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August 10, 2022

Chancen und Risiken bei Anlagen in Wertgegenständen

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH März 23, 2018 330

Mit ihrem Faible für Juwelen hat die Schauspielerin Elizabeth Taylor bei Anlagen in Sammlerobjekten Maßstäbe gesetzt. 2011 wurde bei der Versteigerung der „Sammlung Elizabeth Taylor“ bei Christie‘s in New York einen Gesamterlös von 156.756.576 US-Dollar erzielt. Dabei wechselten 24 der 80 in der Auktion angebotenen Juwelen für mehr als 1 Million US-Dollar den Besitzer, und sechs Objekte wurden für über 5 Millionen US-Dollar verkauft. Elizabeth Taylor hatte ihr Vermögen wahrhaft gern vor Augen. Wäre eine solche Anlage vielleicht auch etwas für Sie?

In Zeiten, in denen die weltweiten Aktienmärkte neue Allzeithochs erreichen und digitale Kryptowährungen den neuesten Anlagetrend darstellen, ist die Versuchung groß, auf die Sicherheit materieller Werte zurückzugreifen, d.h. Anlagen, die man tragen, trinken oder an die Wand hängen kann. Wenngleich der Wert dieser Anlagen nur bei wenigen Anlegern die schwindelerregenden Höhen der Sammlung von Elizabeth Taylor erreichen wird, finden sich Kostbarkeiten, wie edle Weine, Kunstwerke, Gold oder Antiquitäten, doch in vielen Portfolios.

Diese Vermögenswerte sind alles andere als homogen, denn sie verfügen über unterschiedliche Märkte und spezifische Merkmale. Auf Gold wird etwa gerne zurückgegriffen, wenn Märkte oder Volkswirtschaften anfällig erscheinen.

Während der Finanzkrise berichteten die Edelmetallhändler von einem weltweiten Anstieg der Nachfrage nach Goldmünzen sowie kleinen Barren, da die Anleger einen Zusammenbruch der Bankinstitute, die zuvor ihr Vermögen verwahrt hatten, und in der Folge einen Verlust ihres Vermögens befürchteten. Sie entschieden sich daher für die Anlage in einem Vermögenswert, der sich über Generationen hinweg bewährt hat.

Demgegenüber zeigt sich der Kunstmarkt in der Regel lebhafter, wenn innerhalb des Finanzsystems große Mengen Geld im Umlauf sind. Zumindest an bestimmten Märkten entspricht dies häufig Phasen mit kräftigem Wirtschaftswachstum. Bei Antiquitäten kann der Wert von Kunstwerken zudem aufgrund von Trends und der Nachfrage schwanken. Der frühzeitige Kauf von Werken eines beliebten Künstlers bietet ein von der Wirtschaftslage unabhängiges Wertsteigerungspotenzial.

Der größte Reiz dieser Art von Vermögenswerten besteht darin, dass sie greifbar sind.

Diversifizierung

Der größte Reiz dieser Art von Vermögenswerten besteht darin, dass sie greifbar sind. Selbst wenn Kunstwerke keinen Gewinn erzielen, lassen sie sich dennoch betrachten. Edle Weine kann man trinken (obwohl sie auch durchaus zu Essig werden können), und Edelmetalle lassen sich in Form von Schmuck tragen. Das lässt sich von Anlagen am Aktien- oder Anleihenmarkt nicht behaupten – und noch weniger von Kryptowährungen.

Darüber hinaus erfüllen Sammlerobjekte in einem Portfolio auch andere Aufgaben. Im Allgemeinen verändert sich ihr Wert nicht in der gleichen Weise wie herkömmliche Anlagen an Aktien- und Anleihenmärkten. Sie bieten damit einen Ausgleich und verringern die Volatilität eines Portfolios in verschiedenen Marktumfeldern.

Während der weltweiten Finanzkrise legte etwa der Goldpreis stetig um insgesamt mehr als 70% zu, da zwischen 2007 und Januar 2009, als die Märkte für Aktien und Unternehmensanleihen einbrachen, zunehmende Besorgnis über die Stabilität der Banken herrschte.

Der Goldpreis stieg selbst während der Erholung der Aktienkurse weiter, da sich die Staaten mit Währungsabwertungen überboten, um die steigenden Haushaltsdefizite zu verringern, die ihren Ursprung in der Notwendigkeit hatten, angeschlagene Finanzinstitute sowie weitere systemrelevante Unternehmen zu retten oder zu rekapitalisieren.

In diesem Umfeld wurde Gold als sichere Wertanlage erachtet, und im Oktober 2011 erreichte der Goldkurs mit rund dem dreifachen Kursniveau von 2007 seinen Höchststand. Seitdem ist der Goldpreis jedoch gesunken, da die Anleger insbesondere aufgrund der rasch steigenden Aktienkurse und der sich erholenden Volkswirtschaften erneut Vertrauen in die Finanzmärkte fassen.

Der Reiz des Seltenen

Die Entwicklung des Weinmarkts unterliegt ebenfalls einer Reihe von Faktoren. Einer dieser Faktoren ist gewiss die Nachfrage aus Asien, die wiederum von der wirtschaftlichen Verfassung Chinas abhängt, welche ebenfalls erheblichen Einfluss auf die Aktienmärkte hat. Wichtiger für den Weinmarkt ist jedoch die Angebotsseite, die in erster Linie von den Wetterbedingungen beeinflusst wird. So brach etwa in Frankreich im vergangenen Jahr nach starkem Frost sowie Hitzewellen die Traubenernte ein, wodurch das Weinangebot, insbesondere aus der Region um Bordeaux, sank.

Der Reiz dieser Anlageklasse liegt zum Teil an der Seltenheit der Objekte – die „Sonnenblumen“ von van Gogh gibt es nur ein Mal und vom Chateau Margaux Jahrgang 1875 existieren nur wenige Flaschen. Das Angebot an physischen Vermögenswerten ist begrenzt und kann auch bei steigender Nachfrage nicht erhöht werden, woraufhin die Preise steigen. Hierin liegt ein Teil des Reizes dieser Anlageklasse.

Zumindest wenn man kein Milliardär ist, gestaltet sich eine Anlage in vielen Fällen jedoch schwierig. Vor allem das obere Ende der Preisskala des Kunstmarktes entwickelt sich zunehmend unabhängig von anderen Vermögenswerten. Im vergangenen Mai wurde Jean-Michel Basquiats „Untitled“ (1982) für 110,5 Millionen US-Dollar verkauft und damit für fast doppelt so viel, wie vom Auktionshaus Sotheby‘s veranschlagt worden war. Im November wechselte Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ den Besitzer für 450,3 Millionen US-Dollar.

Für die meisten Anleger sind solche Transaktionen natürlich unvorstellbar, und in der Regel müssen Käufer in dem betreffenden Bereich über Spezialwissen oder zumindest einen vertrauenswürdigen Experten verfügen. Zudem haben verschiedene Gerichtsverfahren jüngst gezeigt, dass die Abhängigkeit von externen Beratern bei extrem teuren Kunstwerken spezifische Risiken birgt.

Wenn Sie Wertgegenstände besitzen, müssen Sie diese auch unter den richtigen Bedingungen aufbewahren, (…) allerdings entstehen Ihnen hierdurch höhere laufende Kosten.

Wenn Sie Wertgegenstände besitzen, müssen Sie diese auch unter den richtigen Bedingungen aufbewahren. Denn es wäre töricht, einen Rembrandt in der Garage oder edlen Wein im Heizungskeller aufzubewahren. Goldbarren lassen sich hingegen im Keller lagern oder gar im Garten vergraben, was jedoch zulasten der Diebstahlsicherheit geht. Es gibt Anbieter, die Wertgegenstände sicher und unter optimalen Bedingungen aufbewahren, allerdings entstehen Ihnen hierdurch höhere laufende Kosten.

Ungewisse Liquidität

Gold stellt eine einfachere Option dar, da Goldmünzen und -barren auch mit einem relativ kleinen Budget erworben werden können. Münzen in kleinerer Stückelung sind leichter aufzubewahren und bieten sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf mehr Flexibilität – im Vergleich zu 20 Goldmünzen gestaltet sich der Verkauf von 20% eines Goldbarrens schwierig. Des Weiteren kann eine Anlage in physischem Gold gegenüber Finanzinstrumenten wie Zertifikaten Steuervorteile bieten. So fallen in Großbritannien zum Beispiel weder Stempelgebühren noch Mehrwertsteuern an.

Für Gold gibt es zudem einen recht liquiden Markt, was keineswegs auf alle Sammlerobjekte zutrifft. Ähnlich wie bei Immobilien findet sich für ein Gemälde oder eine Flasche Wein älteren Jahrgangs nicht stets ein Käufer – zumindest nicht zu dem vom Besitzer verlangten Preis. Viele dieser Vermögenswerte erfordern einen langen Anlagehorizont sowie einen vorsichtigen Ansatz im Hinblick auf die Bewertung und Verkaufsgelegenheiten. Wie bereits angemerkt, sind Anleger ohne Fachwissen höchstwahrscheinlich auf externe Beratung angewiesen.

Leichteren Zugang zu solchen Vermögenswerten erhält man über den Kauf von Derivaten, wie etwa Gold-Futures oder Fonds, die einen Weinindex nachbilden. Mit diesen Instrumenten lässt sich zwar das unmittelbare Problem der Liquidität und der Aufbewahrung umgehen, allerdings kann man die Wertgegenstände nicht „anfassen“. In bestimmten Fällen, wie etwa beim Wein, bilden sie zudem den Preis der Vermögenswerte nicht besonders gut nach, da die Bestände aufgrund geringer Liquidität nur schwierig zu bewerten sind.

Daneben gibt es andere Sammlerobjekte, wie seltene Briefmarken, antike Münzen oder auch Sporttrophäen, mit denen man das Wachstum und die Diversifizierung des Portfolios steigern kann. Obwohl Sie sich vielleicht außer Stande sehen, eine Sammlung à la Elizabeth Taylor aufzubauen, können Sie Ihren Anlagemix durch Wertgegenstände durchaus bereichern.