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März 19, 2019

Edle Weine: eine nur scheinbar liquide Anlage

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH März 1, 2019 154

Der letzte Verkauf der verbliebenen Flaschen des legendären Winzers Henri Jayer aus dem Burgund im vergangenen Juni erzielte rund 35 Mio. US-Dollar. Damit wurde ein doppelt so hoher Preis erzielt wie ursprünglich erwartet und ein neuer Rekord für eine einzelne Weinauktion aufgestellt. Die Auktion markierte den Höhepunkt einer Reihe von starken Jahren für den Weinmarkt, in denen einige Investoren ihre investierten Beträge in gerade mal fünf Jahren verdoppelt haben.

Während die Märkte im Jahr 2018 mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, erzielten alternative Anlageklassen wie edle Weine (+10,0 %) oder Kunst weiterhin Preissteigerungen. Von Anlagen in Wein geht seit jeher eine gewisse Anziehungskraft aus. Sollte sich die Anlage nicht wie geplant entwickeln, lässt sich der Wein immerhin noch bei einem leckeren Steak genießen. Kein Aktienportfolio bietet diese Art von Schutz gegenüber Abwärtsrisiken.

In den vergangenen Jahren stellte sich Investoren diese Frage jedoch erst gar nicht. Das zunehmende weltweite Interesse an französischen Weinen, insbesondere seitens asiatischer Käufer, hat die Preise in die Höhe getrieben. Besonders traf dies auf Weine aus dem Burgund zu, bei denen sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ebenfalls zum Vorteil von Investoren entwickelte.

Unkorrelierte Renditen

Die London International Vintners Exchange (kurz Liv-ex) ist ein internationaler Wein-Handelsplatz für professionelle Händler und bietet zudem Benchmarks für die Branchenpreise sowie Informationen zum Angebot. Das Unternehmen weist darauf hin, dass das Weingut Domaine Leflaive im Burgund nur rund 400 Flaschen des Weißweins Montrachet produziert, während die Weingüter Petrus und Lafitte aus dem Bordeaux 60.000 bzw. 240.000 Flaschen abfüllen.

Der Liv-Ex Burgundy-Index, der die Preise eines Korbs von 150 Burgundern misst, legte über fünf Jahre um 104 % zu – gegenüber +35 % für Bordeaux-Weine – und stieg allein im November um 8 %. Weine aus dem Burgund haben sich im vergangenen Jahr besonders stark entwickelt, was einen deutlichen Kontrast zu der volatilen und unvorhersehbaren Wertentwicklung der Aktienmärkte darstellt.

Zu den Indizes von Liv-ex zählt der Liv-ex Fine Wine 50, der die täglichen Preisbewegungen der zehn jüngsten Jahrgänge der meist gehandelten Weine, Premier Crus aus dem Bordeaux, abbildet. Der Liv-ex 1000 ist der breiteste Index des Weltmarkts und umfasst Teilindizes, die Anbaugebiete wie Burgund, Rhone, Champagne, Italien und den Rest der Welt abdecken.

Die Attraktivität edler Weine lässt sich zum Teil auf die von ihnen gebotene Diversifizierung zurückführen. Wenngleich Anlagen in edlen Weinen von der internationalen Nachfrage und damit in gewissem Maße der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängen, wiesen die Renditen in der Vergangenheit nur eine geringe Korrelation zu den Aktien- oder Anleihenmärkten auf.

Die steigende Nachfrage aus Schwellenländern hat die Preise zwar beeinflusst, von wesentlich entscheidenderer Bedeutung sind jedoch Angebot und Nachfrage in Bezug auf die Weine selbst, d. h. ob das Jahr gut war, wie die Wetterbedingungen waren und wie die Bewertungen von einflussreichen Käufern ausfielen.

Einflussreiche Experten

Experten wie der in den USA geborene Robert Parker Jr. haben Einfluss auf die Nachfrage von Sammlern und Investoren auf der ganzen Welt. Sein Geruchssinn und Gaumen sind mit einer Million US-Dollar versichert, was ihm den Spitznamen „the million-dollar nose“ („die millionenschwere Nase“) einbrachte. Die britische Weinkritikerin Jancis Robinson, die als erste Person ohne Verbindung zum Weinhandel den Titel „Master of Wine“ erhielt, Tim Aitkin, Jeb Dunnuck und James Suckling können bei der Preisfindung ebenfalls von Bedeutung sein.

Wein generiert keinen Cashflow. Die Preisentwicklung beruht daher im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Jancis Robinson erklärt die Preisermittlung bei Weinen folgendermaßen: „Wein generiert keinen Cashflow. Das bedeutet, dass der Wert einer Weinflasche im Gegensatz zu dem einer Aktie oder Anleihe nicht über einen klassischen finanziellen Ansatz ermittelt werden kann. Die Preisentwicklung beruht daher im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage.“

Sie weist ebenfalls auf das Fehlen eines zentralisierten Marktplatzes hin. Das bedeutet, dass der Handel über eine Vielzahl von Kanälen weltweit erfolgen kann, einschließlich Auktionshäuser, Händler und private Käufe. Diese Fragmentierung macht es noch schwieriger, den angemessenen Wert zu ermitteln, da der gleiche Wein an verschiedenen Märkten unterschiedliche Preise erzielen kann.

Direktinvestition

Investitionen in Weine konzentrieren sich nach wie vor überwiegend auf die wichtigsten französischen Anbaugebiete Bordeaux und Burgund. Allerdings werden inzwischen auch die Regionen Rhone und Champagne sowie Italien von Kennern zunehmend mit Interesse wahrgenommen.

Die wohl naheliegendste Weise in Weine zu investieren besteht im direkten Kauf. Für Einsteiger kann dies jedoch mit Schwierigkeiten verbunden sein, und zudem sind die Preise von Weinen berühmter Winzer bereits im günstigsten Preissegment hoch. So wurden für eine Kiste mit drei Flaschen 1982er Chateau Petrus Ende 2018 etwa rund 19.500 Euro aufgerufen. Investoren tragen das Risiko, dass der Wein Kork hat oder – im Fall von jüngeren Weinen – sich als schlechter Jahrgang erweist. Um den Werterhalt zu gewährleisten, müssen die Flaschen zudem richtig gelagert werden.

Renommierte Weinmakler bieten Dienste wie Weinclubs an, in denen Einzelpersonen gemeinsam investieren können, oder sie stellen Lagermöglichkeiten zur Verfügung, wo die Flaschen aufbewahrt werden können, bis der Besitzer sie trinken oder verkaufen möchte. Die von den Maklern für die Lagerung und den Kauf von Weinen erhobenen Gebühren können die Gewinne der Investoren schmälern und sind für Weinkäufer, die regelmäßigen Handel betreiben wollen, daher unter Umständen keine Lösung.

Unternehmen wie Berry Brothers & Rudd in Großbritannien bieten Investoren und Sammlern zwar eine Handelsplattform zum Kauf und Verkauf von Weinen, doch um hierdurch einen nennenswerten Gewinn zu erzielen ist eine umfangreiche Marktkenntnis erforderlich.

Darüber hinaus gab es in der Vergangenheit mit den Bewertungen von Weinfonds Probleme. Diese hingen damit zusammen, dass Wein entgegen seiner Natur häufig ein recht illiquider Vermögenswert sein kann.

Bewertungsrisiken

Investoren können ebenfalls über Weinfonds investieren. Diese können ein liquider und günstiger Weg sein, um von steigenden Weinpreisen zu profitieren, und eine stärkere Diversifizierung ermöglichen, etwa über ein Portfolio, das aus einer Auswahl von Bordeaux, Burgundern und anderen edlen Weinen aus der ganzen Welt besteht.

Weinfonds haben jedoch auch eine Reihe von Nachteilen. So haben Investoren insbesondere keine Eigentumsansprüche an den Weinen, d. h. sie können sich im Fall einer unrentablen Anlage nicht mit einer Flasche trösten.

Darüber hinaus gab es in der Vergangenheit mit den Bewertungen von Weinfonds Probleme. Diese hingen damit zusammen, dass Wein entgegen seiner Natur häufig ein recht illiquider Vermögenswert sein kann. So wurde der von der Investmentgesellschaft für alternativen Anlagen Elite Advisers in Luxemburg verwaltete Fonds Nobles Crus von der Finanzaufsichtsbehörde des Landes 2013 dazu verpflichtet, den Handel einzustellen. Die Barmittel des Fonds waren zu stark zurückgegangen, um Rücknahmeanträgen nachzukommen, woraufhin er abgewickelt wurde.

Nobles Crus geriet infolge einer öffentlichen Debatte über die Bewertungsmethoden des Fonds, von Problemen beim Nachweis der Herkunft und der Echtheit einiger der ältesten Weine im Portfolio sowie von aufsichtsrechtlichen Änderungen in Belgien, die institutionelle Anleger zur Rückgabe ihrer Anteile verpflichteten, in Schwierigkeiten.

Der Fall zeigt die Probleme auf, die Weinfonds mit anderen illiquiden Anlagen, wie etwa Immobilien, gemein haben. Denn selbst wenn die veröffentlichten Preise die tatsächlichen Transaktionen fortlaufend widerspiegeln, können erhebliche Verkäufe aufgrund dringender Rücknahmeanträge zu deutlich niedrigeren Renditen führen. Dies legt nahe, dass die Anlageklasse sich nicht für offene Fonds eignet.

Investitionen in Weine über Crowdfunding

In den vergangenen Jahren sind neue Anlagemöglichkeiten entstanden, wie etwa Crowdfunding-Plattformen, die Investoren und Winzer zusammenbringen, um Finanzierungen zu ermöglichen. Investoren können bereits mit Beträgen von 100 Euro einzelne Weingüter unterstützen und erhalten dafür über einen Zeitraum von mehreren Jahren Weinlieferungen zu sich nach Hause. Zwar wird nur die Zeit zeigen, ob solche Lösungen finanziell sinnvoll sind, sie beziehen Investoren allerdings direkter in die Weinerzeugung ein.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Weine „en primeur“ zu erwerben, d. h. wenn sie jung und noch nicht aus den Fässern in Flaschen abgefüllt sind, und darauf zu hoffen, dass sie die Erwartungen übertreffen und deutlich im Wert steigen werden. Die Preise für „en primeur“-Weine sind in der Regel niedriger als die künftigen Preise auf dem freien Markt. Ferner sind sie manchmal die einzige Möglichkeit, Weine von bestimmten Weingütern zu kaufen, die nur 200 Kisten pro Jahr produzieren.

Edle Weine haben in den vergangenen Jahren hohe Renditen erzielt und können in Zeiten mit zunehmend volatil erscheinenden Aktien- und Anleihenmärkten ein attraktives Mittel zur Diversifizierung darstellen. Dabei müssen Investoren jedoch akzeptieren, dass die Renditen empfindlich auf Marktstress reagieren können und unter Umständen nur schwer kurzfristig zu realisieren sind.