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Juni 22, 2018

Wie das eigene Start-up in Luxemburg finanzieren?

Sie haben eine gute Geschäftsidee und möchten das große Abenteuer der Selbstständigkeit wagen oder Ihr Unternehmen vergrößern? Auch wenn es Ihnen an Motivation nicht mangelt, ist die Sicherung der Finanzierung oft ein Hindernislauf, bei dem sie auf eine harte Probe gestellt wird. Zum Glück bietet Luxemburg ein günstiges Umfeld für Start-ups mit vielen Finanzierungsmöglichkeiten. myLIFE hat für Sie eine nicht erschöpfende Liste der angebotenen Finanzierungslösungen für Ihr Unternehmen zusammengestellt.

Bankkredite

Sie haben bereits Ihre internen Ressourcen (d.h. Ihr Eigenkapital) geprüft sowie mögliche Gesellschafter und Geschäftspartner oder auch Ihre Verwandten und Freunde angesprochen. Darüber hinaus bieten sich Ihnen jedoch noch zahlreiche weitere Möglichkeiten. Neben Business Angels und Venture Capitalists ist die naheliegendste Lösung für die Finanzierung Ihres Start-ups die Zusammenarbeit mit einem Kreditinstitut. Wenn Ihr Projekt Hand und Fuß hat, Sie überzeugend auftreten und der Bank geeignete Sicherheiten vorlegen, sollten Sie aus mehreren Finanzierungsarten wählen können (Investitionsdarlehen, Mietkauf, Dispositionskredit usw.), die auf die Anforderungen von Unternehmen abgestimmt sind.

Die SNCI

Des Weiteren können Sie sich an die SNCI (Société Nationale de Crédit et d’Investissement, Nationale Kredit- und Investitionsgesellschaft) wenden. Dieses „im Bereich der mittel- und langfristigen Finanzierung der luxemburgischen Unternehmen spezialisierte öffentlich-rechtliche Bankinstitut“ gewährt insbesondere Gründungs-, Übernahme-, Investitions- und Innovationsdarlehen sowie Exportkredite. Die Darlehen und Kredite der SCNI decken durchschnittlich 25% der Kosten der industriellen Projekte und können im Falle eines Investitionskredits für die Erstniederlassung von jungen Handwerkern, Händlern sowie Hotel- oder Restaurantbetreibern bis zu 75% der infrage kommenden Investitionen decken. Informieren Sie sich, denn sie bietet viele verschiedene Finanzierungslösungen an.

Die Beihilfen für die Gewährung eines Darlehens

  • Die Bürgschafts- und Hilfsgenossenschaft für Kaufleute (Mutualité de Cautionnement, MC). Der Bank reichen die von Ihnen vorgelegten Sicherheiten nicht aus? In diesem Fall können Sie Unterstützung von der Mutualité de Cautionnement erhalten. Ihre Aufgabe ist es, den Zugang zu Bankfinanzierungen zu erleichtern, indem sie für Unternehmen mit einer Niederlassungsgenehmigung gegenüber den Banken als Bürge auftritt.
  • Die Mutualité des PME (MPME).  Sie unterstützt die luxemburgischen KMU, indem sie insbesondere als Vermittlerin auftritt und die Finanzierung Ihrer Projekte ganz oder teilweise abdeckt.
  • Die InnovFin-Bürgschaft. Wenn Ihr KMU im Bereich der Innovation tätig ist, können Sie eine InnovFin-Bürgschaft beantragen, die von der Europäischen Investitionsbank (EIB) über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) bereitgestellt wird. Diese Bürgschaft ermöglicht Finanzvermittlern wie z.B. luxemburgischen Banken, unter InnovFin förderfähigen KMU Darlehen zu gewähren, die zu 50% vom EIF verbürgt sind. Die Bank geht somit weniger Risiken ein und kann Kredite zwischen 25.000EUR und 7.500.000EUR vergeben.

Die Alternativen zum Bankdarlehen

  • Der Business Angel. Bei der Aufnahme des Geschäftsbetriebs sollten Sie auch an so genannte Business Angels denken. Ein Business Angel wird gleich zu Beginn tätig und unterstützt im Allgemeinen junge innovative Unternehmen. Er stellt nicht nur zwischen 10% und 30% des Kapitals bereit, sondern lässt Sie auch von seiner Erfahrung und seinen Kontakten profitieren. Auf ihn können Sie zählen!
  • Der Venture Capitalist. Wenn es Anzeichen dafür gibt, dass Ihrer Firma eine viel versprechende Entwicklung bevorsteht, und Sie Finanzierungen suchen, um diese Entwicklung schnell in Gang zu bringen, kann ein Venture Capitalist (VC) eine gute Option sein. Er bringt eine ansehnliche Summe ein, um Ihr Geschäft anzukurbeln, und erhält als Gegenleistung Anteile und oft auch einen Sitz im Verwaltungsrat.

Kredit verweigert? Lassen Sie sich nicht entmutigen, es gibt Alternativen. Wenn Sie nur wenige oder gar keine Mittel haben, können Sie sich an ein Mikrofinanzinstitut wenden.

  • Die Mikrofinanzinstitute. Wurde Ihr Kreditantrag abgelehnt? Lassen Sie sich nicht entmutigen. Wenn Sie nur wenige oder gar keine Mittel haben, können Sie sich an ein Mikrofinanzinstitut wenden. Diese bieten u. a. Mikrokredite von bis zu 25.000 EUR. Informieren Sie sich im Haus der Mikrofinanz (Maison de la Microfinance), das von der Vereinigung ADA betrieben wird.
  • Crowdfunding. Eine weitere Lösung, die zurzeit sehr in Mode ist, ist Crowdfunding oder Gruppenfinanzierung. Das Prinzip besteht darin, viele Menschen auf einer Online-Plattform zu versammeln, um ein Projekt oder ein Start-up zu finanzieren. Alle Personen, die Ihr Unternehmen unterstützen, können im Gegenzug eine Beteiligung am Gesellschaftskapital erhalten. Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit: Crowdfunding kann auch aus einer Gabe und Gegengabe bestehen, d. h. der private Investor erhält für seine finanzielle Unterstützung das fertige Produkt oder die Dienstleistung, das/die er gefördert hat, mit oder ohne Preisnachlass.

Investmentfonds

Investmentfonds sind eine weitere Möglichkeit, die Sie nutzen können, um Ihr Unternehmen auf Wachstumskurs zu bringen. Die Société Nationale de Crédit et d’Investissement (SNCI) und der Europäische Investitionsfonds (EIF) haben gemeinsam den Luxembourg Future Fund ins Leben gerufen. Dieser 150 Millionen Euro schwere Fonds investiert direkt und indirekt in innovativen KMU in der Gründungs-, Entwicklungs- oder Wachstumsphase.

Der Digital Tech Fund ist ein Startkapitalfonds für Start-ups aus dem IKT-Sektor, der vom luxemburgischen Staat zusammen mit sieben weiteren privaten Investoren (darunter die BIL) aufgelegt wurde, um junge, aufstrebende Unternehmen in der Startphase finanziell zu unterstützen.

Staatliche Förderungen

Das luxemburgische Wirtschaftsministerium bietet eine Reihe von Förderungen für (neu gegründete oder etablierte) KMU an, die so genannten „Förderungen des Mittelstandsrahmengesetzes“. Unternehmer aus dem Industrie-, dem Handels-, dem Bau- oder dem Dienstleistungssektor haben so Zugriff auf eine ansehnliche Unterstützung. Diese vielfältigen Förderungen verteilen sich auf die folgenden sechs Bereiche.

  • Investitionsbeihilfe. Die Investitionsbeihilfe für kleine und mittlere Handwerks- oder Handelsunternehmen  wurde eingeführt, um Unternehmensgründungen und -übernahmen in Luxemburg zu fördern. Sie ist verfügbar für Investitionen in materielle (Grundstücke, Bauten, Maschinen, Mobiliar, Computerhardware usw.) und immaterielle Vermögenswerte (Software, Patente, Marken, Firmenwerte usw.).
  • Beihilfe für Unternehmensgründer und -übernehmer. Im Falle der Neugründung eines Unternehmens oder der Übernahme eines bestehenden Unternehmens haben Sie Anrecht auf einen um zehn Prozentpunkte höheren Basisinterventionssatz der Investitionsbeihilfe für KMU. Dies ist die so genannte Beihilfe für die Erstinvestition.
  • Beihilfe im Bereich des Umweltschutzes  und der rationellen Energienutzung. Wenn Sie Investitionen in den Umweltschutz oder die Verringerung des Energieverbrauchs planen, können Sie staatliche Hilfe erhalten. Die Beträge dieser Beihilfen sind unterschiedlich und richten sich nach der Art der Investition, aber auch danach, ob Sie ein KMU sind, das die Kriterien des Rahmengesetzes erfüllt, oder ein Industrieunternehmen, das anderen Gesetzen unterliegt.
  • Innovationsbeihilfe. Neben der eigentlichen Innovationsbeihilfe für KMU bietet Luxemburg zahlreiche Förderungen im Bereich der FuE und der Innovation an (Beihilfe für junge Unternehmen, Beratung, Infrastrukturen, technische Machbarkeitsstudien usw.). Wenn Sie zu dieser Zielgruppe gehören, sollten Sie auf jeden Fall einen Antrag stellen!
  • Beihilfe im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Diese Beihilfe ist Handwerksbetrieben und Handelsunternehmen aus dem Lebensmittelsektor vorbehalten. Sie betrifft die Finanzierung von Methoden, Instrumenten und Messungen im Zusammenhang mit der Hygiene, der Rückverfolgbarkeit und der Sicherheit von Lebensmitteln.

Wenn Sie keines der Kriterien für eine „klassische“ Beihilfe erfüllen, gibt es noch eine Sonderregelung (…).

  • „De minimis“-Beihilfe. Beihilfen für KMU werden natürlich nur dann gewährt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden, auf die wir hier jedoch nicht eingehen. Informieren Sie sich also, bevor Sie den Schritt wagen. Und wenn Sie keines der Kriterien für eine „klassische“ Beihilfe erfüllen, gibt es noch eine Sonderregelung, die Förderungen von bis zu 200.000 EUR umfasst. Dies ist die so genannte „de minimis“-Beihilfe für große Handels- oder Handwerksbetriebe und freie Berufe.

Es gibt noch weitere staatliche Beihilfen, die von dem Mittelstandsrahmengesetz (erste Teilnahme an einer Messe, Inanspruchnahme einer Beratungsdienstleistung) und anderen Gesetzestexten über verschiedene staatliche Beihilfen für Gesellschaften und Industrieunternehmen geregelt werden. So kann Ihr junges Start-up-Unternehmen außerdem spezifische staatliche Beihilfen in Anspruch nehmen, z. B. für touristische Infrastrukturen, Digitalisierung oder Exporte.

Spezifische Initiativen

Luxemburg positioniert sich durch zahlreiche Initiativen als Heimat für Start-ups. Junge Unternehmensgründer werden von mehreren Strukturen betreut (Innohub, LHoFT, Luxinnovation, Nyuko, Technoport, Paul Wurth InCub) und erhalten von ihnen Unterstützung beim Zugang zu Finanzierung. Verschiedene Veranstaltungen richten sich an viel versprechende Jungunternehmer (vor allem aus dem Bereich der neuen Technologien), darunter z. B.: Fit4Start, Pitch your Startup and Startup World Cup Luxembourg. Bei diesen Veranstaltungen handelt es sich meistens um Wettbewerbe, bei denen man Subventionen gewinnen und Investoren treffen kann. Dies ist eine weitere Gelegenheit, um an Mittel für Ihr Unternehmen zu kommen und Ihr Projekt erfolgreich zu verwirklichen. Nutzen Sie sie!