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Dezember 3, 2022

Das Einmaleins des nachhaltigen Anlegens

  Gesammelt von myLIFE team myINVEST November 21, 2022 15

Wofür stehen die Begriffe nachhaltige Anlagen, ESG und SRI eigentlich genau? Denn grüne oder „nachhaltige“ Anlagen werden zwar immer beliebter, doch die Bedeutung der verwendeten Begriffe ist Laien häufig unbekannt. myLIFE bringt für Sie Licht ins Dunkel.

Was sind nachhaltige Anlagen?

Seit einigen Jahren sind Themen im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung zentrale Anliegen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dies gilt auch für den Finanzsektor, der bei der Ausarbeitung von Anlagestrategien für Privatkunden und Vermögensverwalter nun neue Faktoren berücksichtigt.

Unter nachhaltigen Anlagen versteht man Investitionen in Unternehmen oder Finanzprodukte, bei denen neben klassischen Finanzindikatoren (Risikokennzahlen, Renditeaussichten usw.) auch Kriterien im Hinblick auf die Umwelt, Soziales und eine gute Unternehmensführung Beachtung finden. Diese werden als ESG-Kriterien bezeichnet.

Wofür stehen die ESG-Kriterien?

Die Experten sind sich nicht immer einig, welche Kriterien im Einzelnen zu berücksichtigen sind und wie diese gemessen werden sollten. Unstrittig ist jedoch, dass bei nachhaltigen Anlagen drei Aspekte eine Rolle spielen: die Kriterien E, S und G.

    • E – ökologische Kriterien: Sie messen die Auswirkungen von Unternehmen auf die Natur (Treibhausgasemissionen, Nutzung sauberer Energie, Abfallmanagement, Erhaltung der Artenvielfalt usw.), aber auch die Auswirkungen der Umwelt auf Unternehmen (physisches Risiko und Übergangsrisiko).
    • S – soziale Kriterien: Sie berücksichtigen die Wirkung von Unternehmen auf die Menschen (Achtung der Menschenrechte, Gleichstellung, Unfallverhütung, Mitarbeiterschulung, Beziehungen zu Kunden und Zulieferern usw.).
    • G – die Unternehmensführung betreffende Kriterien: Sie beziehen sich auf die Art und Weise wie Unternehmen geführt werden (Einhaltung von Steuervorschriften, Vergütung von Führungskräften, Unabhängigkeit des Verwaltungsrats, Korruptionsbekämpfung, Einführung interner Kontrollen usw.).

Zusammengenommen lässt sich mit den ESG-Kriterien der Grad der „Nachhaltigkeit“ eines Unternehmens in Abhängigkeit von der Art seiner Geschäftstätigkeit und dem Management des Tagesgeschäfts beurteilen.

Man spricht von sozialverantwortlichem Investment (SRI), wenn diese nicht-finanziellen Faktoren in Anlageentscheidungen und die Verwaltung von Anlageportfolios einbezogen werden.

Man spricht von SRI (sozialverantwortliches Investment oder nachhaltiges und verantwortungsvolles Investment), wenn diese nicht-finanziellen Faktoren in Anlageentscheidungen und die Verwaltung von Anlageportfolios einbezogen werden. Das Ziel besteht dabei darin, die wirtschaftliche Performance sowie positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt miteinander in Einklang zu bringen. myLIFE beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren regelmäßig mit den verschiedenen Aspekten von sozialverantwortlichem Investment.

Verschiedene SRI-Strategien

Um die Herausforderungen einer nachhaltigen und verantwortungsbewussten Entwicklung bei Investitionen zu berücksichtigen, können Anleger oder Portfolioverwalter auf verschiedene Strategien oder Kombinationen von Strategien setzen. Zum Beispiel:

    • ESG-Leader: Mit diesem Ansatz sollen Unternehmen ausgewählt werden, die die besten ESG-Praktiken innerhalb eines Sektors (Best-in-Class) oder aller Sektoren (Best-in-Universe) aufweisen oder die größten Anstrengungen unternehmen (Best-Effort).
    • Ausschlüsse: Bei diesem Ansatz wird nicht in Sektoren oder Tätigkeiten angelegt, die sich nachteilig auf die Gesellschaft auswirken oder gegen eigene Überzeugungen oder bestimmte internationale Abkommen verstoßen (zum Beispiel Unternehmen, die Menschenrechte verletzen oder in den Sektoren Rüstung, Tabak, fossile Energieträger oder gentechnisch veränderte Organismen tätig sind).
    • Wirkung (Impact Investing): Bei diesem Ansatz wird in Unternehmen investiert, die ihre sozialen oder ökologischen Einfluss bewusst und messbar steuern (CO2-Einsparungen, Wohnungsbau, Pfalzen von Bäumen usw.).
    • Themenbezogene Anlagen: Dieser Ansatz zielt auf Anlagen in Unternehmen ab, die in bestimmten Bereichen der nachhaltigen Entwicklung tätig sind (Wasserwirtschaft, erneuerbare Energien, Verringerung der Umweltverschmutzung, Gesundheitsschutz usw.).
    • Active Ownership: Bei diesem Ansatz wird gegenüber den Portfolio-Unternehmen eine aktive Haltung eingenommen, um sozialverantwortliches Verhalten zu fördern (Ausübung von Aktionärsstimmrechten, Dialog mit der Unternehmensführung in Bezug auf ESG-Aspekte usw.).

Während manche Anleger lieber eine bestimmte Sache unterstützen möchten, die ihnen am Herzen liegt, bevorzugen andere Anlagen in Unternehmen, die in Bezug auf die Nachhaltigkeit besonders vorbildlich sind. Bei sozialverantwortlichem Investment geht es im Grundsatz darum, eine Strategie zu wählen, die den Zielen und den persönlichen Überzeugungen des Anlegers gerecht wird. Die Anlagen können dabei verschiedene Formen annehmen: Anteile an Investmentfonds, die ESG-Kriterien berücksichtigen, grüne Anleihen (Green Bonds, Social Bonds oder Sustainable Bonds), Aktien von Unternehmen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen usw.

Mit der Luxembourg Green Exchange schuf die Börse Luxemburg die weltweit erste Handelsplattform für grüne Investments, die sich ausschließlich nachhaltigen Finanzinstrumenten widmet.

Wie erkennt man nachhaltige Anlagen?

Um abzuschätzen, ob eine Anlage einem nachhaltigen Ansatz folgt, sollte man sich über die Bestandteile und die Funktionsweise der Anlageprodukte bzw. die Auswahlkriterien und die Anlagepolitik des Anlageverwalters informieren. Zur Auswahl von Unternehmen, die ESG-Kriterien erfüllen, können Anleger sich insbesondere auf folgende Angaben stützen:

    • Informationen in den Jahresberichten der Unternehmen, den Erklärungen zur nicht-finanziellen Performance oder den wesentlichen Anlegerinformationen (KIID), wenn diese entsprechende Angaben enthalten.

→ Vorsicht vor Greenwashing, bei dem Unternehmen (oder Anlageprodukte) den Eindruck erwecken, sie würden sich stärker für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen, als dies tatsächlich der Fall ist.

    • Bewertungen von Ratingagenturen, wie unter anderem Sustainalytics, MSCI oder ISS, die auf die Beurteilung der ESG-Performance von Unternehmen spezialisiert sind.

→ Ratingagenturen nutzen für ihre ESG-Bewertungen verschiedene Methoden und berücksichtigen nicht immer die gleichen Faktoren. Daher können die Ergebnisse mitunter deutlich voneinander abweichen, was Vergleiche erschwert.

    • Labels, mit denen Unternehmen und Anlageprodukte ausgezeichnet werden. In Luxemburg hat die unabhängige Agentur für Finanzlabel LuxFLAG verschiedene thematische Label zur Kennzeichnung von nachhaltigen Anlageprodukten entwickelt: Microfinance, Climate Finance, Environment, Green Bonds, ESG oder Sustainable Insurance Product.

→ Label sind hilfreich, sollten aber nicht das einzige Kriterium für die Wahl eines Anlageinstruments sein, da auch viele Strukturen ohne Label ESG-Kriterien berücksichtigen. Zudem verwenden die verschiedenen europäischen Label recht unterschiedliche Parameter. Damit ist derzeit keine Einheitlichkeit gewährleistet, und es nicht leicht, sich einen Überblick zu verschaffen.

Anleger, die ihr Vermögen in Tätigkeiten investieren möchten, die positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt haben, müssen sich zurzeit leider damit arrangieren, dass diese Daten noch ungenau und uneinheitlich sind. Aus diesem Grund wurden oder werden gerade auf europäischer Ebene neue Maßnahmen umgesetzt, die einen klareren gemeinsamen Regulierungsrahmen schaffen sollen, wie etwa die EU-Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR), die MiFID-Richtlinie und die EU-Taxonomie-Verordnung. Das Ziel darin, die Transparenz von Anlageprodukten zu verbessern, die ESG-Ziele der Kunden zu berücksichtigen sowie Daten in Bezug auf die Nachhaltigkeit zu vereinheitlichen und zu klassifizieren.

Luxembourg Green Exchange

Mit der Luxembourg Green Exchange (LGX) schuf die Börse Luxemburg 2016 die weltweit erste Handelsplattform für grüne Investments, die sich ausschließlich nachhaltigen Finanzinstrumenten widmet. Die Plattform ist dem Handel mit grünen, sozialen, nachhaltigen und ESG-Produkten vorbehalten und bringt damit die entsprechenden Anleger, Vermögensverwalter und Emittenten zusammen.

Darüber hinaus bestehen verschiedene Initiativen der Regierung Luxemburgs, die Anleger dazu ermutigen sollen, sich verantwortungsbewussteren Anlagen zuzuwenden.

Wenn Sie sich für nachhaltige Anlagen interessieren, sollten Sie sich von entsprechenden Experten beraten lassen. Diese können Ihnen dabei helfen, jene SRI-Anlagen auszuwählen, die Ihren Werten und Zielen gerecht werden. Anlagen sind stets mit Risiken verbunden – unabhängig davon, ob sie nachhaltig sind oder nicht. Vor allem, wenn das Thema neu für Sie ist, ist es daher ratsam, sich von einem Experten begleiten zu lassen.