Fake News im Finanzbereich: Wie man sie erkennt und sich davor schützt
Vor einer Investitionsentscheidung ist es essenziell, sich gut zu informieren und sicherzustellen, dass diese Entscheidung nicht von Fake News beeinflusst wird. Das ist umso wichtiger, als Fake News im Bereich Finanzen mitunter äußerst ausgefeilt und daher schwer zu erkennen sind. Kein Grund zur Panik – myLIFE erklärt, wie man diesen Falschinformationen auf die Schliche kommt und sich vor ihnen schützt.
Das Wichtigste in Kürze
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Heute ist jeder mit dem Begriff „Fake News“ vertraut, der sich mit „Falschinformation“ übersetzen lässt. Dieser im digitalen Zeitalter entstandene Begriff hat verschiedene Bedeutungen und wurde durch den US-Präsidenten Donald Trump bekannt gemacht. Im ursprünglichen Sinne bezieht er sich auf Desinformation, also die vorsätzliche Verbreitung von falschen, inkorrekten oder irreführenden Informationen mit der Absicht, einer Person, einer Organisation oder einer Gesellschaft zu schaden, Meinungen zu beeinflussen oder sich auf betrügerische Weise zu bereichern. Doch auch Misinformation gilt als Fake News, also die unbeabsichtigte, versehentliche oder übereilte Verbreitung von Falschinformationen. Fake News gibt es zwar nicht erst seit gestern; sie verbreiten sich jedoch schneller denn je. Dies lässt sich mit der starken Zunahme digitaler Verbreitungskanäle wie sozialer Netzwerke erklären, aber auch mit immer mehr „Trollfabriken“, die politische oder wirtschaftliche Ziele verfolgen und vorsätzlich Falschinformationen erzeugen und verbreiten.
Laut einer Eurobarometer-Umfrage waren im Jahr 2025 rund zwei Drittel der Europäer regelmäßig mit Fake News konfrontiert.
Im digitalen Zeitalter, in dem alles schneller geht, neigen wir fast alle dazu, als sensationell betrachtete Informationen weiter zu verbreiten, ohne uns die Mühe zu machen, ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Das führt dazu, dass sich Fake News ebenso schnell verbreiten wie Viren und viele Menschen infizieren, bevor sie überprüft und für falsch erklärt werden. Von ihrem Einfluss auf Wahlergebnisse bis hin zu ihren Auswirkungen auf das Gesundheitsverhalten – der negative Effekt der Fake News steht außer Frage. Das geht so weit, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) während der Pandemie sogar von Infodemie sprach, um auf die Ähnlichkeit mit der Ausbreitung des Coronavirus selbst anzuspielen.
Laut einer Eurobarometer-Umfrage waren im Jahr 2025 rund zwei Drittel der Europäer regelmäßig mit Fake News konfrontiert; bei jüngeren Menschen stieg dieser Anteil sogar auf 76%, obwohl mittlerweile mehr als 60% zuversichtlich sind, zwischen Fake News und echten Informationen unterscheiden zu können (70% bei jungen Menschen).
Fake News im Finanzbereich: Beispiele zur Veranschaulichung
Auch in der Finanz- und Anlagewelt gibt es Fake News, die schwerwiegende Auswirkungen auf Unternehmen und Anleger haben können. Da sie oft raffinierter als politische oder gesellschaftliche Desinformation, lassen sie sich mitunter nur schwer erkennen. Es kann sich um falsche Pressemitteilungen, in großem Stil verbreitete Gerüchte, falsche Ratschläge von Pseudo-Experten, Finanzgeschwätz uvm. handeln. Selbst seriösen Presseagenturen fällt es gelegentlich schwer, Fake News zu erkennen. Das zeigen einige Beispiele, die die Märkte in den vergangenen Jahren erschüttert haben.
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- Am 22. November 2016 erhielten Bloomberg, AFP, Reuters und andere Medien per E-Mail eine Pressemitteilung, die offenbar von der Pressestelle des französischen Baukonzerns Vinci stammte. Darin hieß es, das Unternehmen habe Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, durch die Verluste in Höhe von 3,5 Mrd. Euro verschleiert worden seien, und werde seine Jahresabschlüsse für 2015 und 2016 korrigieren; zudem sei der Finanzvorstand von Vinci entlassen worden. Die Informationen schienen authentisch zu sein und wurden von den Medien breit aufgegriffen, was innerhalb weniger Minuten zu einem Kursverlust von 18% bei der Vinci-Aktie führte. Trotz der raschen Gegendarstellung des Unternehmens blieb der Aktienkurs am Ende des Handelstages um 4% im Minus.
- Im Frühjahr 2022 schnellte der Aktienkurs des US-Start-ups Lithium Corporation in nur einer halben Stunde um 250% in die Höhe, nachdem eine falsche Mitteilung verbreitet worden war, in der die Übernahme des US-Start-ups durch Tesla angekündigt wurde. Elon Musk, der Chef des US-Autobauers, hatte sich zwar auf Twitter zu der Notwendigkeit geäußert, seine Versorgung mit Lithium sicherstellen zu müssen, hatte aber niemals Kontakt zu dem Start-up. Sawyer Merritt, einer der besten Kenner von Tesla, hallte die Falschinformation weiter verbreitet, ohne sie zu überprüfen, und die Zahl der Transaktionen mit dem Wertpapier verhundertfachte sich im Laufe des Tages. Diese gefälschte Pressemitteilung hat ihren Autoren gute Dienste geleistet: Sie hatten Aktien des Unternehmens gekauft, bevor sie das Gerücht in Umlauf brachten.
- Da Fake News äußerst lukrativ sein können, haben sich einige Unternehmen darauf spezialisiert, solche Falschinformationen für skrupellose Kunden zu verfassen. So wurden 2017 mehrere Autoren der unabhängigen Plattform für Finanzinformationen Seeking Alpha von Unternehmen der Dark Communication angesprochen. Diese boten ihnen eine Bezahlung für die Veröffentlichung von Artikeln an, in denen bestimmte Finanzwerte fälschlicherweise angepriesen wurden. Der Betrug wurde dank eines Whistleblowers aufgedeckt, der für die Plattform arbeitete.
Zahlreich große Unternehmen wie Bank of America, General Electric, Pfizer, Intel, Shell, Google oder BlackRock sind bereits Opfer von mehr oder weniger gut ausgearbeiteten Fake News geworden. Wenngleich dies durchaus reale Konsequenzen hat, normalisiert sich die Situation in den meisten Fällen glücklicherweise recht schnell wieder. Dennoch gibt es gelegentlich erhebliche finanzielle Auswirkungen. Es ist allerdings wesentlich schwieriger, die Anzahl der Fälle und die Auswirkungen von Fake News zu bestimmen, von denen kleinere Unternehmen betroffen sind. Die Betrüger wissen sehr wohl, dass ihre Fake News bessere Chancen haben, nicht auf dem Radar zu erscheinen, wenn sie weniger bekannte Unternehmen betreffen. Das verschafft ihnen mehr Zeit, um Anleger zu täuschen, bevor sie ertappt werden.
Durch die Demokratisierung und die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz werden Fake News immer ausgefeilter, vor allem, wenn sie in Form von Bildern auftauchen. Im Mai 2023 wurden die Finanzmärkte in den USA von einer visuellen Falschinformation erschüttert, die von KI generiert worden war. Das Bild zeigte dicken schwarzen Rauch in der Nähe des Pentagon-Gebäudes. Dieses Bild war von den russischen Staatsmedien RT und von Benutzern, die widerrechtlich die Namen anerkannter Informations-Websites wie etwa Bloomberg verwendeten, massiv auf Twitter verbreitet worden. Als das Bild viralen gegangen war, verzeichnete der S&P 500, einer der bedeutendsten US-Börsenindizes, vorübergehend ein Minus von 0,26 %. Anschließend erholte sich der Markt schnell wieder, als klar wurde, dass das Bild gefälscht war, und offizielle und überprüfte Dementis kursierten.
Privatanleger sind besonders anfällig. Umso wichtiger ist es für sie, die Mechanismen von Fake News kennen, um sich vor ihnen zu schützen.
Wie diese Beispiele zeigen, können Fake News erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben, auch wenn diese glücklicherweise oft nur vorübergehend sind, bis Marktprofis die Informationen überprüft haben. In der Zwischenzeit können Unternehmen jedoch viel Geld verlieren, und die ungeprüfte Weitergabe solcher Informationen in den sozialen Medien kann einzelnen Anlegern Schaden zufügen. In Panik geratene Anleger könnten Aktien verkaufen und hohe Verluste erleiden, wenn sie nicht abwarten, bis die Überprüfung der Informationen zu einer Marktkorrektur führt. Privatanleger sind am anfälligsten für Fake News. Deshalb ist es wichtig, die Mechanismen dieser Falschinformationen zu kennen, um sich davor zu schützen.
Wie werden wir mit Fake News infiziert?
Warum können Fake News so großen Schaden anrichten? Sie werden über das Internet massenhaft sehr schnell verbreitet. Angesichts des extrem schnellen Teilens und Weiterleitens dieser Informationen erliegt unser Gehirn dem sogenannten Wahrheitseffekt: Vertrautes und Faktisches werden durcheinander gebracht. Etwas wiederholt zu hören, steigert das Gefühl der Vertrautheit. Unser Gehirn verwechselt also das Simple mit dem Wahren: Wiederholte Behauptungen werden tendenziell als Tatsachen wahrgenommen, auch wenn sie tatsächlich falsch sind. Je stärker eine Falschinformation verbreitet wird, desto wahrer wirkt sie also.
Leider wird dieses Phänomen durch digitale Algorithmen noch verstärkt, da sie tendenziell Meinungen polarisieren und wie Echokammern für die Informationen wirken, die in Ihrem Bekanntenkreis geteilt werden. Diese Algorithmen vervielfachen das Teilen von Fake News, was deren Wahrnehmung als Tatsachen noch verstärkt. Es ist schwierig, sich dem zu entziehen, sofern man nicht die Anstrengung unternimmt, eine solche, immer wieder geteilte, vermeintliche Wahrheit infrage zu stellen.
Ob es darum geht, den Misserfolg eines Unternehmen oder seine Übernahme mitzuteilen – die überzeugendsten und am meisten geteilten Fake News sind in der Regel diejenigen, die Emotionen wie Angst, Wut oder Aufregung erzeugen. Solche Emotionen sind schlechte Ratgeber, weil sie unüberlegte Überreaktionen begünstigen. Genau das ist das Ziel derjenigen, die Fake News verbreiten.
Eine Falschinformation kann, auch wenn sie dementiert wird, mitunter einen massiven und dauerhaften Zweifel in Ihrem Gehirn säen.
Nicht nur ist es schwer, hier eine gewisse Distanz zu wahren; diese Emotionen besitzen außerdem die Kraft, eine Information tief in unserem Bewusstsein zu verankern. So kann eine Falschinformation, auch wenn sie dementiert wird, mitunter einen massiven und dauerhaften Zweifel in Ihrem Gehirn säen – beispielsweise in Bezug auf die finanzielle Solidität eines Unternehmens. Das kann soweit gehen, dass man trotz Richtigstellung nicht mehr in dieses Unternehmen investieren will.
Mit welchen Techniken kann man sich vor Fake News schützen?
Es ist möglich zu lernen, den schädlichen Einfluss von Fake News zu erkennen und sich davor zu schützen, wenn man sich einige Ratschläge zu Herzen nimmt.
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- Lernen Sie, zu entschleunigen. Das ist der einfachste und zugleich der wichtigste Rat, den man befolgen sollte. Indem sie unsere Emotionen ansprechen, wenden sich Fake News an unser „automatisches“ und primitives Gehirn, das schnell überreagiert und irrationale Entscheidungen trifft. Die Lösung? Sich Zeit nehmen, um die Informationen, die einem unterbreitet werden, zu analysieren und zu prüfen. Lassen Sie sich nicht von der gefühlten Notwendigkeit vereinnahmen, um jeden Preis Ihre Positionen auflösen zu müssen, nur weil eine schlechte Nachricht aus dem Nichts aufgetaucht ist.
- Bewahren Sie einen kühlen Kopf und lernen Sie, Ihre Reaktionen zu verstehen. Die meisten Fake News sind so konzipiert, dass sie starke emotionale Reaktionen auslösen, wie etwa Angst oder Wut. Wenn eine Information derartige Gefühle in Ihnen auslöst, zwingen Sie sich zu einer kritischen Haltung: Warum wurde diese Geschichte geschrieben und wer verbreitet sie? Wirbt sie für ein Programm oder eine bestimmte Anlage? Welches reale Risiko stellt sie für meine Anlagen dar? Wem nützt diese Falschinformationen?
- Lernen Sie, das Simple vom Wahren zu unterscheiden. Nur weil eine Information, die weit verbreitet und kommentiert wird, Ihnen plausibel vorkommt und mit Ihrer Meinung in Einklang zu stehen scheint, ist sie noch nicht wahr. Das hängt mit dem fluiden Denken zusammen, das es einer Person ermöglicht, eine Information besser anzunehmen. Dies ist aber in keiner Weise gleichbedeutend mit Wahrheit. Hinterfragen Sie sich grundsätzlich selbst, wenn es allzu einfach wirkt, eine Information anzunehmen, die starke Emotionen in Ihnen auslöst.
Nur weil eine Information, die weit verbreitet und kommentiert wird, Ihnen plausibel vorkommt und mit Ihrer Meinung in Einklang zu stehen scheint, ist sie noch nicht wahr.
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- Sie sollten keine Information teilen oder weiterleiten, ohne sie zu überprüfen. Fake News haben eine umso größere Tragweite und beeinträchtigen die Märkte umso stärker, je massiver sie von vertrauenswürdigen Personen verbreitet werden, ohne infrage gestellt zu werden. Um eine Falschinformation zu stoppen, muss man den Ansteckungszyklus unterbrechen. Wie? Indem man eine Information immer überprüft, bevor man sie teilt. Dies nützt nicht nur Ihrem eigenen Anlageportfolio, sondern auch dem Markt als Ganzes.
- Impfen Sie sich, um sich besser zu schützen. Fake News verbreiten sich rasant und infizieren Personen und Märkte wie Viren. Doch so wie gegen ein Virus kann man sich auch gegen Fake News mit einer Impfung schützen. So lautet zumindest die These des internationalen Spezialisten für Fake News Sander Van der Linden, der erklärt, dass man sich gegen Fake News impfen kann, indem man sich kleinen Mengen von ihnen aussetzt. Sie wissen von einer Falschinformation? Stellen Sie sich ihr und versuchen Sie zu verstehen, warum sie so gut funktioniert hat, indem Sie kritisch denken und zurückverfolgen, in welcher Chronologie die Information geteilt wurde und gewirkt hat.
- Prüfen Sie verschiedenen Quellen und gleichen Sie sie miteinander ab. Suchen Sie immer nach der primären Quelle der Information und machen Sie nicht Halt bei der letzten Weiterleitung durch Ihren Kollegen oder Ihren Cousin. Die Website, von der die Information stammt, der Autor, das Konto des Autors und andere Dinge wie etwa Fehler ermöglichen es Ihnen, eine Falschinformation zu erkennen.
- Nutzen Sie Faktencheck-Websites. Es gibt heute zahlreiche Websites, die es ermöglichen, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu überprüfen, sowohl in Texten als auch in Bildern. Diese sollten Sie ausgiebig nutzen.
- Wenden Sie sich an einen Experten. Sie können die potenzielle Auswirkung einer Information nicht beurteilen und wissen nicht, wie Sie reagieren sollen? Rufen Sie Ihren Kundenbetreuer an! Finanzexperten sind mit der schädlichen Wirkung von Fake News vertraut und geübt darin, sie zu erkennen. Immer mehr Finanzinstitute sind zudem mit KI-Tools ausgestattet, mit denen sich Fake News aufdecken lassen. Zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen, bevor Sie in Panik irgendetwas mit Ihren Finanzanlagen unternehmen.
Sie wissen nun, dass Fake News in der Finanzwelt durchaus real sind und großen Schaden anrichten können. Was man sich unbedingt merken sollte, ist, wie wichtig es ist, den Teufelskreis aus emotionalen Reflexen, Ansteckungsgefahr und unreflektiert geteilten Nachrichten zu durchbrechen. Das ist hilfreich, um sich selbst zu schützen, aber auch, um andere Marktteilnehmer vor Schaden zu bewahren. Das Verinnerlichen der richtigen Reflexe ist sowohl eine Frage der gemeinschaftlichen Verantwortung als auch einzelner Interessen. Bleiben Sie angesichts sensationeller Nachrichten ruhig, nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken und prüfen Sie sie kritisch, um festzustellen, ob sie fundiert sind oder nicht.
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