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August 11, 2020

Was ist ein Warrant?

  Gesammelt von myLIFE team myINVEST September 7, 2018 634

Sie fühlen sich in der Welt der Investments allmählich etwas wohler? Dann ist es nun Zeit, sich ein wenig näher mit derivativen Produkten zu beschäftigen. Heute auf dem Programm: der Warrant. Das ist nicht etwa eine Reptilienart, sondern ein Finanzinstrument. Wie funktioniert er und welche Unterschiede bestehen zu einer Börsenoption? myLIFE erklärt Ihnen alles Wichtige.

Ein Warrant ist ein börsengängiges Wertpapier, das mit einem Optionsrecht verbunden ist. Man hat damit die Möglichkeit, einen zugrunde liegenden Vermögenswert (auch als „Basiswert des Warrant“ bezeichnet), das heißt eine Aktie, einen Börsenindex, eine Anleihe, eine Währung, einen Rohstoff usw., zu kaufen oder zu verkaufen.

Warrant und Option: aus derselben Familie!

Die Warrants gehören derselben Familie an wie die Optionen und funktionieren bis auf wenige Unterschiede auf ähnliche Weise.

Falls Sie die Funktionsweise einer Börsenoption noch nicht kennen, sollten Sie zuerst folgenden Artikel lesen: Was ist eine Börsenoption? Dann sehen Sie klarer!

Der Anleger hat also mit einem Warrant die Möglichkeit, einen Basiswert zu einem Ausübungspreis und in einer im Voraus festgelegte Zeitspanne gegen Zahlung einer Prämie zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Bei einem Call-Warrant ist das Investment erfolgreich, wenn der Basiswert den Ausübungspreis übersteigt, während der Put-Warrant sich auszahlt, wenn der Basiswert unter den Ausübungspreis sinkt.

Die Gewinne oder Verluste des Anlegers bestimmen sich durch den Unterschied zwischen dem beim Kauf eines Warrant gezahlten Preis und seinem Verkaufspreis.

Wie bei den Optionen bestimmt sich der Preis eines Warrant (also die Prämie) größtenteils anhand des inneren Werts und des Zeitwerts. Der innere Wert entspricht dem Unterschied zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem Ausübungspreis. Der Zeitwert seinerseits stellt die Möglichkeiten der Änderung des Basiswertpreises dar. Je näher der Fälligkeitstermin liegt, desto weniger Spielraum hat der Kurs, sich zu ändern.

Die Gewinne oder Verluste des Anlegers bestimmen sich durch den Unterschied zwischen dem beim Kauf eines Warrant gezahlten Preis und seinem Verlaufspreis.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Warrant und Option?

Wie bereits erwähnt, funktionieren Warrants und Optionen auf sehr ähnliche Weise. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen diesen beiden Finanzinstrumenten. Die Hauptunterschiede sind:

WarrantOption
Ein Wertpapier, das mit einem Recht verbunden ist.Ein Kontrakt, der sich auf einen Vermögenswert bezieht.
Wird von einem Finanzinstitut aufgelegt.Wird von einem Marktteilnehmer aufgelegt (Gesellschaft, die die Funktionsweise eines geregelten Marktes für Finanzinstrumente sicherstellt).
Die Anzahl von Warrants ist begrenzt.Optionen können unbegrenzt aufgelegt werden.
Ein Anleger kann keinen Warrant verkaufen, den er nicht besitzt.Bei einer Option ist ein Leerverkauf möglich (Option wurde noch nicht gekauft).
Es gibt häufig eine Mindestmenge für Warrants (z. B. 100, 1.000 usw.).Eine Option kann stückweise gehandelt werden.

Anstatt nun einfach drauflos zu spekulieren, sollte Sie zuerst die Vorteile, aber auch die Nachteile eines Warrant abwägen.

Vorteile eines Warrant

  • Diversifizierung des Portfolios: Der Kauf eines Warrant (Put oder Call) ermöglicht die Diversifizierung eines Portfolios durch die kostengünstige, weltweite Anlage in Unternehmen, Indizes, Währungen oder auch Rohstoffen.
  • Hebelwirkung: Wie Optionen lösen auch Warrants eine Hebelwirkung aus, das heißt, dass jeder Anstieg oder Rückgang des Basiswerts um ein Vielfaches verstärkt wird. Falls die Marktlage nach den Erwartungen des Anlegers günstig ist, kann er auf hohe Gewinne hoffen.
  • Begrenzung der Risiken: Der Preis der für einen Put- oder Call-Warrant zu zahlenden Prämie stellt nur einen kleinen Teil des Wertes des Basiswerts dar. Somit ist das vom Anleger eingegangene maximale Risiko auf die Höhe der Prämie begrenzt. Der Verlust ist somit deutlich geringer, als er bei einem Kauf des Basiswerts gewesen wäre.
  • Schutz des Portfolios: Warrants können auch dem Schutz von Anlagen dienen. Daher kann ein Anleger, der mit einem Rückgang seiner Wertpapiere am Markt rechnet, Put-Warrants (Verkaufsoption) kaufen, um einen möglichen Kursverfall auszugleichen. Sie dienen somit als Absicherung.

Risiken eines Warrant

  • Hebelwirkung: Die Hebelwirkung kann zwar ein Vorteil sein, doch sie kann auch einen Nachteil darstellen, denn ihre vervielfachende Kraft wirkt in beide Richtungen. Auch wenn der maximale Verlust im Voraus bekannt ist, kann die Höhe der Prämie binnen sehr kurzer Zeit zwischen dem Einfachen und Doppelten und umgekehrt schwanken.
  • Zeit: Wie oben beschrieben, beeinflusst der Zeitwert unmittelbar den Preis des Warrant. Je näher der Fälligkeitstermin rückt, desto mehr verliert er an Wert, da die Wahrscheinlichkeit einer Veränderung des Basiswerts sinkt.
  • Volatilität: Sie entspricht dem Kurstrend des Basiswerts, der sich nach oben oder unten verändern kann. Je höher die Volatilität, desto höher die Prämie, denn die Wahrscheinlichkeit ist umso höher, dass der Warrant für den Anleger gewinnbringend ist. Somit kann die Volatilität den Anstieg oder den Rückgang eines Vermögenswertes wettmachen und den Preis des Warrant negativ beeinflussen.

Der Warrant: eine Alternative zu Boni?

Auch wenn Sie nicht vorhaben, sich sofort an Derivaten zu versuchen, sollten Sie wissen, dass Sie auch am Arbeitsplatz glücklicher Eigentümer von Warrants werden können!

Warrants werden deutlich geringer besteuert als ein „klassischer“ Bonus. Unternehmen können diese Möglichkeit nutzen, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen […].

Vielleicht haben Sie den Ausdruck „Warrant-Plan“ schon einmal gehört? Es handelt sich hierbei für Unternehmen um eine weitere Form der Zuteilung von Boni an ihre Mitarbeiter. Der Vorteil? Warrants werden deutlich geringer besteuert als ein „klassischer“ Bonus. Unternehmen können diese Möglichkeit nutzen, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen, die im luxemburgischen Rundschreiben vom 29. November 2017 über die „Besteuerung von Optionsplänen für den Erwerb von Aktien“  beschrieben sind.

So werden seit 1. Januar 2018 nur 30 % des Werts von Warrants besteuert (17,5 % bis zum 31. Dezember 2017), sofern dies nur auf leitende Angestellte im Sinne von Artikel L. 211-27.5 des Arbeitsgesetzbuchs Anwendung findet, sofern der Wert der Warrants 50 % ihrer jährlichen Bruttovergütungen nicht übersteigt und sofern der Preis der Warrants 60 % des Werts des zugrunde liegenden Vermögenswertes/Index nicht übersteigt. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, wird der tatsächliche Wert des Warrant besteuert.

Nun wissen Sie über dieses börsengängige Wertpapier besser Bescheid. Falls Sie jedoch nach wie vor unsicher sind, sollten Sie sich vor einer Anlage stets umfassend informieren, damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen. Gut anlegen: Was zählt, sind Sie !