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August 18, 2022

Finanzielle Bildung: Die ersten sieben Lebensjahre sind entscheidend

Sie glauben, dass es wenig sinnvoll ist, mit ihrem Kind über Geld zu sprechen, wenn es jünger als sieben Jahre ist? So denken die meisten Eltern. Doch was, wenn gerade die ersten Lebensjahre entscheidend für den Umgang mit Geld sind? myLIFE wollte es genauer wissen.

Über Fähigkeiten wie Geduld oder analytisches und abstraktes Denken verfügen Kinder in der Regel erst ab einem Alter von sieben Jahren. Warum sollte man also versuchen, kleinen Kindern zu erklären, wie Geld und Budgets funktionieren? Das sollte man nicht, doch darum geht es auch nicht. Selbstverständlich ist es nicht sinnvoll, abstrakte Diskussionen mit kleinen Kindern zu führen, um ihnen den richtigen Umgang mit Geld beizubringen. Wichtig ist vor allem zu verstehen, dass das Umfeld eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Gewohnheiten spielt. Viele Studien belegen: Je früher Sie damit beginnen, Ihrem Kind den richtigen Umgang mit Geld beizubringen, desto besser.

Am besten fangen Sie gleich damit an. Doch bevor es um praktische Tipps gehen soll, gehen wir zunächst auf den Unterschied zwischen Bildung und Umfeld ein. Dann wird deutlich, weshalb praktische Übung und nicht theoretisches Wissen für Kinder so wichtig ist. Denn es kommt vor allem auf das Umfeld an, in dem sich das Kind bewegt und entwickelt. Das Ziel: intelligentes Verhalten so früh wie möglich fördern.

Mangelnde finanzielle Bildung bei Erwachsenen wie auch bei Kindern ist weltweit ein großes Problem.

Finanzielle Bildung muss Priorität haben

Mangelnde finanzielle Bildung bei Erwachsenen wie auch bei Kindern ist weltweit ein großes Problem, sodass viele Menschen durch den Umgang mit ihren Finanzen Risiken eingehen. Damit verbauen sie sich ihre Zukunftschancen und geben ihren Familien nicht die finanzielle Sicherheit, die sie dank ihrer Mittel eigentlich gewährleisten könnten.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurden zahlreiche Projekte von internationalen sowie nationalen oder lokalen Finanzorganisationen ins Leben gerufen. Für Luxemburg ist in diesem Zusammenhang Lëtzfin zu nennen. Die Website wurde eingerichtet, um Verbrauchern und Jugendlichen zu erklären, wie sie ihr Budget besser verwalten und vor allem eine Überschuldung vermeiden können, die sogar bei Haushalten mit hohem Einkommen noch immer vorkommt. Auch mit unserer myLIFE-Plattform möchten wir Sie bei der täglichen Verwaltung Ihrer Finanzen und der Verwirklichung Ihrer privaten und beruflichen Ziele unterstützen.

Diese Initiativen haben eine positive Wirkung und liegen im öffentlichen Interesse. Dennoch gibt es bisher keine Studien, die die langfristige Wirksamkeit von finanzieller Bildung im außerschulischen, schulischen oder akademischen Unterricht belegen. Warum? Weil es einen großen Unterschied zwischen Wissen und Handeln gibt. Wissen ist zwar die Voraussetzung für richtiges Handeln, es führt aber nicht automatisch zu einer Verhaltensänderung.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Wissen und Handeln. Wissen ist zwar die Voraussetzung für richtiges Handeln, es führt aber nicht automatisch zu einer Verhaltensänderung.

Beispiel: Sie wissen zwar, dass es nicht gut für Ihre Figur ist, wenn Sie Schokolade oder Kuchen essen. Dennoch können Sie der Versuchung manchmal nicht widerstehen. Wenn immer die kurzfristige Befriedigung im Vordergrund steht, ohne die langfristigen Konsequenzen zu berücksichtigen, hilft auch das beste Finanzwissen nichts. Es ist ähnlich wie bei Leuten, die sich das Rauchen nicht abgewöhnen können oder wollen, obwohl niemand die damit verbundenen langfristigen negativen Folgen für die Gesundheit bestreitet. Beim Thema Geld ist die Situation nicht anders. Finanzielle Bildung ist zwar äußerst wichtig, doch auch das Umfeld und die Gewohnheiten spielen eine entscheidende Rolle. Genau da muss man ansetzen. Dies gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Gute Gewohnheiten

Finanzielle Bildung hilft, die Ursachen von Geldproblemen zu verstehen. Doch auch dann werden weiterhin irrationale Entscheidungen getroffen. Wenn man nicht aufpasst, kann es vorkommen, dass man sein Wissen nicht immer konsequent umsetzt. Die Neigung, Dinge vor sich herzuschieben, das Streben nach sofortiger Belohnung, mangelnde Selbstbeherrschung und die Schwierigkeit, Gewohnheiten aufzugeben und Verhalten zu ändern, sind Hindernisse bei der täglichen Umsetzung.

Als treuer Leser von myLIFE wissen Sie, dass es nicht so einfach ist, sich gute Gewohnheiten anzueignen. Manchmal hindern uns kognitive Verzerrungen und unsere Emotionen daran, rational zu handeln. So stehen auch Erwachsene, die sich bemühen, ihre Finanzen solide zu verwalten, vor Herausforderungen wie der Versuchung, Geld sofort auszugeben, statt zu sparen, oder der Neigung, sich bei Entscheidungen nach anderen zu richten,  ohne dabei die eigenen Ziele zu berücksichtigen.

Wenn Selbstdisziplin schon für Erwachsene schwierig ist, ist sie dann für Kinder nicht noch schwieriger? Eigentlich nicht. Wenngleich die Anwendungsbereiche unterschiedlich sind, sind die Mechanismen, die es zu überwinden gilt, im Wesentlichen dieselben.

Die Reaktionen von Kindern unterscheiden sich nicht wesentlich von denen Erwachsener. Es geht lediglich um unterschiedliche Situationen.

Erwachsene und Kinder stehen vor den gleichen Herausforderungen

Ein guter Umgang mit Geld ist zum einen eine Frage der finanziellen Bildung, zum anderen aber auch eine Frage der Gewohnheiten, die man sich aneignet. Wenn man genau hinschaut, unterscheiden sich die Reaktionen von Kindern nicht wesentlich von denen Erwachsener. Es geht lediglich um unterschiedliche Situationen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum bei Ihrem Kind die Tränen auch dann noch weiter kullerten, als Sie ihm nach dem Verlust seines Kuscheltiers ein identisches Exemplar beschafft hatten? Die Antwort ist ganz einfach: Ihr Kind steht unter dem Einfluss des Besitztumseffekts, der auch als Endowment-Effekt bekannt ist. Einfach ausgedrückt: Es misst dem, was es besitzt, mehr Wert bei als vergleichbaren Dingen, die ihm als Ersatz angeboten werden. Es ist letztlich nicht viel anders als bei einem Erwachsenen, der sich hartnäckig weigert, seine seit vielen Jahren gehaltenen Aktien zu veräußern, selbst wenn sie ständig an Wert verlieren. Die Emotionen behalten die Oberhand, auch wenn Ihnen Ihr Verstand sagt, dass Sie sich mit dem Verlust abfinden und nach vorne schauen sollten.

Und warum gefällt Ihrem Sohn der neue Traktor nicht, den Sie ihm gekauft haben? Warum erzählt er Ihnen ständig von dem viel schöneren Traktor seines Klassenkameraden? Tatsächlich orientiert sich Ihr Kind einfach an Bezugspunkten. Es schätzt seine Bedürfnisse nicht rational ein, sondern vergleicht sich ständig mit Gleichaltrigen. Das mag Ihnen kindisch vorkommen, wenn es um seinen Traktor geht. Aber unterscheidet sich dies wirklich von Ihrem Wunsch, ein neues Auto zu kaufen, weil sich der Nachbar gerade ein neues Modell zugelegt hat?

Sie sind sich bewusst, dass Sie in Geldfragen durchaus Fehler machen und fühlen sich unwohl bei dem Thema? Sie ziehen es vor, mit Ihren Kindern über Geld zu sprechen, wenn sie älter sind? Das ist keine gute Idee!

Vor dem siebten Lebensjahr

Ihre Kinder verhalten sich nicht mehr oder weniger rational als Sie. Sie haben aber einen großen Vorteil: Sie haben noch keine schlechten Angewohnheiten entwickelt, die sie sich abgewöhnen müssen! Somit haben Sie einen großen Einfluss auf ihr späteres Verhalten in Sachen Finanzen. Darüber hinaus haben viele Studien gezeigt, dass Kinder verstehen wollen, wie Geld funktioniert. Je früher sie damit beginnen, desto besser!

Finanzielle Gewohnheiten entwickeln sich bereits im Alter von sieben Jahren!

Gewohnheiten und Einstellungen in Bezug auf Geld entwickeln sich viel früher, als die meisten glauben. Studien von David Whitebread und Sue Bingham der Universität Cambridge haben gezeigt, dass sich finanzielle Gewohnheiten bereits im Alter von sieben Jahren entwickeln!

In späteren Jahren ist es sehr viel schwerer, Gewohnheiten wieder abzulegen. Das erklärt, warum finanzielle Bildung nicht immer den gewünschten Effekt hat. Doch auch später lässt sich durchaus noch eine positive Wirkung erzielen. Die Einstellung zum Geld zu ändern, ist dann jedoch sehr viel aufwendiger. Diese Ausführungen sollen vor allem eines verdeutlichen: Man sollte besser früher als später mit der finanziellen Bildung beginnen! Praktische Tipps finden Sie in dem Artikel von myLIFE „Finanzielle Bildung für Kinder“.