Meine Finanzen, meine Projekte, mein Leben
Oktober 19, 2020

Kann man sich bei Finanzangelegenheiten auf seine Intuition verlassen?

Ob es ums Investieren, Kaufen oder Anlegen von Erspartem geht – Sie haben das Gefühl, dass jetzt der richtige Moment ist, um etwas zu tun. Können Sie Ihrem Gefühl folgen, oder ist Intuition eher ein schlechter Ratgeber? Es geht gar nicht so sehr um das Für und Wider Ihrer Intuition, sondern vielmehr darum, die Bereiche und Umstände zu ermitteln, bei denen sie durchaus ihre Berechtigung hat, und diejenigen, bei denen es sinnvoller ist, einen Finanzexperten zurate zu ziehen.

Intuition ist immer ein heikles Thema. Es kann schwierig sein, zwischen hilfreichem Instinkt und trügerischer Illusion zu unterscheiden. In diesem Beitrag hilft Ihnen myLIFE dabei herauszufinden, wann Sie Ihrer Intuition trauen können und wann Sie den Rat eines Experten in Anspruch nehmen sollten, um bei der Verwaltung Ihres Geldes keine schwerwiegenden Fehler zu machen.

Zwischen Intuition und vermeintlichem Wissen unterscheiden

Auch wenn man sie leicht erkennt, lässt sich Intuition nur schwer beschreiben. Viele sind mit ihren eigenen Intuitionen vertraut und bewundern Personen, die selbstbewusst einen gewissen „Instinkt“ an den Tag legen, um komplexe Situationen zu meistern.

Intuition ist die Fähigkeit, eine Kenntnis oder ein direktes Verständnis zu erlangen, ohne dass dabei rationales Denken oder logische Schlussfolgerungen eine offensichtliche Rolle spielen.

Als Produkt einer wahren Hirnwallung ist Intuition eine Form von unmittelbarer Erkenntnis, die wir auf anderem Wege nicht gewonnen hätten und die sich uns in Form von tiefen Gefühlen, Wahrnehmungen und Instinkten offenbart. Diese scheinen uns eine neue Sichtweise zu vermitteln – ein Gespür für die Welt, die uns umgibt. Alles in allem ist Intuition die Fähigkeit, eine Kenntnis oder ein direktes Verständnis zu erlangen, ohne dass dabei rationales Denken oder logische Schlussfolgerungen eine offensichtliche Rolle spielen. Das bedeutet nicht, dass sie völlig irrational ist oder es nicht wert wäre, berücksichtigt zu werden. Man kann einer Expertenintuition durchaus trauen, sofern man in der Lage ist, sie nicht mit vermeintlichem Wissen zu verwechseln.

In seiner Artikelserie zum Thema Verhaltensökonomik warnt myLIFE Sie vor all diesen irrationalen Gedanken, die sich aus kognitiven Verzerrungen ergeben, die unbewusst unser Urteil verfälschen. Und wir haben gesehen, dass das Spektrum unserer kognitiven Verzerrungen beeindruckend breit ist. Was wir für Intuition halten, kann beispielsweise Ausdruck übermäßigen Vertrauens und eines Bestätigungsfehlers sein, der darin besteht, nur die Informationen zu berücksichtigen, die die Gültigkeit unserer Meinungen und Wertesysteme bestätigen.

So kann es etwa passieren, dass Sie in Bezug auf die Anlage Ihrer Ersparnisse so sehr Recht haben wollen, dass Sie unbewusst nur die Informationen berücksichtigen, die Ihre Gedankengänge bestätigen, um sich auf diese Weise eine einfache Geschichte zurechtzulegen, die in Ihrem Kopf mühelos zusammenpasst. Das Ergebnis: Sie ersetzen die komplexe Realität des Anlegens durch eine völlig fehl geleitete mentale Illusion, die Sie in Ihren getroffenen Entscheidungen bestätigt.

Was wir für eine zulässige Intuition halten, kann durchaus das Ergebnis von Impulsen, Vorurteilen, Illusionen und Einflüssen von Dingen in unserer Umgebung sein. Wie vermeidet man das? Indem man sich dazu zwingt, die Gefühle der Gewissheit, die unsere Intuition begleiten, gründlich zu prüfen. Man muss lernen, seine Gefühle so effizient wie möglich zu sortieren, um jegliche kognitive Illusion, die den Entscheidungsprozess beeinträchtigen könnte, zu vermeiden.

Es gibt durchaus eine verlässliche Expertenintuition, aber es müssen mehrere Voraussetzungen gegeben sein, damit sie entstehen kann.

Eine durch Erfahrung erworbene intuitive Kompetenz

Wir haben alle schon einmal von dieser Expertenintuition gehört, die den ganzen Unterschied ausmacht. Da ist dieser Trader, der in der Überzeugung, genau zu wissen, was er tut, plötzlich eine neue Position aufnimmt, die auf einem Markt Gewinne einbringt. Da ist dieser Chirurg, der sich mitten in der Operation plötzlich für das eine statt für das andere Verfahren entscheidet, um das Leben eines Patienten retten zu können. Diese Fälle zeigen, dass es durchaus eine verlässliche Expertenintuition gibt, aber es müssen mehrere Voraussetzungen gegeben sein, damit sie entstehen kann.

Zunächst sind unsere spontanen Urteile eher in den Bereichen verlässlich, in denen wir gewisse Kompetenzen erworben haben. Man sollte sich nichts vormachen – diese intuitiven Expertenkompetenzen erwirbt man nach Jahren der Erfahrung und der Praxis, die in unserem Gehirn gespeichert sind. Auch wenn er es nicht explizit formuliert, vermag ein Experte eine Situation mit vorhersehbarem Ergebnis, die eine stabile, schon einmal angetroffene Struktur aufweist, zu erkennen. Unter diesen Umständen tut er gut daran, seinem professionellen Instinkt zu folgen.

Wenn hingegen die Situation nicht vorhersehbar und neu ist, wenn beispielsweise an den Finanzmärkten aufgrund außergewöhnlicher Umstände Turbulenzen herrschen, stößt auch die Expertenintuition an ihre Grenzen. Ein Finanzexperte, der auch Bescheidenheit an den Tag legen kann, weiß, dass es besser ist, vorsichtig zu sein und in Ruhe die verfügbaren Informationen zu analysieren, bevor man eine Entscheidung trifft, statt sich allein auf seinen Instinkt zu verlassen. Selbst ein erfahrener Anleger, der ein Experte auf seinem Gebiet ist, muss besonders wachsam sein, wenn die Lage an den Märkten unvorhersehbar wird und die Gefahr eines erheblichen Kapitalverlusts droht.

Daher sollte man Intuition nicht mit einer Art Weissagung oder Coué-Methode verwechseln, mit der sich die Zukunft angeblich positiv beeinflussen lässt. Wenn Sie früher selbst schon mehrfach falsch in ein bestimmtes Finanzprodukt investiert haben, ist es nicht Intuition, sich vorzustellen, dass Sie dieses Mal ein glückliches Händchen haben werden, sondern vielmehr eine gefährliche Illusion. Wie Albert Einstein einmal gesagt haben soll: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Hier scheint es dringend geboten, sich in die Expertenhände Ihres Kundenbetreuers zu begeben, statt sich zu verrennen.

Unsere Expertenurteile sind auch verlässlicher, wenn unsere Emotionen nicht die Oberhand gewinnen. Wenn die Situation zu viele Emotionen erzeugt, ist Gefahr im Verzug. So operieren Chirurgen niemals eigene Familienangehörige, weil sie wissen, dass Gefühle und Affekte im Spiel sind, die ihr Expertenurteil beeinträchtigen und ihre Fähigkeiten einschränken. Dies kann auch der Fall sein, wenn man sein eigenes Geld anlegt, vor allem wenn an den Märkten hohe Volatilität herrscht.

So wie ein Chirurg einen Kollegen seine Angehörigen operieren lassen würde, ist es beim Erhalt Ihres Vermögens auch besser, dies einem Finanzexperten zu überlassen, der die Dinge mit mehr Abstand betrachtet. Im Gegensatz zu Ihnen wird er in der Lage sein, einen kühlen Kopf zu bewahren, und wird Ihnen seine Erfahrung und seine rationale Entscheidungsfindung zugutekommen lassen.

Denken Sie daran, dass Intuition zwar wichtig ist, aber nicht für bare Münze genommen werden sollte. Dieses spontane Urteil sollte als Ausgangspunkt für weitergehende Überlegungen dienen, zu denen weitere Meinungen und Informationen herangezogen werden sollten, um ihre Gültigkeit in einem bestimmten Umfeld zu bestätigen. Es ist absolut keine Schande, seinen Mangel an Erfahrung oder Kompetenzen in einem bestimmten Bereich einzugestehen.

Im Übrigen haben auch die Kompetenzen Ihres Kundenbetreuers ihre Grenzen. Auch wenn er vorhandene Produktangebote und die verschiedenen Anlagestrategien genau kennt, ist er kein Experte für den Lauf des Lebens. Und gewiss kein Experte für Ihr Leben! Stützen Sie sich auf seine finanziellen Kompetenzen, aber verschaffen Sie sich ein Höchstmaß an Klarheit über Ihre Ambitionen und Wünsche im Leben, um ihm zu helfen, Sie zur bestmöglichen Option zu führen. Jedem sein Spezialgebiet.

Stärken Sie Ihre Intuition

Und wenn Sie der Experte Ihrer selbst würden? Dazu sollten Sie nicht die Hände in den Schoß legen und abwarten, bis Ihnen eine Idee kommt. Nutzen Sie Ihre intuitive Intelligenz und vereinbaren Sie mit einem klaren Blick auf Ihre Lebensentscheidungen und Ansprüche einen Termin mit Ihrem Kundenbetreuer. Intuition muss man erarbeiten und trainieren wie einen Muskel. Sie müssen in sich hineinschauen und verschiedene Optionen prüfen und das, woran Sie glauben und wovon Sie überzeugt sind, hinterfragen. Um die Verlässlichkeit Ihrer Intuition zu testen, sollten Sie sich zwingen, ganz besonders auf Informationen zu achten, die ihr zuwiderlaufen. Wir laden Sie ein, folgende kleine Übung zu machen.

Schritt 1: Denken Sie an eine Situation, in der Sie sich auf Ihre Intuition verlassen haben und zu einem positiven Ergebnis gekommen sind. Um welchen Kontext handelte es sich? Was ist geschehen, und wie sah das Ergebnis aus? Können Sie die Faktoren benennen, die Sie veranlasst haben, Ihrer Intuition zu folgen? Beschreiben Sie sie.

Schritt 2: Denken Sie an eine Situation, in der Sie sich auf Ihre Intuition verlassen haben und zu einem negativen Ergebnis gekommen sind. Um welchen Kontext handelte es sich? Was ist geschehen, und wie sah das Ergebnis aus? Können Sie die Faktoren benennen, die Sie veranlasst haben, Ihrer Intuition zu folgen? Beschreiben Sie sie.

Schritt 3: Ziehen Sie daraus Schlüsse über Ihre persönlichen Überzeugungen und über die Bereiche und die Umstände, in denen Sie Ihrer Intuition trauen können.

Wenn Sie das getan haben, sind Sie gut vorbereitet für ein Gespräch mit Ihrem Kundenbetreuer. Doch denken Sie daran: Er ist der Finanzexperte, aber Sie sind der Experte für den Lauf Ihres Lebens. Wenn Sie Unterstützung suchen, fragen Sie ihn nicht „Was soll ich tun?“. Fragen Sie ihn vielmehr auf der Grundlage Ihrer Situation und ihrer Werte „Wie erreiche ich dieses oder jenes Ziel?“. Diese Informationen sind fester Bestandteil Ihres Anlegerprofils und helfen Ihrem Kundenbetreuer, das Gespräch mit Ihnen optimal zu gestalten. Denn Ihr Anlegerprofil umfasst Ihre Kenntnisse und Erfahrungen, Ihre Fähigkeit, Verluste zu tragen, Ihre Anlageziele und das Niveau Ihres Verständnisses der Märkte. Teilen Sie ihm also Ihre genauen Ziele, Ihre persönlichen Werte, die diesen Zielen zugrunde liegen, und die möglichen Kompromisse mit, um in Abhängigkeit von Ihrem Profil die Risiken zu minimieren.

Denken Sie bei all dem aber immer daran, dass Sie selbst das letzte Wort haben. Allein Ihre Intuition kann Ihnen sagen, ob Ihre Entscheidung mit Ihren grundlegenden Werten in Einklang steht. Tiefe innere Ausgeglichenheit gegenüber einer zu treffenden Entscheidung ist immer ein positiver Faktor.