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August 21, 2019

Investments – kein Platz für Gefühle und Emotionen

Die meisten Anleger wissen, dass sie bei Marktschwankungen nicht gleich in Panik verfallen sollten, dass sie keine Aktien kaufen sollten, die gerade „in“ sind, und besser auf Produkte verzichten, die sie nicht verstehen. Doch in Geldfragen lassen sich Emotionen nur sehr schwierig vollständig ausblenden.

Früher behaupteten Wissenschaftler, dass alle Anleger vollkommen rational seien, weshalb der Preis eines Wertpapiers alle verfügbaren Informationen über das emittierende Unternehmen vollkommen abbilde. Die Theorie der effizienten Märkte ist mittlerweile jedoch größtenteils entkräftet. Wie lässt sich sonst ein Phänomen wie die Technologieblase oder der Boom bei faulen Immobilienkrediten in den USA erklären? Anleger sind bei ihren Entscheidungen eindeutig anfällig für die Einflüsse nicht-rationaler Faktoren.

Emotionale Faktoren können unterschiedliche Formen annehmen. Ein Anleger kann von Freunden, seiner Familie oder Medien beeinflusst werden und sich bei seiner Entscheidungsfindung von dem leiten lassen, was er sieht, liest und hört, anstatt eine rationale Analyse vorzunehmen. Möglicherweise geht er bei der Beurteilung des Erfolgs eines Unternehmens nicht gründlich genug vor und stützt diese beispielsweise ausschließlich auf den guten Umsatz einer einzelnen Geschäftsstelle oder seine persönliche Vorliebe für ein bestimmtes Produkt. Es besteht die Gefahr, dass er aufgrund eines isolierten, vielleicht irrelevanten Beispiels auf den generellen Erfolg des Unternehmens schließt.

Überdies ist problematisch, dass emotionale Anleger dazu neigen, dem Gesamtmarkt zu folgen, da die eigenen Entscheidungen allzu oft vom Handeln anderer beeinflusst werden. Herrscht Hochstimmung, kaufen sie – bricht eine allgemeine Panik aus, verkaufen sie. Sie kaufen oder verkaufen somit fast immer zum falschen Zeitpunkt. Eine Berechnung des US-Finanzdienstleisters Dalbar ergab, dass der durchschnittliche Anleger 2018 einen Verlust von 9,42 % erlitt, gegenüber einem Rückgang von 4,38 % beim S&P 500 Index. Er verpasste es, vor dem Abschwung am Jahresende zu verkaufen oder rechtzeitig wieder in den Markt einzusteigen, um von der Erholung zu profitieren.

Dies ist kein Einzelfall. Dalbar-Studien zeigen, dass Anleger immer wieder ein schlechtes Timing bei ihren Entscheidungen haben und von emotionalen Faktoren getrieben sind, die vereinfacht ausgedrückt Angst und Gier heißen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren erreichte der S&P 500 ein durchschnittliches Wachstum von mehr als 8 % pro Jahr. Der durchschnittliche Aktienanleger kam kaum auf die Hälfte, und Anleihenanleger schnitten noch schlechter ab. Bei der Performance ist also eindeutig eine Verhaltensabweichung zu beobachten.

Wie können Emotionen ausgeschaltet werden?

Der Verhaltenspsychologe Paul Davies bestreitet, dass sich Menschen mit den erforderlichen Informationen rationaler verhalten würden. Die Ansicht, Menschen seien berechenbar und handelten richtig, wenn sie über die richtigen Informationen verfügen, hält er für falsch.

Der beste Weg, um richtige Finanzentscheidungen zu treffen, besteht darin, möglichst wenige Entscheidungen zu treffen, weil ohnehin eher die falschen Entscheidungen getroffen werden.

Doch das bloße Wissen um Verhaltensfehler reicht nicht aus, um das Verhalten zu ändern. Davies zufolge müssen Prozesse eingerichtet werden, mit denen vernünftiges Verhalten unterstützt wird und es leichter fällt, das Richtige zu tun. Der beste Weg, um richtige Finanzentscheidungen zu treffen, besteht überdies darin, möglichst wenige Entscheidungen zu treffen, weil ohnehin eher die falschen Entscheidungen getroffen werden. Als Mutter aller kognitiven Verzerrungen ist der „Action Bias“ zu verstehen, d. h. die Neigung zu denken, dass Wert nur durch ständiges Handeln erzielt werden kann.

Was könnte dies in der Praxis bedeuten? Regelmäßige Sparbeträge, die automatisch von Ihrem Konto abgebucht werden, sind ein gutes Beispiel. Wenn Sie Ihre Anlageentscheidung jeden Monat aufs Neue treffen müssen, wird es kompliziert. Sie müssen entscheiden, ob Sie Ihr Geld für Wichtigeres verwenden als den nebulösen Begriff Ihrer „Zukunft“. Sehr wahrscheinlich wird es stets attraktivere und dringendere Verwendungen geben.

Überdies müssen Sie auf die Entwicklung des Marktes achten und einschätzen, ob der Zeitpunkt für einen Kauf gut oder schlecht ist. Wenn das Geld von Ihrem Konto abgebucht und sofort angelegt wird, werden Sie in manchen Monaten gewinnen und in manchen verlieren. Doch da die Märkte auf lange Sicht nach oben tendieren, werden Sie unter dem Strich vermutlich gut abschneiden und können all diese quälenden Entscheidungen vermeiden.

Davies schlägt zudem vor, persönliche Wenn-dann-Aussagen in die Finanzplanung einzubauen. So können Sie beizeiten entscheiden, was Sie tun, wenn der Markt beispielsweise um 10 % fällt. Mithilfe solcher Regeln können Sie sich besser vor emotionalen Entscheidungen im Eifer des Gefechts schützen. Finanzberater legen mit Kunden häufig auch einen „höchsten hinnehmbaren Verlust“ fest. Die Bestimmung der maximalen Verlusttoleranz ist nicht nur als Vorbereitung auf mögliche Verluste sinnvoll, sondern auch eine Möglichkeit, eine Anlagestrategie abseits der täglichen Marktentwicklungen zu planen.

Automatische Umschichtung

Ähnliche Regeln sollten für Entscheidungen hinsichtlich der Vermögensallokation gelten. Im Allgemeinen arbeiten die meisten Anleger mit einer strategischen Vermögensallokation, d. h. einer langfristigen Positionierung, die auf die Erreichung ihrer finanziellen Ziele ausgerichtet ist. Diese bestimmt weitgehend, wie hoch der Anteil von Aktien, Anleihen und anderen Vermögenswerten wie Immobilien in ihrem Portfolio ist. Bei der taktischen Vermögensallokation werden hingegen Anpassungen an unterschiedliche Marktbedingungen vorgenommen.

Es ist wichtig, die Ziele im Blick zu behalten und sich nicht aktuellen Einflüssen zu unterwerfen. Die beste Lösung ist eine automatische Umschichtung, bei der das Portfolio systematisch angepasst wird, um die ursprüngliche Vermögensallokation beizubehalten. Nochmals, dies erspart Ihnen, Entscheidungen treffen zu müssen, und Sie müssen sich nicht darum sorgen, wann der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in einen bestimmten Markt gekommen ist. Automatische Umschichtung bedeutet, dass Anleger Geld natürlich aus teuren Märkten, die sich gut entwickelt haben, abziehen und in günstigere Märkte, die sich schlecht entwickelt haben, stecken.

Selbstverständlich ergeben sich unter Umständen kurzfristige Chancen, die genutzt werden können, und die taktische Anpassung eines Portfolios kann sinnvoll sein, falls sich die Wertentwicklung eines bestimmten Marktes zu sehr auf eine geringe Anzahl einzelner Aktien stützt. Vor kurzem geschah dies beim S&P 500, dessen Wertentwicklung mittlerweile vom Schicksal einiger weniger Technologieriesen dominiert wird. Im Allgemeinen ist es jedoch besser, sich für eine Vermögensallokation zu entscheiden, an dieser festzuhalten und sie nicht nur in Krisenzeiten, sondern regelmäßig zu überprüfen.

Ein übermäßiges Vertrauen in die eigenen Entscheidungen, die Widerwilligkeit, veränderte Bedingungen zu akzeptieren, und ein hoher Umschlag durch einen häufigen Sinneswandel wirken sich wahrscheinlich negativ auf die langfristigen Portfoliorenditen aus.

Noch schwieriger, aber nicht zu vernachlässigen ist das Wissen um die eigenen Grenzen. Ein übermäßiges Vertrauen in die eigenen Entscheidungen, die Widerwilligkeit, veränderte Bedingungen zu akzeptieren, und ein hoher Umschlag durch einen häufigen Sinneswandel wirken sich wahrscheinlich negativ auf die langfristigen Portfoliorenditen aus.

Anleger haben häufig zu hohe Erwartungen hinsichtlich der möglichen Anlagerenditen. Dies führt zu einer schlechten Beurteilung der jeweiligen Risiken. Auch dem kann mit einem Kontrollmechanismus im Anlageprozess begegnet werden. Überdies lohnt es, das Ergebnis früherer Anlageentscheidungen mit unverstelltem Blick zu betrachten: Was lief gut und was nicht? Können daraus Schlüsse gezogen werden?

Wenn es um Geld geht, lassen sich Anleger leicht von ihren Emotionen beeinflussen, doch dies führt häufig zu falschen Entscheidungen. Daher sollte eine Anlagestrategie so gestaltet sein, dass möglichst wenige Entscheidungen getroffen werden müssen. So wird das Risiko von emotionsbedingten Fehlentscheidungen verringert.