfte gesteckt hatten.

Das Paradebeispiel für diese aktuelle Bewegung ist das Unternehmen GameStop, eine Videospielkette mit Ladengeschäften, die ins Visier von Leerverkäufern geraten war. Ihr Kurs schoss in die Höhe und hatte zeitweilig 1.700 % seit Jahresbeginn zugelegt. Die euphorische Stimmung schwappte auf andere Aktien wie Blackberry, Nokia, AMC Entertainment usw. über, bei denen es keine konkreten Meldungen gab, die den Kursanstieg rechtfertigten. Es wurde so intensiv gekauft, dass mehrmals Mechanismen zur Handelsunterbrechung ausgelöst wurden (die zur Eindämmung der Volatilität dienen) und Apps wie Robinhood und Interactive Brokers den Handel mit den betreffenden Aktien vorübergehend aussetzten.

Ende des Monats hatten sich die Käufe auf Rohstoffe ausgeweitet. In den Online-Netzwerken gewann Silber an Beliebtheit, das als „Volksanlage“ bezeichnet wurde. Der Kurs stieg auf ein Achtjahreshoch von mehr als 29 US-Dollar/Unze. Von Dauer war der Kursanstieg allerdings nicht, zum Teil weil die CME Group die für Futures-Kontrakte auf Silber geforderten Sicherheitsleistungen erhöhte, und inzwischen befinden sich die Kurse wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Entstehung dieser winzigen Blase.

Einige Titel aus der Reddit-Blase haben ebenfalls drastische Korrekturen erlebt. Letztlich schien es sich um kleine, überbewertete Marktnischen und nicht um Vorboten einer allgemeinen Börsenblase zu handeln. Die unternehmensspezifische Begeisterung kam und verflog innerhalb kurzer Zeit – zu kurz, um echten gesamtwirtschaftlichen Schaden anzurichten – und der Markt steckte diese Anomalie problemlos weg.

US-Notenbankchef Jerome Powell wischte die Besorgnis, dass die äußerst expansive Geldpolitik zu einer Blasenbildung beitragen könne, erst kürzlich beiseite und beschrieb die Finanzrisiken als „moderat“. Die Kurse erscheinen zwar relativ ausgereizt, doch die Verbesserung der makroökonomischen Fundamentaldaten, die Aussichten auf ein baldiges neues US-Konjunkturpaket, unerwartet hohe Unternehmensgewinne im vierten Quartal 2020 und die Bereitstellung von Impfstoffen, die uns dem Ende der Gesundheitskrise einen Schritt näher bringen, bieten nach wie vor Unterstützung.

Letztlich schien es sich um kleine, überbewertete Marktnischen und nicht um Vorboten einer allgemeinen Börsenblase zu handeln.