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Oktober 28, 2020

Altersvorsorge: Welcher Vertrag ist der richtige?

Der Lebensstandard im Ruhestand hängt größtenteils von einer umsichtigen Vorbereitung ab. Neben der gesetzlichen Rente und einem etwaigen Pensionsplan Ihres Arbeitgebers sind individuelle Altersvorsorgeverträge eine echte Lösung, um Ihren Lebensstandard im Ruhestand zu sichern. Aber welcher Vertrag ist der richtige? Für jede Vertragsart gibt es gute Gründe, und es ist nicht immer einfach, die Lösung zu finden, die den eigenen Bedürfnissen am ehesten gerecht wird. myLIFE hilft Ihnen, sich einen Überblick zu verschaffen.

Der Altersvorsorgevertrag in Luxemburg

Wer träumt nicht von einem Ruhestand im sonnigen Süden? Leider gefährdet die Höhe der gesetzlichen Rente die Umsetzung dieses Vorhabens in hohem Maße. Vor dem sorglosen Ruhestand kommen daher zuerst die Mühen für den Aufbau eines ausreichenden Kapitals, damit Sie Ihr neues Leben genießen können! Und damit sollten Sie spätestens heute beginnen! Unter den einzelnen Lösungen für die optimale Vorbereitung Ihres Ruhestandes gibt es eine finanziell besonders attraktive Möglichkeit: den Altersvorsorgevertrag (Art. 111 bis des Einkommensteuergesetzes L.I.R.).

Wenn Sie gebietsansässiger Steuerpflichtiger oder eine nicht gebietsansässige gleichgestellte Person sind, können Sie einen Vertrag mit einer Versicherungsgesellschaft oder einem Kreditinstitut schließen und Kapital für Ihren Ruhestand ansparen. Dies erfolgt über monatliche, vierteljährliche, jährliche oder frei wählbare Zahlungen bis zum Ende des Vertrags. Während der gesamten Vertragslaufzeit (Mindestlaufzeit 10 Jahre) profitieren Sie von erheblichen Steuerermäßigungen. Sie können die gezahlten Prämien (bis zu einer jährlichen Obergrenze pro Steuerpflichtigem) als Sonderausgaben von Ihrer Steuerbemessungsgrundlage abziehen. Wenn Sie verheiratet sind, kann Ihr Ehepartner durch Unterzeichnung eines zweiten Vertrags in den Genuss derselben Vorteile kommen.

Die am 1.Januar 2017 in Kraft getretene Steuerreform sieht ungeachtet Ihres Alters einen jährlichen Steuerfreibetrag von 3.200EUR für die Altersvorsorgeversicherung vor.

Die am 1.Januar 2017 in Kraft getretene Steuerreform sieht ungeachtet Ihres Alters einen jährlichen Steuerfreibetrag von 3.200EUR für die Altersvorsorgeversicherung (nach Artikel 111 bis L.I.R.) vor. Beim Renteneintritt (Mindestalter 60 Jahre, Höchstalter 75 Jahre) erhalten Sie als in Luxemburg gebietsansässiger Steuerpflichtiger die Rückzahlung entweder in Form einer Leibrente, die zu 50% steuerfrei ist, oder Sie lassen sich den Gesamtkapitalbetrag auszahlen, der mit dem halben Regelsteuersatz besteuert wird, oder Sie wählen eine Zwischenlösung, die Kapitalauszahlung und Leibrente kombiniert. Sie können frei nach eigenem Ermessen wählen, wie hoch der Anteil von Kapital oder Rente sein soll.

Außer im Falle von schwerer Krankheit oder Invalidität werden bei der vorzeitigen Auszahlung des angesparten Betrages Rückkaufgebühren fällig, und der ausgezahlte Gesamtbetrag wird zum normalen Satz versteuert. Dies sollte unbedingt vermieden werden!

Eine der Besonderheiten der Altersvorsorgeverträge besteht darin, dass die zugrunde liegenden Anlageprodukte und Anlagerichtlinien bestimmten Bedingungen genügen müssen. Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Ansätze: Sicherheitsorientierung oder Renditeorientierung.

Eines vorweg, keine Lösung ist besser als die andere! Alles hängt von Ihrer Situation und Ihrer Risikobereitschaft ab. Generell sollte ein Vertragsnehmer mit einem höheren Alter Lösungen mit begrenztem Risiko bevorzugen. Der Gesetzgeber hat entsprechend dem Alter sogar Obergrenzen für ein Engagement am Aktienmarkt festgelegt, um Vertragsnehmer, die bald in Rente gehen, zu einer gewissen Vorsicht zu zwingen und eine Verringerung ihrer Auszahlungen aufgrund vorübergehender starker Kursschwankungen zu verhindern. Wir kommen hierauf noch zu sprechen.

Alternative 1: Gelassenheit dank garantiertem Kapital

Dieser erste Vertragstyp mit garantiertem Kapital und begrenzter Rendite sieht die Thesaurierung der eingezahlten Prämien vor. Mit dieser Lösung profitieren Sie von einem garantierten Mindestzinssatz für Ihre Einzahlungen (unabhängig von den Schwankungen an den Finanzmärkten) sowie von etwaigen Gewinnbeteiligungen (entsprechend den Finanzergebnissen der Versicherungsgesellschaft). Diese garantierte Mindestverzinsung gilt für die gesamte Vertragslaufzeit (0,00% seit dem 1. Januar 2020).

Dies bedeutet, dass sich der angesparte Betrag bei Vertragsende aus allen Nettoeinzahlungen zuzüglich der zugewiesenen Gewinnbeteiligungen und abzüglich der Kosten zusammensetzt. Wenn Sie das Rentenalter erreichen, wissen Sie also, welchen Mindestbetrag Sie erhalten. Sie fangen Ihr neues Leben gelassen und ohne Überraschungen an.

Auch wenn diese erste Lösung aufgrund ihrer Transparenz beruhigend und durch den jährlichen Steuerfreibetrag von maximal 3.200EUR attraktiv ist, ist sie im Hinblick auf die Rendite insbesondere in Zeiten niedriger Zinsen nicht sehr verlockend. Denn sollten die Zinsen wieder steigen, bleibt es bis zum Ende Ihres Vertrags bei einer garantierten Verzinsung von 0%. Sie müssen dann die Daumen drücken und auf eine hohe Gewinnbeteiligung hoffen. Diese ist jedoch nie sicher! Ihre Alternative? Sie können einen dynamischeren, aber auch riskanteren Ansatz verfolgen.

Alternative 2: Höhere Erträge erzielen

Die zweite Kategorie sind Altersvorsorgeverträge, deren Rendite an Investmentfonds gekoppelt ist und auf Rechnungseinheiten basiert. Ihr Versicherer garantiert Ihnen keinen bestimmten Betrag in Euro, sondern eine Anzahl von Rechnungseinheiten, deren Wert von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängt. Es handelt sich hier um einen Vertrag mit nicht garantiertem Kapital, der die Möglichkeit einer Dynamisierung des angesparten Betrags anhand der Marktentwicklung bietet. Diese flexible und dynamische Lösung ermöglicht Ihnen, von Renditen mit starkem Potenzial zu profitieren und zu hoffen, bis zum Rentenalter einen ansehnlichen Kapitalbetrag zu erhalten. Allerdings wird das finanzielle Risiko im Zusammenhang mit der Anlage von Ihnen alleine getragen.

Eine Einheit entspricht einem Bruchteil des gewählten Fonds. Der Wert Ihres Vertrags wird ermittelt, indem die Anzahl der diesem Vertrag zugewiesenen Einheiten mit dem Rücknahmepreis des Fonds multipliziert wird.

Ihre eingezahlten Prämien werden hierbei in Einheiten umgerechnet und in hauseigenen Investmentfonds der Versicherungsgesellschaft oder anderen Fonds angelegt. Eine Einheit entspricht einem Bruchteil des gewählten Fonds. Der Wert Ihres Vertrages wird ermittelt, indem die Anzahl der diesem Vertrag zugewiesenen Einheiten mit dem Rücknahmepreis des Fonds multipliziert wird. Der Wert kann sich daher bis zur letzten Minute ändern.

Diese Anlageprodukte müssen folgenden Kriterien genügen.

  • Ihr Anbieter (Versicherungsgesellschaft oder Kreditinstitut) muss Ihnen zwingend die Möglichkeit bieten, ein Produkt zu zeichnen, das ausschließlich am Geldmarkt und in Euro anlegt (Geldmarkt-SICAV). Das spekulative Risiko ist hierbei geringer.
  • Ihr Anbieter schlägt Ihnen auch ein oder mehrere Anlageprodukte vor, die in Investmentfonds oder OGA anlegen, die generell einen Anlagemix aus Aktien  und Anleihen  aufweisen. Je höher der Anteil an Aktien, desto höher ist das spekulative Risiko. Wie bereits erwähnt, unterliegt die Anlagepolitik dieser Produkte bestimmten absoluten Obergrenzen im Hinblick auf Aktienanlagen.

Die sog. „Stock“-Konzepte, die auf einer statischen Bewertung zu einem gegebenen Zeitpunkt basieren, legen die Obergrenzen für Ihr Engagement am Aktienmarkt wie folgt anhand Ihres Alters fest:

Alter zu Beginn des SteuerjahresMaximales Engagement des angesparten Betrages am Aktienmarkt
unter 45 Jahren100%
45 bis 49 Jahre75%
50 bis 54 Jahre50%
55 Jahre und älter25%

Die sog. „Flux“-Konzepte, die auf einer dynamischen Bewertung für einen gegebenen Zeitraum basieren, legen den maximalen Anteil der Einzahlungen des Steuerjahres, der in Aktien angelegt werden darf, wie folgt anhand Ihres Alters fest:

Alter zu Beginn des SteuerjahresGesamtanteil der jährlichen Einzahlungen, der in Aktien angelegt wird
unter 45 Jahren60%
45 bis 49 Jahre40%
50 bis 54 Jahre30%
55 Jahre und älter20%

Was ist das Richtige?

Das ist eine Frage, die wir nicht beantworten können. Dies hängt von Ihnen ab, von Ihren Vorhaben, Ihrem Anlegerprofil usw.

Bevor Sie sich an Ihren Untermakler wenden, um fachkundigen Rat einzuholen, möchten wir Sie an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass der Gesetzgeber die Frage nach dem besten Ansatz bereits teilweise beantwortet hat. Wie? Durch die Festlegung von Obergrenzen für das Engagement am Aktienmarkt. Je jünger Sie sind, desto mehr soll Ihr angesparter Betrag nachhaltig wachsen und desto weniger ist er durch die Folgen vorübergehender Kursschwankungen gefährdet.

Die Vergangenheit zeigt deutlich, dass mit einem dynamischeren Ansatz (Alternative 2) auf lange Sicht merklich höhere Renditen erzielt werden als mit einem konservativen Ansatz (Alternative 1). Denken Sie jedoch daran, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein zwingender Hinweis auf die künftige Wertentwicklung ist. Weitere Informationen über die Regelungen zur Altersvorsorge (Artikel 111 bis L.I.R.) können Sie dem sehr ausführlichen Rundschreiben der Steuerbehörde vom 2. November 2017 entnehmen (auf Französisch). Vergessen Sie nicht, dass die bereitgestellten Informationen immer entsprechend Ihrer persönlichen Situation berücksichtigt werden müssen und sich im Falle veränderter Gesetzgebungen ändern können.