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Februar 27, 2024

Können alternative Anlagen finanzieller Volatilität entgegenwirken?

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH Juni 21, 2018 7583

Seit der globalen Finanzkrise herrschten recht freundliche wirtschaftliche und geldpolitische Bedingungen, die insbesondere Anlagen am US-Aktienmarkt zugutekamen. Doch nun müssen sich die Anleger auf ein neues Umfeld mit höheren Inflationsraten und Turbulenzen an den Kapitalmärkten einstellen. Können nicht-traditionelle Anlagen angesichts der wieder zunehmenden Marktvolatilität von Vorteil sein?

Vor fünfzehn Jahren führten die Zentralbanken weltweit extrem niedrige Zinssätze und die quantitative Lockerung ein, um die nach der globalen Finanzkrise wankende Weltwirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Im Zuge der COVID-19-Pandemie wurden diese unterstützenden Maßnahmen noch verstärkt, um die Auswirkungen der Beschränkungen abzufedern und einen starken globalen Abschwung zu vermeiden.

Die inzwischen erfolgte wirtschaftliche Erholung hat die Zentralbanken veranlasst, ihre Ankaufprogramme zu beenden. Zugleich löste sie einen Anstieg der Inflation auf das höchste Niveau seit 40 Jahren aus und führte zu entsprechenden Zinsanhebungen. Händler und Anleger, die sich jahrelang über die Gefahr einer dauerhaften Deflation nach japanischem Vorbild sorgten, sind nun mit einem inflationären Umfeld konfrontiert, das für die meisten von ihnen völlig neu ist. Die Aktienmärkte bieten heute kein garantiertes Vermögenswachstum mehr. Sollten Anleger daher nicht-traditionelle Anlageoptionen erwägen, um die Abwärtsrisiken ihrer Portfolios auszugleichen und weiterhin inflationsgeschützte Renditen zu ermöglichen?

Absolute-Return-Fonds

Absolute-Return-Fonds kamen Anfang der 2000er Jahre in Mode. Sie streben positive Renditen an, statt einfach nur zu versuchen, in einer bestimmten Anlageklasse (die unter Umständen sogar nachgibt) besser abzuschneiden als andere Fonds. Allerdings haben sie sich nicht immer so entwickelt wie erwartet. Dies trifft insbesondere auf die von geringen Konjunkturschwankungen und niedriger Inflation geprägte Ära der „Großen Mäßigung“ der 2010er Jahre zu. Der Begriff der absoluten Rendite ist zudem nicht einheitlich definiert und wird in Bezug auf eine ganze Reihe von Anlagestrategien verwendet, die oft recht wenig gemeinsam haben.

Einige Fonds wollen jedes Jahr eine absolute Rendite erzielen, andere streben dies über gleitende Zeiträume von häufig drei Jahren an.

Sie können in Aktien, Anleihen oder andere Anlagen wie Devisen investieren. Einige der erfolgreicheren Strategien sind ähnlich wie Global-Macro-Hedegefonds ausgerichtet; sie kombinieren mehrere verschiedene Anlageklassen und wenden von dieser Art Fonds häufig genutzte Techniken an, beispielsweise Leerverkäufe. Einige Fonds wollen jedes Jahr eine absolute Rendite erzielen, andere streben dies über gleitende Zeiträume von häufig drei Jahren an.

Über die letzten zwei Jahrzehnte haben die Entwicklungen der Märkte erhebliche Performanceunterschiede offenbart. Während einige Fonds Jahr für Jahr die versprochenen stetigen Renditen erzielt haben, glich die Entwicklung von anderen auffallend jener an den Aktienmärkten, sodass die Anleger nicht von der Diversifizierung und Konsistenz profitierten, die das Absolute-Return-Konzept in Aussicht stellte. Die besten Fonds weisen eine niedrige Volatilität und relativ geringe Wertrückgänge auf, doch das trifft längst nicht auf alle Produkte in dem Sektor zu.

In einem Umfeld, in dem die Kapitalmärkte wieder von Volatilität gekennzeichnet sind, könnten Absolute-Return-Fonds eine stabilisierende Rolle in einem Portfolio spielen. Die Anleger müssen aber sicherstellen, dass der ausgewählte Fonds – und das Angebot in diesem Bereich ist heute wesentlich schmaler als noch vor 20 Jahren – wirklich die ihren Anforderungen entsprechenden Merkmale aufweist. Dabei ist zu beachten, dass die in der Vergangenheit erzielte Wertentwicklung unter stark abweichenden Marktbedingungen eventuell nicht erneut erreicht werden kann.

Luxusgüter und Sammlerobjekte

In Zeiten, in denen traditionelle Vermögenswerte scheinbar mit höheren Risiken behaftet sind, besitzen materielle Gegenstände einen gewissen Reiz, vor allem edle Weine, Kunstobjekte oder Schmuck. Sie alle haben den Vorteil, Anlegern inneren Wert bieten zu können. Allerdings haben Anlagen dieser Art auch einen Haken: Sie werden gewöhnlich von vermögenden Menschen gekauft, und alles, was sich auf deren Vermögen auswirkt, kann das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage – mithin die Preise und die Liquidität – verändern. Das bedeutet, dass Luxusgüter und Sammlerstücke auch mit der Entwicklung der Wirtschaft insgesamt korrelieren können. Darüber hinaus kann die Bewertung von Vermögensgegenständen, die keinen objektiv messbaren Preis haben, eine höchst subjektive Angelegenheit sein.

Laut dem Weinhändler Berry Brothers & Rudd haben die globale Finanzkrise und die anschließende Rezession ab Ende 2008 die Preise für edle Weine massiv gedrückt. Jedoch sei der Markt bis zum Jahr 2010 wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Nach Angaben des Unternehmens sollten Anleger Wein als Anlage mit einem Anlagehorizont von acht bis zehn Jahren ansehen, wenngleich die „finanzielle Reife“ eines Weins gewöhnlich seine Trinkreife widerspiegelt, die er zuweilen erst nach 20 Jahren oder noch längerer Zeit erreicht.

Ein entscheidender Punkt beim Wein: Er lässt sich immer noch als Getränk genießen, falls er als Anlage einmal nicht erfolgreich sein sollte.

Das Angebot an den besten Weinen der Welt variiert zwar von Jahrgang zu Jahrgang, ist aber stets begrenzt, und die Nachfrage wird in der Regel von der internationalen Elite gestützt – zu der auch chinesische Anleger zählen, die bei erstklassigem Bordeaux auf den Geschmack gekommen sind. Ein entscheidender Punkt beim Wein: Er lässt sich immer noch als Getränk genießen, falls er als Anlage einmal nicht erfolgreich sein sollte.

Der internationale Kunstmarkt hat ebenfalls seine eigenen Gesetze, und viele vermögende Anleger kaufen Objekte in der Absicht, sie auszustellen oder ihren Anblick privat zu genießen, und nicht, um Gewinne zu erzielen. Der Gedanke, den nächsten Damien Hirst zu entdecken, wenn dieser noch an einer Kunsthochschule studiert, ist verlockend, auch wenn dabei ambitionierte Sammler mit gewieften Kunsthändlern und erfahrenen Anlegern konkurrieren. Anleger dürften mehr Glück haben, wenn sie mit einem Händler zusammenarbeiten, der eine gute Erfolgsbilanz in Bezug auf das Erkennen neuer Talente vorweisen kann.

Edelmetalle

Anleger kaufen nicht selten Gold als Absicherung gegen bestimmte Risiken, insbesondere zum Schutz vor der Inflation und einer Währungsabwertung, als „sicheren Hafen“ in Zeiten, in denen die Weltwirtschaft massiv unter Druck steht, oder um des Goldes selbst willen, etwa als Schmuck. In den Jahren des Aktienmarktbooms erwies sich Gold als schlechtes Investment. Derzeit ist es aber wieder gefragter, da sich die Anleger allmählich Sorgen über die Entwicklung öffentlich gehandelter Wertpapieren machen und eine langfristig hohe Inflation für möglich halten.

Mit der zurückgewonnenen Popularität könnte es aber auch bald wieder vorbei sein, wenn infolge der höheren Realrenditen Anleihen künftig für Anleger attraktiver werden. Prognosen, denen zufolge Kryptowährungen und ihre Attraktivität für jüngere Anlegergenerationen die Anziehungskraft von Gold schmälern könnten, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Wenn überhaupt, haben die Pandemie und die anschließenden wirtschaftlichen und finanziellen Turbulenzen die Nachfrage nach Gold verstärkt – zumindest seitens der Zentralbanken und Regierungen, die das Edelmetall als Absicherung gegen einen schwächelnden US-Dollar sehen.

Rohstoffe und Landwirtschaft

Rohstoffe dienen regelmäßig als Absicherung gegen die Inflation, denn wenn die Weltwirtschaft wächst, steigen die Nachfrage und die Preise. Diese Korrelation könnte nun an Relevanz verlieren. In den ersten zwei Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts hat das Wirtschaftswachstum nämlich nicht mehr so viel mehr Nachfrage nach Rohstoffen generiert wie zuvor.

Nach der langen Expansion während des Infrastrukturbooms in China haben sich die Rohstoffpreise in den letzten Jahren schwächer entwickelt und unterlagen Schwankungen aufgrund der COVID-19-Krise.

Nach der langen Expansion während des Infrastrukturbooms in China haben sich die Rohstoffpreise in den letzten Jahren schwächer entwickelt und unterlagen Schwankungen aufgrund der COVID-19-Krise. Bei Rohstoffanlagen müssen Anleger nun nicht mehr mit einzelnen Sojabohnen-Futures handeln. Das liegt an der Entstehung börsennotierter Fonds, die einen einfachen, relativ liquiden Zugang zu einem breiten Spektrum von Rohstoffen bieten. Ein weiterer Ansatz besteht darin, in einen spezialisierten und aktiv verwalteten Fonds zu investieren, der in Aktien von Rohstoffunternehmen anlegt.

Die Landwirtschaft ist in den letzten Jahren verstärkt auf Anlegerinteresse gestoßen, da sie ein Sektor ist, der vom Wachstum der Mittelschicht in den Schwellenländern profitiert. Wenn sich der Lebensstandard der Menschen erhöht, essen sie gewöhnlich mehr Fleisch. Dafür wird mehr Getreide benötigt, was zu einer Aufwärtsspirale in der Agrarwirtschaft führt.

Die Preise werden aber auch durch Gefahren wie den Klimawandel und politische Unruhen beeinflusst. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass die Agrarproduktion bis 2050 um 70% steigen muss, damit es für die prognostizierte Weltbevölkerung von dann neun Milliarden Menschen – gegenüber knapp über acht Milliarden Menschen heute – genug Nahrung gibt. Einige Anleger meiden Agrarrohstoffe jedoch, weil ihre Grundsätze oder Portfoliorichtlinien Anlagen verbieten, die als Spekulation auf die globale Ernährungssicherheit ausgelegt werden könnten.

Nutzholz ist eine ähnliche Anlageklasse in diesem Bereich, die aufgrund ihres eigentlichen Werts als Rohstoff und ihrer Funktion zur Streuung und Minderung des Gesamtrisikos in einem Portfolio in den Blick genommen wird. Es ist zudem eine Absicherung gegen die Inflation, da sich die Preise für Grund und Boden gewöhnlich parallel zu den Zinssätzen von Immobilienkrediten entwickeln, die ihrerseits an die Zentralbankzinsen gekoppelt sind. Anlagen in Vermögenswerten mit Bezug zu Nutzholz sind direkt über den Erwerb von Grund und Boden oder über Anlageinstrumente wie spezialisierte REITs oder börsengehandelte Fonds möglich.

Von Währungen bis Katastrophen

Andere Arten von Anlagen, die früher institutionellen Anlegern vorbehalten waren, sind mittlerweile nichts Exotisches mehr. Wagniskapital bietet Anlegern die Möglichkeit, von wachstumsstarken Unternehmen zu profitieren, zuweilen auch durch großzügige Steuerermäßigungen. Bei Private-Equity-Anlagen können hohe Erträge erzielt werden, indem der Zustand von günstig erworbenen Unternehmen mithilfe von Fremdfinanzierungen verbessert wird.

Aktuell finden Handelsfinanzierungen als Anlageprodukte zunehmend Einzug in den Mainstream, nachdem sie lange vernachlässigt worden waren, weil die Anlageklasse selbst und ihr wegen des geringen Kredit- und Ausfallrisikos attraktives langfristiges Risiko-Rendite-Profil kaum bekannt waren. Eine weitere Anlagemöglichkeit sind Währungsfonds. Diese entwickeln sich nicht unbedingt parallel zum Anleihen- und Aktienmarkt, da stets eine Währung gegen eine andere gehandelt wird.

Dann gibt es noch Fonds, die in Katastrophenanleihen investieren, bei denen die Rendite sehr viel stärker von extremen Wetterereignissen als von wirtschaftlichen Störfaktoren abhängig ist. Alle diese Anlagen können nützlich sein, um eine höhere Portfoliostabilität zu erreichen, wenn das Umfeld an den klassischen Kapitalmärkten volatiler ist.

In Zeiten, in denen traditionelle Vermögenswerte scheinbar mit höheren Risiken behaftet sind, besitzen materielle Gegenstände einen gewissen Reiz, vor allem edle Weine, Kunstobjekte oder Schmuck. Sie alle haben den Vorteil, Anlegern inneren Wert bieten zu können.