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Juni 25, 2022

Ist Whisky für 60.000 US-Dollar pro Flasche eine gute Anlage?

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH März 18, 2022 20

Whisky zählte in den letzten Jahren zu den erfolgreicheren Luxusgüteranlagen, die durch die wachsende Anerkennung von Genießern aus aller Welt unterstützt wurde. Selbst wenn der Anlageerfolg ausbleiben sollte, taugt er wenigstens für eine gute Party.

Im September 2021 wurde der Yamazaki 55 erstmals international verkauft. Es war der älteste japanische Whisky, der jemals auf den Markt kam – und er kostete 60.000 US-Dollar. Da nur 100 Flaschen angeboten wurden, war es nicht leicht, eine davon zu ergattern, und inzwischen werden sie zu weit höheren Preisen gehandelt.

Einen Whisky zu kreieren ist eine ebenso komplexe und anspruchsvolle Kunst wie die Herstellung von Wein. Der Yamazaki 55 vereint drei Single-Malt-Whiskys, die in den 1960er-Jahren gebrannt wurden. Jeder von ihnen ist in unterschiedlichen Eichenfässern gereift und wurde von einem anderen erfahrenen Brennmeister kreiert. Alle Brenner haben ihren eigenen Stil und Geschmack und ihre eigene Anhängerschaft.

Kenner der Whiskymärkte werden bei diesem Preis nicht mit der Wimper zucken. Im Juni 2021 wurden 24 Flaschen der chinesischen Premium-Marke Kweichow Moutai für 1,4 Millionen US-Dollar verkauft. Im Oktober versteigerte Sotheby‘s die „Dalmore Decades“, eine Auswahl von sechs Single-Malt-Whiskys aus sechs Jahrzehnten, und erzielte dafür einen Preis von 1,1 Millionen US-Dollar.

Eine bessere Wertentwicklung als Aktienportfolios

In den letzten zehn Jahren war Whisky eine gute Anlage. Zusammen mit Handtaschen von Hermes steht er schon jahrelang an der Spitze des Knight Frank Luxury Investment Index. Aus Auktionsergebnissen geht hervor, dass die besten Whiskysorten im Laufe der letzten fünf Jahre 262 % an Wert gewonnen und damit etwa doppelt so viel Rendite wie ein Portfolio aus globalen Aktien eingebracht haben. Anfang 2021 gaben die Preise nach, doch anschließend kletterte der Knight Frank Rare Whisky Index wieder in den positiven Bereich.

Gestützt wurde der Markt durch die steigende Nachfrage aus Schwellenländern im asiatisch-pazifischen Raum, insbesondere aus Indien und China. Die Nachfrage ist so hoch, dass im Juli 2021 eine ganze Whiskybrennerei einschließlich 35 Tonnen Ausrüstung von Schottland nach China verschifft wurde.

Der Wert der Direktexporte von Schottland nach China ist von weniger als 10 Millionen Pfund um die Jahrtausendwende auf rund 107 Millionen Pfund im Jahr 2020 angestiegen.

Forsyths, ein Spezialanbieter für Brennereiausrüstung aus Rothes bei Inverness, schickte ein aus fünf Ingenieuren bestehendes Team dorthin, um den Aufbau der Anlage zu beaufsichtigen, und verfügt über ein Team in Hongkong, das sich um Kundendienst und Wartungsarbeiten kümmert. Der Wert der Direktexporte von Schottland nach China ist von weniger als 10 Millionen Pfund um die Jahrtausendwende auf rund 107 Millionen Pfund im Jahr 2020 angestiegen.

Ein einheitlicher Referenzindex für den Großhandelspreis von Whisky existiert nicht, was die Beurteilung der Wertentwicklung erschweren kann. Es gibt zum Beispiel Zeiten, in denen preiswertere Whiskys gefragt sind und der Markt für die teuersten Sorten austrocknet und umgekehrt. Vor Kurzem stagnierte ein Index der 50 seltensten Whiskys, während sich der Preis der (vergleichsweise) günstigeren Sorten gut hielt. 2020 ging der Handel mit Flaschen, die mehr als 5.000 Pfund kosten, um ein Viertel zurück, und Sorten mit Preisen von weniger als 1.000 Pfund legten mehr als 10 % zu.

Flaschen oder Fässer?

Die meisten Anleger kaufen und verkaufen einfach einzelne Flaschen, die bei spezialisierten Händlern oder Auktionen erhältlich sind, allerdings richtig gelagert werden müssen. Hierbei müssen Anleger einen Aufschlag von 15 % für Lagerkosten und Auktionsgebühren einplanen. Außerdem sollte man Vorsicht walten lassen: Die Branche zieht viele Betrüger an und im Internet werden häufig gefälschte Produkte oder leere Flaschen angeboten. Der Kauf im Rahmen einer Auktion bietet den Käufern einen gewissen Schutz.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Fass zu kaufen, aus dem sich 200 bis 300 Flaschen abfüllen lassen. Solche Fässer gibt es ab ca. 5.000 Pfund aufwärts und können über spezialisierte Whiskygruppen erworben werden. Anleger müssen hierbei jedoch noch die Kosten für die Abfüllung des Whiskys in Flaschen berücksichtigen – es gibt Anbieter, die diese Aufgabe übernehmen. In Schottland, das zum Vereinigten Königreich gehört, fällt die Verbrauchssteuer normalerweise beim Versand der Flaschen an die Käufer an.

Alternativ kann das Fass an andere Anleger oder an einen Käufer, der den Whisky selbst in Flaschen abfüllen möchte, verkauft werden. Anleger sollten sich in der Regel darauf einstellen, das Fass 20 bis 30 Jahre lang zu halten. Dies ist mit größeren Risiken verbunden, aber auch mit potenziell höheren Gewinnen, wenn der Whisky gut reift. Erwähnt werden sollte, dass schottischer Whisky nach den gesetzlichen Vorschriften ausschließlich in einem von der britischen Steuerbehörde (HM Revenue and Customs) geprüften Verbrauchsteuerlager in Schottland reifen darf.

Schottland hat nach wie vor einen Anteil von rund 90 % am Whiskymarkt und ist damit der beste Ausgangspunkt für neue Whisky-Anleger, die sich mit dem Thema vertraut machen möchten.

Schottland hat nach wie vor einen Anteil von rund 90 % am Whiskymarkt und ist damit der beste Ausgangspunkt für neue Whisky-Anleger, die sich mit dem Thema vertraut machen möchten. Es gibt dort auch zahlreiche Blogger, Experten, Touren und einen Verband für schottischen Whisky – die Scotch Whisky Association –, auf deren Website Informationen über die Geschichte des Whiskys und dessen Herstellung zu finden sind.

Nachhaltigkeitsbemühungen

In der schottischen Whiskybranche gibt es eine wachsende Nachhaltigkeitsbewegung. Die Scotch Whisky Association war der erste britische Lebensmittel- und Getränkehandelsverband, der eine Partnerschaft mit „Race to Zero“ einging. Diese Kampagne der Vereinten Nationen fördert Initiativen zur Verringerung von CO2-Emissionen in aller Welt. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Branche bis 2040 CO2-neutral werden soll.

Einige Hersteller haben dieses Ziel bereits erreicht. Die CO2-Bilanz der Brennerei Nc’nean (Aussprache: nack-nie-en) in Morvern in Westschottland ist für ihren gesamten Betrieb nicht größer als die eines einzigen Fluges aus den USA nach Großbritannien und sie gleicht diese mit Baumpflanzungen aus. Das Unternehmen nutzt erneuerbare Energien und recycelt bis auf 0,03 % alle seine Abfälle.

Zudem hat Nc’nean Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass seine Lieferkette CO2-neutral ist und verwendet recyceltes Glas in seinen Verpackungen. Für Whiskyhersteller könnte dieser Ansatz ein wichtiges Differenzierungsmerkmal sein, da die weltweite Bewegung zur Beschränkung von CO2-Emissionen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Doch das ist noch nicht alles – laut der Brennerei weist ihr Whisky „Noten von Zitronenquark, pochierten Pfirsichen, saftigen Aprikosen und scharfem weißem Pfeffer“ auf. Er dürfte Whiskytrinkern dabei helfen, die Erde zu retten… mit Verstand und Augenmaß.