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Oktober 1, 2022

Mehr Geld macht nicht unbedingt glücklicher

Viele Menschen haben starke Vorurteile, oft sogar ein komplexes und schwieriges Verhältnis zum Geld. Während manche am Ende des Monats wirklich jeden Cent umdrehen müssen, kommen die meisten mehr oder weniger gut über die Runden – wenn auch mit dem Gefühl, eigentlich nicht genug Geld zu haben. Würde mehr Geld glücklicher machen? Eine interessante Frage, die die Wissenschaft seit langer Zeit beschäftigt.

Ein Phänomen ohne Limits?

Expertenstudien zeigen, dass Menschen mit überdurchschnittlich hohen Einkommen in der Regel glücklicher sind als Ärmere. Doch dieser Effekt ist, so die Wissenschaft, nicht von Dauer und je nach Individuum verschieden stark ausgeprägt.

Eine Anfang 2021 veröffentlichte und viel beachtete Studie ist vor diesem Hintergrund besonders interessant. Bisher hatten Forscher nämlich angenommen, dass Geld die Zufriedenheit bis zu einem bestimmten Punkt steigert, dann jedoch keinen deutlich Unterschied macht, wenn man einen bestimmten Reichtum erst einmal erreicht hat. Die neue im renommierten Journal PNAS publizierte Studie widerlegt dies jetzt. Der Wissenschaftler Matthew Killingsworth von der University of Pennsylvania untersuchte den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Zufriedenheit. Dafür analysierte er 1.725.994 Echtzeit-Berichte über das erlebte Wohlbefinden von 33.391 erwerbstätigen US-Amerikanern. Diese wurden zu zufälligen Zeitpunkten über den Tag verteilt immer wieder via App gefragt: „Wie fühlst du dich gerade?“.

Die Ergebnisse zeigen: Das Wohlbefinden steigt linear zum Haushaltseinkommen an — und zwar ohne Obergrenze. Frühere Analysen hatten ergeben, dass das erlebte Wohlbefinden oberhalb eines Einkommens von 75.000 Dollar pro Jahr nicht zunimmt. Die neue Studie hingegen belegt eine ebenso steile Glückssteigerung oberhalb von 80.000 Dollar wie unterhalb davon.

Fakt ist: viele Menschen und vor allem viele Verbraucher verwechseln Vergnügen mit Glück.

Auf die Definition kommt es an

Fakt ist: viele Menschen und vor allem viele Verbraucher verwechseln Vergnügen mit Glück. Sie erliegen der Illusion, dass sie durch das Vergnügen regelmäßigen Konsums automatisch glücklicher werden. Natürlich darf man sich hin und wieder mal etwas gönnen. Doch das bedeutet nicht, dass man dadurch zwangsläufig ein glücklicheres und erfüllteres Leben führt.

Für das Wort „Glück“ gibt eine beeindruckende Fülle an Definitionen. Aus dem finanziellen und wirtschaftlichen Blickwinkel betrachtet, lässt sich Glück mit dem Prinzip von Freude und Sinnhaftigkeit (Pleasure-Purpose Principle, PPP) des britischen Wissenschaftlers für Glücksforschung und Gesundheitsökonomie Paul Dolan definieren.

Gemäß Paul Dolan erwächst unser Glück aus der Summe der Momente, in denen wir Freude empfinden, und der Situationen, in denen wir unserer Existenz durch unser Handeln Sinn verleihen. Was bedeutet dies für unseren Umgang mit Geld? Wenn unser Glück auch davon abhängt, wie wir unser Geld verwenden, sollten wir bei Ausgaben und Investitionen logischerweise ein Gleichgewicht zwischen Freude und Sinn anstreben. Dieses Gleichgewicht ist jedoch nicht bei allen Menschen gleich.

Harvard-Forscher haben gesehen, dass sich Menschen weltweit besser fühlen, wenn sie Geld für andere ausgeben.

Ob Geld glücklich mach, hängt ganz besonders auch davon ab, wofür man es ausgibt. Vor diesem Hintergrund haben Forscher der Harvard Universität in verschiedenen Studien untersucht, ob es einen Unterschied für das eigene Wohlbefinden macht, ob man Geld für sich selbst oder für andere ausgibt. Die Forscher haben gesehen, dass sich Menschen weltweit besser fühlen, wenn sie Geld für andere ausgeben. Dieser Zusammenhang ist ganz unabhängig davon, ob jemand aus einem armen oder reichen Land kommt und auch unabhängig von der Kultur, in der die Menschen leben. In 120 von 136 Ländern rund um den Erdball haben Sie gefunden, dass sich Menschen, nachdem Sie Geld für andere ausgegeben haben, glücklicher als vorher gefühlt haben.

Spenden tut gut

Geld für andere zu spenden oder auszugeben, bereitet uns Freude, weil wir soziale Wesen sind und Gegenseitigkeit schätzen. Andere glücklich zu machen, macht uns auch selbst glücklich. Menschen, die in ihrer Freizeit einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen, sind mit ihrem Leben im Allgemeinen deutlich zufriedener als andere Personen ohne ein solches Engagement.

Unter Altruismus in seiner reinsten Form wird allgemein verstanden, dass der Gebende etwas zugunsten des Nehmenden aufgibt. Diese Art des Altruismus ist jedoch häufig eine Illusion, da ausgeklammert wird, welchen Nutzen ein philanthropischer Akt für den Gebenden hat. Nur weil man für eine Spende keine materielle Entschädigung erhält, heißt dies nicht, dass man überhaupt nichts dafür zurückbekommt. Man sollte Spenden als persönliche Investition sehen, die sich als sehr lohnenswert erweisen kann, da sie auch uns selbst Glücksgefühle beschert. Man spricht vom sogenannten „Warm-Glow-Effekt“, der in den Wirtschaftswissenschaften erstmals 1989 von James Andreoni beschrieben worden ist. Der Begriff bezeichnet Freude, Glücksgefühl und Zufriedenheit, d. h. den immateriellen Nutzen, den Menschen dadurch haben, dass sie durch ihr Handeln anderen Menschen helfen konnten. Spenden ist demnach keine völlig uneigennützige Handlung, sondern eine persönliche Investition.

Bei Spenden sind natürlich einige Punkte zu beachten, damit man mit der guten Tat letztlich auch sich selbst etwas Gutes tun. Aller guten Dinge sind drei – so auch bei den wesentlichen Voraussetzungen, auf die es bei Spenden ankommt: Es muss eine persönliche Verbindung bestehen. Die Wirksamkeit der Spende muss sichtbar sein. Die Entscheidung muss eigenständig getroffen werden.

In jedem Fall sollte die Spende – genau wie jede andere Investition– wohlüberlegt sein, denn schließlich geht es auch um das eigene Glück. Man sollte sicherstellen, dass die geeigneten Instrumente genutzt und die richtigen Schritte unternehmen werden. Aus diesem Grunde ist es hilfreich sich beraten zu lassen; auch über fiskalische Aspekte. Luxemburg ist in der Tat ein Land, in dem Philanthropie und Großzügigkeit stark gefördert werden.