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August 21, 2019

Wie klappt das mit dem Taschengeld?

  Gesammelt von myLIFE team me&myFAMILY November 2, 2017 24345

Allen Eltern stellt sich die gleiche Frage: Wie halte ich es mit dem Taschengeld für meine Kinder? Ist es notwendig oder nicht? Ab welchem Alter? Welcher Betrag? Wie oft? Auf ein Konto oder in bar? Wir haben zwar kein Patentrezept, aber ein paar gute Tipps, wie Sie an dieses Thema herangehen und die für Sie beste Lösung finden können.

Der Umgang mit Geld muss erlernt werden. Und in einer Gesellschaft, die übermäßigen Konsum fördert, sollte man ihn möglichst schnell erlernen, denn ab einem bestimmten Alter brauchen wir dieses Wissen, um unsere Finanzen richtig verwalten zu können. Genau dazu dient das Taschengeld, das die Kinder von ihren Eltern erhalten und über das sie mehr oder weniger nach eigenem Ermessen verfügen dürfen.

Warum sollte man Taschengeld geben?

Sie sollten zuallererst bedenken, dass Sie nicht verpflichtet sind, Ihren Kindern ein Taschengeld zu geben. Sie als Eltern wählen die für Sie beste Lösung! Aber unabhängig von Ihren Wertvorstellungen ist der Umgang mit Geld doch eine hinreichend wichtige Angelegenheit, über die Sie sich Gedanken machen und mit Ihren Kindern reden sollten. Es könnte fatal sein, wenn Ihre Kinder bis zu ihrem ersten Gehalt nie mit Geld umgehen müssten.

Halten wir zunächst fest, dass Sie kein Taschengeld geben sollten, nur damit Ihr Sohn nicht ausflippt, weil seine Banknachbarin in der Schule welches bekommt, oder weil Ihre Schwiegermutter Ihnen sagt, dass man das so machen muss. Auch nicht, um gute Noten zu erzwingen oder zu belohnen… in der Schule lernen die Kinder für sich selbst! Man kann sich für die Zahlung von Taschengeld entscheiden, weil mehrere stichhaltige Argumente dafür sprechen: die Förderung der Selbstständigkeit, ein konkretes Erfahren des Werts des Geldes und der Tugend des Sparens oder auch die Vorbereitung auf das Leben in einer Gesellschaft, in der Geld einen hohen Stellenwert hat.

Falls es Ihnen bei der Entscheidung hilft: In Luxemburg zahlen 82% der Eltern ihren Kindern ein Taschengeld.

Wann?

Für Ihr Kind zu sparen, ist eine Sache, ihm Geld zu geben, das es selbst verwalten kann, eine andere. Es mag unsinnig erscheinen, ein 5-jähriges Kind ein Budget verwalten zu lassen, aber es spricht nichts dagegen, ihm das Vergnügen zu bereiten, ein Geldstück in seine Spardose zu stecken oder mit ihm gemeinsam eine kleine Nascherei zu kaufen. Der Umgang mit Geld sorgt für ein gutes Verständnis der Grundrechenarten (Addition, Subtraktion). Entsprechend kann ab einem Alter von 8 oder 9 Jahren das Taschengeld zum Erlernen der Verwaltung der eigenen Finanzen sinnvoll sein. Auch der Wechsel auf eine weiterführende Schule stellt eine gute Gelegenheit dar, um mit Ihrem Kind zu reden und ihm Ihre entsprechenden Entscheidungen zu erläutern.

Der Betrag sollte in dem Maße steigen, wie Ihr Kind älter wird. Und im Idealfall steigt mit dem Betrag gleichzeitig die dem Kind übertragene Verantwortung.

Wie viel?

Auch dies ist eine Frage, die Sie entsprechend Ihrem Einkommen, den Bedürfnissen Ihres Kindes und der Verantwortung, die Sie ihm übertragen möchten, beantworten müssen. Der Betrag sollte in dem Maße steigen, wie Ihr Kind älter wird. Und im Idealfall steigt mit dem Betrag gleichzeitig die dem Kind übertragene Verantwortung. So kann beispielweise ein 12-Jähriger pro Woche fünf Euro bekommen, über die er nach Belieben verfügen darf, während seine 16-jährige Schwester jeden Monat 120 Euro erhält, von denen sie ihre Freizeitaktivitäten und ihre Kleiderkäufe bestreiten muss.

Das erhaltene Geld sollte für „altersgemäße“ Dinge und Beschäftigungen verwendet werden. Von Bonbons angefangen über Zeitschriften, Kinobesuche und Kleidung bis hin zu einem Abend in der Studentenkneipe. Laut einer Studie* zahlen luxemburgische Eltern im Schnitt 50 Euro pro Woche an ihre Kinder über 15 Jahre und 10 Euro an ihre Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren. Das ist deutlich mehr als bei unseren europäischen Nachbarn.

Wie?

Ist ein Kind noch klein, kann man ihm mit einer Spardose auf spielerische und konkrete Weise beibringen, sein Geld sprichwörtlich „auf die Seite zu legen“. Einige Bankinstitute in Luxemburg bieten Sparkarten für Kinder unter 12 Jahren an, mit denen sie lernen, Ersparnisse auf ein Sparkonto auf ihren eigenen Namen einzuzahlen… natürlich ohne dass von diesem Konto Geld abgehoben oder überwiesen werden kann.

Später, wenn aus den Kindern Jugendliche werden, ist es sinnvoll, für sie ein Girokonto bei einer Bank einzurichten. Dies ist eine wichtige Etappe beim Erlernen des Umgangs mit Geld. Geben Sie Ihrem Kind beispielsweise sein Taschengeld in bar, damit es den Betrag selbst aufs Konto einzahlen kann. Und ermuntern Sie es, immer ein wenig Geld auf die Seite zu legen, damit es sich in ein paar Monaten das teure Videospiel kaufen kann, das es sich so sehr wünscht. Sie können auch bestimmte größere Käufe mitfinanzieren, um Ihrem Kind den Wert des Zusammenlegens zu vermitteln.

Es ist einfacher, wenn man mit kleineren, wöchentlichen Summen beginnt, bevor man nach und nach die Häufigkeit verringert und die Beträge erhöht.

Wie oft?

Von größeren Anlässen (Geburtstage, Weihnachten usw.) abgesehen, dürften die wöchentlichen oder monatlichen Taschengeldzahlungen die beiden gängigsten Alternativen sein. Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass Ihr Kind umso besser vorausdenken und seine Ausgaben planen kann, je älter es wird. Es ist für das Kind einfacher, wenn man mit kleineren, wöchentlichen Summen beginnt, bevor man nach und nach die Häufigkeit verringert und die Beträge erhöht. Am wichtigsten ist es, eine Regel festzulegen und sich daran zu halten.

Sie sind die Bank!

Was tun, wenn die Spardose leer ist und Ihr Kind von Ihnen mehr Geld haben möchte? Man tut ihm sicherlich keinen Gefallen, wenn man diesem Wunsch so einfach nachkommt. Bleiben Sie standhaft und sprechen Sie mit ihrem Kind darüber, wie es mit seinem Geld umgeht. Geben Sie ihm Ratschläge zum besseren Umgang mit seinem Budget und vereinbaren Sie mit ihm eventuell die Gelegenheiten und Zeiten, zu denen die festgelegten Regeln erneut diskutiert werden können (zum Beispiel ein neues Schuljahr oder ein Geburtstag).

Falls die Ebbe in der Kasse auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen ist, können Sie Ihrem Kind einen Vorschuss geben, es aber gleichzeitig dazu verpflichten, Ihnen den entsprechenden Betrag zurückzuzahlen, sobald es dazu in der Lage ist. Auch die Aufnahme eines Kredits will erlernt sein! Natürlich sollte dies im familiären Rahmen bleiben und darf nicht zu einem Stressfaktor für das Kind werden. Versuchen Sie, die Angelegenheit spielerisch, aber zugleich lehrreich zu klären. Und vergessen Sie nicht, dass letzten Endes Sie die Autorität und das letzte Wort haben. Auch wenn es „sein“ Geld ist, gehört es zu Ihren Aufgaben als Eltern, Ihrem Kind von gefährlichen oder gesundheitsschädlichen Käufen dringend abzuraten bzw. diese zu verbieten.

Fazit: Ihrem Kind Taschengeld zu geben bedeutet nicht nur, ihm das Zählen beizubringen, sondern ihm auch höhere Werte wie Vorsorge, Verpflichtung, Teilen, Selbstständigkeit und vor allem Verantwortung zu vermitteln. Interessanterweise verhalten sich auch in ein und derselben Familie manche Kinder in Bezug auf Geld eher wie die Grille aus der bekannten Fabel und andere wiederum eher wie die Ameise. Ihrem Kind ein Taschengeld zu geben, ist ein Akt des Vertrauens, der es ihm ermöglicht, sich langsam aber sicher auf sein Leben als Erwachsener vorzubereiten.

 * ING International Survey 2014