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Januar 28, 2023

Geld: Achtung vor falschen Propheten!

  Gesammelt von myLIFE team me&myFAMILY Dezember 16, 2022 37

Im Zeitalter der schnellen und globalen Kommunikation gibt es viele selbsternannte Experten, die behaupten, über die Zauberformel zu verfügen, was Geldanlage und Finanzen betrifft. Was ist davon zu halten und wie kann man die eigene Kompetenz in diesem Bereich beurteilen? Dieser Frage versuchen wir auf den Grund zu gehen.

Wenn wir uns für ein neues Thema interessieren, saugen wir regelrecht eine Vielzahl neuer Informationen auf. Das kann unweigerlich dazu führen, dass man denkt, sehr viel mehr zu wissen, als dies tatsächlich der Fall ist. Kompetenzen werden überschätzt und es besteht das Risiko, dass wir bei Entscheidungen verfügbare Informationen nicht mit der gebotenen Vorsicht bewerten. Dies kann dramatische Konsequenzen haben, zum Beispiel dann, wenn es um die eigenen Finanzen geht.

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Jedem Dritten ist es schon passiert, Falschnachrichten nicht zu erkennen, und sie für eine echte Information zu halten. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung von 4 000 Teilnehmern über 18 Jahren durch die deutsche Denkfabrik „Stiftung Neue Verantwortung“ im Jahr 2021. Fake News sind also auch in Demokratien mit hohen Bildungsstandards ein echtes Problem.

Um es mit den Worten von Charles Darwin zu sagen: „Unwissenheit führt häufiger zu Selbstvertrauen als Wissen“. Wer nicht weiß, dass er nichts weiß, hält sich möglicherweise für ein Genie. Diese These ist der Hintergrund der US-amerikanischen Psychologen David Dunning und Justin Kruger, die ihre Arbeit dazu im Jahr 1999 veröffentlichten. Den beiden US-amerikanischen Psychologen war in einigen ihrer vorherigen Studien genau das aufgefallen, was Darwin zu seiner Zeit schon erwähnte. Um ihre Vermutung zu untermauern, befragten sie Studierende der Cornell University (New York) zu ihrer Selbsteinschätzung im logischen Denken oder Grammatik.

Ignoranten überschätzen sich

Das Ergebnis diverser Tests: Wer seine Kenntnisse als besonders gut eingeschätzt hatte, erzielte in der folgenden Prüfung ein schlechtes Ergebnis. Wer sich selbst unterschätzt hatte, erzielte ein wesentlich besseres Ergebnis als gedacht. Dunning und Kruger formulierten daraufhin vier Stufen der Selbstwahrnehmung, die sie auch mit dem Intelligenzquotienten und der Selbstreflexion in Verbindung bringen:

    • Inkompetente Menschen überschätzen oft ihre eigenen Fähigkeiten.
    • Sie sind unfähig, das Ausmaß ihrer Inkompetenz zu erkennen.
    • Bedingt durch ihre Ignoranz bauen sie ihre Kompetenz nicht aus.
    • Dadurch unterschätzen sie die überlegenen Fähigkeiten anderen Menschen.

Apropos Ignoranz und Inkompetenz der wohl gefährlichsten Mischung überhaupt: Eines der bekanntesten Beispiele ist ein Banküberfall im Jahr 1995, den ein Mann namens McArthur Wheeler begangen hat. Er hatte in Pittsburgh/USA an einem Tag gleich zwei Banken nacheinander ausgeraubt – aber dabei zum Erstaunen der Polizei keine Gesichtsmaske aufgesetzt.

Wer nicht weiß, dass er nichts weiß, hält sich möglicherweise für ein Genie.

Anhand der Kameraaufzeichnungen wurde der Bankräuber noch am selben Tag identifiziert. Bei seiner Verhaftung war Mc Arthur Wheeler mehr als erstaunt. Warum: Er hatte sich sein Gesicht vor dem Banküberfall mit Zitronensaft eingerieben. Da dieser Saft als unsichtbare Tinte verwendet wird, war der Bankräuber der festen Überzeugung, dass auch sein Gesicht nicht auf den Kameraaufnahmen zu sehen sein würde.

Von Fake News & Bullshittern

In unserer heutigen, hypervernetzten Welt kann jeder ein Konto in einem sozialen Netzwerk eröffnen und sich in direkter Konkurrenz zu echten Experten zu jedem Thema äußern. Folgt man der Logik von Dunning und Kruger sind es jedoch nicht zwingend die Kompetentesten, die am meisten und besten kommunizieren und die meisten „Follower“ haben. Dass dem so ist, hat sich während der Pandemie gezeigt.

Forscher haben aufgezeigt, dass sich Falschinformationen, die auf den ersten Blick zunächst plausibel erscheinen, in unserer hypervernetzten und informationsüberladenen Welt sechsmal schneller verbreiten und häufiger geteilt werden als Fakten. Noch bevor die Falschinformationen richtiggestellt werden können, werden sie von Millionen Menschen geteilt, sodass es kaum möglich ist, sie wieder aus dem Netz zu entfernen: Durch Falschinformationen genährte Zweifel halten sich in der Regel lange und hallen gesellschaftlich nach. Dies ist auch als Brandolinis Gesetz oder Bullshit-Asymmetrie-Prinzip bekannt: „Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert mehr Energie als dessen Produktion.“ Verführer und Verschwörungstheoretiker haben es demnach einfachere als diejenigen, die mit Fakten und echtem Wissen überzeugen wollen.

Hinzu kommt, dass „Bullshitter“ sich von Lügnern unterscheiden. Natürlich muss man beide im Auge behalten. Der Lügner kennt allerdings die Wahrheit und führt andere von ihr weg; der Bullshitter kennt die Wahrheit entweder nicht oder sie ist ihm egal, und er ist vor allem daran interessiert, seine Vorteile zu nutzen und seine Wahrheit durchzusetzen.

Diskretion & Wissen

Zurück zu Finanzfragen: Wer sich über Investitionsmöglichkeiten informiert, sollte daran denken, dass auch hier nicht diejenigen, die am „lautesten schreien“ und am schrillsten argumentieren, unbedingt die Kompetentesten sind. Gerade wenn es um die Geldanlage geht, sollte man sich vor Gurus und Verführern in Acht nehmen, besonders im Internet.

Wirkliche Experten sind in der Regel zurückhaltend und diskret.

Wirkliche Experten sind in der Regel zurückhaltender und diskreter. Ihnen ist auch kaum daran gelegen, ihre Anlageideen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Wenn man sich für sehr spezielle Anlagesegmente interessiert, empfiehlt es sich daher, sich von einem Finanzexperten unterstützen zu lassen, der zwischen Falschinformationen, Gerüchten und einer guten Anlagestrategie unterscheiden kann.

Wer sich dazu entscheidet, auf eigene Faust zu recherchieren, sollte einen wichtigen Grundsatz beachten: Immer den methodischen Teil einer wissenschaftlichen Arbeit, bzw. das Prospekt eines Finanzprodukts lesen. Und, besonders wichtig, die Grenzen der eigenen Kompetenz erkennen.

Das eigentliche Problem besteht nicht darin, sich in einem bestimmten Bereich nicht ausreichend auszukennen, sondern in der Unfähigkeit, das Ausmaß der eigenen Kompetenz zu erkennen. Insofern ist Demut ein guter Ratgeber, wenn es darum geht, die richtigen strategischen Anlageentscheidungen zu treffen und zu wissen, wann die Unterstützung durch einen Experten erforderlich ist.