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August 21, 2019

Mit den Kindern über das Thema Erben zu sprechen, kann spätere Konflikte verhindern

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH Juli 29, 2019 104

Die Vergangenheit liefert reichlich Beispiele für Erbschaftsstreitigkeiten, die Schlagzeilen gemacht haben: Von der milliardenschweren Immobilieninvestorin Leona Helmsley, die ihrem Hund 12 Mio. US-Dollar, zweien ihrer Enkelkinder aber nicht einen Cent hinterließ, bis zum Ölmagnaten J. Howard Marshall, dessen sechzig Jahre jüngere letzte Ehefrau Anne Nicole Smith bei seinem Tod nichts erbte. Der Leichnam des surrealistischen Künstlers Salvador Dali wurde exhumiert, um festzustellen, ob Pilar Abel seine Tochter sein und Anspruch auf einen Teil seines Nachlasses haben könnte (wie sich herausstellte, war sie nicht seine Tochter). Die Umstände mögen unterschiedlich gewesen sein, doch alle diese Fälle haben eine auffällige Gemeinsamkeit: die Erben hatten keine Ahnung, was nach dem Tod ihres wohlhabenden Verwandten passieren würde.

Wenn es ums Erben geht, verlieren viele Menschen zu Lebzeiten kein Sterbenswörtchen darüber, wem sie etwas hinterlassen wollen. Dies kann Familien über Generationen hinweg schwer belasten, wenn etwa Geschwister und andere Verwandte über die Aufteilung des Nachlasses streiten. Die Erblasser mag das nicht weiter kümmern, denn sie müssen die Streitereien ja nicht mehr miterleben. Wer aber rechtzeitig alles regeln will, dem bieten sich bessere Möglichkeiten.

Gute Absichten

Eine Möglichkeit besteht darin, den eigenen Verwandten frühzeitig in einer Absichtserklärung mitzuteilen, was im eigenen Testament stehen soll, und zu erläutern, warum man seinen eigenen Besitz genau so und nicht anders aufzuteilen gedenkt. Das ist kein rechtsverbindliches Dokument, kann aber Berücksichtigung finden, wenn enterbte Nachkommen eine Erbschaftsklage anstrengen sollten. Wenn klar ist, warum eine Person von der Erbschaft ausgeschlossen wurde, könnte jeder danach geltend gemachte Anspruch weniger Gewicht haben.

Ein Ansatz, der Streitigkeiten in erheblichem Maße vorbeugen kann, besteht darin, den Inhalt des eigenen Testaments vor dem Tod zu besprechen. Eventuelle Beschwerden und Einwände können dabei frühzeitig vorgebracht und Anfechtungen des letzten Willens, die häufig zu einem teuren Rechtsstreit führen, abgewehrt werden. Im Allgemeinen sind Probleme vorprogrammiert, wenn Kinder unterschiedlich viel erben sollen. Gleichgültig, warum die Aufteilung des Nachlasses so festgelegt wurde, die eigenen Kinder werden dies sehr wahrscheinlich als einen Ausdruck der Zuneigung (oder nicht) des Erblassers deuten. Ungewollte Probleme können auch entstehen, wenn man den Kindern jeweils unterschiedliche Arten von Vermögenswerten hinterlässt – zum Beispiel Immobilien statt Aktien – und die einen Vermögenswerte im Wert deutlich steigen, die anderen indes nicht.

Frühzeitig mit den Kindern über diese Angelegenheiten zu sprechen hat den Vorteil, dass man gleichzeitig auch den Umgang mit einer Erbschaft besprechen kann. Mit Geldbeträgen hantieren zu müssen, die das Leben massiv verändern, kann für jemanden, der darauf nicht vorbereitet oder dazu nicht imstande ist, echte Gefahren bergen. Die Probleme von „Treuhandfonds“-Kindern sind gut dokumentiert, und das Phänomen ist auch dann zu beobachten, wenn Vermögen in einer späteren Phase des Lebens vererbt wird. In vielen wohlhabenden Familien gibt es Kinder, die zu früh zu viel Geld erhielten und es dann verprasst haben.

Ganz allgemein ist davon auszugehen, dass jemand, der Geld erbt, damit besser umgehen dürfte, wenn er versteht, wie schwierig es zu verdienen ist.

Finanzielle Verantwortung

Ganz allgemein ist davon auszugehen, dass jemand, der Geld erbt, damit besser umgehen dürfte, wenn er versteht, wie schwierig es zu verdienen ist. Diese Lektionen kann man bereits sehr früh lernen, etwa durch die Eröffnung eines Sparkontos oder mit einem kleinen Aktienportfolio. Kinder erfahren auf diese Weise mehr über Geldanlagen und die Vorzüge des Zinseszinseffekts. Sie könnten Ihre Kinder mit Ihrem Finanzberater an einen Tisch bringen, der ihnen erklären können sollte, wie Geld hinterlassen wird, sowie die grundlegenden Details der Anlagen, die gehalten werden, erläutern und zudem darlegen kann, wie die Kinder davon profitieren.

Diese Gespräche sind selbstverständlich nicht einfach. Eltern könnten Bedenken haben, dass ihre Kinder nur noch in den Tag hinein leben und darauf warten, dass sie in vielen Jahren ein Vermögen erben könnten. Wird die Aussicht, irgendwann ein Vermögen zu erben, ihren Ehrgeiz dämpfen, sodass sie keine Möglichkeit und keinen Anreiz mehr haben, aus eigener Kraft erfolgreich zu werden? Könnte dies zu unangenehmen Spannungen zwischen Eltern und Kind führen, weil das Kind sie vielleicht nur noch als Melkkuh ansieht? Wenn sie jedoch irgendwann ein beachtliches Vermögen hinterlassen, ist es auf jeden Fall besser, wenn die nächste Generation gelernt hat, wie man finanzielle Angelegenheiten regelt.

Lernen durch Geschenke fürs Leben

Es gibt gute Gründe, sich über den Nachlass, der den Kindern irgendwann zufallen könnte, nicht zu konkret zu äußern. Ein Gespräch über die Grundsätze des Umgangs mit Geld sollte dies aber nicht verhindern. Zudem haben Ihre Kinder wahrscheinlich ohnehin eine grobe Vorstellung davon, wieviel Geld Sie besitzen – die Größe Ihres Hauses, Ihr Auto und Ihre Urlaubsreisen dürften darüber recht guten Aufschluss geben.

Es kann auch sinnvoll sein, ihnen über einen längeren Zeitraum verteilt kleinere Beträge zukommen zu lassen. Dies kann nicht nur helfen, den Erbschaftsteuerbetrag zu drücken, je nachdem was für Vorschriften in Sachen Schenkungssteuer gelten, sondern versetzt Kinder auch in die Lage, mit einem Vermögen vertraut zu werden, ohne den Druck zu spüren, mit Beträgen hantieren zu müssen, die das Leben völlig verändern können.

In den meisten Fällen ist ein solches Gespräch eher unangenehm. Als Vorbereitung darauf ist es vielleicht sinnvoll, sich zu fragen, wie detailliert die Kinder über das Vermögen der Familie aufgeklärt werden sollen und wollen, und diesen Prozess kooperativ zu gestalten.

Es kann sein, dass Sie auf wenig Begeisterung stoßen. Das Thema Erben ist für Ihre Kinder vielleicht noch ganz weit weg, und zudem müssen sie sich vor Augen führen, dass ihre Eltern eines Tages sterben. In den meisten Fällen ist ein solches Gespräch eher unangenehm. Als Vorbereitung darauf ist es vielleicht sinnvoll, sich zu fragen, wie detailliert die Kinder über das Vermögen der Familie aufgeklärt werden sollen und wollen, und diesen Prozess kooperativ zu gestalten.

Umgang mit Geld

Welche Themen sollten in einem Gespräch über Geld behandelt werden? Bei der Verwaltung eines Vermögens gibt es einige wichtige Punkte, die man unbedingt verstehen sollte. Hierzu zählt etwa die Frage, wie man ein Einkommen erzielt oder wie wichtig es ist, ein Portfolio gegen die Inflation abzusichern. Auf diese Weise können die Erben lernen, wie Geld mit der Zeit mehr werden und ihnen finanzielle Sicherheit bieten kann, statt einfach nur ein Mittel zu sein, um Dinge zu kaufen. Wer über ein beachtliches Vermögen verfügt, kann seine Kinder in gemeinnützige Programme einbinden, um ihnen zu zeigen, wie ein Vermögen genutzt werden kann, um das Leben anderer Menschen zu verändern oder Missstände in der Welt zu lindern.

Wenn Sie immer noch unsicher sind, ob Ihre Kinder mit einem plötzlichen Geldsegen umgehen können, können Sie Ihr Vermögen in einen Treuhandfonds einzahlen, der Anreize bieten und flexibel gestaltet werden kann. Dabei können Bedingungen festgelegt werden, die erfüllt sein müssen, damit das Erbe ausgezahlt wird, etwa dass der Erbe einer Arbeit nachgehen muss oder nicht unter einem bestimmten Alter heiraten darf. Es besteht allerdings die Gefahr, dass zu strenge Bedingungen auf gerichtlichem Wege angefochten werden. Eine Möglichkeit ist ein auf bestimmten Grundsätzen basierender Treuhandfonds, bei dem der Treugeber ermessensfrei festlegen kann, dass Beträge auf Basis bestimmter Leitlinien ausgezahlt werden können, ohne zu strenge Vorschriften zu machen.

Grenzüberschreitende Gesichtspunkte

Wer in mehreren Rechtsgebieten über Vermögen verfügt, muss die Erbschaftsteuervorschriften jedes einzelnen Landes beachten. Denn dies kann Einfluss auf die Entscheidung haben, wer was erhält. Besonders wichtig ist dies in Ländern, in denen Pflichtteilsregelungen gelten, die die Rechte von Kindern schützen, wie zum Beispiel Luxemburg und Frankreich. Ehegatten sind durch diese Vorschriften jedoch nicht geschützt und können ausgeschlossen werden. Das Pflichtteilsrecht muss auch bei Schenkungen berücksichtigt werden. Dritte dürfen nur dann Schenkungen erhalten oder etwas erben, wenn die betreffenden Vermögenswerte nicht unter die Pflichtteilsregelung fallen.

Erben kann eine schwierige Angelegenheit und ein unangenehmes Gesprächsthema sein. Je größer das Vermögen, umso komplizierter der Umgang damit. Bespricht man das Thema jedoch frühzeitig, kann man seinen Angehörigen viele Jahre Streit und Zwist ersparen (ganz zu schweigen von etwaigen Rechtskosten). Gleichzeitig können Sie Ihre Familie darauf vorbereiten, mit dem Vermögen, das sie erben wird, verantwortungsvoll umzugehen. Das ist sicher schwierig, doch die Alternative dürfte für weitaus größere Schwierigkeiten sorgen.