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Juni 19, 2026

Finfluencer unter der Lupe: Rat oder Risiko?

Wie kann man passives Einkommen erzielen? Was sind die besten Anlagen in diesem Jahr? Warum sollte man ETFs kaufen? Sie haben sie sicherlich schon auf YouTube, Instagram oder TikTok gesehen: Finanz‑Influencer (Finfluencer) sprechen zahlreich über Budgetverwaltung, Börseninvestitionen oder auch Kryptowährungen. Warum üben sie eine so grosse Anziehungskraft aus und welche Fallen gilt es zu vermeiden? myLIFE gibt Ihnen einige Anhaltspunkte, um die Spreu vom Weizen zu trennen*.

Es ist ein ganz gewöhnlicher früher Abend für Manuel, der sich entspannt, während er durch Instagram scrollt. Zwischen zwei Videos fällt ihm ein Inhalt ins Auge: „100€ pro Monat investieren kann sich richtig lohnen“. In weniger als einer Minute werden ihm mithilfe einiger anschaulicher Grafiken das Prinzip des Zinseszinses, die Funktionsweise von ETFs erläutert und ihm wird eine Schulung angeboten, um noch weiterzugehen. Klar, schnell und attraktiv!

Solche Inhalte haben sich im Laufe der Jahre stark vervielfacht. Finanzthemen werden nicht mehr ausschliesslich von Bankexpertinnen und ‑experten oder spezialisierten Medien behandelt, sondern auch in den sozialen Netzwerken durch eine neue Art von Content‑Creators: die Finfluencer.

Was ist ein Finfluencer?

Ein Finfluencer (eine Wortschöpfung aus Finanzen und Influencer) ist ein Content‑Creator, der sich auf Finanzthemen spezialisiert hat. Er nutzt soziale Netzwerke, um Ihnen zu helfen, wirtschaftliche Konzepte zu entschlüsseln, Ihnen Ratschläge zur Vermögensverwaltung zu geben oder über Finanzanlagen zu sprechen.

Dabei kann es sich sowohl um Fachleute aus dem Finanzsektor (Vermögensverwalter, Finanzberater, Trader usw.) handeln als auch um Autodidakten ohne formale Qualifikationen oder spezifische Ausbildung.

Der Erfolg von Finanz‑Influencern beruht vor allem auf der Beziehung, die sie zu ihrer Community aufbauen. Fernab von institutionellen Diskursen, die oft als technisch und abstrakt wahrgenommen werden, bereiten sie Finanzinformationen verständlich und zugänglich auf. Ihr pädagogischer, freundlicher und direkter Ton fördert die Entstehung eines Vertrauensverhältnisses zu ihren Abonnentinnen und Abonnenten.

Zudem fangen kurze und dynamische Online‑Formate schnell die Aufmerksamkeit ein und erreichen ein breites Publikum, insbesondere jüngere Generationen, die sich fast ausschliesslich über soziale Netzwerke informieren**.

Finfluencer tragen aktiv zur finanziellen Bildung bei. Dank ihrer Reichweite und der Kraft sozialer Netzwerke sensibilisieren sie ein breites Publikum, brechen Tabus rund um Geld und machen Themen verständlich, die oft als komplex oder Expertinnen und Experten vorbehalten wahrgenommen werden.

Was können Finanz‑Influencer bieten?

Finfluencer tragen aktiv zur finanziellen Bildung bei. Dank ihrer Reichweite und der Kraft sozialer Netzwerke sensibilisieren sie ein breites Publikum, brechen Tabus rund um Geld und machen Themen verständlich, die oft als komplex oder Expertinnen und Experten vorbehalten wahrgenommen werden.

Auf Finanzthemen spezialisierte Influencer können Methoden zur Budgetverwaltung vorstellen und häufige Fragen beantworten, etwa zu Investmentfonds, Immobilien oder Steuern. Außerdem erklären sie allgemein verständliche Konzepte wie Vorsorgeersparnisse, Diversifizierung, Finanzplanung, Inflation, Zinseszinsen oder auch Volatilität.

Einem Finfluencer zu folgen kann Ihnen somit helfen, Ihr Finanzwissen zu erweitern, Marktentwicklungen besser zu verstehen oder bestimmte Anlageprodukte zu entschlüsseln. Ihre Inhalte können auch als Einstieg in eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Themen dienen.

Einige Content‑Creators teilen präzise und differenzierte Informationen, während andere ungenaue, einseitige oder sogar mitunter irreführende Aussagen verbreiten.

Welche Risiken bestehen?

Auch wenn die Demokratisierung von Finanzinformationen einen Fortschritt darstellt, bleiben Qualität und Zuverlässigkeit der geteilten Inhalte sehr unterschiedlich. Der Wunsch, Inhalte zu vereinfachen, geht leider häufig damit einher, technischere Aspekte auszuklammern, was letztlich zu einer stark vereinfachenden Darstellung führen kann.

Zwar teilen manche Creator präzise und ausgewogene Informationen, andere jedoch – oft diejenigen ohne Ausbildung im entsprechenden Bereich und mit geringer Erfahrung – verbreiten ungenaue, tendenziöse oder sogar mitunter irreführende Aussagen. Problematisch wird es, wenn diese Botschaften zu Entscheidungen verleiten, die schwerwiegende finanzielle Konsequenzen haben können.

Liam, 38 Jahre alt, hat dies schmerzhaft erfahren. Seit einigen Monaten folgte er einem Finanz‑Influencer, der in Dubai einen sehr komfortablen Lebensstil zur Schau stellte und eine exklusive Strategie mit aussergewöhnlichen Renditen versprach.

Nachdem er mehrere Hundert Euro gezahlt hatte, um Zugang zu einer privaten Gruppe zu erhalten, wurde er aufgefordert, umgehend in eine als vielversprechend dargestellte Aktie zu investieren. Die koordinierten Käufe der Gruppenmitglieder liessen den Kurs schnell steigen.

Einige Wochen später brach der Kurs abrupt ein. Die Administratoren sprachen von einer normalen Marktkorrektur und verschwanden anschliessend. Liam stellte schliesslich fest, dass der Influencer in Aktien bezahlt worden war, um die Investition zu bewerben, und diese verkauft hatte, als der Kurs seinen Höchststand erreicht hatte.

Tatsächlich handelte es sich um ein sogenanntes Pump‑and‑Dump: eine Manipulation, bei der der Preis eines Vermögenswerts durch massive Promotion künstlich in die Höhe getrieben wird, um ihn anschliessend zu einem hohen Preis zu verkaufen – zum Nachteil der übrigen Investoren.

Der Aufschwung von Finanz‑Influencern erfordert höchste Wachsamkeit: Beliebtheit und Follower‑Zahlen sind keine Garantie für Zuverlässigkeit. Zudem bevorzugen die Algorithmen sozialer Netzwerke Inhalte, die besonders viel Engagement oder Emotion erzeugen – manchmal auf Kosten der inhaltlichen Genauigkeit. Nachfolgend einige der wichtigsten identifizierten Risiken (nicht abschliessende Liste):

> Vereinfachung komplexer Konzepte. Wie bereits erwähnt, erlauben die kurzen Formate in sozialen Netzwerken keine vertiefte Behandlung. Finfluencer möchten Aufmerksamkeit erzeugen, ihre Sichtbarkeit erhöhen und Interaktionen mit ihrer Community fördern. Die vermittelten Botschaften sind daher oft unvollständig und decken nicht alle Aspekte eines Themas ab.

> Verwechslung von allgemeinen Informationen und individueller Beratung. Ein Finfluencer spricht ein breites Publikum an. Er kennt weder Ihre persönliche Situation (Alter, Einkommen, Schulden) noch Ihre Ziele oder Ihre Risikotoleranz. Seine Empfehlungen sind daher nicht zwangsläufig auf Ihr Profil zugeschnitten und können ungeeignet sein. Die Inhalte zur Verbesserung Ihrer finanziellen Bildung zu nutzen ist das eine – Ihre Anlagestrategie davon leiten zu lassen etwas anderes, das dringend abzuraten ist.

Auch wenn kommerzielle Kooperationen oder der Verkauf von Produkten an sich unproblematisch sind, wirft mangelnde Transparenz Fragen auf.

> Verschleierung des Vergütungsmodells. Viele Influencer werden über Partnerschaften (Affiliate‑Links, Produktsponsoring, Provisionen) oder durch den Verkauf eigener Schulungen, individueller Begleitung oder E‑Books vergütet. Diese Praktiken sind an sich nicht problematisch, doch fehlende Transparenz gibt Anlass zur Sorge. Ohne Kenntnis des Geschäftsmodells des Influencers ist es schwer, die Objektivität seiner Aussagen einzuschätzen. Ein Erfahrungsbericht kann in Wirklichkeit lediglich getarnte Werbung sein. Sie sind gewarnt!

> Versprechen hoher Renditen ohne Risiko. Einige Influencer heben das Gewinnpotenzial besonders risikoreicher Produkte stark hervor und spielen die damit verbundenen Risiken herunter oder verschweigen sie ganz. Diese unausgewogene Darstellung kann dazu führen, dass Sie das Verlustrisiko unterschätzen. Die Empfehlung ist hier einfach: Vertrauen Sie Ihre Investitionen ausschliesslich anerkannten Fachleuten an.

> Verstärkung verhaltensbezogener Verzerrungen. Soziale Netzwerke verstärken bestimmte kognitive Verzerrungen: die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen (FOMO‑Effekt – Fear of Missing Out), den Bestätigungsfehler, bei dem nur Informationen berücksichtigt werden, die eine Botschaft stützen, oder den Gruppeneffekt (Herdentrieb), der dazu verleitet, andere zu imitieren. Diese Reflexe können Ihr Urteilsvermögen bei finanziellen oder Investitionsentscheidungen verzerren.

Welche Warnsignale sollten Sie alarmieren?

Glücklicherweise sind nicht alle Finanz‑Influencer böswillig. Um zweifelhafte Botschaften zu erkennen, sollten bestimmte Praktiken sofort Alarm auslösen:

    • Versprechen hoher, schneller und garantierter Renditen;
    • keine klare Nennung der Risiken;
    • Aufforderung, rasch eine Entscheidung zu treffen;
    • intransparentes Geschäftsmodell des Influencers;
    • fehlende Details zu Produkt, Strategie oder Funktionsweise;
    • übermässige Betonung eines luxuriösen Lebensstils statt fachlicher Qualifikationen.
    • (…)

Ein ehrlicher Finanz‑Influencer stellt alle Aspekte eines Produkts dar, sowohl dessen Vorteile als auch Risiken. Er stützt sich auf verlässliche Quellen und liefert verständliche, präzise und ausgewogene Informationen. Zudem macht er klar kenntlich, ob er gesponsert wird oder eine Vergütung bzw. einen Vorteil im Zusammenhang mit der Bewerbung eines Produkts oder einer Dienstleistung erhält.

Finanzberatung ist eine regulierte Tätigkeit

Es ist rechtlich zulässig, finanzielle Begriffe zu erklären, Informationen über die Funktionsweise der Märkte zu geben oder die Merkmale eines Anlageprodukts darzustellen. Anlageberatung oder die Erbringung von Finanzdienstleistungen unterliegen jedoch einer strengen Regulierung durch die Aufsichtsbehörden (wie z.B. die CSSF in Luxemburg).

Ein Influencer, der Ihnen empfiehlt, in ein Produkt zu investieren oder davon abzusehen, muss grundsätzlich über eine entsprechende Zulassung verfügen. Selbst das Teilen einer Meinung zur Entwicklung eines Produkts kann – je nach Kontext – als Anlageberatung gelten.

Um Content‑Creators zu sensibilisieren, bieten die europäischen Aufsichtsbehörden ein Zertifikat für verantwortungsvolle Influencer an. Dieses garantiert zwar nicht die fachliche Kompetenz des Influencers, bestätigt jedoch, dass er über die ethischen und rechtlichen Regeln informiert wurde, die bei der Bewerbung von Finanzprodukten und ‑dienstleistungen in sozialen Netzwerken einzuhalten sind. Zudem wurden Informationsblätter für Influencer veröffentlicht, die gute Praktiken aufzeigen.

Indem sie Informationen demokratisieren und möglichst vielen Menschen zugänglich machen, können Finanz‑Influencer eine wichtige Rolle in der finanziellen Bildung spielen. Sie haben den Verdienst, Interesse zu wecken und dazu zu ermutigen, das eigene Wissen zu erweitern. Sie sollten jedoch nicht Ihre einzige Informationsquelle sein.

Ihrerseits ist es entscheidend, sich über das Profil der Influencer zu informieren und den online verbreiteten Botschaften mit einem kritischen Geist zu begegnen. Eine goldene Regel in Sachen Information gilt nach wie vor, insbesondere im Zeitalter der sozialen Netzwerke und der KI: Überprüfen Sie die Quelle. Finfluencer ersetzen weder eine fundierte Analyse noch eine professionelle und individuelle Beratung. Sie dürfen keine Anlageberatung leisten, ohne die geltenden Rechtsvorschriften einzuhalten und ohne von den zuständigen Aufsichtsbehörden beaufsichtigt zu werden. Ihrerseits sollte jede Investitionsentscheidung wohlüberlegt und auf Ihre persönliche Situation abgestimmt sein. Die Konsultation eines qualifizierten Fachmanns ist nach wie vor bei weitem der der beste Weg.

* Inhalt aus dem Französischen übersetzt mit dem AI-Tool BIL GPT

** In Luxemburg informieren sich 99% der 18‑ bis 24‑Jährigen über soziale Netzwerke (MediaLux 2024).