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August 11, 2022

Mut, Ausdauer und noch viel mehr

Was einen guten Unternehmer ausmacht

Die Zahl der Unternehmensgründungen in Luxemburg vermehrt sich seit Jahren. Wie aus einer Studie des Thinktanks „Idea“ hervorgeht, ist sie von rund 2.300 Firmen pro Jahr zu Beginn des Jahrhunderts auf jährlich über 3.500 gestiegen. Und auch die Handelsermächtigungen sind von 4.500 im Jahr 2010 auf heutzutage über 6.000 gestiegen. Nun hat die Corona-Pandemie sicher eine bremsende Wirkung. Doch Firmengründungen werden sicher auch in Zukunft zunehmen. Dabei gehört der Misserfolg insbesondere bei Start-up-Firmen dazu. Als Faustregel gilt: Vier von fünf Start-ups scheitern.

Verantwortung übernehmen

Bevor man sich als Unternehmer versucht, sollte man wissen, was einen Gründer ausmacht und was die eigenen Stärken sind. Gemäß einer Studie des renommierten „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) haben erfolgreiche Selbstständige oft bestimmte Charaktereigenschaften, unter anderem Selbstvertrauen, ein hohes Verantwortungsgefühl, wenig Angst vor dem Scheitern und Toleranz gegenüber Unsicherheit.

Überzeugungsvermögen und Verhandlungsgeschick sind für Selbstständige unerlässlich: Sie müssen Preise aushandeln, Kunden gewinnen und Bedingungen vereinbaren. Hiermit haben sehr kreative Menschen oft Schwierigkeiten. Andererseits werden Unternehmer möglicherweise auch viel Zeit alleine verbringen. Für Introvertierte mag dies das Richtige sein, es kann aber auch zu einem Gefühl der Einsamkeit führen.

Sich seine Arbeitszeit selbst einteilen zu können, mag verführerisch klingen. Doch bei einer selbstständigen Tätigkeit erhält man nur dann Geld, wenn man arbeitet. So bedeutet ein Urlaub auch immer einen Verdienstausfall, während Angestellte Anspruch auf bezahlten Urlaub haben. Außerdem ist es sehr schwierig, Aufträge abzulehnen und selbst erfahrene Selbstständige fürchten, in diesem Fall Kunden zu verlieren. Daraus ergeben sich möglicherweise längere Arbeitszeiten.

Jeder Unternehmer wird irgendwann damit konfrontiert, dass seine Idee oder ein Projekt nicht funktioniert, bzw. scheitert. Fehlschläge gehören dazu und müssen verdaut werden. Dabei können harte Entscheidungen nötig sein. Das durchzustehen, erfordert ein großes Maß an Entschlossenheit und Zielstrebigkeit.

Unternehmer müssen Rückgrat beweisen, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Dramatiker Samuel Beckett schrieb (frei übersetzt): „Immer versucht. Immer gescheitert. Macht nichts. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“

Finanzielle Disziplin gefordert

Auch finanzielle Disziplin ist eine wichtige Eigenschaft von Selbstständigen. Die Steuern werden zum Beispiel nicht jeden Monat automatisch vom Gehalt abgezogen. Es liegt in der Verantwortung des Unternehmers, dafür zu sorgen, dass sie gezahlt werden.

Gesellschaften und Einzelunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 35.000 Euro müssen sich in Luxemburg für die Mehrwertsteuer registrieren. Dies bringt bestimmte Meldepflichten mit sich, bedeutet aber auch, dass die in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer zurückgeführt werden muss. Zur Erinnerung: Der normale Mehrwertsteuersatz in Luxemburg beträgt 17 Prozent. Für wesentliche Güter wie Heizung und Beleuchtung, Mietzahlungen und Kraftstoff gelten ermäßigte Steuersätze.

Als Gründer sollte man auch sicherstellen, dass man weiterhin Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen hat, insbesondere auf gesetzliche Rentenleistungen. Die Beiträge können zusammen mit der Einkommensteuer eingezogen werden. Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (s.àr.l. oder GmbH), ist es etwas komplizierter. Hier trägt man selbst die Verantwortung dafür, dass die Zahlungen pünktlich geleistet werden.

Absicherung muss sein

Wer die Sicherheit einer Festanstellung aufgibt, verzichtet nicht nur auf ein regelmäßiges, festes Gehalt, sondern auch auf verschiedene andere Leistungen, darunter häufig eine betriebliche Altersvorsorge, Krankenversicherung und Todesfallleistungen, sowie auf mögliche Extras.

Für Selbstständige besteht die Gefahr einer unzureichenden Altersvorsorge und Absicherung im Allgemeinen.

Für Selbstständige besteht die Gefahr einer unzureichenden Altersvorsorge und Absicherung im Allgemeinen. Doch genau das alles sollte Teil ihrer Finanzplanung sein. Gut zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass das System der Zusatzrente in Luxemburg, das bisher Arbeitnehmern vorbehalten war, seit 2019 auch Selbstständigen offensteht. Eine Versicherung für den Todesfall und Risiken wie Unfall, Krankheit oder Invalidität ist auch durchaus sinnvoll. Die entsprechenden Versicherungsbeiträge sind für Unternehmen steuerlich abzugsfähig.

Was die Gehaltsfrage anbelangt, so ist zu bedenken, dass es einige Zeit dauern kann, bis sich ein Unternehmen am Markt etabliert hat. Also ist hier Geduld angesagt. Zwar hat eine Selbstständigkeit sowohl Vor- als auch Nachteile, insbesondere was administrative Aspekte betrifft, sie bietet aber fast immer eine Möglichkeit für eine bessere Work-Life-Balance. Zu wissen, dass sich harte Arbeit direkt im Einkommen niederschlägt, kann ebenfalls sehr befriedigend sein. Manche Menschen empfinden dies als äußerst motivierend im Vergleich zur Arbeit in einem großen Unternehmen.

Echte Überzeugungstäter gebraucht

Unternehmer müssen ihre Firma immer und immer wieder aufs Neue „verkaufen“, sprich präsentieren. Etwa wenn es ums Überzeugen von Anlegern geht, oder die Motivation von Mitarbeitern. All das erfordert viel Energie, eine starke Motivation und somit eine gewisse Beharrlichkeit seitens des Unternehmers.

Ein Unternehmer sollte Teamchef sein und im Team spielen.

Von herausragender Bedeutung ist auch die Teamfähigkeit. Wer diese Kompetenz nicht hat, ist kaum in der Lage, Chancen zu erkennen und das Unternehmen in die richtige Richtung zu lenken. Ein Unternehmer sollte Teamchef sein und im Team spielen. Er muss seinen Betrieb möglichst so aufstellen, dass sich Kompetenzen ergänzen. Das gilt auch für die Spitze der Firma. Schließlich ist die Person, die das Unternehmen von der Start-up- in die Wachstumsphase führt, nicht zwangsläufig auch am besten geeignet, das kontinuierliche Wachstum zu gewährleisten, wenn das Unternehmen erst einmal am Markt etabliert ist. So manchem fällt es möglicherweise leicht, einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern seinen persönlichen Stempel aufzudrücken – bei 500 bis 1.000 Mitarbeitern gelingt das allerdings schwieriger. Ein guter Unternehmer weiß daher, wann er die Grenzen dessen erreicht, was er in die Firma einbringen kann, und trifft rechtzeitig und bewusst die Entscheidung, die Hauptverantwortung an die nächste Generation von Führungskräften abzutreten.