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Juli 17, 2024

Ruhestand: Finanzielle Aspekte und andere Überlegungen

Aus finanzieller Sicht ist der Ruhestand so gut wie nie sinnvoll. Schließlich es ist zweifellos besser, weiterhin einer bezahlten Beschäftigung nachzugehen und zu sparen, als ein regelmäßiges Gehalt aufzugeben und auf die Investitionen und Ersparnisse eines ganzen Lebens zurückzugreifen. Dieser Gedanke geht jedoch leicht am Thema vorbei. Denn es gibt nicht nur einen Zeitpunkt, zu dem der Abschied in den Ruhestand finanziell möglich wird, sondern auch einen Moment, in dem er sinnvoll ist. Wie erkennen Sie, wo Sie stehen?

Eine allgemein solide Finanzlage, d.h. eine möglichst geringe Verschuldung, ist unabhängig davon, was Sie für den Ruhestand zurückgelegt haben, unerlässlich. Die meisten Hypothekenanbieter akzeptieren zwar Kreditlaufzeiten, die bis in den Ruhestand reichen. Ohne ein Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit werden Umschuldungen jedoch schwieriger und unter Umständen teurer, was die Tilgung erschweren kann. Wenn Sie neben geringeren Schulden aus nicht gesicherten Krediten oder Kreditkartenrechnungen auch Ihre Hypothek zurückzahlt haben, können Sie im Ruhestand über ein höheres Einkommen verfügen.

Darüber hinaus ist es von Vorteil, wenn mit Beginn des Ruhestands die größten regelmäßigen Kosten wegfallen. In vielen Fällen wird es sich dabei um die Raten für ein Immobiliendarlehen oder die Rückzahlung etwaiger Schul- und Studiengebühren der Kinder (oder Enkelkinder) handeln. Eine weitere Erleichterung ist es, wenn die Kinder bereits ausgezogen und unabhängig sind, fest im Berufsleben stehen und möglicherweise selbst eine Immobilie besitzen. Sie werden sie vielleicht noch gelegentlich unterstützen, müssen aber wahrscheinlich keine finanzielle Nothilfe mehr leisten.

Welchen Lebensstil wünschen Sie sich?

Haben Sie eine konkrete Vorstellung davon, wie Sie Ihren Ruhestand verbringen möchten? Sie sollten eine Antwort auf diese Frage gefunden haben, bevor Sie sich aus dem Berufsleben verabschieden. Denn es wäre doch schade, wenn Sie nach der Entscheidung für den Ruhestand feststellen würden, dass Ihre finanziellen Mittel zwar reichen, um über die Runden zu kommen, Sie jedoch für den Rest Ihres Lebens auf Urlaub, Restaurantbesuche oder ein neues Auto verzichten müssen.

Sie sollten sich darüber im Klaren sein, wie Sie Ihren Ruhestand verbringen möchten und wie viel Geld Sie dafür ungefähr benötigen.

Sie sollten sich darüber im Klaren sein, wie Sie Ihren Ruhestand verbringen möchten und wie viel Geld Sie dafür ungefähr benötigen. Obwohl Sie durch den Umzug von einem großen Einfamilienhaus in eine kleinere Wohnung über höhere finanzielle Ressourcen verfügen dürften, sollten Sie in jedem Fall große Ausgaben wie Reisen oder Renovierungen berücksichtigen.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, ein gewisses Notfallkapital einplanen. Denn rund zwei Drittel aller Menschen sind im Alter auf eine Form von kostspieliger Langzeitpflege angewiesen. Zwar wird ein Teil dieser Kosten vom Staat übernommen, doch die Höhe des Anteils hängt von den Entscheidungen künftiger Regierungen ab und schwankt je nach Land erheblich. Viele Rentner dürften sich bei der Wahl der Pflegeleistungen nicht auf den Staat verlassen wollen und eine möglichst freie Auswahl bevorzugen.

Aus welchen Ressourcen finanzieren Sie Ihren Ruhestand?

In Vermögensfragen sind keine Überraschungen gewünscht, sondern klare Vorstellungen davon, über welche finanziellen Ressourcen man verfügt. Sie sollten sich also zunächst Ihre Altersvorsorge genau ansehen und klären, welche Rentenversicherungsansprüche wo erworben wurden. So waren Sie im Laufe Ihres Arbeitslebens unter Umständen für verschiedene Arbeitgeber tätig, haben zeitweise als Freiberufler gearbeitet oder eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Um einen besseren Überblick über die erworbenen Ansprüche zu erhalten, kann es sich lohnen, diese in ein oder zwei Altersvorsorgeplänen zusammenzufassen.

Möglicherweise verfügen Sie auch über andere Vermögenswerte, wie Mieteigentum oder Anlageportfolios, die einen Beitrag zu Ihren künftigen finanziellen Ressourcen leisten können. Sie sollten versuchen, den Gesamtwert Ihrer Vermögenswerte zu bestimmen, und klären, wie diese genutzt werden können, um Erträge zu generieren. Es gibt zahlreiche Online-Rechner, die Ihnen helfen zu ermitteln, welche Erträge Sie mit einem bestimmten Geldbetrag erwirtschaften können. Auf diese Weise sollten Sie eine Vorstellung davon erhalten, wie lange Ihre Ersparnisse reichen werden und wie viel Geld Sie entnehmen können.

Versicherungsstatistiken zeigen, dass bei Paaren, die mit 65 Jahren in Rente gehen, die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der Partner 92 Jahre alt wird, bei 50% liegt.

In diesem Zusammenhang sollten Sie ebenfalls berücksichtigen, wie lange Sie vermutlich leben werden. Hierbei handelt es sich natürlich um ein angstbesetztes Thema, das viele Menschen lieber ausblenden. Zudem sind solche Prognosen immer mit Unsicherheit verbunden. Denken Sie jedoch daran, dass die eigene Lebenszeit oft zu konservativ eingeschätzt wird. Versicherungsstatistiken zeigen, dass bei Paaren, die mit 65 Jahren in Rente gehen, die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der Partner 92 Jahre alt wird, bei 50% und die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der Partner 97 Jahre alt wird, bei 25% liegt.

Sie sollten sich ebenfalls überlegen, ob Sie den Eintritt in den Ruhestand nicht ein oder zwei Jahre hinauszögern können. Die luxemburgische allgemeine Rentenversicherung bildet hier eine Ausnahme, doch in den meisten Fällen gilt: Je später der Renteneintritt erfolgt, desto besser wird Ihre finanzielle Situation sein, da das Gesamtvermögen, mit dem Sie Ihr Einkommen erzielen können, steigt und die Zahl der Jahre, in denen die Rente an Sie ausgezahlt wird, voraussichtlich sinkt.

Sehnen Sie den Ruhestand herbei?

Arbeit ist häufig nicht einfach nur ein Brotverdienst, und während manche Menschen es kaum erwarten können, die Schinderei des Arbeitsalltags, einen unberechenbaren Chef und lästige Kollegen hinter sich zu lassen, stellt der Abschied in den Ruhestand für andere einen tiefen Einschnitt dar. Der richtige Beruf kann nicht nur intellektuelle Herausforderungen, Gemeinschaftsgefühl und Abwechslung bieten, sondern dem Leben auch eine Struktur geben, ohne die man sich möglicherweise verloren fühlt.

Immer mehr Menschen sind über das offizielle Renteneintrittsalter hinaus beruflich aktiv, insbesondere, wenn ihre Arbeit nicht körperlich anstrengend ist oder sie die Aufgaben teilweise oder vollständig von zu Hause erledigen können. In Großbritannien hat sich etwa die Zahl der Berufstätigen (abhängig Beschäftigte und Selbständige) über 70 in den zehn Jahren bis 2022 um 61% auf 446.601 erhöht. Diese Menschen sind häufig nicht auf das zusätzliche Geld angewiesen, wollen Ihre Tage jedoch nicht auf dem Golfplatz oder im eigenen Garten verbringen.

Man sollte nicht vergessen, dass der Ruhestand keine absolute Entscheidung gegen jegliche Arbeit bedeuten muss und Altersvorsorgeprodukte heute sehr viel flexibler ausgelegt sind als in der Vergangenheit. So kann man auch im Ruhestand weiterhin als Berater oder Freiberufler tätig sein oder einzelne Projekte verwirklichen. Sie können sogar eine „zweite Karriere“ in Betracht ziehen und ein Unternehmen gründen oder sich ehrenamtlich bei einer Einrichtung engagieren, deren Arbeit Ihnen am Herzen liegt.

Selbst wenn sich der Abschied in den Ruhestand aus finanzieller Sicht fast nie wirklich lohnt, gibt es für diesen Schritt einen guten Moment, während andere Zeiten im Leben womöglich weniger günstig sind. Wenn Sie alle Aspekte berücksichtigt und eine klare Vorstellung von Ihrer Zukunft haben, ist jetzt vielleicht der richtige Augenblick gekommen.

Bevor Sie aus dem Berufsleben ausscheiden, sollten Sie eine konkrete Vorstellung davon entwickeln, wie Sie Ihren Ruhestand verbringen möchten. Es wäre schließlich schade, wenn Ihnen plötzlich die finanziellen Mittel für Urlaube, Restaurantbesuche oder ein Auto fehlen würden.