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Februar 27, 2021

Können alternative Anlagen finanzieller Volatilität entgegenwirken?

  Gesammelt von myLIFE team myWEALTH Juni 21, 2018 480

Seit der globalen Finanzkrise herrschten recht freundliche wirtschaftliche und geldpolitische Bedingungen, die Anlagen am US-Aktienmarkt und mit Abstrichen auch globalen Anleihen zugutekamen. Doch nun müssen sich die Anleger auf die Rückkehr zu einem eher „normalen“ Umfeld einstellen. Können alternative Anlagen der erneuten Zunahme der finanziellen Volatilität entgegenwirken?

Vor zehn Jahren gaben die weltweiten Zentralbanken den Anstoß zu extrem niedrigen Zinssätzen und zur quantitativen Lockerung, um die wankende Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Doch das erneute Wirtschaftswachstum hat zu einer allmählichen Rückkehr zu einer eher traditionellen Geldpolitik geführt. Die US-Notenbank erhöht die Zinssätze seit Dezember 2015 schrittweise; andere Zentralbanken – vor allem in Großbritannien und der EU – fahren die quantitative Lockerung zurück.

Anleger und Händler, die sich jahrelang über die Gefahr einer dauerhaften Deflation nach japanischem Vorbild sorgten, müssen nun wieder über die potenziellen Effekte der Inflation nachdenken. Die Preise vieler traditioneller Vermögenswerte sind heute weniger günstig als in den letzten Jahren, sodass die Anleger eventuell die Aufnahme alternativer Anlagen ins Portfolio in Betracht ziehen sollten, um Abwärtsrisiken zu kompensieren und auf lange Sicht inflationsgeschützte Erträge zu erzielen.

Absolute-Return-Anlagen

Absolute-Return-Fonds kamen Anfang der 2000er-Jahre in Mode. Sie bieten eine positive Rendite, anstatt einfach nur zu versuchen, in einer bestimmten Anlageklasse (die unter Umständen sogar nachgibt) besser abzuschneiden als andere Fonds. Allerdings haben sie sich nicht immer so entwickelt wie erwartet. Zudem ist die Definition vage und deckt häufig eine Reihe von Anlagestrategien ab, die untereinander recht wenig gemeinsam haben.

Einige Fonds wollen jedes Jahr eine absolute Rendite erzielen, andere streben dies über gleitende Zeiträume von vielleicht drei Jahren an.

Sie können in Aktien, Anleihen oder andere Anlagen wie Devisen investieren; einige der erfolgreichsten Strategien kombinieren mehrere verschiedene Anlageklassen und wenden darüber hinaus Techniken an, die man eher mit Hedgefonds verbindet, beispielsweise Leerverkäufe. Einige Fonds wollen jedes Jahr eine absolute Rendite erzielen, andere streben dies über gleitende Zeiträume von vielleicht drei Jahren an.

Die Turbulenzen an den Märkten haben erhebliche Performanceunterschiede offenbart. Während einige Fonds Jahr für Jahr die versprochenen stetigen Erträge erzielt haben, glich die Entwicklung von anderen auffallend jener an den Aktienmärkten, sodass die Anleger nicht von der Diversifizierung und Konsistenz profitierten, die das Absolute-Return-Konzept in Aussicht stellte. Die besten Fonds weisen eine niedrige Volatilität und relativ geringe Wertrückgänge auf, doch das trifft nicht auf alle Produkte in dem Sektor zu.

In einem Umfeld, in dem die Volatilität ganz allmählich an die Finanzmärkte zurückkehrt, können Absolute-Return-Fonds eine stabilisierende Rolle in einem Portfolio spielen. Die Anleger müssen aber sicherstellen, dass der Fonds, den sie auswählen, wirklich die richtigen Merkmale aufweist, um ihren Anforderungen gerecht zu werden. Dabei ist zu beachten, dass die in der Vergangenheit erzielte Wertentwicklung unter anderen Marktbedingungen in der Zukunft eventuell nicht erneut erreicht werden kann.

Luxusgüter und Sammlerobjekte

In Zeiten, in denen anscheinend hohe Risiken an den Finanzmärkten bestehen, haben materielle Gegenstände einen gewissen Reiz, vor allem edle Weine, Kunstobjekte oder Schmuck. Sie alle eignen sich als Wertspeicher, wenn rund um die Weltwirtschaft Unsicherheit herrscht. Allerdings haben Anlagen dieser Art auch einen Haken – sie werden gewöhnlich von vermögenden Menschen gekauft, und alles, was sich auf deren Vermögen auswirkt, kann das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage – mithin die Preise und die Liquidität – verändern. Insofern korrelieren Luxusgüter und Sammlerobjekte selbst auch mit der Stärke oder Schwäche der Wirtschaft insgesamt. Darüber hinaus kann die Bewertung in Sektoren, in denen Vermögensgegenstände keinen objektiv messbaren Preis haben, eine höchst subjektive Angelegenheit sein.

Laut dem Weinhändler Berry Brothers & Rudd haben die globale Finanzkrise und die anschließende Rezession ab Ende 2008 die Preise für edle Weine massiv gedrückt. Jedoch sei der Markt bis zum Jahr 2010 wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Nach Angaben des Unternehmens sollten Anleger Wein als Anlage mit einem Anlagehorizont von acht bis zehn Jahren ansehen, wenngleich die „finanzielle Reife“ eines Weins gewöhnlich seine Trinkreife widerspiegelt, die er zuweilen erst nach 20 Jahren erreicht.

Ein weiterer entscheidender Punkt beim Wein ist, dass er sich immer noch als Getränk genießen lässt, falls er als Anlage einmal nicht erfolgreich sein sollte.

Das Angebot an den besten Weinen der Welt variiert zwar von Jahrgang zu Jahrgang, ist aber stets begrenzt, und die Nachfrage wird in der Regel von der internationalen Elite gestützt – zu der seit Kurzem auch chinesische Anleger zählen, die bei erstklassigem Bordeaux auf den Geschmack gekommen sind. Ein weiterer entscheidender Punkt beim Wein ist, dass er sich immer noch als Getränk genießen lässt, falls er als Anlage einmal nicht erfolgreich sein sollte.

Der internationale Kunstmarkt hat ebenfalls seine eigenen Gesetze, und viele vermögende Anleger kaufen Objekte in der Absicht, sie auch zu zeigen, und nicht, um Gewinne zu erzielen. Der Gedanke, den nächsten Damien Hirst zu entdecken, wenn dieser noch an einer Kunsthochschule studiert, ist verlockend, auch wenn dabei ambitionierte Sammler mit Kunsthändlern und erfahrenen Anlegern konkurrieren. Anleger dürften mehr Glück haben, wenn sie mit einem Händler zusammenarbeiten, der eine gute Erfolgsbilanz vorweisen kann.

Edelmetalle

Anleger kaufen nicht selten Gold als Absicherung gegen bestimmte Risiken, insbesondere zum Schutz vor der Inflation und einer Währungsabwertung, als „sicheren Hafen“ in Zeiten, in denen die Weltwirtschaft massiv unter Druck steht, oder um des Goldes selbst willen, etwa als Schmuck. In den Jahren des Aktienmarktbooms erwies sich Gold als schlechtes Investment, ist seit Kurzem aber wieder gefragter, da sich die Anleger allmählich Sorgen über die Aktien- und Anleihenmärkte machen und beginnen, einen Anstieg der Inflation in die Kurse einzurechnen. Mit der zurückgewonnenen Popularität könnte es aber auch bald wieder vorbei sein, wenn infolge der höheren Renditen Anleihen künftig für Sparer attraktiver werden. Der Aufstieg der Kryptowährungen und der Reiz, den sie auf jüngere Anlegergenerationen ausüben, könnten die Situation – auch die Attraktivität des Goldes – verändern, und zwar in einer Weise, die noch gar nicht absehbar ist. Allerdings könnte das recht schnell gehen.

Aber Goldanleger befinden sich in guter Gesellschaft. Die Regierungen Chinas und Russlands haben in den letzten Jahren massiv Gold gekauft. Die People‘s Bank of China hat ihre Reserven seit Anfang 2000 um mehr als 1447 Tonnen erhöht, während der russische Staat 1406 Tonnen Gold erworben hat – auch als Absicherung gegenüber dem US-Dollar, denn die Goldpreise sind in der Vergangenheit gestiegen, wenn der US-Dollar sank. Für China, den weltweit größten Anleger in US-Staatsanleihen, ist dies ein wichtiger Aspekt.

Rohstoffe und Landwirtschaft

Rohstoffe dienen regelmäßig als Absicherung gegen die Inflation, denn wenn die Weltwirtschaft wächst, steigen die Nachfrage und die Preise. Diese Korrelation könnte nun an Relevanz verlieren. Im 21. Jahrhundert generiert das Wirtschaftswachstum nämlich nicht mehr unbedingt so viel mehr Nachfrage nach Rohstoffen wie noch vor 20 Jahren.

In den letzten Jahren erlebten Rohstoffe nach der langen Expansion während des Infrastrukturbooms in China eine schwache Phase. Die Preise haben sich zuletzt aber stabilisiert und könnten in Zukunft steigen.

In den letzten Jahren erlebten Rohstoffe nach der langen Expansion während des Infrastrukturbooms in China eine schwache Phase. Die Preise haben sich zuletzt aber stabilisiert und könnten in Zukunft steigen. Bei Rohstoffanlagen müssen Anleger nun nicht mehr mit einzelnen Sojabohnen-Futures handeln. Das liegt an der Entstehung börsennotierter Fonds, die einen einfachen, liquiden Zugang zu einem breiten Spektrum von Rohstoffen bieten. Ein weiterer Ansatz besteht darin, in einen spezialisierten und aktiv verwalteten Fonds zu investieren, der in Aktien von Rohstoffunternehmen anlegt.

Die Landwirtschaft ist in den letzten Jahren verstärkt auf Anlegerinteresse gestoßen, da sie ein Sektor ist, der vom Wachstum der Mittelschicht in den Schwellenländern profitiert. Wenn sich der Lebensstandard der Menschen erhöht, essen sie gewöhnlich mehr Fleisch. Dafür wird mehr Getreide benötigt, was zu einer Aufwärtsspirale in der Agrarwirtschaft führt.

Die weltweite Lebensmittelversorgung ist aber auch Gefahren wie dem Klimawandel und politischen Unruhen ausgesetzt, die sich auf die Lebensmittelpreise auswirken. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt, dass die Agrarproduktion bis 2050 um 70% steigen muss, damit es für die prognostizierte Weltbevölkerung von dann neun Milliarden Menschen genug Nahrung gibt. Einige Anleger meiden Agrarrohstoffe jedoch, weil ihre Grundsätze oder Portfoliorichtlinien Anlagen verbieten, die als Spekulation auf die globale Ernährungssicherheit ausgelegt werden könnten.

Nutzholz ist eine weitere Anlageklasse in diesem Bereich, die aufgrund ihres inneren Werts als Rohstoff und der Fähigkeit, das Gesamtrisiko in einem Portfolio zu mindern, Aufmerksamkeit erhält. Es ist zudem eine Absicherung gegen die Inflation, da sich die Preise für Grund und Boden gewöhnlich parallel zu den Zinssätzen von Hypothekenkrediten entwickeln, die ihrerseits an die Zentralbankzinsen gekoppelt sind. Anlagen in Vermögenswerten mit Bezug zu Nutzholz sind direkt über den Erwerb von Grund und Boden oder über Anlageinstrumente wie spezialisierte REITs oder börsengehandelte Fonds möglich.

Von Währungen bis Katastrophen

Andere Arten von Anlagen, die früher institutionellen Anlegern vorbehalten waren, sind mittlerweile nichts Exotisches mehr. Wagniskapital bietet Anlegern die Möglichkeit, von wachstumsstarken Unternehmen zu profitieren, zuweilen auch durch großzügige Steuervergünstigungen. Bei Private-Equity-Anlagen können hohe Erträge erzielt werden, indem angeschlagene Unternehmen, nicht selten mithilfe von Verschuldung, wieder über die Gewinnschwelle gehievt werden.

Aktuell finden Handelsfinanzierungen als Anlageprodukte zunehmend Einzug in den Mainstream, nachdem sie lange vernachlässigt worden waren, weil die Anlageklasse selbst und ihr wegen des geringen Kredit- und Ausfallrisikos attraktives langfristiges Risiko-Rendite-Profil kaum bekannt waren. Schätzungen zufolge umfasste der Markt im März 2017 anlagefähige Vermögenswerte im Wert von über 110 Mrd. USD weltweit.

Währungsfonds haben nicht unbedingt einen Bezug zu den Anleihen- und Aktienmärkten, da stets eine Währung gegen eine andere gehandelt wird. Dann gibt es noch Fonds, die in Katastrophenanleihen investieren, bei denen die Rendite sehr viel stärker von extremen Wetterereignissen als von wirtschaftlichen Störfaktoren abhängig ist. Alle diese Anlagen können nützlich sein, um eine höhere Portfoliostabilität zu erreichen, wenn das Umfeld an den klassischen Finanzmärkten weniger gut vorhersagbar ist.