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Juni 12, 2021

Warum Diversifikation für Firmen- und Geschäftsinhaber eine so große Herausforderung ist

  Gesammelt von myLIFE team myCOMPANY Februar 27, 2018 258

Die größten Stärken von Firmen- und Geschäftsinhabern stellen sich häufig gleichzeitig auch als ihre größten Schwächen heraus. Entschlossenheit, Risikobereitschaft und das beharrliche Verfolgen eines Ziels mögen für den Aufbau eines Unternehmens erstrebenswerte Eigenschaften sein, für eine vernünftige Planung von Kapitalanlagen sind sie jedoch nicht unbedingt geeignet.

Firmen- und Geschäftsinhaber müssen unweigerlich Risiken eingehen, wenn sie ihr eigenes Unternehmen gründen. Vielleicht haben sie ein sicheres Einkommen aufgegeben und nun die Verantwortung sowohl für ihre eigenen Investitionen in das Unternehmen als auch für das Vermögen Dritter, die ihnen in Form von Darlehen oder Investitionen Geld anvertraut haben. Ihre Erfolgsaussichten sind erst einmal gar nicht so gut – die Schätzungen gehen zwar auseinander, aber rund 80% der neuen Unternehmen scheitern innerhalb der ersten 18 Monate, und in der Regel sind erhebliche Hindernisse zu überwinden.

Die Eigenschaften, die den Einzelnen zu einem erfolgreichen Unternehmer machen, sind eventuell nicht gerade ideal für eine ausgewogene Herangehensweise an die Vermögensplanung. An erster Stelle steht die Fokussierung auf ein einziges Ziel. Firmen- und Geschäftsinhaber tendieren dazu, ihr Vermögen nur in ein oder zwei Kapitalanlagen zu stecken – für gewöhnlich in ihre Firma und ihre Immobilie(n). In gewisser Hinsicht macht dies auch durchaus Sinn. Warum sollte man sein Leben der eigenen Firma widmen, wenn man dann die Früchte des Erfolgs nicht auch selbst erntet? Firmen- und Geschäftsinhaber sind häufig der Meinung, dass sie eine deutlich bessere Rendite erzielen können als jeder Vermögensverwalter.

Firmen- und Geschäftsinhaber sind manchmal vielleicht auch zu selbstsicher. Das kann dazu führen, dass sie Risiken unterschätzen und nicht sehen, welcher Nutzen in der Diversifikation liegt.

Firmen- und Geschäftsinhaber sind manchmal vielleicht auch zu selbstsicher – immerhin trotzen sie ja allen Widerständen, auf die sie beim Aufbau des Unternehmens stoßen. Das kann dazu führen, dass sie Risiken unterschätzen und nicht sehen, welcher Nutzen in der Diversifikation liegt, sei es im Hinblick auf ihre Firma oder bei ihrem Anlage- und Vermögensportfolio.

Unzweifelhaft wären Unternehmer ohne diese wertvollen Instinkte weniger erfolgreich in ihrer Kerntätigkeit, aber es kann sich lohnen, auch andere Wege zu gehen, um sowohl die Firma als auch das Privatvermögen des Firmeninhabers zu schützen. Das ist teilweise ganz schlicht eine Sache des gesunden Menschenverstands. Unternehmen sind immer auch den jeweiligen Marktbedingungen ausgeliefert. Einzelne Branchen können zyklisch sein, und selbst das solideste Unternehmen kann sich zuweilen mit Kräften konfrontiert sehen, über die es keine Kontrolle hat – von der Zinspolitik der Zentralbank bis hin zu disruptiven technologischen Innovationen.

Ein weiterer Aspekt, den es zu bedenken gilt, ist die Liquidität. Nicht alle Unternehmensinhaber, die kurzfristig Geld benötigen, können jederzeit schnell einen Teil des Geschäfts verkaufen. Neue Finanzierungsquellen aufzutun, braucht Zeit. Daher ist es sinnvoll, durch eine private Vermögensplanung auf alternative Optionen zurückgreifen zu können, um sicherzustellen, dass das Unternehmen nicht Gefahr läuft, durch persönliche finanzielle Erwägungen beeinträchtigt zu werden.

Ebenfalls von Relevanz ist in diesem Zusammenhang auch der Lebensstil. Firmeninhaber, die über mehrere Jahrzehnte sehr viel gearbeitet haben, um ein zukunftsfähiges Unternehmen aufzubauen, wollen vielleicht ab einem gewissen Zeitpunkt beginnen, einen Teil des von ihnen geschaffenen Vermögens zu genießen. Das hat zur Folge, dass sich der Fokus vom Vermögensaufbau hin zur Vermögenserhaltung verschiebt, was eine Strategieänderung bei der Finanzplanung erforderlich macht.

Diversifikation der Geschäftstätigkeit

Ein entscheidender Faktor für den Schutz des Firmenvermögens ist gutes unternehmerisches Handeln. Auch wenn für viele Unternehmer die Aussicht darauf, ihr Start-up für mehrere Millionen Euro an einen großen finanzstarken Konzern zu verkaufen, verlockend sein mag, ist eine solche schnelle Realisierung des Unternehmenswerts in der Realität doch eher selten. Hierzu bedarf es zumeist einer herausragenden eigenen technologischen Innovation oder eines idealen Timings. Selbst bei einem florierenden Unternehmen ist es unwahrscheinlich, dass sich der Ausstieg so einfach gestaltet. Um zu überleben, müssen Unternehmen für ihren dauerhaften Fortbestand statt für kurzfristige Gewinne aufgebaut werden.

Die Ausrichtung auf eine langfristige Perspektive statt auf die trügerische Vorstellung von einem schnellen Verkauf erfordert Vielfalt in punkto Kunden, Einnahmequellen und Mittelbeschaffung, die allesamt entscheidend für ein längerfristiges Überleben und Wachstum sind. Viele Unternehmensinhaber entscheiden sich zum Beispiel, ihr eigenes Kapital oder das von Freunden oder Familienmitgliedern weiterhin in ihre Firma zu reinvestieren.

Häufig lehnen es Unternehmer ganz vehement ab, irgendeine Art von Kontrolle an externe Anteilseigner oder Kapitalgeber abzugeben; dabei kann es für Unternehmen durchaus wichtig sein, auf alternative Finanzierungsquellen zurückzugreifen, wie es auch von zusätzlichem Nutzen sein kann, wenn neue Ideen von außen eingebracht werden. Als sinnvoll kann sich dies auch dann erweisen, wenn eine Finanzierungsquelle aus irgendwelchen Gründen versiegt – ein schwacher Cashflow ist gerade für kleinere Unternehmen zumeist fatal.

Desgleichen gehört es zu einem vernünftigen unternehmerischen Handeln, eine möglichst große Vielfalt von Kunden und damit auch von Einnahmequellen anzustreben. Das ist nicht immer möglich, sollte jedoch ein ständiges Ziel sein.

Diversifikation des privaten Portfolios

Noch wichtiger als die Diversifikation der Geschäftstätigkeit ist vielleicht die Diversifikation des Privatvermögens. Wenn ein Unternehmen vom Charisma und von der Tatkraft eines Einzelnen abhängt, ist es gefährdet, falls diese Person mit gesundheitlichen, familiären oder partnerschaftlichen Problemen zu kämpfen hat oder sich aus anderen Gründen nicht auf die Firma konzentrieren kann. Selbst der engagierteste Firmeninhaber kann sich nicht auf alle Risiken vorbereiten, was insbesondere für Risiken gilt, die mit dem eigenen Leben zusammenhängen.

Für Firmeninhaber ist es sinnvoll, ein gewisses Vermögen außerhalb des Unternehmens aufzubauen, und zwar in Anlagen, die nicht mit ihrer Haupteinnahmequelle in Verbindung stehen.

Angesichts dessen ist es für Firmeninhaber sinnvoll, ein gewisses Vermögen außerhalb des Unternehmens aufzubauen, und zwar in Anlagen, die nicht mit ihrer Haupteinnahmequelle in Verbindung stehen. Unternehmer aus der Technologiebranche zum Beispiel können dazu neigen, sich bei ihren privaten Anlagen für eine Auswahl von Technologiewerten zu entscheiden. Natürlich macht es Sinn, Kapital dort anzulegen, wo man sich auskennt; gleichzeitig sind aber auch Kapitalanlagen außerhalb der eigenen Kernbranche sinnvoll.

Ein erheblicher Teil des Kapitals eines Unternehmers und des emotionalen Bezugs zu seinen Anlagen ist bereits in dem Sektor gebunden, in dem die Firma aktiv ist. Gerät dieser Sektor in Schwierigkeiten, hat der Unternehmer keine Absicherung. Einige Unternehmer finden vielleicht Gefallen an einer Anlage nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip; dieses Vorgehen sollte aber nicht die bevorzugte Option für jene sein, die finanzielle Verantwortung haben und an die Zukunft denken. Firmeninhaber sollten bereit sein, die bekannten Wege ein Stück weit zu verlassen und Kapital in Bereichen anzulegen, die nicht denselben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterliegen. Wenn ihr Unternehmen in eine Durststrecke gerät, sollten sie über andere Anlagen verfügen, die vielleicht eine bessere Performance haben.

Das gilt sowohl für die geografische Streuung als auch für die Diversifikation nach Branchen. Wenn große Teile der Geschäftstätigkeit eines Unternehmers in einem einzigen Land angesiedelt sind, kann es sinnvoll sein, andernorts nach Anlagemöglichkeiten zu suchen. Der völlig unerwartete Ausstieg Großbritanniens aus der EU (Stichwort Brexit) hat gezeigt, wie schnell Unternehmen, die von der Situation in einem einzigen Land abhängig sind, durch plötzliche politische Umbrüche in Schwierigkeiten geraten können.

Entwicklung eines Plans für die Diversifikation

Während die Mischung aus Barmitteln, Anleihen, Aktien, Immobilien und anderen Vermögenswerten bei allen Unternehmern entsprechend den jeweiligen persönlichen Umständen, dem Alter, den Präferenzen und der Risikobereitschaft unterschiedlich ausfallen kann, ist der grundsätzliche Ansatzpunkt für eine Diversifikation stets derselbe. Der Unternehmer muss sich die Frage stellen, ob er sowohl im Hinblick auf seine Unternehmensfinanzen als auch bei seinen privaten Finanzen liquide bleiben kann, falls das Unternehmen in größere finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte (Wirtschaftsrezession, Naturkatastrophen wie z.B. Brände oder Hochwasser, oder eine Krankheit, die den Firmeninhaber für längere Zeit daran hindert zu arbeiten).

Wenn es sich um ein risikoreiches Geschäft handelt, das von den Wirtschaftsbedingungen abhängt und den Hauptteil des Vermögens eines Einzelnen bindet, sollten andernorts nicht ähnliche Risiken eingegangen werden – es empfiehlt sich, das Portfolio ausgewogen zu gestalten, indem auf risikoärmere Anlagen zurückgegriffen wird, die weniger anfällig für das Wirtschaftsklima sind.

Die Lösung wird häufig nicht nur Kapitalanlagen, sondern auch Versicherungen umfassen müssen, wie zum Beispiel gegen Risiken durch die Abhängigkeit von einer einzigen Person (Key Man Risk) und gegen Krankheit.

Ein Plan für die Diversifikation erfordert eine Analyse aller Aspekte: vom Konsumverhalten des Einzelnen bis hin zu familiären Verpflichtungen und der Altersvorsorge. Die Lösung wird häufig nicht nur Kapitalanlagen, sondern auch Versicherungen umfassen müssen, wie zum Beispiel gegen Risiken durch die Abhängigkeit von einer einzigen Person (Key Man Risk) und gegen Krankheit.

Der Anlagemix für Unternehmer kann sich durchaus von dem anderen Anleger unterscheiden. Unternehmer müssen ihren Betrieb berücksichtigen, der in vielen Fällen die größte Kapitalanlage des Firmeninhabers darstellt. Sie sollten bedenken, dass die Möglichkeit besteht, irgendwann in der Zukunft das gesamte Unternehmen oder Teile davon zu verkaufen, was Auswirkungen auf die Planung in punkto Steuern, Nachfolge und Erbe haben kann.

Während die Tendenz von Unternehmern, alles auf eine Karte zu setzen, einerseits sehr motivierend sein kann, geht sie andererseits auch mit der Gefahr einher, extrem schmerzhafte Folgen zu haben, wenn etwas schief läuft. Indem Unternehmer etwas für die Diversifikation tun, können sie für ein solides Fundament sorgen, auf das sie sich in schweren Zeiten stützen können.