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August 13, 2022

Was ist eine SICAR?

  Gesammelt von myLIFE team myINVEST Juni 15, 2018 1401

Sie sind ein erfahrener Anleger und streben höhere Renditen an, als der Markt bietet? Dafür sind Sie bereit, ein gewisses Risiko einzugehen und langfristig in ein Anlageinstrument mit geringer Liquidität zu investieren? Kennen Sie das mit dem Gesetz vom 15. Juni 2004 in Luxemburg eigens geschaffene Anlageinstrument SICAR? myLIFE stellt es Ihnen kurz vor.

Auch wenn die Namen ähnlich klingen: Die SICAR unterscheidet sich grundlegend von der SICAV. SICAR steht für „Société d’Investissement en Capital à Risque“ (Investmentgesellschaft zur Anlage in Risikokapital). Dieses Anlageinstrument richtet sich an erfahrene Anleger, die über fundierte Kenntnisse der Funktionsweise von Investmentfonds verfügen. Darunter fallen (i) institutionelle Anleger, (ii) professionelle Anleger und (iii) jeder Privatanleger, der schriftlich erklärt, dass er als „erfahrener Anleger“ anzusehen ist, und:

  • entweder mindestens 125.000€ investiert
  • oder eine schriftliche Bestätigung eines Kreditinstituts, einer Wertpapierfirma oder einer Verwaltungsgesellschaft vorlegt, dass er den Sachverstand, die Kenntnisse und die Erfahrung besitzt, um eine Anlage in Risikokapital auf angemessene Weise beurteilen zu können.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie diese Kriterien erfüllen, fallen Sie wahrscheinlich noch nicht in die Kategorie eines erfahrenen Anlegers! Dennoch ist es nützlich, die SICAR und ihre Vorteile zu kennen, vor allem wenn Sie gerade ein vielversprechendes Unternehmen gegründet haben. Dann können Sie möglicherweise von den Investments der Anleger einer SICAR profitieren.

Der Zweck einer SICAR besteht in der Anlage ihrer Mittel in Risikokapital (direkte oder indirekte Einbringung von Mitteln in Unternehmen zur Unterstützung in der Gründungs- oder Entwicklungsphase).

Eine riskante Anlage, die aber hohes Renditepotenzial bietet

Die SICAR ist ein maßgeschneidertes Instrument, das in Luxemburg auf Basis des Gesetzes vom 15. Juni 2004 geschaffen wurde. Sie richtet sich vor allem an Anleger, die Unternehmen Mittel zur Verfügung stellen wollen, um sie in der Anlaufphase, bei ihrer Entwicklung oder bei ihrem Börsengang zu unterstützen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Venture Capital oder Private Equity.

Der Zweck einer SICAR besteht in der Erzielung von deutlichen höheren Renditen, als der Markt zu bieten hat, und zwar durch Anlage ihrer Mittel in Risikokapital (direkte oder indirekte Einbringung von Mitteln in Unternehmen zur Unterstützung in der Gründungs- oder Entwicklungsphase). Neben dem damit verbundenen Risiko ist der Anlagehorizont in der Regel recht lang (häufig mehrere Jahre), und die Liquidität ist sehr begrenzt.

Die SICAR kann in sechs verschiedenen Rechtsformen gegründet werden:

  • Kommanditgesellschaft (SCS);
  • Spezialkommanditgesellschaft (SCSp);
  • Kommanditgesellschaft auf Aktien (SCA);
  • Genossenschaft, die in Form einer Aktiengesellschaft organsiert ist (SCOSA);
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (SARL);
  • Aktiengesellschaft (SA).

Weniger strenge Regulierung

Die Steuerbedingungen der SICAR  hängen von der gewählten Rechtsform ab. In den meisten Fällen unterliegt die SICAR Körperschaftsteuern und lokalen Steuern. Ihre Erträge aus Wertpapieren und Veräußerungsgewinne sind hingegen einkommensteuerfrei. Außerdem unterliegt die SICAR nicht der Vermögenssteuer.

Für die Art der Anlage bestehen keine gesetzlichen Beschränkungen. Das heißt, die SICAR kann über Intermediäre in Wertpapiere nicht börsennotierter Unternehmen investieren. Darüber hinaus muss eine SICAR ihre Anlagen nicht diversifizieren: Der Risikokapitalanleger kann also sämtliche Mittel in ein einzelnes Unternehmen investieren, das beispielweise auf neue Technologien spezialisiert ist.

Die SICAR gehört ebenso wie der Spezialfonds (SIF) zu den Fonds, die einer weniger strengen Regulierung unterliegen, aber von der CSSF zugelassen werden müssen. Der erfahrene Anleger muss über den Verkaufsprospekt, ein wichtiges Dokument, das Informationen über die Art der Anlage enthält, und spezielle Unterlagen (KIID, KID) verfügen. Schließlich muss den Anlegern ein Jahresbericht übermittelt werden, damit sie die Entwicklung der Aktivitäten und die Ergebnisse der SICAR beurteilen können.

Sie wissen nun etwas mehr über das luxemburgische Anlagevehikel SICAR. Aufgrund der damit verbundenen Risiken und spezifischen Einschränkungen empfehlen wir Ihnen, sich professionell beraten zu lassen, bevor Sie in eine bestimmte SICAR investieren. Selbst ein erfahrener Anleger fährt besser, wenn er eine zweite Expertenmeinung einholt!