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August 15, 2022

Fokus Zweitwohnsitz: London

  Gesammelt von myLIFE team myHOME Juni 23, 2022 15

London ist eine Weltstadt, deren Wohnimmobilienmarkt schon immer von ausländischem Kapital gestützt wurde. Während der Finanzkrise 2008/2009 wurden Immobilien in der City als sichere Anlage angesehen, was die Preise in die Höhe trieb. Nachdem sich die Briten für den Austritt aus der EU entschieden hatten, verlor der Markt etwas von seinem Glanz. Doch angesichts der günstigen Währung und stetig steigender Preise findet er bei internationalen Investoren nach wie vor großen Anklang.

In diesem Jahr haben Londoner Immobilien einen erneuten Aufschwung erlebt, da Investoren nach der Flaute während der Corona-Pandemie an den Markt zurückkehrten. Laut der Immobilienagentur Knight Frank erfreuten sich wohlhabende, grüne Vororte wie Richmond und Wimbledon in letzter Zeit einer regen Nachfrage. Doch auch das Interesse von Käufern, die die Hauptstadt während der Pandemie verlassen haben, aber eine Wohnung im Zentrum Londons behalten wollen, war hoch.

In begehrten Stadtteilen wie Marylebone (86%), Belgravia (85%) und Mayfair (78%) im Londoner Zentrum wurden 2021 die stärksten Preisanstiege verzeichnet. Es besteht zwar noch immer die Sorge, dass der Brexit diese stark von ausländischem Kapital beeinflussten Märkte stören könnte. Bisher ist dies jedoch nur in geringem Umfang geschehen. London ist für eine Reihe von Käufern aus Europa, den USA, Asien und dem Nahen Osten nach wie vor attraktiv, was für eine konstante Nachfrage sorgt.

Günstig im internationalen Vergleich

Londoner Wohnimmobilien sind zweifellos teuer, vor allem in zentralen Vierteln wie Chelsea und Knightsbridge. Im Vergleich zu anderen Städten sind sie jedoch günstig. In einer kürzlich durchgeführten Studie der Economist Intelligence Unit belegte London Platz 17 der teuersten Märkte für Wohnimmobilien und lag damit weit hinter Paris, New York, Genf oder Los Angeles.

Angesehene Schulen und eine unternehmerfreundliche Wirtschaft sind ebenfalls Pluspunkte der Stadt. Befürchtungen, der Brexit könnte den internationalen Finanzplatz London schwächen und die Nachfrage nach Immobilien dämpfen, haben sich bisher nicht bestätigt.

Auch der Mietmarkt zeigt sich robust. Aus der ganzen Welt wie auch aus anderen Teilen Großbritanniens strömen kontinuierlich Menschen nach London, um dort zeitweilig zu wohnen. Trotz der Nervosität der Investoren wegen der möglichen Auswirkungen des Brexit sind die Mietpreise bisher nicht spürbar gesunken.

Der durchschnittliche Mietpreis ist laut Catherine Bastien, Head of WM lending bei der BIL, in den letzten zehn Jahren um fast 3 % gestiegen. Mietimmobilien bleiben in Großbritannien beliebt und sind nach wie vor auch für internationale Käufer eine Option, obwohl im Ausland lebende Immobilienbesitzer keinen Anspruch auf die Steuervergünstigungen bei Mieteinnahmen haben, von denen in Großbritannien ansässige Personen profitieren.

In den letzten Jahren ergriffene Maßnahmen der Regierung haben Großbritannien für ausländische Käufer unattraktiver gemacht. Vor allem die vorteilhafte „Domicile Rule“ wurde geändert.

Veränderte Steuersituation

In den letzten Jahren ergriffene Maßnahmen der Regierung haben Großbritannien für ausländische Käufer unattraktiver gemacht. Vor allem die vorteilhafte „Domicile Rule“ wurde geändert. Zuvor mussten Einwohner nur das Einkommen versteuern, das sie in Großbritannien erzielten oder in das Land brachten, sofern sie dort nicht „domiziliert“ waren.

Das änderte sich 2017 mit der Einführung von Regelungen, gemäß denen Personen als in Großbritannien domiziliert gelten („deemed domicile“), wenn sie dort eine bestimmte Zahl von Jahren (aktuell 15 innerhalb der letzten 20 Jahre) ansässig waren.

Beim Kauf eines Hauses in Großbritannien gibt der Investor ein Angebot ab. Das Angebot kann angenommen werden; doch vor dem Abschluss des Vertrags und der Leistung einer Anzahlung kann sowohl der Käufer als auch der Verkäufer jederzeit aus dem Vertrag aussteigen. Dies sorgt für Unsicherheit, und viele Hausverkäufe scheitern, weil der Käufer eine attraktivere Immobilie findet oder der Verkäufer ein besseres Angebot erhält. Der Verkauf ist abgeschlossen, wenn der Vertrag unterzeichnet ist und die letzte Zahlung geleistet wurde.

Kapitalertragsteuer

Die beim Verkauf der Immobilie anfallende Maklerprovision wird vom Verkäufer gezahlt, weshalb der Immobilienmakler auch dessen Interessen vertritt. Der Käufer muss eine Stempelsteuer zahlen, die nach einem gestaffelten Satz erhoben wird. Beim Erwerb eines Zweitwohnsitzes oder Kauf über ein Unternehmen gilt ein höherer Steuersatz.

Wenn Sie beim Verkauf einer britischen Immobilie einen Gewinn erzielen, wird Kapitalertragsteuer fällig. Es gilt ein jährlicher Freibetrag (aktuell 12.300 GBP), es werden jedoch keine Vergünstigungen mit Bezug auf die Dauer gewährt, während der die Immobilie gehalten wurde, und für Wohnimmobilien sind höhere Steuersätze zu zahlen. Für Renovierungsarbeiten und Zeiträume, in denen die Immobilie vermietet war, können Steuerabzüge geltend gemacht werden. Wenn es sich bei der Immobilie um den einzigen Wohnsitz oder Hauptwohnsitz des Verkäufers handelt, fällt keine Kapitalertragsteuer an.

Catherine Bastien erklärt: „Die Preise sind in Großbritannien nach dem Brexit kaum zurückgegangen, und in dem Land sind Mietimmobilien nach wie vor sehr gefragt. Da die BIL nicht über eine Lizenz für Großbritannien verfügt, können wir nur Finanzierungen für Mietimmobilien anbieten. Der Mietmarkt ist in den letzten zehn Jahren gewachsen, und der Brexit scheint daran nichts geändert zu haben.“

Möglichkeiten der Kreditaufnahme

Großbritannien verfügt über ein gut funktionierendes Bankensystem, das Immobilieninvestoren flexible Kreditoptionen bietet. Die Zinssätze sind noch immer relativ niedrig, und der intensive Wettbewerb am Hypothekenmarkt sorgt für eine große Auswahl an Produkten.

Allerdings könnte der Brexit in Zukunft Probleme verursachen, wenn sich die Regeln für die Kreditvergabe an in Großbritannien ansässige Personen durch ausländische Banken ändern. Dies könnte auch für nicht in Großbritannien ansässige Personen den Zugang zu Finanzierungen erschweren und ihre Kreditoptionen möglicherweise einschränken.

Internationale Käufer finden am Londoner Immobilienmarkt nicht mehr so günstige Bedingungen wie früher vor. Dennoch hat sich der Markt für Wohnimmobilien gut entwickelt, was auf die Attraktivität einer internationalen Stadt zurückzuführen ist, die vielfältig und multikulturell ist und internationalen Käufern viel zu bieten hat.

London ist für eine Reihe von Käufern aus Europa, den USA, Asien und dem Nahen Osten nach wie vor attraktiv.