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Dezember 7, 2019

Wissenswertes über das Schulsystem in Luxemburg

Sie sind gerade nach Luxemburg zugezogen und machen sich Gedanken über die Beschulung Ihrer Kinder im Großherzogtum? Unterscheidet sich das Bildungssystem in Luxemburg sehr stark von dem in Ihrem Herkunftsland? Besteht die Möglichkeit, Ihre Kinder hier in die Schule zu schicken? Und was kostet das? Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es? myLIFE kommt vor an die Tafel und gibt Ihnen einen Überblick.

Allgemeine Regelung

In Luxemburg besteht eine allgemeine Schulpflicht für alle Kinder, die vor dem 1. September des laufenden Jahres das 4. Lebensjahr vollendet haben. Wenn Ihr Kind in Luxemburg geboren wurde und Sie es bei der Gemeinde gemeldet haben, erhalten Sie automatisch eine Einschreibung an der Grundschule, sobald es dieses Alter erreicht hat. Es sei auch darauf hingewiesen, dass das Verlassen des Schulsystems erst nach dem Absolvieren von 12 aufeinander folgenden Schuljahren möglich ist.

Die Ausbildung ist also eine Pflicht, aber auch ein Recht, wie im Gesetz vom 6. Februar 2009 über die Schulpflicht ausgeführt. Somit spielen Religion, Geschlecht, Staatsangehörigkeit oder gesprochene Sprache eines Kindes bei der Aufnahme in das Schulsystem keine Rolle. Alle diese Informationen sowie weitere praktische Hinweise, wie die Erläuterung der Schulzyklen und der Unterrichtszeiten der Schulen, finden Sie auf der Website der Stadt Luxemburg.

Die Ausbildungsstufen und -zyklen in Luxemburg

Statt die Ausbildungsstufen und -zyklen im Großherzogtum anhand ihrer jeweiligen Bezeichnung mit denen anderer Länder zu vergleichen, nehmen wir eine Betrachtung gemäß den jeweils betroffenen Altersgruppen vor. Das soll unseren ausländischen Lesern die Zuordnung erleichtern. Im Schulsystem Luxemburgs werden drei Ausbildungsstufen unterschieden:

  • Die Früherziehung (enseignement précoce) ab 3 Jahren. Sie dauert ein Jahr und ist nicht obligatorisch.
  • Die Grundschule von 4 bis 12 Jahren. Dies sind 8 Jahre, die in 4 Lernzyklen unterteilt sind:
  • 1. Zyklus: Kinder von 4 bis 5 Jahren
  • 2. Zyklus: Kinder von 6 bis 7 Jahren
  • 3. Zyklus: Kinder von 8 bis 9 Jahren
  • 4. Zyklus: Kinder von 10 bis 11 Jahren
  • Der Sekundarunterricht von 12 bis 19 Jahren, der also 7 Jahre umfasst. Dieser Zyklus ist in drei Zweige unterteilt: einen klassischen Zweig, der auf das Hochschulstudium vorbereiten soll, einen allgemeinen Zweig, der eine praktisch orientierte Berufsausbildung ermöglicht, und einen „modularen“ Zweig.

Anschließend gibt es natürlich noch das Hochschulwesen, insbesondere in Form der Universität, aber auf dieses soll im vorliegenden Artikel nicht eingegangen werden.

Anmeldemodalitäten

Die Aufnahme eines nicht in Luxemburg ansässigen Kindes ist nicht speziell gesetzlich geregelt. Das bedeutet nicht, dass ein solcher Fall nicht möglich ist, sondern lediglich, dass die Aufnahme des Kindes ausschließlich von der Entscheidung der Leitung der betreffenden schulischen Einrichtung abhängt. In der Regel wird diese Entscheidung durch Ihre Wohnsitzgemeinde und die Zahl der verfügbaren Plätze bestimmt.

Für die Anmeldung Ihres Kindes in einer privaten Einrichtung empfiehlt es sich nachdrücklich, dies frühzeitig zu tun – je früher, desto besser –, am besten schon während der Schwangerschaft!

Wenn Sie Ihren Antrag bei einer anderen Schule als der Ihrer Wohnsitzgemeinde stellen, müssen Sie dies begründen!

Für die Grundschule müssen Eltern den Antrag auf Aufnahme direkt bei der entsprechenden Einrichtung stellen. Wenn Sie Ihren Antrag bei einer anderen Schule als der Ihrer Wohngemeinde stellen, müssen Sie dies begründen, indem Sie angeben, dass die Person, die für die Betreuung des Kindes zuständig ist, in dieser Gemeinde wohnt oder dass Ihr Arbeitsplatz diese Abweichung rechtfertigt.

Für die Anmeldung im Rahmen der Sekundarstufe, d. h. dem collège oder lycée, müssen sich die Eltern der betreffenden Kinder an die zentrale Empfangs- und Orientierungsstelle wenden, die dem Luxemburger Ministerium für Bildung unterstellt ist.

Welche Arten von Einrichtungen gibt es?

Wie in allen europäischen Ländern gibt es auch in Luxemburg öffentliche und private Schulen. Die Privatschulen sind im Gegensatz zu den öffentlichen Einrichtungen kostenpflichtig. Neben dem finanziellen Aspekt ist zu beachten, dass die Privatschulen eine individuelle interne Arbeitsweise und einen eigenen pädagogischen Ansatz aufweisen. Anders als öffentliche Einrichtungen folgen nicht alle von ihnen dem offiziellen Programm des Luxemburger Ministeriums für Bildung.

Wir wollen hier keine umfassende Liste aller in Luxemburg vorhandenen Einrichtungen aufführen, aber die Entscheidung zwischen einer privaten oder öffentlichen Einrichtung kann Ihnen bereits sehr dabei helfen, Ihre Auswahl zu verfeinern. Das vollständige Schulangebot in Luxemburg finden Sie in dieser Broschüre des Luxemburger Ministeriums für Bildung.

In Luxemburg gibt es internationale schulische Einrichtungen (…), die sich an die in Luxemburg lebenden Ausländer oder Grenzgänger wenden, die ihre Kinder in Luxemburg zur Schule schicken möchten.

Neben dem „klassischen“ Bildungssystem gibt es in Luxemburg internationale – vorwiegend anglophone und frankophone – schulische Einrichtungen, die sich an die in Luxemburg lebenden Ausländer oder Grenzgänger wenden, die ihre Kinder in Luxemburg zur Schule schicken möchten. Diese Einrichtungen sind privat. Unter diesen Links finden Sie nähere Informationen zum internationalen Schulangebot sowie zum Schulbesuch ausländischer Schüler.

Wägen Sie die verschiedenen Optionen in Ruhe gegeneinander ab und berücksichtigen Sie dabei insbesondere die Muttersprache Ihres Kindes sowie seine Fähigkeit, schnell neue Sprachen zu erlernen.

In welchen Sprachen wird unterrichtet?

In der Früherziehung (éducation précoce) und im ersten Zyklus, d. h. in der Grundschule (enseignement fondamental), sprechen die Lehrer mit ihren Schülern Luxemburgisch. Ab dem Alter von 6 Jahren wird Deutsch zur Unterrichtssprache, wobei viele Lehrer weiterhin auf das Luxemburgische zurückgreifen. Der Unterricht auf Französisch folgt im Jahr darauf.

In einigen Einrichtungen, insbesondere in privaten, ist es üblich, schon ab der Früherziehung alle drei Sprachen (Luxemburgisch, Deutsch und Französisch) zu unterrichten. In den sogenannten Europaschulen oder internationalen Schulen sind schließlich Englisch und Französisch die beiden vorrangigen Unterrichtssprachen.

Während Deutsch weiterhin die Hauptsprache in den ersten vier Jahren der Sekundarstufe ist, übernimmt anschließend das Französische diese Rolle.

Und dies waren lediglich die reinen Unterrichtssprachen – natürlich haben die Schüler in der Sekundarstufe auch die Möglichkeit, Fremdsprachen wie Spanisch, Italienisch oder Latein und in bestimmten Einrichtungen sogar Chinesisch zu lernen. Hierbei sei erwähnt, dass Sprachunterricht 50 % des gesamten Stundenvolumens einer Schullaufbahn in Luxemburg ausmacht. Das ist beeindruckend!

Das Großherzogtum bietet ein umfassendes Schulangebot für Schüler aller Altersgruppen an, das zudem auf das internationale Publikum im Land zugeschnitten ist: Es besteht die Wahl zwischen öffentlichen und privaten Schulen, luxemburgischen und europäischen Programmen sowie einem klassischen und allgemeinen Zweig. Jedes Kind hat die Schule, die am besten zu ihm passt.