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September 23, 2019

Sind Derivate auch für Privatanleger geeignet?

  Gesammelt von myLIFE team myINVEST August 14, 2019 37

Derivate gehören für viele Privatanleger zwar zu den exotischeren Anlageinstrumenten, dabei können sie in einem Portfolio unterschiedlichste Zwecke erfüllen. Sie können die Gewinne eines Investmentportfolios vervielfachen – aber eben auch die Verluste. Gut informierten Anlegern dienen sie zudem als Absicherung gegen bestimmte Risiken oder als Mittel zur Verbesserung der Anlagerendite.

Derivate sind oft komplex, und einige von ihnen beinhalten einen Hebel, mit dem die gleiche Wirkung erzielt werden kann, wie mit einer Kreditaufnahme. Von Vorteil ist dies, wenn sich die Fähigkeiten des Anlegers auszahlen und sich seine Einschätzungen als richtig erweisen. Andernfalls können die Verluste deutlich stärker ausfallen, als es ohne den Einsatz von Derivaten der Fall gewesen wäre. Werden Derivate jedoch geschickt eingesetzt, können sie ein sehr hilfreiches Anlageinstrument darstellen.

Derivate sind Finanzinstrumente, denen ein Basiswert zugrunde liegt. Gängige Derivate wie Futures und Optionen können zur Erzielung höherer Renditen eingesetzt werden, aber auch um ein Portfolio gegen Marktschwankungen abzusichern.

Derivate sind Finanzinstrumente, denen ein Basiswert zugrunde liegt. Gängige Derivate wie Futures und Optionen können zur Erzielung höherer Renditen eingesetzt werden, aber auch um ein Portfolio gegen Marktschwankungen abzusichern. Sie können an einer Börse gehandelt werden, beispielsweise an Terminbörsen wie der Eurex oder der Euronext, oder aber außerbörslich (over-the-counter). In letzterem Fall werden die Konditionen von den beiden beteiligten Parteien festgelegt.

Optionen

Eine Option ist eine weit verbreitete und anerkannte Form eines Derivats. Sie räumt Anlegern das Recht ein (verpflichtet sie aber nicht dazu), ein bestimmtes Wertpapier oder eine bestimmte Benchmark – beispielsweise Aktien, Anleihen oder Marktindizes – zu einem im Voraus festgelegten Preis zu einem späteren Termin zu kaufen oder zu verkaufen.

Beispiel: Eine Partei ist bereit, in sechs Monaten 1.000 Aktien von Volkswagen zu einem Preis von 150 Euro pro Aktie zu verkaufen. Beträgt der Preis dann zu diesem Zeitpunkt 160 Euro, wird der Käufer die Option wahrscheinlich ausüben, da er die Aktien zu einem günstigeren Preis als dem aktuellen Marktpreis erwerben und somit einen unmittelbaren Gewinn erzielen kann.

Beträgt der Preis jedoch 145 Euro, wird der Käufer die Option nicht ausüben und sie verfällt. Der Verkäufer der Option hat dann eine „Prämie“ – den Preis für die Einräumung des Optionsrechts – erhalten und behält die Aktien.

Es gibt zwei Arten von Optionen: Zum einen „Call“-Optionen oder Kaufoptionen, die dem Käufer das Recht auf den Kauf eines Wertpapiers einräumen. In diesem Fall hofft der Käufer auf steigende Wertpapierkurse. Zum anderen „Put“-Optionen oder Verkaufsoptionen, bei denen der Verkäufer auf fallende Kurse setzt.

Gedeckte und ungedeckte Optionen

Es gibt gedeckte und ungedeckte Optionen. Bei gedeckten Optionen ist der Verkäufer im Besitz des Basiswerts, den er verkaufen möchte, d. h. das mit dieser Transaktion verbundene Risiko ist für den Verkäufer auf den Verlust des Basiswerts begrenzt. Der mögliche Verlust für den Käufer der Option ist auf die Kosten der Option, also die Optionsprämie begrenzt. Hätte der Verkäufer die Aktien bei Fälligkeit der Option zu einem höheren Preis verkaufen können, ist er unter Umständen mit Opportunitätskosten konfrontiert. Diese werden jedoch teilweise durch den Erhalt der Optionsprämie ausgeglichen.

Ungedeckte Optionen sind eine andere Art der Anlage und mit einem deutlich höheren Risiko verbunden.

Der Verkauf von gedeckten Call-Optionen (auch als Buy-and-Write-Strategie bezeichnet) ist unter Fondsmanagern weit verbreitet. Mit den erhaltenen Optionsprämien sollen die Portfoliorenditen und somit der Ertrag des Fonds gesteigert werden. Allerdings wird dadurch unter Umständen auf einen Teil des Wertzuwachses von Aktien verzichtet.

Ungedeckte Optionen (auch „nackte Optionen“) sind eine andere Art der Anlage und mit einem deutlich höheren Risiko verbunden. Da der Preis eines Basiswerts theoretisch ins Unendliche steigen könnte, ist der Verkauf ungedeckter Call-Optionen auch mit einem unbegrenzten Risiko verbunden.

Optionen können sämtliche Arten von Anlagen als Basiswert aufweisen, darunter Aktien, Indizes, Währungen und Rohstoffe. Darüber hinaus werden sie auch in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt: Ein Ölproduzent kann Optionen beispielsweise nutzen, um den Verkaufspreis für das von ihm geförderte Rohöl zu steuern, oder eine Fluggesellschaft, um sich Gewissheit über die künftigen Treibstoffkosten zu verschaffen.

In der Praxis nutzen die meisten Unternehmen, die schwankenden Preisen für Massengüter ausgesetzt sind, in irgendeiner Form Derivate, um sich gegen plötzliche Preisänderungen abzusichern. Unternehmen mit umfangreicher betrieblicher Altersvorsorge können Finanzderivate einsetzen, um sich gegen Schwankungen an den Kapitalmärkten abzusichern. Ein Großteil des Marktes wird jedoch von Spekulanten dominiert, die über Optionen auf steigende oder fallende Preise für bestimmte Vermögenswerte setzen oder von den der Optionspreisbestimmung zugrunde liegenden Sensitivitätskennzahlen (auch „Greeks“ genannt) profitieren wollen.

Der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen (Warrants)

Ebenso wie Optionen beinhalten Optionsscheine das Recht, jedoch nicht die Verpflichtung, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Aktienoptionen und Aktienoptionsscheinen besteht jedoch darin, wer die zu übertragenden Aktien liefert. Während Aktienoptionen an Börsen notiert sind, werden Aktienoptionsscheine von einem Unternehmen (dem zugrunde liegenden Unternehmen oder einem Finanzintermediär) ausgegeben. Wird das mit einer Aktienoption verbundene Optionsrecht ausgeübt, werden die betreffenden Aktien von einem Anleger an einen anderen Anleger übertragen. Wird das mit einem Aktienoptionsschein verbundene Recht ausgeübt, stammen die zu erhaltenden Aktien nicht von einem anderen Anleger, sondern werden von dem emittierenden Unternehmen selbst geliefert. Unternehmen geben Optionsscheine überwiegend zur Kapitalaufnahme aus. Werden Aktienoptionen gehandelt, erhält das Unternehmen selbst kein Geld aus diesen Transaktionen.

Optionsscheine sind grundsätzlich eher längerfristige Anlageinstrumente, mit einer längeren Frist zwischen Emission und Fälligkeit. Wird das in einem Optionsschein verbriefte Recht ausgeübt, erhält der Inhaber neu ausgegebene Aktien und keine bestehenden Aktien, wie es bei Optionen der Fall ist. Eine solche Transaktion hat demnach eine Verwässerung der Aktienbestände der bestehenden Aktionäre zur Folge.

Anleger nutzen Optionsscheine, um ein größeres Engagement in einem Wertpapier wie beispielsweise der Aktie eines Unternehmens einzugehen. Sie können jedoch auch als Absicherung gegen Kursrückgänge eingesetzt werden oder um sich bietende Arbitrage-Möglichkeiten auszuschöpfen.

Anleger nutzen Optionsscheine, um ein größeres Engagement in einem Wertpapier wie beispielsweise der Aktie eines Unternehmens einzugehen. Sie können jedoch auch als Absicherung gegen Kursrückgänge eingesetzt werden oder um sich bietende Arbitrage-Möglichkeiten auszuschöpfen.

Turbo-Optionsscheine

Es gibt unterschiedliche Arten von Optionsscheinen. In einigen Regionen Europas sind sogenannte Turbo-Optionsscheine (auch als „Turbos“ bezeichnet) sehr beliebt. Turbos sind bedingte Finanzinstrumente, denn erreicht der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit eine zuvor festgelegte Schwelle (Barriere), verfällt der Optionsschein vor dem Fälligkeitstermin und wird wertlos. In diesem Zusammenhang wird häufig von einer Knock-Out-Barriere gesprochen.

Während gewöhnliche Optionsscheine empfindlich auf eine Mischung aus Volatilität, dem Kurs des Basiswerts und den Marktbedingungen reagieren, werden Turbo-Optionsscheine vor allem durch kurzfristige Volatilität beeinflusst. Darüber hinaus ist die Auswahl für Anleger tendenziell eher begrenzt, da Turbos in der Regel nur auf große, globale Bluechips und große Aktienindizes wie den FTSE 100, den CAC 40, den DAX oder den Eurostoxx 50 ausgegeben werden.

Gedeckte Optionsscheine werden auf Margin gehandelt. Das bedeutet, dass Händler einen Hebel anwenden können. Hierbei gilt: je höher der Hebel, desto größer auch das Verlustrisiko. Entscheidet sich ein Händler für einen Hebel von 50, würde er 50 % verlieren, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Vermögenswerts um 1 % fällt. Es könnten sehr schnell große Verluste entstehen, doch Turbo-Optionsscheine sind gewöhnlich mit einer Stoploss-Schwelle ausgestattet, die Anleger davor bewahren soll, größere Verluste als ihre Einschusszahlung zu erleiden.

Optionsscheine, Optionen und andere derivative Finanzinstrumente wie Futures können eine wichtige Ergänzung in Portfolios sein. Denn mit ihnen können bestimmte Engagements eingegangen und identifizierte Risiken gemindert werden, wie es mit herkömmlichen Wertpapieren nicht immer möglich ist. Sie sind jedoch komplex und können für unerfahrene Anleger schnell zu Verlusten führen.